Deutschland

BA: Ohne Vorratsdatenspeicherung werden Internet-Ermittlungen gelähmt

06. September 2010 15:45

Internetkriminalität nimmt vor allem beim Online-Banking zu

Das deutsche Bundeskriminalamt sieht sich bei Internet-Kriminalität weitgehend hilflos, weil es seit einem halben Jahr kein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung mehr gibt. "60 Prozent der Ermittlungen gehen ins Leere", sagte am Montag BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Das deutsche Verfassungsgericht hatte im März die bisherigen Regelungen zur Datenspeicherung gekippt. Nach Expertenangaben nimmt unterdessen die Internet-Kriminalität zu, vor allem im Online-Bankverkehr.

Bei mehr als zwei Drittel der 893 unbeantworteten Anfragen gehe es um Kinderpornografie

In bis zu 85 Prozent der Fälle könne seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die IP-Adresse eines Computers, der für eine Straftat benutzt worden sei, keinem bestimmten Nutzer mehr zugeordnet werden, sagte Ziercke am Montag in Berlin. Bei mehr als zwei Drittel der 893 unbeantworteten Anfragen gehe es um Kinderpornografie. Der BKA-Chef forderte die Politik auf, rasch ein neues Gesetz auf den Weg zu bringen.

Um die Vorratsdatenspeicherung gibt es schon seit langem heftige Debatten. Kritiker warnen vor einem Überwachungsstaat und einem möglichen Missbrauch der Informationen.

Ursache für die Probleme der Ermittler ist die Art, wie das Internet funktioniert. Wenn Nutzer ins Internet gehen, bekommen sie eine sogenannte IP-Adresse zugeteilt, anhand derer sie später identifiziert werden könnten. Allerdings werden diese Adressen jedes Mal aufs Neue aus einem riesigen Bestand vergeben. Das heißt, um zu wissen, wem zu welchem Zeitpunkt welche IP-Adresse zugeteilt wurde, muss man an die Daten des Providers kommen, über den die Internet-Verbindung lief.

Das BKA beklagt, dass diese Informationen seit März nicht mehr ohne besonderen Grund gespeichert werden dürfen. "Wenn sie Kraftfahrzeug-Kennzeichen haben, dürfen sie beim Kraftfahrtbundesamt anfragen, um den Inhaber des Fahrzeugs festzustellen", sagte Ziercke zum Vergleich. Bei IP-Adressen gehe das derzeit nicht - und sie seien bei Internet-Verbrechen oft der einzige Anhaltspunkt.

Auflagen

Das Bundesverfassungsgericht hatte im März das bisherige Gesetz für verfassungswidrig erklärt. Allerdings erteilte es der Speicherung von Telekommunikationsdaten keine generelle Absage. Für ein neues Gesetz formulierten die Richter eine Reihe von Auflagen. Die schwarz- gelbe Koalition streitet noch immer über die neuen Regeln.

Unterdessen nimmt die Internet-Kriminalität zu. Allein im Online-Banking rechnen das BKA und der IT-Branchenverband Bitkom in diesem Jahr mit 5.000 angezeigten Fällen, bei denen Kontodaten von Betrügern ergattert werden, sogenanntes Phishing. Das wäre ein Plus von 71 Prozent. Bereits im Jahr 2009 habe es einen Anstieg von 64 Prozent gegeben. Dabei handle es sich nur um die gemeldeten Übergriffe - es gebe auch eine hohe Dunkelziffer, sagte Ziercke, ohne sie genau zu nennen.

Die Unsicherheit wirkt sich auch auf das Verhalten der Menschen aus. Drei Viertel der Internet-Nutzer in Deutschland fühlten sich im Netz bedroht, ergab eine Umfrage, die der Bitkom vorstellte. "Das bedeutet auch verschenkte Chancen für neue Geschäftsmodelle", betonte Bitkom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf. So verzichte jeder Fünfte auf Online-Shopping, jeder Sechste auf die Buchung von Reisen oder Tickets im Netz. (APA)

 

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18 Postings
Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
08.09.2010 11:33
klar braucht man dafür vorratsdatenspeicherung

wenn jeder pauschal verdächtigt werden kann, kann man pauschal alle verhaften und pauschal irgendwelche unschuldigen verurteilen...

das ist ja dann logisch, dass die aufklärungsquote nach oben geht...

