Atomenergie

"Offen für Vorschläge zu mehr AKW-Sicherheit"

06. September 2010 19:04

Regierungschefin Iveta Radičová im STANDARD-Interview: Slowakei ist offen für Vorschläge aus Österreich

 Das Sicherheitskonzept für den Ausbau des AKWs Mochovce steht noch nicht definitiv. Die slowakische Regierungschefin Iveta Radičová ist im Gespräch mit Renata Kubicová offen für Vorschläge Wiens.

***

STANDARD: Wie sehen Sie die Beziehungen zwischen Wien und Bratislava?

Radičová : Historisch und langfristig gibt es keine Probleme. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, das Thema der Privatisierung des Flughafens Bratislava wieder zu öffnen - es ist mir klar, dass wir nicht mehr zurückkehren können zu den ursprünglichen Plänen, dafür ist schon zu viel Wasser verflossen, aber wir werden sicher versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Mit der Autobahnverbindung nach Wien ist Schwechat ein bisschen auch schon unser Flughafen geworden.

STANDARD: Die Umweltverträglichkeitsprüfung des AKWs Mochovce hat in Österreich für Bedenken gesorgt. Werden Sie sich anders als Ihr Vorgänger den Befürchtungen der Nachbarn stellen, oder bleiben die Entscheidungen in Kraft?

Radičová : Wenn in der Frage Mochovce schon alles entschieden wäre, würde hier kein Dialog mehr stattfinden, und es wäre auch nicht sinnvoll, dass die österreichische Regierung ihre Einwände zum Ausdruck bringt. Wir sind für Vorschläge und Diskussion immer offen. Ich habe in Kürze ein Treffen mit Vertretern slowakischer Umweltschutzorganisationen, und die sind vielleicht noch strenger als die österreichische Regierung. Es liegt voll in unserem Interesse, dass sich Vorfälle wie Tschernobyl nie mehr wiederholen werden. Deshalb werden auch alle diesbezüglichen Entscheidungen und Maßnahmen veröffentlicht, und wir werden offen sein für Vorschläge, die die Sicherheit dieses Atomkraftwerks erhöhen.

STANDARD: Die Slowakei bleibt aber bei ihrer Linie und wird die Atomkraftnutzung weiter ausbauen?

Radičová : Wir sprechen über Fertigbau - es wurde über keinen Neubau entschieden. Die Polemik ist auch nicht ganz eindeutig. Was schadet der Umwelt mehr? Wärmekraftwerke oder Atomkraftwerke? Unsere Entscheidung ist es aber, Strom nicht für den Verkauf zu produzieren, sondern nur für den Eigenbedarf.

STANDARD: Werden die Spannungen zwischen der Slowakei und Ungarn unter Ihrer Regierung abnehmen?

Radičová : Haben Sie nicht den Eindruck, dass es innerhalb der letzten Wochen schon Änderungen gab? Es gibt Streitfragen, ja. Dazu gehört sicher das ungarische Gesetz über doppelte Staatsbürgerschaft, auf das unsere Vorgängerregierung reagierte, indem sie eigene Bürger bestrafte. Wenn sie sich freiwillig für die doppelte slowakisch-ungarische Staatsbürgerschaft entschließen, verlieren sie die slowakische. Wir werden unsere Bürger nicht bestrafen, schon jetzt im Herbst werden wir dieses Gesetz abschaffen. Aber wir werden dennoch auf das ungarische Gesetz reagieren, denn es steht im Widerspruch zu unserem bilateralen Vertrag. Wir haben keinerlei Einwände gegen doppelte Staatsbürgerschaft, wir haben diese ja auch mit vielen Ländern - aber in einer Standardform, nach den Kriterien, die der Internationale Gerichtshof in Den Haag genau definiert hat. Wenn diese Kriterien Bestandteil des ungarischen Gesetzes sein werden, werden wir dieses Gesetz sehr gerne unterstützen. Wenn nicht, werden wir ein Gesetz annehmen, laut dem die doppelte Staatsbürgerschaft in dieser Form in der Slowakei nicht gilt.

STANDARD: Die Entscheidung der Slowakei, die EU-Griechenlandhilfe nicht zu unterstützen, hat kürzlich für Aufsehen gesorgt.

