Serie Echte Wiener

"Es wird zu den Engerln in den Himmel gefahren"

6. September 2010, 18:55
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    foto: apa/hochmuth

    Gekommen, um zu bleiben: "Piefke" Steffen Hofmann, demnächst 30 Jahre jung, nimmt sich vor, dereinst in Wien einmal zu sterben.

Steffen Hofmann aus Deutschland ist Fußballer und Kapitän von Rapid - Dem STANDARD erzählt er, warum er als Piefke in Wien picken bleibt

Es war im Juli 2002 und mein erster Eindruck von Wien war zumindest durchwachsen. Ich bekam ein Strafmandat, das empfand ich als ungerecht, denn ein Neuankömmling aus Kirchheim bei Würzburg muss das Kurzparksystem wirklich nicht durchschauen. Die Versöhnung setzte allerdings bereits am zweiten Tag ein. Als Fußballprofi fällt die Integration leicht. Man kommt in eine Mannschaft, ist sofort ein Teil davon. Als Fußballprofi, der sogar die Landesprache spricht, hat man es noch leichter, man kann sich sofort verständigen. Ich hatte einen Freundeskreis innerhalb der Rapid-Mannschaft, war also nie allein. Wobei ich gewisse Sprachschwierigkeiten nicht leugnen möchte.

Es gibt Ausdrücke und Wörter, da steige ich heute noch aus, da muss ich meine Frau Barbara fragen. Anfangs haben sie zu mir "Zniachterl" gesagt, ich konnte damit nichts anfangen, das hat sich mittlerweile aufgeklärt. Meine spätere Frau, eine waschechte Wienerin und Rapid-Anhängerin, die ich im ersten Jahr kennengelernt habe (2004 haben wir geheiratet), hat mir ein Wörterbuch Wienerisch-Deutsch besorgt. Ein Piefke ist absolut lernwillig.

In meiner Kindheit bin ich nie in Wien gewesen. Ich kannte sämtliche Klischees, die dieser Stadt anhaften. Und sie sollten sich mehr oder weniger bestätigen. Wien ist tatsächlich ein Museum, da werden Traditionen hochgehalten. Andererseits pulsiert die Stadt, sie entwickelt sich weiter. Der Wiener, natürlich nicht jeder, grantelt, ist schwer zugänglich. Lernt man ihn näher kennen, kann er durchaus herzlich sein.

Fremdenfeindlichkeit mir gegenüber habe ich nie erlebt. Ich bin halt der Piefke, das ist liebevoll gemeint, das fällt nicht unter Rassismus. Ich habe keine andere Hautfarbe, trage kein Kopftuch, weiß also wirklich nicht, wie es ist, wenn man schief angeschaut wird. Vor Wahlen fallen mir aber die vielen grauslichen Plakate auf.

Die Lebensqualität ist unheimlich hoch, man kann sich mit der Familie wirklich wohlfühlen, die internationalen Bewertungen stimmen. Ich wohnte zunächst im 13. Bezirk, dann im 19., jetzt im sechsten. Mir hat es überall gut gefallen. In Mariahilf ist die Infrastruktur toll, man hat alles in der Nähe. Kindergarten für meine beiden Töchter, Schule, Geschäfte, wir genießen das Leben mitten in der Stadt.

Gekommen, um zu gehen

Ich bin eigentlich damals gekommen, um irgendwann wieder zu gehen. Jetzt bleibe ich da picken. Und das ist gut so. Wie viel Wiener in mir steckt, weiß ich nicht. Ich bin hier zu Hause, kann mich mit den Menschen identifizieren. Natürlich bleibe ich auch der Piefke, meine Heimat ist Kirchheim, dort bin ich aufgewachsen, dort leben meine Eltern. Ich habe mich an den Rhythmus der Stadt gewöhnt, ohne mich groß zu verändern. Manchmal geht es zu gemütlich zu, vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Die Alternative wäre Hektik.

Rapid passt perfekt nach Wien. Der Verein legt ebenfalls Wert auf Tradition und versucht, zukunftsorientiert zu arbeiten. Die Fans nennen mich "Fußballgott", das halte ich für eine Übertreibung, aber ich bin stolz darauf. Es ist ein Ausdruck der Zuneigung. Dem Bürgermeister werfe ich vor, dass er Anhänger vom falschen Verein ist. Ansonsten steht die Stadt gut da, das Wetter wäre verbesserungswürdig.

