Wiener Staatsoper

Anklage von Doppelmoral und Bigotterie

Daniel Ender , 06. September 2010 17:25
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    Foto: apa/hans klaus techt

    Freiströmender Sopran: Anja Kampe als Elisabeth.

Richard Wagners "Tannhäuser" zur Eröffnung einer neuen Ära an der Staatsoper

Wien - Wenn die ersten Anzeichen nicht völlig trügen, wird der Stil der neuen Direktion der Wiener Staatsoper von Subtilität und Noblesse geprägt sein: Saisonprogramm und Abendzettel verströmen mit leicht imperialem Anstrich gepaarte Schlichtheit.

Dazu passend, verzichtet der neue Hausherr darauf, gleich anfangs spektakuläre Neuproduktionen aus dem Boden zu stampfen und demonstriert stattdessen Kontinuität. So galt die erste Aufführung der Ära Dominique Meyer am Sonntag mit Wagners Tannhäuser der letzten Produktion aus der Ära Ioan Holender.

Aller Feierstimmung und allem Jubel - vor allem für den neuen Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst - zum Trotz konnten diesem Abend allerdings etliche Anlaufschwierigkeiten nicht abgesprochen werden. Das Staatsopernorchester wirkte zwar überaus motiviert, sammelte jedoch einige veritable Schnitzer und blieb auch mit Intonationstrübungen hinter seinem Potenzial zurück.

Transparentes Gewebe

Die Handschrift des Dirigenten, der für seine Amtszeit deutlich mehr Proben und straffere Arbeitsabläufe im Haus angekündigt hat, war dennoch klar erkennbar. Seine Wiedergaben eignen sich ideal, noch dem dichtesten Tongewebe in all seinen Verästelungen nachzuhören. Er stellt sich in den Dienst der Anweisungen in der Partitur, setzt Wagners oft aufreizend träge Tempi genauestens um, sorgt für Durchhörbarkeit und geradezu kammermusikalische Reduktion auch in jenen Passagen, die bei anderen als einziger Klangteppich daherkommen.

Wenn das Orchester mitspielt, bleibt so das Motivgeflecht immer nachvollziehbar, gewinnen oft scheinbare Nebenstimmen an Bedeutung. Die Seufzerfiguren, die die Musik des Pilgerchores gleich im Vorspiel begleiten, sind ein Beispiel solcher Klarheit, die aber jeden noch so kleinen Präzisionsmangel schonungslos offenlegt.

Nach dem Sommer erst einmal warmsingen musste sich diesmal selbst Titelheld Johan Botha, der dann freilich - etwa in der Romerzählung - ein Husarenstück an Eindringlichkeit und robustem Stimmvolumen ablieferte. Hausdebütant Matthias Goerne (Wolfram) stieß bei spürbarem Respekt vor Haus und Rolle jenseits seines wunderbar tragenden Piano an Grenzen und musste forcieren, Anja Kampe hingegen ließ den Part der Elisabeth viel freier als bei der Premiere im Juni strömen.

Auch wenn bei der Inszenierung von Claus Guth einige psychologische Feinheiten in der Personenzeichnung bereits verwaschen oder verschwunden sind (spiegelbildliche Bewegungen klappen inzwischen etwa weniger gut), erwies sie sich als repertoiretauglich. Ihre Anklage von Doppelmoral und Bigotterie trifft einen Kern der Oper, ohne sie mit einer Bilderflut zu ertränken. (Daniel Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 7. September 2010)

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Posting 1 bis 25 von 29
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sadfjklöaglsjkfga
09.09.2010 09:03
sorry, aber die inszenierung war mies.

elisabeth will sich mit tabletten umbringen, wolfram hält sich darauf einen revolver an die schläfe, der pilgerchor ist der anstalt entlaufen.. wtf?!! die spiegelbildgeschichte war auch nicht besonders stimmig. verpatzte metaphern und haarsträubende anachronismen.
entweder man interpretiert ein stück radikal neu oder man lässt es bleiben.

wackelkandidat
09.09.2010 17:17

den Inszenierungen von Claus Guth sieht man an, dass er sich immer sehr brav bemüht.

stolzer Austrianner 2
07.09.2010 13:45
hahaha, ist jy total komisch, wer hört sowas biteschön??? LOLOLOL

Schottentor U-Bahn
07.09.2010 16:42
Ich fürchte, Sie haben sich verlaufen!