*.*
07.09.2010 15:55

Nach der jüngsten Kriminalstatistik hat die Zahl der Straftaten um ein Prozent auf 6,05 Millionen abgenommen. Zugleich stieg die Aufklärungsquote von 54,8 Prozent im Jahr 2008 auf 55,6 Prozent im vergangenen Jahr.

http://www.heute.de/ZDFheute/... 76,00.html

also um ca 5% höhere quote im inet als gesammt gesehen. ohne speicherung.
...nur zur info... die 60% sind "normal"

Stefan Lindemann
07.09.2010 12:21
um Online-Banking betrug zu bekaempfen braucht man keine Vorratsdatenspeicherung

Viel effektiver waeren technische Massnahmen der Banken (zB. security tokens) und bessere Schulung der Benutzer.

Wennso Weitergeht...
07.09.2010 12:03
Jo

Ich werd sofort alles nur mehr im Netz kaufen wenn ich weiß, dass all meine Aktiviäten gespeichert werden.

Übrigens ist der Autokennzeichen-Vergleich schlicht und einfach falsch, vergleichbar wäre zum Beispiel wenn jedes Auto einen GPS-Sender eingebaut hätte, der permanent die Position an das BKA übermitteln würde.

Drittens würd es mich sehr interessieren aus welchem Land die nicht-nachverfolgbaren IP-Adressen kommen (das kann man ja so gut wie immer mit whois herausfinden). Das sind dann vermutlich 90% irgendwelche koreanischen Proxies und dann hilft ihnen die VDS in D auch nix.

_valina
07.09.2010 11:57
die honeypots nehmen überhand!

die überhandnehmende kriminalität als selbsterfüllende prophezeihung sozusagen!

'...Das bedeutet auch verschenkte Chancen für neue Geschäftsmodelle...' erklärt den restt des sich aufbauenden überwachungsstaats!

Piratenpartei
07.09.2010 02:38

Er sagt: Bei 85 % der Fälle kann die IP-Adresse keinen Benutzer zugeordnet werden.

Das ist - unabhängig von allen sonstigen Statistiken und Dunkelziffern - das Problem, das er nennt. Ziercke bringt auch einen tollen Vergleich: Mit einem Kennzeichen kann man den Inhaber eines Fahrzeugs ausfindig machen.

Der Vergleich ist richtig. Mit einer IP-Adresse kann man den Besitzer eines Internetanschlusses ausfindig machen. Dieser muss aber nicht zwangsläufig der gesuchte Täter sein. An dieser Tatsache ändert auch eine Vorratsdatenspeicherung nichts - egal ob nun vorhanden oder nicht.

http://www.lawblog.de/index.php... -internet/

Insgesamt ist das nur eine weitere von vielen Salami-Taktik-Pressemeldungen. Einfach jede Woche einmal Netzsperren und/oder Vorratsdatenspeicherung und/oder mehr Videoüberwachung verlangen, weil der Terrorismus und/oder die Kinderpornographie und/oder die Betrügereien im Internet schon wieder so viel schlimmer geworden sind.
Und kaum ist so eine Pressemeldung draußen, wird sie über die gesamte deutschsprachige Medienlandschaft weiterrezitiert, bis endlich irgendwo ein/zwei/viele/alle Politiker nachgeben und den nächsten Wahnsinn beschließen.

ü-strichal
07.09.2010 12:52

in deutschland wurde ja bereits die nächste stufe der kompletten überwachung und bespitzelung gezündet:

der e-postbrief

"Ziel der Deutschen Post ist es, das Briefgeheimnis ins Internet zu übertragen"

selten so gelacht. für mich klingt das eher nach beerdigung des briefgeheimnisses, denn einem systematischen scannen von briefen durch regierungsstellen sind damit tür und tor geöffnet

OttotheBusdriver
07.09.2010 08:46
Wie recht sie haben

Die dauernde Wiederholung:
Internet = Verbrechen = Kinderporno = Terrorrismus
-> Überwachungsbedarf hat Methode.
Wird ein Unfug nur oft genug wiederholt, so bleibt irgendwas von der Information hängen. Alte NLP Weisheit, wird von jedem Politiker angewandt.

John Matrix
06.09.2010 20:52
Die größte Gefahr..

.. sitzt hinter dem PC als User. Da hilft die ganze Vorratsdatenspeicherung nix wenn die Leute zu blöd sind.

Borg101 (Flip Mode)
06.09.2010 20:44
Nebenbei gemerkt:

Ein Rechner schafft es tausende Instruktionen in der Sekunde auszuführen.

