Solidarität geht vor Profit

In der Stunde der Not fragt man nicht, warum ein EU-Mitglied vom Untergang bedroht ist

Beim jüngsten Treffen der 27 EU-Finanzminister sind der Slowake Ivan Miklos und der Tscheche Miroslav Kalousek in die Kritik geraten. Zu Recht. Beide gehören (noch sehr frischen) Regierungen an, die sich vehement gegen EU-Hilfe für Griechenland und auch gegen das ganze Euro-Rettungspaket ausgesprochen haben; obwohl es alle mitbeschlossen haben.

Miklos' Kollege, Außenminister Mikulás Dzurinda (ein Rechtsliberaler, wie er im Buche steht), verstieg sich gar zur Behauptung, die "Solidarität der Verantwortungsvollen mit den Verantwortungslosen" ermuntere nur die Populisten, Geld zu verschleudern und sich dann von der Gemeinschaft retten zu lassen. Das klingt vordergründig gut, verkennt aber den Charakter der Solidarität in einer Schicksalsgemeinschaft, wie sie die Euro-Zone nun einmal ist.

Eine solche fragt in der Stunde der Not nicht, warum ein EU-Mitglied (besser: die Menschen in Griechenland) vom Untergang bedroht ist, bzw. wir das in einer Kettenreaktion vermutlich alle sind. Zuerst muss man retten, kooperieren, Lasten aufteilen. Man lässt ja auch ein Unfallopfer nicht auf der Straße verbluten, nur weil es leichtsinnig gefahren ist.

Erst dann kann man die richtigen Konsequenzen ziehen, wie das mit der Verschärfung des Stabilitätspaktes geplant ist. Zuvor jedoch sollten die Dzurindas dieser Union das Einmaleins der EU lernen: Solidarität geht über Profit. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)

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Können die das auch den Konzernen sagen?

Unsinn

Was für ein schwachsinniger vergleich. Bei einem Unfallopfer geht es um Leben und Tod. Bei Griechenland geht es um Hilfe für einen hemmungslosen Betrüger. Es scheint, daß Hr. Mayer meint es müsse eine Solidarität mit Betrügern geben. Eine seltsame Auffassung. Diese Meinung teile ich nicht und mit mir die mehrheit der Europäer. Es gibt sogar im Wirtschaftsleben die Grundregel:Mach nie mehr Geschäfte mit einem Gauner, gib einem Betrüger keine zweite Chance. Bravo Tschechien und Slowakei.

Ich finde diesen Satz genial:

"In der Stunde der Not fragt man nicht, ..."

Da kann man soviel einsetzen:

... warum Millionen Europäer in die Dauerarbeitslosigkeit und damit in die psychische und soziale Verwahrlosung abdriften.

... warum Menschen in nicht seetüchtigen Booten vor Europa absaufen.

... so viele Menschen Wasser aus dreckigen Flüssen trinken müssen.

Soll ich lachen?

Euro-Rettung durch Nicht-Euro Mitglieder?

Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, die EU-Hilfe für Griechenland würde durch die Euro-Staaten geleistet - zumindest das beschlossene bilaterale Kreditprogramm betrifft 15 Euro-Staaten. Kennt jemand die Anteile anderer Nicht-Eurostaaten (England, Polen etc) am Euro-Rettungspaket? Was ist so verwerflich daran, dass sich Tschechien, welches nicht wirklich daran denkt in Bälde den Euro einzuführen, weigert, für dessen Rettung zu zahlen?

Ganz egal ob das Geld an Banken und die Rüstungsindustrie geht -

wenn der Staat etwas macht ist es richtig und solidarisch, nicht so wie die böse freie Marktwirtschaft

Guter Kommentar.

Eine Umschuldung Griechenlands wäre wohl besser gewesen, aber man entschied sich nun mal für die Rettung.
Das kann man machen, aber nur alle gemeinsam oder man lässt es gleich ganz bleiben.
Es geht bei der Sache ja nicht mehr nur um Griechenland.

