Langmut braucht man als Industrieller wie der Österreicher Mirko Kovats, wenn man eine kroatische Werft erwerben will
Langmut braucht man als interessierter Industrieller wie der Österreicher Mirko Kovats von A-Tec, wenn man eine kroatische Werft erwerben will. Kovats hat deshalb bereits mit Rückzug seines Angebots gedroht.
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Zagreb - Die kroatische Regierung hinkt in der Frage der Privatisierung der Schiffswerften ihrem Zeitplan hinterher. Vergangene Woche wollte der Privatisierungsausschuss eigentlich entscheiden, ob die Angebote für drei Werften angenommen werden, unter ihnen jenes für die Werft "3. Maj" in Rijeka, an der der österreichische Konzern A-Tec interessiert ist. Doch bisher blieb die Entscheidung aus, weil die kroatische Wettbewerbsbehörde die Restrukturierungspläne der potenziellen Käufer für die Werften noch prüft.
Der Privatisierungsfonds und das Wirtschaftsministerium wurden bei der Regierungssitzung vergangene Woche dennoch beauftragt, den Prozess fortzusetzen. Denn setzt man diesen nicht fort, ist nicht nur der EU-Beitritt verzögert. Auch drohen die potenziellen Käufer, im speziellen Mirko Kovats von A-Tec, abzuspringen.
Abgesehen von der Dauer, kommt noch ein Hindernis auf Kovats zu. Der "3. Maj"-Betriebsrat hat gegen Kovats Strafanzeige wegen Diebstahls von Betriebsgeheimnissen erstattet, woraufhin Kovats in österreichischen Medien damit gedroht hat, sein Angebot zurückzuziehen.
Der Kroatien-Berichterstatter der EU, Hannes Swoboda (SP), sagte dazu: "Mirko Kovats ist sicher nicht der 'leichteste' Industrielle, und seine Entscheidungen sind schwer vorauszusagen. Aber er ist ein durchaus erfolgreicher Industrieller." Kroatien habe aber das Recht, die Angebote genau zu studieren, fügte Swoboda hinzu. "Natürlich sollte man sich nicht zu viel Zeit lassen und das Interesse der Anbieter verlieren."
Der Verkauf von sechs unprofitabel arbeitenden Werften ist das Hauptkriterium für das Schließen des Verhandlungskapitels Wettbewerb mit der EU. Seitens der Kommission, die dem Verkauf zustimmen muss, wurde signalisiert, dass ein weiterer Privatisierungsversuch möglich sei. Doch auch hier kommt der Faktor Zeit ins Spiel.
"Ich gehe davon aus, dass die Werften-Frage vor Abschluss des Beitrittsvertrags gelöst sein muss", so Swoboda. Eine zügige Entscheidung liege angesichts der Budgetlage Kroatiens auch im Interesse der Regierung. Das kroatische Budgetdefizit soll heuer fast zwei Mrd. Euro betragen. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2010)