Rektoren: Regierung muss Uni-Finanzierung lösen

6. September 2010, 17:18

Sünkel: Regierungsspitze ist Dramatik der Situation der Unis nicht bewusst - Zustimmung von Industrie und ÖAAB

Wien - Zurückhaltend zeigte sich der Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, zum neuen Studiengebühren-Vorschlag von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) und fordert von der Regierung eine grundsätzliche Lösung der Frage der Uni-Finanzierung. Karls Vorschlag sei "eines von sehr vielen Modellen, die an Unis weltweit realisiert werden". Es habe aber "keinen Sinn über das Wie und die Modalitäten zu diskutieren, solange sich die Koalitionsparteien in der Frage der Uni-Finanzierung gegenseitig blockieren. Da geht es nicht nur um Studiengebühren, sondern auch um die Zugangsregelungen", sagte Sünkel am Montag gegenüber der APA.

Es sei schon länger bekannt, dass die Unis seit geraumer Zeit dramatisch unterfinanziert seien und diese Situation nicht mehr länger in die Zukunft getragen werden könne. Die uniko, deren Präsidium heute, Montag, tagte, betrachtet diese Situation und die Perspektiven für die nächsten Jahre "mit wirklich erheblicher Sorge". Es sei "Aufgabe der Wissenschaftsministerin, gegenüber der Regierungsspitze die notwendigen Mittel für die Unis und damit die Zukunft des Landes einzufordern", sagte Sünkel.

Sünkel: "Wieder ein Blockieren von Anbeginn an"

Nach Ansicht der Rektoren ist der Regierungsspitze "die erhebliche Dramatik der Situation, in die die Unis mehr und mehr hineinschlittern, offensichtlich noch immer nicht bewusst". Sie fordern konkrete Maßnahmen, die letztlich in Budgetverhandlungen zwischen Wissenschaftsministerin und Finanzminister einfließen. Voraussetzung, dass Karls neue Studiengebühren-Idee verwirklicht werde, sei "selbstverständlich, dass sich die Regierung in dieser Frage einigt" und "den Fehler vom 24. September 2008" (die Abschaffung der Studiengebühren, Anm.) korrigiert. "Wenn die politischen Parteien Weitblick haben, müssten sie zum Schluss kommen, dass die Abschaffung vor zwei Jahren nicht der Weisheit letzter Schluss war und wir im Gleichklang mit anderen Staaten vorgehen müssen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten", so Sünkel.

Konkret zum Vorschlag Karls, die Studenten für einzelne Lehrveranstaltungen zahlen lassen möchte, meinte Sünkel, dass dadurch der Administrationsaufwand steigen würde. Das sei unbestritten, "und das gibt auch die Ministerin zu". Die heftigen Gegenreaktionen auf den neuen Karl-Vorstoß stimmen den Rektorenchef allerdings nicht sehr hoffnungsfroh, er ortet darin "wieder ein Blockieren von Anbeginn an".

Zustimmung von ÖAAB

Zustimmung für Karls Vorschlag kam am Montag von der Industriellenvereinigung und dem VP-Arbeitnehmerbund ÖAAB. "An einem angemessenen Beitrag der Studierenden werden wir mittel- und langfristig nicht vorbeikommen, wenn wir Qualität und finanzielle Ausstattung unserer Universitäten gewährleisten wollen", so IV-Generalsekretär Markus Beyrer. Zusätzlich seien Studiengebühren ein Mittel zur Lenkung der Studentenströme weg von Massenstudien hin zu jenen Fächern, in denen die Wirtschaft dringend Fachkräfte benötige. Für den ÖAAB entspricht Karls Vorschlag seinem "Verständnis von Chancen, Leistung und Solidarität", so Generalsekretär Lukas Mandl.

"Untragbar" ist unterdessen aus Sicht der GPA-djp-Jugend Karls Plan, die Studiengebühren wieder einzuführen. "Wir erwarten von der Ministerin, dass sie sich um eine nachhaltige Finanzierung der Universitäten bemüht statt solche ewiggestrige Ideen aufzuwärmen." (APA)

 

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14 Postings
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Magna Wolf

Alle die vehement Studiengebühren fordern und nochdazu "von unten" kommen wie Herr Wolf sollen sich in Erinnerung rufen, dass sie kostenlos studiert haben. Bei manchen drängt sich die Frage auf ob sie nicht umsonst studiert haben.
Leistungen kann man fordern, Eingangstests ok. Gute Ausbildung ist wie gute Infrastruktur. Das wird über Steuern bezahlt, weil sie allen zu Gute kommt.