Daß sich EU-Neulinge wie Cs und Sk, immerhin Euromitglied, nur die Rosinen rauspicken wollen ist äußerst unsolidarisch, weniger gegenüber den Griechen, sondern gegeüber allen anderen Nettozahlern und Geberländern des Rettungsfonds.
Bleibt nur zu hoffen, daß sich diese ein langes Gedächtnis zulegen werden.

.

Die Eurozone ist aber keine Schicksalsgemeinschaft sondern eine Wirtschaftsgemeinschaft und das ist ein grosser Unterschied. Ich kann mir nicht vorstellen, daß CZ oder SK sich weigern würden, Hilfe bei Waldbränden oder Erdbeben zu senden.
Wer aber bewusst auf Kosten anderer lebt hat seine Solidarität verspielt und das ist auch recht so.

Recht haben sie die Tschechen und Slowaken

Warum sollen sie als die ärmeren für die Griechen spenden, die sich nur ärmer darstellen weil sie im größt möglichen Stil Steuern hinterziehen. Etwas für das es in jedem anderen Land Gefängnis setzt, der Griechische Staat aber duldet um uns mehr Geld für seine Parteibonzen abzuluxen.

es ging nur um Profit

die federführenden großen EU-Staaten Deutschland und Frankreich hatten Angst um ihre Banken und ihre Rüstungsindustrie. Am Ende auch um den Euro. Aber Solidarität oder gar Mitleid hat da keine Rolle gespielt. Warum auch? Der Vergleich mit einem Unfallopfer ist ja total falsch: Griechenland ist noch immer ein souveräner Staat und hätte einfach den Schuldendienst einstellen und die Eurozone verlassen können. Eine schwache DrachmeII hätte den Export angekurbelt und - bei Vollbeschäftigung - wäre Griechenland von selbst wieder auf die Beine gekommen. Nur hätte dann die Deutsche Bank mit Steuernmitteln gerettet werden müssen und das Wirtschaftswachstum in Deutschland wäre jetzt +/- 0. Also alles nur um des eigenen Profits willen, sonst nix.

griechenland ist aber kein leichtsinniges unfallopfer.
sondern hat sich definitiv (mithilfe frisierter zahlen) in diese situation hineingelogen.

und die rettung durch die gesamteuropäischen steuerzahler entspricht nicht dem bergen des leichtsinnigen, aber urarmen unfallopfers,
sondern setzt den steuerzahler unter den zwang,
dem "leichtsinnigen" fahrer das ergaunerte fahrzeug zu ersetzen, damit seinen hehlern und drogendealern (denn zockergier ist ja eh nix anderes als eine sucht, und hohe gewinnversprechen machen ebensüchtig) nur ja kein verlust entsteht..

und das gemeine volk kann ja eh nicht so gut rechnen wie banker oder rüstungskonzerne.

Solidarität mit wem?

Mit deutschen und französische Banken, Rüstungskonzernen, Versicherungen, Chemiefirmen! aber sicher nicht mit den Betroffenen Griechen. Die Tschechen und Slowaken sind doch klüger ...

Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Griechenland ist kein Unfallopfer, sondern ein Bilanzfälscher und verantwortungsloser Schuldner. Besser würde der Vergleich mit ENRON oder ähnlichen Unternehmen passen. Weiters war bis vor kurzem der Bail-out einzelner Staaten im EU-Vertragswerk nicht vorgesehen. Die EU kann sich nur entwickeln und von ALLEN Mitglieder uneingeschränkt anerkannt werden, wenn das Vertragswerk ("Verfassung") von allen immer eingehalten wird und nicht willkürlich, wenn es gerade für ein paar (große) Mitglieder opportun ist, über den Haufen geworfen wird.

Sehr geehrter Herr Mayer

Griechenland hat, trotz drohender Insolwenz, auch heuer 7,84 Miliarden € zum Einkauf neuer Waffen in die Hand genommen. Diese Aufrüstung wurde so gut wie von den Steuerzahlen der Eurozone finanziert.
Ist das Ihnen recht?
Glauben Sie, auch im Licht dieser Tatsache, dass die Tschchen und Slowaken Unrecht haben, wenn sie das Griechenland-Rettungspaket kritisieren?

