300 Jobs wackeln

ÖBB-Nahverkehr bald schaffnerlos

Luise Ungerboeck, 6. September 2010, 18:02
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    foto: apa/herbert p. oczeret

    ÖBB-Schnellzüge werden künftig nicht schaffnerlos sein, dafür aber möglichst viele Nah- und Regionalzüge. Um Kosten zu sparen, werden Fahrgäste ohne Aufsicht unterwegs sein.

Die ÖBB will Nahverkehrszüge künftig vermehrt ohne Zugbegleiter führen - es sei denn, die Verkehrsverbünde zahlen mit

Der ÖBB-Personenverkehr will Nahverkehrszüge künftig vermehrt ohne Zugbegleiter führen - es sei denn, die Verkehrsverbünde zahlen mit. Bis zu 300 Schaffner-Jobs wackeln.

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Wien - Die von der Eisenbahnbehörde im Verkehrsministerium im Oktober erteilte Erlaubnis, österreichweit alle Züge schaffnerlos zu fahren, zeigt Wirkung. Der ÖBB-Personenverkehr will den Freibrief nutzen und künftig deutlich mehr Personennah- und Regionalzüge ohne Zugbegleiter führen als bisher.

Wie aus dem STANDARD vorliegenden Unterlagen des mit der Materie befassten ÖBB-Projektaufsichtsrats hervorgeht, will der ÖBB-Personenverkehr seinen Fahrbetrieb so automatisieren und umstellen, dass gut 380 Zugbegleiter wegrationalisiert werden könnten - das ist fast ein Drittel der insgesamt 1200 Zugbegleiter im Nah- und Regionalverkehr. Davon nur knapp hundert will der ÖBB-Personenverkehr für Kontroll- und Hilfsdienste erhalten.

Nicht betroffen von der Rationalisierungsmaßnahme, die der ÖBB-Personenverkehr-Aufsichtsrat erst absegnen muss, sind Züge, die für den Null:Null-Betrieb technisch nicht gerüstet sind (weil sie keine selektive und sensitive Türsteuerung haben). Eurocity, Intercity, ÖBB-EC und andere Schnellzüge werden weiterhin mit Zugbegleitern geführt, denn die Bahn will dort bekanntlich mit erhöhter Servicequalität punkten.

Wie die Staatsbahn zunehmendem Vandalismus, Belästigung der Kunden durch alkoholisierte Fahrgäste und anderen Unannehmlichkeiten Herr werden will, wenn in Schnellbahnen und Regionalzügen kein Personal mehr anwesend ist außer dem Lokführer (der während der Fahrt aber weder Einblick in noch Zutritt zu den Waggons hat), darüber schweigt man sich bei der Bahn aus. Im November hatte ÖBB-Personenverkehr-Chefin Gabriele Lutter allerdings erklärt, Verkehrsverbünde und Länder müssten Service- und Kontroll-Mit-arbeiter künftig mitfinanzieren - wie dies in Tirol bereits der Fall sei.

ÖBB-Holding-Chef und Personenverkehr-Aufsichtssratschef Christian Kern schwächt ab: Die schaffnerlose Zukunft sei keineswegs beschlossen, und es sei auch nicht fix, dass 380 Zugbegleiter wegrationalisiert würden.

Faktum ist auch, betont man bei der Bahn, dass der Null:Null-Betrieb nicht ohne Begleitmaßnahmen eingeführt werden kann. Dazu gehören Hinweisschilder, Warnhinweise bei jeder Tür und auf den Bahnsteigen sowie automatische Durchsagen in besonders kritischen Haltestellen. Darüber hinaus sollen Loks mit Megafonen ausgerüstet werden, um den Fahrgästen gut hörbar Anweisungen geben zu können. Auch der Hinweis auf den Sicherheitsnotruf ("Bahnnotruf) soll flächendeckend affichiert werden.

Holding schafft an

Kein Stein auf dem anderen bleibt auch im Rest des ÖBB-Konzerns. Neo-Holding-Chef Christian Kern weiß nach der abgelehnten Kapitalerhöhung zwar noch immer nicht, woher die gut 300 Millionen Euro für die letzte Tranche von 16 Railjet-Schnellzuggarnituren und den Ausbau der ÖBB-Kraftwerke kommen sollen, dafür rührte er in seinen ersten hundert Tagen kräftig um. So schafft künftig die Holding an - zumindest, soweit dies das Aktienrecht zulässt. Die Eckpunkte des Kurswechsels sollen in der Holding-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag beschlossen, am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert und dann in den Aufsichtsräten der Teilkonzerne fixiert werden. Damit schafft die Holding an, wo es im ÖBB-Konzern langgeht.