Guybrush Threepwood
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Herr Wolf hat aber gar nicht studiert...

smea_gol
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...und das merkt man.

Andreas Kainer
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Oh ja

hatte einmal das "Vergnügen", den Herrn kennenzulernen (bei der Verleihung der Ehrenprofessur an der TU Graz im Vorjahr) - so überheblich wie der sich aufgetan hat, das war schon widerwärtig...

Schön
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Warum

gehen die vereinigten Gebührenbefürworter geflissentlich an der Tatsache vorbei, dass Studiengebühren welcher Art auch immer die budgetären Probleme der Unis nicht lösen werden? Es war schließlich auch in den paar Jahren mit Gebühren nichts besser. Glaubt der Rektorenchef wirklich, dass Gebühren das durch Einfrieren der Unibudgets in den nächsten sechs Jahren entstehende Ausbildungsdefizit auffangen können? Hier wird unehrlich und verantwortungslos diskutiert, wenn es sich nicht einfach nur um Dummheit handelt. (Es gilt die Unschuldsvermutung).

Freigeist78
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Keine Dummheit, sondern Absicht und Berechnung. Nur die Zielsetzung hinter der Studiengebührendebatte ist sicher nicht ausreichend Geld für die Universitäten zur Verfügung zu stellen, auch wenn das alle behaupten...

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21
Grundvorlesungen auf Video!

Ist doch jedes Jahr der selbe Stoff. Wozu diese aufgeblähten Grundvorlesungen, schlechten Skripten und schlechten Komödianten, will sagen Vortragende?
Diese Videos würden zudem von Firmen gesponsert.

Loxoceles
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Bei dem Tempo, mit denen die Reformen über die Unis hereinbrechen (alle drei Jahre komplette Systemänderung) ist es schon allein von der Gesetzeslage her nicht möglich, jedes Jahr die gleiche Grundlagen-Lehrveranstaltung abzuhalten.
Das Gesetz schreibt Ihnen jedes Jahr andere Bedingungen vor. Studienpläne im neuen Bacc-Master-System werden mittlerweile _semesterweise_ geändert mit Wirkung per sofort.
Von "Nachhaltigkeit" oder "Jedes-Jahr-Dasselbe" keine Spur.

Dietmar Bauer_v2
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das ist mal eine Idee

Wieso nicht gleich aus Büchern lernen? Es gibt gerade im Grundlagenbereich exzellente Bücher, die den Stoff wesentlich besser aufbereitet als es die lokalen Lehrenden je könnten präsentieren. Die LVA besteht dann daraus, den Titel der zugrundeliegenden Buches auf die Homepage der LVA zu posten und den Termin bekanntzugeben, ab dem die Webpage mit der Prüfung verfügbar ist. Das wäre wirklich kosteneffizient.

smeki
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Sehr gut, dann haben die Profs wenigstens mehr Zeit für Rankings, Evaluierungen, für das Umsetzen der Reform der Reform der Reform, für Administration, oder fürs um die Wette Belangslosigkeiten publizieren, also für die wirklich wichtigen Dinge. Die Lehre gehört ja nicht dazu, die kann man ruhig an die Wirtschaft auslagern, so unabhängig braucht die nicht zu sein. Frei schon, aber halt nur frei verkäuflich.

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Und mehr Zeit für Forschung!

Im technisch / naturwissenschaftlichen Bereich hat man im 2 Studienabschnitt immer mit Firmen zu tun, ist ja kein Übel, denn die liefern die Geräte für die Forschung mit denen der Studierende arbeitet.

Guybrush Threepwood
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Jedes Jahr der selbe Stoff?

Das mag in einigen wenigen Studienrichtungen vielleicht der Fall sein. Im Großteil der Studienrichtungen aber ganz sicher nicht.

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In den Grundvorlesungen immer

Egal ob Jus, Medizin, Technik, Biologie,... Das erforderliche Rüstzeug für das eigentliche Studium und Forschung ist immer das Selbe.

Guybrush Threepwood
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Gerade bei Jus wohl kaum. So schnell wie sich in den den letzten Jahren die Gesetze bei uns geändert haben und immer noch schneller ändern...

Gut, was zum Beispiel Rechtsgeschichte oder römisches Recht betrifft, gebe ich Ihnen Recht, da ändert sich im Prinzip ja wirklich nichts. Aber was diese beiden Fächer betrifft, lernt man eh hauptsächlich aus den Büchern. Aber allein im Privatrecht hat sich in den letzten 1-2 Jahren schon extrem viel geändert.

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