Länder

Erwin Pröll bringt sein Lehrer-Papier nicht durch

06. September 2010 23:01
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    Foto: der standard/corn

    Ist der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (li.) über die anderen Landeshauptleute drübergefahren? Über den Wiener Bürgermeister Michael Häupl sicher nicht.

Die Länder wollen für alle Lehrer zuständig sein - Aus einer lautstarken Forderung in einem neuen Papier von Erwin Pröll machten die anderen Landeshauptleute einen leiseren Wunsch nach Verhandlungen mit dem Bund

Wien - Nicht genug, dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sich hartnäckigst weigert, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) die Kompetenzen über alle Lehrer zu geben, sondern weiterhin auf Bundeskompetenz beharrt, was Pröll als "herzig" abtat - am Montag fuhr ihm noch eine weitere Frau in die Parade. Eher hart als herzig: Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) stoppte - mit ihrem Kärntner Kollegen Gerhard Dörfler (FPK) - Prölls Verländerungsvorstoß in der Landeshauptleutekonferenz.

Dort konfrontierte Pröll als amtierender Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz seine sieben Kollegen und die einzige Kollegin mit einem Papier, das seinen Wunsch nach "Verländerung" aller Lehrer in den Status einer Forderung an die Regierung heben sollte - und scheiterte an Burgstaller und Dörfler.

"Es war ein Affront, was Erwin Pröll da gemacht hat", sagte Burgstaller im Standard-Gespräch: "Sowas gehört sich nicht." Es habe schon damit begonnen, dass die Causa prima dieser Tage, die Schulreform, bei einer Konferenz zur Verwaltungsreform nicht einmal auf der Tagesordnung war.

Dörfler sprach von einem "Versuch des Drüberfahrens" mit einem Papier, das vorher niemand gesehen habe, dem er sich nicht habe beugen wollen. Da die LH-Konferenz nur einstimmige Beschlüsse treffen kann, war Prölls Beschlussvorlage vom Tisch.

Stattdessen griffen die Landeshauptleute auf einen Beschluss zur "Reform des Schulwesens" vom 27. November 2009 zurück, der damals in Frauenkirchen im Burgenland als "gemeinsame Position der Länder" vereinbart wurde. Der entscheidende Satz darin lautet: "Die Vollziehung des Dienstrechtes für alle Lehrer soll Ländersache sein." Und, so wird betont, die Pflichtschullehrer sollen Landeslehrer bleiben.

Diese "Verhandlungsposition" der Länder verkaufte Pröll nach der zweieinhalbstündigen Sitzung gemeinsam mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Ihn zählt Pröll mutmaßlich zu jenem "Kraftfeld der Landeshauptleute", das er vor dem Treffen als relevante Größe benannt hat, das für eine Umschichtung der Lehrer vom Bund zu den Ländern eintrete. Die Länder wünschen sich jetzt also mit dem Bund Verhandlungen über diese Frage: "Was dann herauskommt, werden wir sehen", sagte Pröll, der von einem zweistelligen Millionenbetrag sprach, der einzusparen wäre.

Für die Länder sei unbestritten, dass "die Grundsatzgesetzgebung in Bildungsfragen in Bundeshand bleiben soll, es muss einheitliche Bildungsziele in der gesamten Republik geben, aber die Ausführungsgesetzgebung soll eindeutig in die Hand der Länder", so Pröll.

Detaillierter, aber ident

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) hatte übrigens nicht das Gefühl, von Pröll überrumpelt worden zu sein, sagte er zum Standard: "Wenn man sich auskennt, weiß man, die Papiere sind ident." Prölls Papier sei nur "detaillierter als das von Frauenkirchen, es war ein operatives Papier, kein Beschlusspapier". Darum habe man den alten Beschluss "eindeutig bekräftigt" - eine Diktion, die auch der Vorarlberger Herbert Sausgruber (ÖVP) verwendete. Pühringer ist überzeugt, dass die Länder Organisation, Verwaltung und Schulpersonal übernehmen sollen, "weil wir das effizienter, besser können".