Man stelle sich vor: Ein Rechner, der Sekunde für Sekunde Daten von und über Jeden sammelt.
Ein Rechner ohne Intelligenz, welcher sich weder über Relevanz noch Semantik der Verknüpfungen bewusst ist und damit absolut Nichts entscheiden kann. Das einzige Tätigkeiten was ein Rechner damit machen kann sind:
1. (Teilweise) Vervielfältigung (Erstellung von (Teil-) Kopien)
2. Filtern von Datensätze aufgrund von messbaren Attributen
3. "Erzeugung von neuen Datensätze" durch kombinieren von 1. und 2.!

Borg101 (Flip Mode)
06.09.2010 20:53
...Nebenbei gemerkt (Fortsetzung)

Wer bitte schön ist bei dieser immensen Mengen an Daten überhaupt noch in der Lage zu entscheiden was:
1. Irrelevant ist bzw.
2. veraltet ist oder
3. (z.B. Änderung der Rechtsgrundlage) unbrauchbar ist?

Wie wollen die denn die aufgelistete Eigenschaften feststellen, darüber entscheidungen treffen und sie auch effektiv (und für immer) löschen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Herren die Daten Zentral speichern wollen (aus den gleichen Gründen wie bei e-card der Soz. Vers.).

MfG

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
08.09.2010 11:36
ist doch logisch...

einmal das recht übertreten ==> immer ein krimineller pedophiler terrorist...

maruh
06.09.2010 18:21

ich hoffe doch das ziercke einfach nur keine ahnung hat von was er redet…

und ja, wegfall der vds is an allem schuld. weils die nicht mehr gibt können die ihre arbeit nicht mehr machen und wir werden alle sterben.
welch ein schwachsinn…

lasst doch endlich die kipo-keule stecken.
den mist glaubt euch doch e keiner. zumindest keiner der sich mit internet etwas auskennt…

Roland Schweiger
06.09.2010 18:21
mir ist kein einziger Fall bekannt ...

... wo ein onlineBanking-System 'technisch' so manipuliert wurde dass unbemerkt von einem Konto Geld behoben wurde. Und noch viel weniger kann zB ein System mit SMS-TAN-Verfahren "gehackt" werden, da müsste ja ein Zaubermeister 2 komplett voneinander unabhängige Systeme manipulieren. Ich habe auch hier den Verdacht dass es um blanke Stimmungsmache geht und dass eben manchen "Staatsherren" die relative Freiheit des Internet einfach ein Dorn im Auge ist. Wer Informationen (krimineller Natur) über das Netz austauschen will, der kann das bitteschön problemlos trotz Vorratsdatenspeicherung tun!

Anspruch auf Heiligkeit
06.09.2010 20:55

es geht dabei u.a. um piraterie, trickbetrüger (beruht halt auf der unwissenheit der user), konsum illegaler medien (kinderpornos und dergleichen) und eben hacken verschiedenster accounts, seien es email-accounts oder von sozialen netzwerken.

sind sicher noch ein paar mehr.

wie auch immer, gegen die vorratsdatenspeicherung bin ich trotzdem

Mathias
 
07.09.2010 09:41
um piraterie, trickbetrüger, konsum illegaler medien (kinderpornos und dergleichen) und eben hacken verschiedenster accounts

Diese Themen gibt es schon bevor die Masse das Internet nutzte, damals waren die Vertriebswege eben "unter dem Ladentisch"!

Was soll bei "illegaler Medien" denn "dergleichen" sein? In den USA gibt es Sekten, die haben sehen eine blanke Brust als "illegal". Sollen solche religiöse Querköpfe uns vorschreiben, was legal und was illegal sein darf??

Wirklich gegen KiPo hilft nur die Hersteller ausfindig zu machen, zu verhaften und für 20 Jahre in ein dunkles, kaltes Loch stecken ... sowas ginge ganz ohne Internetermittlung und Vorratsdatenspeicherung - nur der politische Wille dazu fehlt!!

Marten E. Vanderveen
 
06.09.2010 17:25

Kann mal jemand diesen Ziercke entlassen? Eine Vorratsdatenspeicherung ist nicht vonnöten, weil die Verbindungsdaten sowieso abgespeichert werden. Das BKA müsste nur schneller reagieren, dann kämen sie auch an die Daten, bevor sie gelöscht werden.

Kawinga
06.09.2010 16:36
wieso nennt niemand

genaue Dunkelziffern

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