Sie gehören eher ins ORF.at- oder krone.at-Forum...

Geh!danke
07.09.2010 13:16
Eine Kritik, die einer Qualitätszeitung würdig ist!

Eiffel LaTour
07.09.2010 08:44
Tannhäuser...

definitiv einer meiner Lieblingsouvertüren!

Robert Waloch
07.09.2010 00:09
Abendzettel und Programmheft

haben nun - zumindest bei Neueinstudierungen wie der BOHEME am 6.9. oder Premieren - ein anderes Format und passen in keine Sakko-Tasche mehr (und auch nicht ins Sammel-Regal) :am 2. Abend der Saison schon das 1. Minus !!!

Keikobad
07.09.2010 23:07
Noch ein Minus

Unter Holender gab es die Homepage auf Deutsch, Englisch und Französisch. Jetzt gibt es sie nur noch auf Deutsch. Das ist ein großes Manko für ein Opernhaus, das internatioanl eine so bedeutende Rolle spielt. Der pro:log kam auch erst mit Verspätung heraus. Optisch sieht er ja ganz gut aus, aber es ist mehr als seltsam, dass sich Hausherr Meyer darin von seinem eigenen Dramaturgen interviewen lässt. Da wäre es doch ehrlicher gewesen, selbst einen Artikel zu verfassen, statt auf schlechte Fragen zu antworten.

Schicke Schickse
08.09.2010 03:12
ich vermute:

die haben mit dem relaunch der website zu spät angefangen oder zu wenig leute drangesetzt. deshalb hinken sie hinterher. so was dauert länger als sich laien das vorstellen.
was der staatsoper fehlt, ist ein medien/pr-profi. das ging in den 1980ern vielleicht noch, und unter holender war ernstzunehmende pr sinnlos. aber jetzt wär's an der zeit.
so ein profi schaut sich alles an - und sorgt für konsequenzen. gestern etwa fehlte am plakat der name emanuel schikaneders. und die namen irgendwelcher sicher sympathischen mitarbeiter hinter den kulissen sind unten viel zu groß gedruckt (so groß wie dirigent, regie, besetzung), das sieht nicht gut aus.

wackelkandidat
07.09.2010 16:35

Und im Schwindfoyer wurde nicht Staub gewischt.
Eindeutig ein 2. Minus.

Robert Waloch
07.09.2010 20:26
Der ABENDZETTEL

wurde doch vom STANDARD-Rezensenten als ach so noble Neuerung gesehen - also reagierte ich. Darf ich das Ihrer Meinung nach etwa nicht???

wackelkandidat
08.09.2010 09:37

Doch, doch... natürlich

Brangäne
07.09.2010 13:25
welch grossartiger

unvergleichlich wichtiger kommentar, der die kulturgeschichte ein ordentliches stück weiterbringen wird. (aber vielleicht ist einfach das sakko zu eng).

Robert Waloch
07.09.2010 15:07
Nicht so eng

wie Ihre Sichtweise, die Sie uns hier ja so gern als die einzig gültige vorführen...

Kontrahent1
07.09.2010 11:27
Wie wär's mit abschreiben?

Wie wir das taten, als das Geld für den Programmkauf fehlte.-

Endre Koczo
06.09.2010 23:56
Berg ab !

In Bayreuth waren die Ratten, in Wien die Pilger im Frack und Zylinder und als Erlösten Krüppel, Idioten.
Wie passt das zur Wagners Musik ?
Botha und Kampe haben den Abend halbwegs gerettet.
Hat der Un-Guth überhaupt gewusst zur welchen Musik er die "Regie " lieferte ?
Ein schrecklicher Abend ! Zum Jammern !

IchbinIch5
07.09.2010 10:56

Eine bigotte Gesellschaft, die auch das Büßen noch als neuestes Spiel nach der Mode begreift. Eine Gesellschaft voller Doppelmoral, die jemand - der offen ausspricht was er denkt und fühlt - in den Wahnsinn treibt. Ich finde, das passt ganz wunderbar zu Wagners Musik. Aber den meisten Staatsopernbesuchern geht es nicht um Inhalte sondern nur darum, auf der Bühne die eigene beschränkte, kleine Vorstellung eines Werkes gespiegelt zu sehen. Insofern: Perlen vor die ... Aber: Ganz wunderbar, wie genau jenes Publikum nicht begreift, dass es da auf der Bühne selbst vorkommt!