Für die Salzburger Landeschefin Gabi Burgstaller wiederum ist die Frage, wer letztlich für die Lehrer zuständig ist, eine "unbedeutende Nebenfrage. Welches Pickerl die Lehrer haben, ist nicht der Mittelpunkt des Problems." Für sie ist "das erste Gebot der Verwaltungsreform: Verwaltung abbauen und Schulautonomie stärken. Für das, was dann noch an intelligenter Verwaltung übrig bleibt, ist nicht so wesentlich, wer es durchführt, vielleicht ist es sogar gescheiter, dass die Länder das dann selber machen", sagt Burgstaller. Sie könne vermutlich adäquater entscheiden, ob sie in Salzburg eine HTL-Klasse mehr brauche. Letztlich gebe es "nur ein Interpretationsproblem: Ob alle Lehrer Landeslehrer werden sollen." Über die Notwendigkeit einer Schulreform seien tatsächlich alle Landeshauptleute einig. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 217
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mountaineer
10.09.2010 19:12

Erwin Pröll bringt sein Lehrer-Papier nicht durch...

... die Pobacken,

weil dreihundert Seiten "Schatz im Silbersee" drin stecken!

hans friedrich 2
08.09.2010 13:37
ist seiner exzellenz, dem lh klar, ...

.. was er sich mit der übernahme der lehrer in die landesverwaltung antut? er wird dann schlechte pisa-ergebnisse mitverantworten müssen. er wird erklären müssen, warum das schulsystem in tirol und vorarlberg besser organisiert ist als woanders.

oder gehts nur darum, seine schwarzen lehreranwärter besser auf ihren wunschjob hinhieven zu können?

Alfred Moosbrugger
07.09.2010 17:12
abgehobene idealisten versus durchtriebene pragmatiker

ich glaube, die ÖVP wollte mit diesem Pröll-Vorstoß testen, wie angezählt die SPÖ wirklich ist - und man muss sagen, so angezählt, dass ich aufgrund des SPÖ-Brain-Drains der letzten Jahre ÖVP wählen würde, ist sie noch lange nicht.

die Wahl zwischen der "alle menschen sind gleich"-Skylla SPÖ und der "manche sind gleicher"-Charybdis-ÖVP fällt mir jedenfalls leicht.

heiliger bimbam
07.09.2010 11:31
bravo burgstaller!

und auch dörfler (dachte nie, dass das mal über den dolm zu sagen ist).
aber der pröll mit seiner hybris. für mich unfassbar. benimmt sich wie eine richtige ...
und die roten ziehen mit (nochmal: danke burgstaller).
länder endlich abschaffen, es ist höchste zeit! dafür im gegenzug die lokale ebene stärken, bei zentralen vorgaben und kontrollen.
wer braucht
*almosenverteiler
*9xsozialrecht (krankenkassen, kavs, etc.)
*9xbaurecht
*9xwasserrecht
*9xumweltrecht
*9xforstrecht
...

mountaineer
07.09.2010 17:13

Die allgemeine Inferiorität der ÖVP zum Anlass zu machen, der SPÖ unbegrenzt zu huldigen, ist doch etwas übertrieben, meinen Sie nicht auch?

ich gebs zu
07.09.2010 13:18
Haben Sie die Fakten eigentlich wahrgenommen oder

sehen Sie wirklich nur, was durch den rosa Filter geht?

Niessl, Häupl und Voves haben sich für die Länder-Lösung ausgesprochen, Burgstaller hält sich bedeckt, Dörfler rotiert wie ein Windradl.

kakaniengeist
07.09.2010 11:26
widerstand! aber ordentlich!

den landeshäuptlingInnen gehört so viel macht wie nur irgendwie möglich entzogen, wenn wir nicht alle vor die hunde gehen wollen.

speziell der karl-may-experte und der brennnesselgärtner in karantanien sollen zuerst einmal ihre finanziellen bolzen bereinigen, bevor sie sich neue spielzeuge, zum kaputtmachen!, aneignen!