Ich habe auch in München gelebt. Die Städte sind vergleichbar. Dort geht man in den Biergarten, hier zum Heurigen. Ich kenne das Wienerlied, da wird oft gestorben und zu den Engerln in den Himmel gefahren. Es trifft nicht ganz meinen Geschmack. Obwohl es wahrscheinlich ist, dass auch ich einmal in Wien sterbe. (Christian Hackl/DER STANDARD-Printausgabe, 7.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 53
1 2
Mirabeau
02
15.11.2010, 13:06
Sehr sympathisch, der Mann.

Trotzdem:
Als Austrianer muß ich das leider sagen: Etweder er integriert sich endlich und geht zur Austria oder die Fekter muß ihn ABSCHIEBEN.
;)

JoAn
00
Steffen Hofmann liebt Wien

Happy Birthday Steffen!
Hier erzählt Steffen, warum er Wien liebt:

http://www.youtube.com/user/stim... 4UJ8tRGFYM

meine freundin marion hat mir activia empfohlen
00
15.11.2010, 13:20

was ein piefke erzaehlt is in wien wuascht. SO schauts aus.

So Nina
02
Sympathisch

Bin kein Fußballfan, auch kein Rapid-Anhänger, aber dieses Interview macht Steffen Hofmann höchst sympathisch.

Wechselländer
00

Stimme zu!

legal eagle
 
00

ich auch.

el hottino
11
ja, ja.

Guter Mann, unser Kapitän.

SHFG!!!

lg

el hottino

Octopus Paul
00

EHVW!!

Josef III von Vulgarien
50

Hallo Weichbirne!

Falls du es noch nicht geschnallt haben solltest: hier geht's NICHT um Fußball!

Systemerhalter
00
nicht alle schnallen alles.

neee. hier geht um...moment.....ich lese nochmal nach......DOCH!
es geht um einen der ein fußballer ist.

TRockenmilch
00

sondern um kotzen?

el hottino
00

Ihre freundliche Anrede macht ihrem Nick alle Ehre.

Wie Sie erstaunlicherweise richtig erkannt haben, geht esum Steffen Hofmann. Und der ist - wie gesagt - ein guter Mann. Und - btw. - unser Kapitän.

Feldschwirl
00

liest sich wie n brainstorming... braucht man dazu nen journalisten?

Josef III von Vulgarien
20

fehlt nur mehr der Hinweis: "bezahlte Anzeige des einzig wahren Traditionsvereins"

legal eagle
 
02

austrianer?

muss ein schweres schicksal sein... sie wirken jedenfalls äußerst mitgenommen.

Oscar W
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AHA! ich hab das interview durchschaut!

das ist ganz klar eine unterschwellige botschaft um den häupl unbeliebt zu machen. sehr raffiniert, aber es ist ganz klar das hofmann gekauft wurde! und dann wagt er noch das wiener wetter zu kritiseren??? geht es noch???

aber sonst ist er echt ein toller kerl :)

Systemerhalter
31
Er ist unser Kapitän.

politisch verfolgt
10
exakt

kapitän und....richtig, fußballgott. :o)

Telejazza
02
Herr Hofmann ist Wiener...

Sehr geehrter Herr Steffen,
als zuagraster, der den Grant und den Schmäh der Wiener kapiert und auch den Heurigen und die Wiener Lieder kennt, sind Sie bereits ein echter Wiener, auch wenn Sie an Ihrer Sprache noch ein wenig arbeiten müssen.
Wer in dritter Generation in Wien lebt, ist kein echter Wiener...
;-)

*-_-*
02

sehr fein geschrieben. lässiger kerl!

root66
015
Steffen Hofmann ist und bleibt ...

... ein durch und durch sympathischer Mensch und tadelloser Sportsmann!

Chris_SM
00

Da kann auch ich als Austriaanhänger schwer widersprechen...

Ineressant finde ich, dass es eine (betuchte) Familie mit Kleinkindern von den noblen Grünbezirken 13 u. 19
nach Mariahilf zieht.

politisch verfolgt
00
am kommenden sonntag

wenn er ein paar eier ins nesterl der austria legt, werden sie ihn weniger sympathisch finden, hoffe ich. ;o)

Florello Jurtin
02

Seit Jahrzehnten bin ich Sturm Fan, seit einigen Jahren Hofmann Fan. Ein Fußballer der sich absolut abhebt von vielen seiner Kollegen. Gibt es noch einen, der vom abgeschotteten Nobel bezirk in den 6. zieht und das mit diesen Motivationsgründen.

Beamen bei Magnetstürmen
00

Als Rapidler kann man auch nur Sturm und Wacker Inssbruck fan sein -zumidest war das in meinen fußballplatzjahren 1975 - 1982 so.

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