Mailand - "Die Regierung in Wien würde ein Eigentor schießen, sollte sie die Bankenabgabe einführen." Alessandro Profumo, Chef der Bank Austria Mutter UniCredit, nahm sich in einem Gespräch mit Auslandsjournalisten kein Blatt vor den Mund. Wien würde seine Position als "Drehkreuz" für das Osteuropageschäft verlieren, sollte eine entsprechende Abgabe eingeführt werden, stellte er erneut klar.
Profumo verwies dabei auf die "doppelten Steuerkosten" welche durch die Abgabe in Ungarn entstehen. "Sollte die Regierung die zur Diskussion stehende Steuer aber nur auf Finanztransaktionen und Bankgeschäfte in Österreich begrenzen, würde sich dies auf das UniCredit-Geschäft nicht so stark auswirken." Das heißt, dass UniCredit dann das Osteuropageschäft weiterhin von Wien aus leiten würde.
UniCredit steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik, da der Wüstenstaat Libyen inzwischen mit gut sieben Prozent zum größten Aktionär der Mailänder Großbank aufgerückt ist. "Wir haben die Libyer nicht darum gebeten ihre Beteiligung aufzustocken", meinte der Bankchef und verwies darauf, dass die UniCredit-Anteile im Monat August am Markt erworben wurden.
UniCredit wird noch heuer in Libyen eine Filiale eröffnen und dort im Retail- und Corporate-Geschäft tätig sein. Libyen sei "ein Wachstumsmarkt par excellence".
Für UniCredit stehen in den nächsten Wochen mehrere Entscheidungen an. Unter anderem haben bereits die Verhandlungen über den Verkauf des Vermögensverwalters Pioneer mit "zahlreichen Interessenten" begonnen. Auch soll die Mehrheit des Fußballvereins AS Roma abgegeben werden. Die Bank Rothschild habe bereits mehrere Interessenten sondiert.
Was die allgemeine Wirtschaftssituation in Italien betrifft, kritisierte der UniCredit Chef mangelnde Maßnahmen der Regierung, um das Wachstum zu unterstützen. Vor allem bei der Durchführung von Infrastrukturprojekten, deren Finanzierung bereits gesichert ist, sei Rom im Verzug. (tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)