In der Bahn wächst unterdessen der Frust, denn Kern will in den laufenden ÖBB-Lohnverhandlungen nicht einmal die Inflation abgelten. Darüber werden die rund 43.000 Eisenbahner ab 20. September in Versammlungen informiert. Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl will eine "faire Nulllohnrunde" mit Inflationsabgeltung von wenigstens 1,8 Prozent für Gehälter unter 4100 Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)

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Cuchullain
00
Die ÖBB will Nahverkehrszüge künftig vermehrt ohne Zugbegleiter führen

Es lebe das Schwarzfahren!

schokojunkie
00
12.9.2010, 18:50

Yeah ich freu mich schon drauf ^^

Nothing Hill
00

so ist es, sogar ohne alternative, kein automat in hallstatt, kein schaffner im zug ....

problem nur, dass dann die strecken wegen zu geringer auslastung eingestellt werden, oder die länder dafür bluten müssen ...

Nachtsonne
00
19.9.2010, 21:44
wenn die gemeinden die kosten tragen müssen

können arbeitsverpflichtete arbeitslose als kontrollore bereitsstellen.

sonst sovielleicht vorverkauf.

ein schild, bahnhof wurde wegen schwarzfahrerei aufgelassen.

die fahrgäste könnten einander kontrollieren gegen provision.

Idefix07
02
Farbwechsel

Zuerst haben die schwarz/blau/roten Schüssels, Gorbachs, Kukackas & Co die ÖBB demoliert und nun setzen die roten Faymann, Bures', Kerns, Lutters & Co bei dem fort, was gerade noch übrig geblieben ist. Sämtliche "Reformen" dienten nur dazu, den Wasserkopf immer größer werden zu lassen und diee Politgünstlinge zu versorgen und im Gegenzug dazu den "kleinen Mann" systematisch zu demontieren. Im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben dabei die Bahnkunden, auf deren Rücken das ausgetragen wird.

Und wenn der Herr Faymann schon so gerne von "sozial verträglich" tönt: Wo bleibt die soziale Verträglichkeit für jene, dis sich kein Auto leisten können oder aus altersgründen dürfen, wenn Bus und Bahn systematisch demoliert werden???

whitelawyer
01
Ein Skandal, eigentlich eine Sauerei

ruiniert von unfähigen Politikern und Management. Bei den derzeitigen Verspätungen, Vandalismus, Betrunkenen, Anpöblern in vielen Zügen grenzt das Vorhaben an Fahrlässigkeit. Nur weil die Jobs nicht in allen Fällen zufriedenstellend wahrgenommen wird, kann das nicht zur Abschaffung führen!!

FaithlessVoid
11

Ich frag mich schon seit langer Zeit, wofür die Schaffner überhaupt da sind - vor allem im Nahverkehr.

Sagen die nächste Station an - anstatt dem Tonband (!!!)

Kontrollieren Fahrscheine - ca. so häufig wie man von Schwarzkapplern in den Wr. Linien kontrolliert wird

Geben dem Lokführer in der Station irgendein Wegfahr-Zeichen (wozu?)

Daseinsberechtigung: 0

R. Lexer
01

Die wesentliche Daseinsberechtigung der Zugbegleiter: Der Triebfahrzeugführer kann aus dem Seitenfenster nicht alle Türen überblicken, insbesondere wenn der Bahnsteig auch noch in einem Gleisbogen ist. Da würde ich den Zug auch keinen Meter bewegen wollen.

koelli
00
ÖBB bald schaffnerlos....Führungs- und Richtungslos sind sie ja schon länger

Maxengine
01
5 ÖBB Consulter/Berater/Manager... weniger und schon könnten Millionen von Euro eingespart werden...net schlecht was?

Die ÖBB besteht bald nurmehr aus Managern und Consultern. Arbeiter gibts keine mehr....

Cuchullain
00
Ist bei vielen staatsnahen Betrieben so, ...

... ebenso bei den ausgelagerten AGEnturenS

stolzer Austrianner 2
00
super, schwarzfahn, hihi

FFluXXuSS
01
Wenn dann so eine Garnitur mit defekter Klimaanlage mit versperrten Fenstern bei 37°C auf der Strecke stehen bleibt, kann ja wer im Büro schon die Gutscheine stempeln.