alle lehrer in die bundesverwaltung, und weg mit den ländereien und kommunen aus dem bildungssystem!!!

knievel
07.09.2010 11:03

pröll ist wohl einer der besten gründe über die abschaffung der bundesländer laut nachzudenken...

grauemaus
07.09.2010 10:58
Landesschulrat Grüßgott

Wer je mit dem Landesschulrat in NÖ in Kontakt kommt (z.B. als Elternteil oder aber auch als Lehrer), versinkt in den Staubschichten eines posttheresianischen Zeitalters. Der Amtsschimmel wiehert hier nicht, er wuchert viel mehr durch die pädagogischen Konzepte des Biedermeiers. So wie die Landesfürsten ihre Macht missbrauchen ist es nur zu begrüßen, wenn ihnen diese wieder entzogen werrden kann. Vielleicht hilft das auch um die bürokratischen Mauern an den Landesgrenzen zu überwinden. Wer z.B. in Wien oder NÖ als Lehrer arbeiten möchte, hat es mit konkurrierenden Arbeitgebern zu tun, zwischen denen er in die Schusslinie gerät. Na dann, Grüßgott...

Der Hund von den Simpsons
07.09.2010 10:55
Erwin Pröll ...

... liefert die besten Gründe für die Entmachtung oder Abschaffung der Bundesländer in der jetzigen Form.

Scheinbar hat E.P. noch immer nicht verwunden, dass er nicht für die Wahl des BP antreten durfte. Jetzt ist er beleidigt und will es uns allen zeigen. Diese Politik der verbrannten Erde hat ja schon Wolfgang Schüssel nach seiner Abwahl betrieben.

menf
07.09.2010 10:21
Der Pröll.. (oder die)

ist ein absolut präpotenter und machtbesessener Regionalpolitiker, der sich auf Kosten der Schuldenmacherei und einer gewissenlosen Politik populär gemacht hat.

Z.B. ist es in NÖ scheinbar immer noch so, dass keine oder wenig Alkoholkontrollen im Verkehr gemacht werden...

und wer zahlt die Rechnung?

der andere Pröll macht sowieso nur noch eine Gibelkreuz-grossagrar und grossfinanzpolitik auf kosten des kleinen mannes....

quo vadis austria mit solchen Blendern???

Absurdio
08.09.2010 16:53
Der böse Clown

Mein lieber Schwan,

ich habe tatsächlich geglaubt, dass nur mir der "böse Clown" aus NÖ auf den Geist und auf die Nerven geht. Die "bieder-böse Krone" der Schöpfung, ein geltungskranker, autoritärer, despotischer LH auf dem Spottpranger. Das ist die verdiente Höchsstrafe! Wenn er tatsächlich unserem Schulsystem helfen will, so möge er jetzt und künftig die sprichwörtliche "Pappn" halten. Vielen Dank an alle, die sich in diesem Sinne geäußert haben.

Möchtegern der goldenen Zeit
07.09.2010 10:31
AsaJoe
07.09.2010 10:19
Also ich finde, Lehrer sollten Bezirks- oder sogar Grätzelsache sein!

Und damit meine ich jetzt nicht etwa Bezirke mit Bezirkshauptmannschaft oder ähnlich monströse Verwaltungseinheiten, sondern Bezirke, d.h. Grätzel, innerhalb von Ortschaften.

Also angenommen in Unterstinkenbrunn ("U-Brunn") gäbe es eine Hauptschule mit 2 Lehrern, wovon einer in Nord-U-Brunn wohnt und einer in S-U-Brunn, dann sollte bitte jeder der beiden "Bezirke" für den jeweiligen Lehrer zuständig sein. Denn nur so wäre gewährleistet, dass eine pluralistische Vielfalt historisch korrekter Fakten über die lange und ruhmreiche Geschichte von U-Brunn an die Schüler weitergegeben wird.

Nicht auszudenken, welch Schaden angerichtet würde, wenn beide Lehrer unter dem alleinigen Kuratel von Nord- oder Süd-U-Brunn stünden!