War ja eine der von Frankreich und Deutschland gestellten Bedingungen

für das Zustandekommen des Rettungspaketes, dass bestehende Waffendeals zwischen Griechenland und diesen Ländern in der vereinbarten Weise abgewickelt werden!

*

Und wer liefert die Waffen!?

Zu über 70% kommen diese von GR gekauften Waffen aus anderen EU-Ländern! Somit werden wieder die Gewinne der Reichen Länder auf die Rechnung von Armen geschrieben.

Also erst mal informieren...

Nicht "reiche Länder" schreiben ...

... der Staat sieht davon das wenigste Geld. Das wandert in die Säckel der Besitzer der Waffenfirmen.

Liebe Grüße

Toll

dann sind die Zahlungen innerhalb des Griechenlad-Rettungpaketes wohl gerechtfertigt...:-))

Ich glaube, das letzte Mal, als in diesem Lande

so viel von "Schicksalsgemeinschaft" gesprochen wurde, war es allgemein als "Ostmark" bekannt.

solidarität beim zahlen hat mit hilfe nichts zu tun in diesem fall.

sondern nur mit der rettung von deutschen und französischen banken, die sich mit den griechischen staatsanleihen die finger verbrennen würden. man hilft den banken und nicht den menschen in griechenland. durch die sparmassnahmen wegen der "rettung" , kommen die durchschnittsgriechen in die armut.

den reformunfähigen griechen hätte ich auch keinen cent gegeben. allein dass da einige eu-flaggen in athen verbrannt haben und solche geschichten. das ist unwürdig.

die hätte man normalerweise hochkant aus der währungsunion bzw. sogar der eu schmeissen müssen für ihre betrügereien. aber nein, wir schmeissen den griechen lieber milliarden nach.

natürlich hätte der rausschmiss so erfolgen müssen, dass die rest-eu möglichst wenig kollateralschaden nimmt. aber besser ein ende mit schrecken als...

Ich würde mir hier in Ö

auch Politiker wünschen, die mal ernsthaft über das Bankenhilfspaket nachdenken. Politiker die die Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen. Politiker die den Wählerwillen ernst nehmen. Ich denke die Slowaken und Tschechen haben eine neue Generation von Politikern, die ohne Proporz, Freunderlwirtschaft und sonstiger Alpenkorruption auskommen. Warum wählen wir diese Politik-Heinze denn noch ??

Schäner Satz: solidarität geht über profit.

Sehen das die Banken genauso?

Ich denke eher, die verlassen sich da drauf, dass alle anderen das so sehen

Aus Solidarität wird eh nur denen abgeknöpft, die eh kaum was haben - der Rest wird subventioniert (speziell die Schwerverdiener); sei es über Steuerbegünstigungen oder direkte Zuwendungen

so schafft man vertrauen!

daß es da (von den euro-teilnehmern akzeptierte) regeln (inkl. sanktionen) gab und gibt,
interessiert die euro-fanatiker und eurokraten einen feuchten dreck.

Mensch Mayer!

Soweit mir bekannt ist, ist die Euro-Zone keine Schicksalsgemeinschaft sondern eine Währungsunion.

Die Position von Alexander M. Swoboda ist auch die meine: Haircut. Gut, das würde auch Pensionsfonds treffen. Aber nicht nur diese. Ich sehe nicht ein, dass schon wieder ausschliesslich die Steuerzahler die Verluste der Spekulanten ausgleichen sollen.

Die Argumentation der slowakischen Regierung ist schlicht und einfach richtig. Warum sollen die wesentlich ärmeren slowakischen Steuerzahler den Griechen helfen? Seit Jahren kassieren die Griechen mehr EU-Hilfe als die Slowaken. Jahrelang meldeten die Griechen falsche Zahlen an die EU. Korruption ist dort ebenso wie es wilde Mülldeponien sind akzeptierter Alltag.

seh ich auch so.

sobald irgendein ähnlicher missstand in der slowakei auftritt bin ich dafür die gelder so weit zu kürzen dass sie nettozahler sind, man lernt doch vom beispiel gr.

bin mir sicher da müsste sich was finden lassen !!!

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