Einsparen kann man ums gleiche Geld eine Handvoll Vorstände, oder?

Grantscherben
03

Klassisches Aushöhlen an der Basis damit für die Boni mehr überbleibt.

die gelben fuer at
01
neulich im nachtzug linz-wien

rechtsradikale ostdeutsche tyrannisieren einen ganzen zug, gröllen n*zi parolen und treten gegen wände und türen.

schaffner? versteckt sich in seinem abteil weil er angst hat. auf anfrage beim aussteigen warum er nichts unternommen hat: "wie komme er dazu sich mit randalieren anzulegen".

wäre ein leichtes hier die polizei anzurufen und die randalieren beim nächsten bahnhof abführen zu lassen wenn er sich selbst schon zu gut ist der gut.

wo ist da die daseinsberechtigung der herren?

fredi 1990
00
10.9.2010, 20:25
vom anderen verlange, selber den schwanz einziehen!

dasmiez
01

Wobei es Ihnen auch jederzeit möglich gewesen wäre, die Polizei darüber zu verständigen. Ob sie was machen, sei dahingestellt, aber auf einen Versuch kann man es doch ankommen lassen, oder?

borake
00
vor kurzem noch werbung für zugbegleiterInnen machen... und dann gleich entlassen... ich hoffe es zeigt sich jemand solidarisch mit den seit einiger zeit wirklich sehr freundlichen und hilfsbereiten zugbegleiterInnen!

borake
00
na geh das müssen die gekündigten schon verstehen! bitte wie sollen sich sonst die berater gehälter ausgehen... und man muss nun mal marktwirtschaftliche prioritäten setzten tztztz

Josef Obermaier
50
Alles in allem wäre wohl flächendeckendes taxifahren billiger als der Moloch ÖBB

Der unnötige Nahverkehr ("Geisterzüge") muss durch flexible Buslinien ersetzt werden.

Der nicht konkurrenzfähige Fernverkehr soll an die Regionalfluglinien abgegeben werden.

Einzig im mittleren Streckenbereich auf Hauptstrecken und in der Güterbeförderung hat eine radikal abgespeckte, besser nach Konkurs neu gegründete, Eisenbahn eine letzte Daseinsberechtigung.

Aber keine Angst, auch diese wird die geschützte Werkstätte der Gewerkschafter und Frühpensionisten bald verspielt haben.

sterngucker
 
00
Von Wasserkraft gespeisten Verkehr durch Diesel- und Kerosinverbrennen ersetzen?

Guter Mann, wir schreiben 2010, nicht 1970. Sie scheinen ein Klimaproblem verschlafen zu haben.

Richtig wäre eine Aufwertung und Attraktivitätssteigerung der Bahn auf - im wahrsten Sinn des Wortes - allen Linien. Dazu wären allerdings Politiker mit Rückgrat und das Feuern aller Bahnmanager samt Beratern nötig.

Quim Barreiros
00

Und ob der FV konkurrenzfähig ist, wird man ab Dezember eh sehen.

Quim Barreiros
02

Diese "flexiblen Buslinien" gibt es nicht. Wenn in Österreich eine Eisenbahn schon wenige Fahrgäste hat, hat danach der Busverkehr (wenn es ihn überhaupt gibt) noch viel weniger Fahrgäste, weil die "Vekehrsplaner" (von welcher Baumschule auch immer die kommen) leider Grundlagenwissen über ÖV nicht haben und das Angebot noch mieser ist.

Der lustige aus dem zweiten Stock
 
00
Millionen

Dem einem schieben wir die Millionen hinten rein und der kleine mann zieht die PIEPkarte ! Danke Oebb .

Marquis
01
Nebenstrecken einstellen, Schaffener entlassen und trotzdem braucht ÖBB 300 Millionen

Wofür wird eigentlich das ganze Geld bei der ÖBB ausgegeben? Sie reduzieren beinahe jährlich die Fahrpläne, stellen Nebenbahnen ein und verteuern die Tickets. Außer Bahnhof-Bauten bringt dieses ÖBB Management nichts mehr zusammen.

Wo eingespart werden kann ist beim unfähigen Management, den Beraterhonoraren und wahnwitzigen Spekulationsgeschäften.

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