;)

AsaJoe
07.09.2010 12:54
Hoppla

Muss natürlich "unter der Kuratel" heißen.

Seria
07.09.2010 10:14

Schule hat Sache des Staates zu sein, besonders in dieser globalisierten Welt, die in der österr Politik noch nicht angekommen zu sein scheint.

strandart01
07.09.2010 10:12
Der Knast ist ihm näher als sein Hemdkragen

http://derstandard.at/127137530... esterreich

Auf orf.at und Kurier ist leider nichts mehr zu finden.

Danke an Frau Graber vom Standard.
Bitte diesen Fall nicht aus den Augen verlieren. Erwin Prölls Machenschaften müssen restlos geklärt werden. Hier läuft einiges schief!

Sobald es den Leuten aus der ersten Reihe an den Kragen geht werden Kontrollorgane blockiert und Medien zensuriert.

ichFrieder
07.09.2010 10:03

Ich habe Pröll eigentlich immer ernst genommen und für einen fähigen Landeshauptmann gehalten. Aber gestern in der ZIB 2 hat er doch leicht irre gewirkt und bei mir den Eindruck hinterlassen, daß er wohl schon zu lange diesen Job macht. Ein Abgang in die Pension wäre vielleicht ganz gut, für ihn und das Land !

St. Augustine
07.09.2010 09:59

Man bekommt, anlässlich des Pröllschen Größenwahns und der Giebelkreuz-Politik des Finanzministers, langsam aber sicher den Eindruck, dass Österreich von St. Pölten aus regiert wird.

wrkskrfz
07.09.2010 09:48
Zweistelliger Millionenbetrag einzusparen...

ja ja, beim Bund, aber dann bei den Ländern ausgeben. Weil das schaue ich mir an, ob da nicht in den Ländern wieder Apparate aufgebaut werden müssen, um die Bundeslehrer zu administrieren.
Der Bund kann keine Beamten stanzen, die Länder aber neue aufnehmen (streng nach der Farbenlehre, dann können wieder ein paar Günstlinge auf neue Posten gehievt werden).
Wo soll da was gespart werden.
Diese Provinzpolitiker, deren Welt genau nach ihrer Landesgrenze aufhört, sind zum kotzen.....

Johanna Orleans
07.09.2010 09:45
Im Gegenteil...

zu dem, was Pröll, Häupl u.Co sagen,- hier spielt offenbar nicht Parteipolitik sondern reines Streben nach mehr Macht eine Rolle,-gibt es die Alternative,entweder die Kirche im Dorf und die Lehrer bei ihrer derzeitigen Verwaltung zu belassen oder(besser und billiger) alle Lehrer in die Bundesverwaltung einzubeziehen.
Bitte, wollen wir Schulreform als Mosaikarbeit mit kleinsten Teilchen oder zu lösende Aufgabe für ganz Österreich, wenn schon nicht EU- weit?

glenfiddich
07.09.2010 09:44

In OÖ gibt es einen Landeshauptmann der will das Ganze noch toppen! Pühringer verlangt das Recht für sich, dass er, bzw die ÖVP OÖ das alles schon vor Pröll verlangt hat! Auch er ist mit absoluter Mehrheit gewählt worden. NÖ und OÖ ich mach mir Sorge um euch.

root66
07.09.2010 09:42
Der Landesfürst E.P. veranstaltet ...

... gerne Selbstinzenierungen, das ist eh bekannt. Aber nur auf Kosten der Bildungspolitik Machtspielchen betreiben anstatt sich inhaltlichen Schwerpunkten zu widmen, das ist mehr als fragwürdig und beinahe schon gemeingefährlich!!!

natural born runner
09.09.2010 08:04

In OÖ scheinen Sie aber nicht zuhause zu sein!

Gary Grantscherbn
07.09.2010 09:42

Ich schäme mich mittlerweile, in NÖ zu leben. Dass wir diesen Glatzenbongo endlich abmontieren, wird Zeit. Wird jedoch nie kommen im Land der aufgedunsenen Bauernschädeln.

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