Herzklappenprothesenleck mittels Katheterintervention erfolgreich verschlossen
Innsbruck - Erstmals in Österreich hat ein Ärzteteam der Inneren Medizin III sowie der Anästhesie der Medizinischen Universität Innsbruck laut eigenen Angaben bei einem 74-jährigen Patienten ein paravalvuläres Herzklappenprothesenleck mittels Katheterintervention erfolgreich verschlossen (Begriffserklärung: Valvula = die Herzklappe, paravalvulär: um die Herzklappe herum - daneben). Der Patient verspürte bereits am Tag nach dem Eingriff eine klare Besserung seiner durch das Leck ausgelösten Atemnot und konnte einen weiteren Tag später bereits nach Hause entlassen werden. Heute, drei Monate nach dem Eingriff, berichtet der Patient über eine deutlich gebesserte Alltagsbelastbarkeit, schreiben die Mediziner in einer Aussendung.
In aller Regel stellt ein größeres Herzklappenprothesenleck die Indikation für eine erneute Operation nach dem ersten Eingriff, der Implantierung der Prothese, dar. "Dies ist jedoch aufgrund von erhöhtem Operationsrisiko oder technisch bedingten, unsicheren Erfolgsaussichten nicht bei allen Patienten möglich beziehungsweise ratsam. Mit dem Leckverschluss können wir eine sehr gute, weil schonendere therapeutische Alternative anbieten", erklärt der Kardiologe Thomas Bartel.
Neu entwickeltes Minischirmchen für Leck-Verschluss
Der Eingriff passiert über einen minimalen Katheterzugang in der rechten Leistenvene, der über den rechten Vorhof, die Vorhofscheidewand und den linken Vorhof des Herzens läuft. Das Prothesenleck wird nach einer Punktion der Vorhofscheidewand vom linken Vorhof aus sondiert. Anschließend wird ein Minischirmchen direkt neben der ansonsten funktionstüchtigen Mitralklappenprothese implantiert. Das Minischirmchen verschließt nun das Leck. Der Eingriff bei dem 74-jährigen Patienten wurde in Kurznarkose durchgeführt und mittels Echtzeit-3D-Echokardiographie gesteuert. "Bei solchen Eingriffen stellt die gute Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Kardiologen und Anästhesisten eine absolute Voraussetzung dar", so Bartel.
Ärzte rechnen mit zunehmendem Bedarf
"Es gibt immer mehr voroperierte Herz-Patienten, die einerseits Zweiterkrankungen entwickeln, andererseits aufgrund der heute höheren Lebenserwartung grundsätzlich älter werden. Für diese Patientengruppe bedeutet die konventionelle Weise einer Operation mit Brustkorböffnung, etc. ein Risiko. Deshalb rechnen wir mit einem steigenden Bedarf für diesen schonenden Eingriff", so Bartel. (red)