Solidarität geht vor Profit

In der Stunde der Not fragt man nicht, warum ein EU-Mitglied vom Untergang bedroht ist

Beim jüngsten Treffen der 27 EU-Finanzminister sind der Slowake Ivan Miklos und der Tscheche Miroslav Kalousek in die Kritik geraten. Zu Recht. Beide gehören (noch sehr frischen) Regierungen an, die sich vehement gegen EU-Hilfe für Griechenland und auch gegen das ganze Euro-Rettungspaket ausgesprochen haben; obwohl es alle mitbeschlossen haben.

Miklos' Kollege, Außenminister Mikulás Dzurinda (ein Rechtsliberaler, wie er im Buche steht), verstieg sich gar zur Behauptung, die "Solidarität der Verantwortungsvollen mit den Verantwortungslosen" ermuntere nur die Populisten, Geld zu verschleudern und sich dann von der Gemeinschaft retten zu lassen. Das klingt vordergründig gut, verkennt aber den Charakter der Solidarität in einer Schicksalsgemeinschaft, wie sie die Euro-Zone nun einmal ist.

Eine solche fragt in der Stunde der Not nicht, warum ein EU-Mitglied (besser: die Menschen in Griechenland) vom Untergang bedroht ist, bzw. wir das in einer Kettenreaktion vermutlich alle sind. Zuerst muss man retten, kooperieren, Lasten aufteilen. Man lässt ja auch ein Unfallopfer nicht auf der Straße verbluten, nur weil es leichtsinnig gefahren ist.

Erst dann kann man die richtigen Konsequenzen ziehen, wie das mit der Verschärfung des Stabilitätspaktes geplant ist. Zuvor jedoch sollten die Dzurindas dieser Union das Einmaleins der EU lernen: Solidarität geht über Profit. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)

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