Das Skylink-Debakel könnte den gesamten Flughafen-Vorstand den Job kosten, der Rechnungshof-Rohbericht beflügelt diesbezügliche Ambitionen
Das Skylink-Debakel könnte den gesamten Flughafen-Vorstand den Job kosten. Der Rechnungshof-Rohbericht beflügelt diesbezügliche Ambitionen des Aufsichtsrats. Der Vorstand sei "unfähig" gewesen.
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Wien - Der Rohbericht des Rechnungshofs zum Skylink am Wiener Flughafen löst erwartungsgemäß hektische Betriebsamkeit aus. Hinter den Kulissen, davor gibt man sich geduldig.
Die Landeschefs Erwin Pröll (Niederösterreich; ÖVP) und Michael Häupl (Wien; SPÖ) wollen den Rohbericht über den Flughafen-Terminal, dessen Kosten von 560 auf mehr als 830 Mio. Euro auf explodiert sind, weder veröffentlichen noch kommentieren. Häupl betont, bei "Fehlhandlungen" werde man Konsequenzen setzen, Pröll will keinen "Hüftschuss" abgeben, man werde sich genau mit dem Bericht auseinander setzen. Die Opposition kritisiert die Diskretion, Grünen-Stadtrat David Ellensohn forderte Häupl auf, den Rohbericht dem Stadtsenat "umgehend zur Verfügung zu stellen" , Häupl habe nur das Ziel, den Rohbericht erst nach der Wien-Wahl öffentlich werden zu lassen.
Der Vorstand der Flughafen AG (je 20 Prozent halten Land Wien und Niederösterreich) hat nun einen Monat Zeit, dem Rechnungshof (RH) seine Stellungnahme zu dem rund 350-seitigen Rohbericht zukommen zu lassen. Der Aufsichtsrat der Flughafen AG unter Führung von Anwalt Christian Herbst (ÖVP-nah; seine Stellvertreter sind die roten Ex-Banker Alfred Reiter und Karl Samstag) wartet nicht so lange zu. Der Austausch aller Vorstandsmitglieder wird immer wahrscheinlicher.
Am Freitag müssen die Flughafen-Chefs Herbert Kaufmann (rot), Ernest Gabmann (schwarz) und Gerhard Schmid (rot) den Kontrolloren zunächst einmal Rede und Antwort stehen. Laut einem Aufsichtsratsmitglied, das den "penibel recherchierten" RH-Bericht schlicht "vernichtend" nennt, soll danach alles schnell gehen.
Innerhalb von ein bis zwei Wochen werden man über personelle Konsequenzen entscheiden. Denn der Rohbericht zeige, wie "unfähig der Vorstand beim Skylink" vorgegangen sei.
Die Kritikpunkte der Prüfer reichen, wie berichtet, von schlechter Vorbereitung, unkontrollierter Planung bis hin zum Ignorieren von Warnungen. Zudem soll das Management schon vor dem Spatenstich 2005 von Planungsproblemen bei der Haustechnik gewusst haben. Doch statt mit dem Baubeginn zuzuwarten, habe der Flughafen (damals war auch Christian Domany im Team) die Haustechnik einer Arbeitsgemeinschaft übergeben, worin der RH laut Kurier einen "schweren Fehler" sieht. Laut Flughafen-Chef Kaufmann habe man aber die "die besten Experten der Baubranche ins Projekt geholt" .
"Kahlschlag" im Vorstand
Im Aufsichtsrat wird trotzdem schon von der völligen Neubesetzung des Vorstands gesprochen, "ich wäre für einen Kahlschlag" , sagt ein Beteiligter unromantisch. Hinter Kaufmann steht außer der Wand schon länger niemand mehr, laut Involvierten sei es "nur eine Frage der Zeit, bis Schmid die Unterstützung der Stadt Wien verliert. Und wenn Schmid geht, geht Gabmann auch" , heißt es.
Die Personalia für danach werden in den politischen Gremien von Wien und Niederösterreich längst verhandelt; von essentieller Bedeutung wird der Ausgang der Wiener Wahl sein. Sollte die SPÖ die Absolute verlieren, könnte die jetzige Vize-Bürgermeisterin und Finanzstadträtin Renate Brauner an der Flughafen-Spitze landen, aber auch Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker wird als Vorstandsmitglied gehandelt. (gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)