Kontrahent1
07.09.2010 11:22
Nicht 'die eigene, kleine, beschränkte...'

sondern jene eines Genies, welche in zahlreichen Biographien (wenn Sie schon nicht die Partitur lesen können) dokumentiert ist. Da haben halbgebildete Profilneurotiker nicht das Recht, überhaupt daran zu deuteln. Lernen Sie etwas über die Hochromantik, dann werden Sie diese Werke besser verstehen.

IchbinIch5
07.09.2010 11:34

Wahnsinn! Sie sind ein Hellseher! Sie wissen, wie Wagner seine Werke inszenieren würde, würde er heute leben! Hut ab! Denn: Was nützt es mir heute zu wissen, was Wagner vor über hundert Jahren über Inszenierungen seiner Werke gedacht hat? Ich lebe eben nicht Ende des 19., sondern Anfang des 21. Jahrhunderts. Und wenn ich als heutiger Mensch einem Werk wie Tannhäuser gegenüber stehe, nützen mir auch Biographien und geschichtliches Wissen nichts. Da muss ich mich zum Werk verhalten. Danke aber für die Bezeichnung "Profilneurotiker" - mit nicht unähnlichen Worten wurde schon Wagner zu seiner Zeit bezeichnet. Wahrscheinlich von ähnlich engstirnigen Personen wie ihnen! Eine schöne Pointe, danke dafür!

Kontrahent1
07.09.2010 12:47
P.S. Tschuldigung

mit 'halbgebildete Profilneurotiker' meinte ich die Zahlreichen Spielleiter, die sich heute an diesen Werken austoben (unter Regie versteh ich was anderes.)

Robert Waloch
07.09.2010 12:46
Ihre "Ichbinich"-Weitsicht

ist wohl mit einem ausgeleierten Gummiband zu vergleichen: will alles umschließen und kann nichts halten - Ihre "Kultur"-Postings beweisen's....

Kontrahent1
07.09.2010 12:45
Dann müssen Sie sich eben ein Werk

des 21. Jh. ansehen. Oder wollen Sie auch wissen, wie Mann heute den 'Felix Krull' geschrieben oder daVinci die Gioconda gemalt hätte? Ein Genie wie Wagner würde heute ganz sicher andere Sujets wählen und einen anderen Stil schreiben. Den Pomp der Musik und den Schwulst des Textes verstehen Sie nur, wenn Sie es aus dieser Zeit heraus verstehen. Dann stellen Sie sogar fest, daß Wagner kaum 'antisemitischer' war, als z.B. Thomas Mann und ähnliches.

Stipso Stipsic
07.09.2010 11:06

1.) Warum sind Sie so beleidigend?
2.) Glauben Sie wirklich, daß die Deutung von Herrn Guth die Intension des Autors und Komponisten trifft?

IchbinIch5
07.09.2010 11:18

Ich habe in der Pause so viele unreflektierte, menschenfeindliche und hasserfüllte Bemerkungen gehört, dass ich schockiert war vom Zustand des Publikums, das sich gern als kulturbeflissen bezeichnet. Wenn Kultur solche Menschen herausbildet, sollte man die Staatsoper vielleicht wirklich zusperren. Daher meine Wut und meine Fassungslosigkeit.
Zu der Intention: Wir werden alle wohl nie wissen, was Wagner heute wollen würde. Insofern sind solche Spekulationen doch nur unsinnig. Man kann nur diskuttieren: Macht die Bühnenerzählung Sinn? Hat sie eine Deutung des Werkes anzubieten, die einen Wert hat. Guth hat ein etwas bigottes Werk zu einem Werk über Bigotterie gedeutet - das fand ich Spannend und Wagner gerecht.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
07.09.2010 15:56
Guth versaut Opern.

Äußerungen gegen ihn können somit nicht menschenfeindlich sein, sondern nur auf den schlechten Opernregisseur gemünzt sein, und ihn als solchen zu bezeichnen ist das gute Recht jedes, der sich durch seine Fehlinszenierungen beleidigt fühlt.

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