Radičová : Was schadet der EU mehr: Wenn es Raum für Dialog gibt, oder wenn stille Zustimmung mit zusammengebissenen Zähnen verlangt wird? Die Dinge beim Namen zu nennen ist doch kein Vergehen gegen die EU, im Gegenteil. Wenn Sie lange darüber hinwegsehen, dass Ihr Partner betrügt, dass er behauptet, ein Einkommen zu haben, obwohl er schon lange keines mehr hat, sich aber Geld borgt und es als Lohn nach Hause bringt, schadet er damit nicht der Familie? Falsche Solidarität lehnen wir ab, da sie auf einem Hinwegsehen über Probleme basiert.

STANDARD: Europaweit wird aktuell über Roma in Frankreich und deren Aussiedlung diskutiert. Auch die Slowakei hat ein Roma-Problem. Gibt es ein Lösungskonzept?

Radičová : Flugzeuge zu bestellen und die Roma umzusiedeln ist kein Konzept, keine Lösung. Die Slowakei hat dieses Problem 1989 noch multipliziert geerbt, in der kommunistischen Ära lautete die Lösung, die Roma in Plattenbausiedlungen zu konzentrieren wie Lunik 9 in Kosice. Das ergab Sprengstoff, den wir nicht von einem Tag auf den anderen beseitigen können. Die Lösung liegt in einem langfristigen, mühsamen Prozess der Integration der Roma in die Gesellschaft, in der sie ein gleiches Existenzrecht haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2010)

Iveta Radičová (53) ist seit 8. Juli 2010 die erste Ministerpräsidentin in der Geschichte der Slowakei. Die ausgebildete Soziologin, die auch in Wien als Gastprofessorin tätig war, leitet als Vizechefin der Slowakischen Demokratischen und Christlichen Union (SDKÚ) eine Mitte-rechts-Koalition.

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Wir sind die Guten !
07.09.2010 22:37
Na und?

Ist es dann kein Atomkraftwerk mehr?

amergut
07.09.2010 10:09
"Offen für Vorschläge zu mehr AKW-Sicherheit"

Es gibt kein "Mehr an Sicherheit" in der "Kern-Industrie".

"Die sollten lieber" schreiben, dass das Gefahrenpotential um ein "Alzerl" zurückgefahren werden kann, wenn "die Einrichtung" auf dem letzen Stand der Technik gehalten und das auch täglich "UpTo'datet" wird!

Derstandarddurchschnittsposter
07.09.2010 09:54

"offen für Vorschläge Wiens" - Ach ja, Österreicher sind ja Experten beim Betreiben von Atomkraftwerken.

Schneck4ever
07.09.2010 10:53

immerhin steht das sicherste AKW bei uns in Zwentendorf, oder?

bauchidgw
07.09.2010 09:42
cool

noch sicherer

knievel
07.09.2010 09:42

was soll den der schas?
was heisst "Offen für Vorschläge zu mehr AKW-Sicherheit"?
die dame sollte doch auch in ihrem und im interesse fürs eigene land dahinter sein dass sowas so sicher wie möglich ist.
sich hinzustellen und quasi gnadenhalber vorschläge anzunehmen ala 'na wenns euch beruhigt mach ma halt noch a bisserl mehr auf sicher' ist einfach nur deppert..

Mathias
 
07.09.2010 08:51
Es liegt voll in unserem Interesse, dass sich Vorfälle wie Tschernobyl nie mehr wiederholen werden. Deshalb werden auch alle diesbezüglichen Entscheidungen und Maßnahmen veröffentlicht, und wir werden offen sein für Vorschläge, die die Sicherheit ...

Das AKW Mochovce ist doch schon sehr sehr sicher! Sobald hier ein Testbetrieb angefahren wurde, hat der Computer automatisch auf "ausschalten" geschalten --> der Computer kennt die sicherste Betriebsvariante ;-)

Herr Plumm
07.09.2010 08:09
was soll da heissen "bereit"...

sind die bissl durch den wind???

Paolo64
07.09.2010 08:47
na ja, wenn Österreich zahlt halt...

ist politische Redensart ...

robert rittersmann
07.09.2010 06:37

es gibt nur einen Weg: Abschalten!
Auch dann bleiben noch Tausende Jahre Probleme, aber der Mensch würde den Willen zeigen, sich seiner Probleme zu stellen und nicht weitere Jahre sehr bewusst die gesamte Menschheit gefährden.

Mathias
 
07.09.2010 08:52
Was würde eigentlich mit dem Atommüll passieren,

wenn wir den mit einer Rakete Richtung Sonne schicken würden?

Chris Quast
09.09.2010 15:14

würde im verhältnis höchstens 1:2 mrd als bestandteil des sonnenwinds wieder auf das erdmagnetfeld, die erdatmosphäre auftreffen.

weiters kann man ja davon ausgehen, dass ein bruchteil der starts schief geht.

sagen wir einer in 500, wäre eh eine sensationelle fehlerquote, naja dann bekämen wir im schnitt 2 promille wieder zurück.

vale vale hat auch noch ein paar gegenargumente. (wobei ich mit einer von 500 nur geraten hab )

alles in allem viel zu teuer !!

nestrus
07.09.2010 10:33
Was würde eigentlich mit der Erde passieren,

wenn die Rakete einen Defekt hat und nach dem Start in ein paar Kilometern Höhe explodiert?

vale vale
07.09.2010 09:29
einige Argumente dagegen:

Die Nutzlastkapazität einer Sojus-Rakete beträgt etwa 7 Tonnen für einen Transport in einen 200km hohen Orbit. Die Sonne ist 149 Mio. km entfernt, da ist die Nutzlast entsprechend geringer.
Derzeitiges Nuklearmüllaufkommen sind allein aus Atomkraftwerken 12.000 Tonnen Atommüll pro Jahr. Spätestens die fünfhundertste Rakete würde abstürzen und als gigantische schmutzige Atombombe auf die Erde niedergehen.

Stahl_____666
07.09.2010 09:04
.

Technisch bei diesen Mengen dzt. nicht möglich und aufgrund des Space Acts von 1963 verboten.

Ansonsten wäre es eine endgültige Variante der Atommüllentsorgung.

natoll
07.09.2010 09:49

nicht nur wegen der mengen. passiert ja ab und zu das die shuttles in die luft fliegen. und dann hat man einen wunderschönen regen aus radioaktivem abfall quer über den globus verteilt.

michikklas
07.09.2010 07:57

Das Problem ist halt nur, dass deine Lösun
g keine Lösung für die Slowakei und viele andere Staaten ist.

Friedman Tobin
07.09.2010 03:09

Es gibt Menschen, die auch was wissen und tun (können) und Menschen die nur reden, jedem sagen, was er hören will, ansonsten aber nicht wirklich was wissen oder tun und vor allem immer schön geschickt intrigieren. Die zweite Gruppe von Menschen ist in der heutigen Welt leider zunehmend erfolgreich. Und zu genau dieser Gruppe von Menschen zählen diese Frau und ihr Vorgänger (Dzurinda). Hoffen wir mal, dass innerhalb der nächsten vier Jahre nichts Ernstes passiert, damit die weniger Informierten (insbesondere im Ausland) weiterhin in der Illusion leben können, dass diese Frau ein Genie ist.

Fatov
 
07.09.2010 01:02

Doris Bures ?

Chris Quast
07.09.2010 00:45

"Falsche Solidarität lehnen wir ab, da sie auf einem Hinwegsehen über Probleme basiert."

muß ein nettoempfänger das maul wirklich so weit aufreisen ???

Jens Kampe
06.09.2010 23:44
Bei aller Euphorie

Es ist ned entscheidend was gesagt wurde, sondern wer was sagt. Und in diesem Sinne ist diese Frau mitsamt deren Haltung zu ignorieren.

ravenna
06.09.2010 23:59

Bei Ihrem Posting ist dann ignorieren^3 angesagt. :-)

Jens Kampe
07.09.2010 19:29
Wieso das

Seien wir doch einmal ehrlich. Es ist nun einmal entscheidener wer und nicht was man sagt.

Beispiel: Als Faymann mit seinem Vorschlage einer Transaktionsteuer in Brüssel auftrat, schenkte ich de facto niemand Beachtung. Erst nachdem die deutsche Kanzlerin seinen Vorschlag aufgriff spurte man in Brüssel und beriet sich.

Und so schaut es auch in so ziemlich allen anderen internationalen Belangen aus. Das ist schlichtweg eine Tatsache die man leugnen sollte.

ravenna
07.09.2010 19:39

Wenn die slowakische Regierungschefin etwas zu einem slowakischen AKW sagt, stellen Sie das mit einer Forderung Faymanns zu einer EU-weiten Regelung gleich?

Wie soll man Sie eigentlich bei so einem Vergleich ernst nehmen?

Jens Kampe
07.09.2010 19:31
Korrektur

Die man natürlich nicht leugnen sollte. ;-)

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