Wegweisendes OGH-Urteil

Unis müssen ausreichend Plätze anbieten

6. September 2010, 13:01

Medizin-Student klagte Republik auf Haftung für Schäden durch Studienverzögerung

Wien - Die Universitäten müssen genügend Lehrveranstaltungs-Plätze anbieten, damit es nicht zu unverschuldeten Studienverzögerungen kommt. Das hat der Oberste Gerichtshof (OGH) in einem aktuellen Urteil festgestellt, berichtete die Tageszeitung "Die Presse". Anlass war eine Klage eines Grazer Medizin-Studenten, der eine Prüfung erst im zweiten Anlauf bestanden und deshalb keinen Platz mehr in einer Lehrveranstaltung bekommen hat.

ÖH finanzierte Musterprozess

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hatte dem Studenten an der Medizin-Universität Graz einen Musterprozess finanziert. Der Mann war 2005 bei einer Prüfung des ersten Studienabschnitts durchgefallen, hatte diese aber im darauf folgenden September bestanden. Weil er den ersten Abschnitt verspätet abgeschlossen hatte, wurde er bei den Anmeldungen für Lehrveranstaltungen mit prüfungsimmanenten Charakter so weit hinten gereiht, dass er keine Chance auf einen der maximal 264 Plätze hatte. Der Student klagte daraufhin die Republik, die für alle Schäden haften sollte, die ihm durch die Studienverzögerung entstanden seien.

Er berief sich dabei auf der Universitätsgesetz (UG). Dieses erlaubt den Unis zwar, die Teilnahme an Lehrveranstaltungen an das Bestehen von Prüfungen zu knüpfen. Gleichzeitig verlangt das Gesetz aber, dass "bei einer Anmeldung zurückgestellten Studierenden daraus keine Verlängerung der Studienzeit erwächst". In zwei Instanzen verlor der Student: sowohl das Landes- als auch das Oberlandesgericht Graz wiesen die Klage ab. Doch der OGH revidierte das Urteil unter Hinweis auf das UG, das den Studenten Schutz biete, ihre Ausbildung in Mindestzeit beenden zu können. Es gebe zwar kein subjektives Recht einer Person auf einen Studienplatz, doch Hochschulen seien verpflichtet, Studienverzögerungen zu vermeiden, argumentierten die Höchstrichter laut "Presse".

Verschulden der Uni

Allerdings erachtet der OGH es für möglich, "dass die Universität kein Verschulden trifft, wenn die Ansetzung von Parallellehrveranstaltungen aus massiven wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar ist", wird der den Studenten vertretende Anwalt Andreas Ulrich von Jarolim Flitsch Rechtsanwälte in der "Presse" zitiert. Diese Frage müsse nun das Landesgericht Graz klären, an das der OGH den Fall zurückverwies. Der Anwalt vertritt die Ansicht, dass im Normalfall ein Verschulden der Universität vorliege, die verpflichtet sei, Ressourcen umzuschichten, um genügend Studienplätze anzubieten oder ihrerseits rechtliche Schritte gegen die Republik einleiten hätte müssen, wenn sie nicht selbst über ausreichend Mittel für den Studienbetrieb verfügt.

Sünkel: Konsequenzen für Unis ein Hammer

Der Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, kann sich "beim besten Willen nicht vorstellen", dass die Universitäten dazu verpflichtet werden, ihre Ressourcen umzuschichten, um genügend Studienplätze anzubieten, wie es das aktuelle Urteil des Obersten Gerichtshof (OGH) nahelegt. "Das wäre für die Unis ein Hammer", sagte Sünkel zur APA, "dies würde ein dramatisches Umdenken an jeder einzelnen Universität bedeuten."

Nach Ansicht Sünkels hätte eine solche Umschichtung "weitreichende Konsequenzen". Betroffen wären letztlich auch kleinere Fächer, wo die Studienbedingungen noch deutlich besser seien als in den Massenfächern. Befragt, ob die Unis im Fall der Umsetzung des Urteils die Republik klagen würden, um ausreichend Ressourcen für die notwendigen Studienplätze zu erhalten, wie es der Anwalt des klagenden Studenten den Unis nahelegte, antwortete Sünkel: "Was bliebe uns anderes übrig."

ÖH-Aufruf zu Massenklagen

Noch ist Sünkel allerdings zuversichtlich, schließlich habe der OGH den Ball an die erste Instanz zurückgespielt. "Es ist wohl noch nicht das letzte Wort gesagt", betonte der Rektorenchef.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat in einer Aussendung jene "Tausenden" Studenten zur Klage aufgerufen, deren Studium sich wegen zu geringer Kapazitäten an den Unis verzögert. An manchen Universitäten verkomme der Versuch Lehrveranstaltungen zu bekommen oft zu einem Online-Lotto-Spiel, kritisiert die ÖH. Da aber für den Erhalt von Familien- oder Studienbeihilfe bestimmte Studienleistungen nachgewiesen werden müssen, würden viele Studenten Beihilfen verlieren, weil sie keinen Seminarplatz bekommen. (APA)

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ich wär dafür..

dass man sich Übungen kaufen kann!

dasseigesagt
 
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"Das wäre für die Unis ein Hammer", sagte Sünkel zur APA, "dies würde ein dramatisches Umdenken an jeder einzelnen Universität bedeuten."

...setzt voraus, das überhaupt mal gedacht werden würde

system1
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umdenken....

ach so, das erkennen, dass nicht nur kassiert sondern auch geleistet werden muß, ist bereits umdenken....?! wie fortschrittlich... hoffentlich kommt eine klagsflut! jetzt ist der zeitpunkt, voll draufhalten, mit aller wucht! lasst sie nicht zur ruhe kommen die abkassierer! wir wollen unsere gegenleistungen! jetzt und sofort!

Loxoceles
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Wenigstens ein Richter mit Systemverständnis. Hut ab!
Schade, dass man damit erst bis zum OGH die Instanzen durchwandern muss.

Fer Luzi
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Studiengebühren

Meiner Meinung nach müssen Studiengebühren wieder eingeführt werden, und zwar nach einem für Österreich und seine Studierenden fairen System (ähnlich jenem in den USA):

Studiengebühren für inländische Studierende wie bereits gehabt, Rückerstattung innerhalb Mindestzeit inkl. Toleranzsemester. Doppelte Studiengebühren für ausländische Studierende ohne Rückerstattungsmöglichkeiten.

Es kann nicht sein, dass Österreichs Universitäten von ausländischen Studierenden (v.a. von Deutschen) überschwemmt werden und so das Bildungssystem an den Hochschulen zum Erliegen kommt. Wenn schon keine Zugangsbeschränkungen für ausländische Studierende, dann eben Gebühren. Das sollte die ÖH fordern.

Schreck
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In den USA leistet sich eine winzige ELite ein Studium an einem Ivy-League-College, der Mittelstand verschuldet sich bis zum geht nicht mehr in öffentlichen Universitäten und der Rest fährt noch nichtmal an einer Vorbei (abgesehen von einer handvoll, die über affirmative-Aciton-Scheisdreck reinkommen und der Gesellschaft vorgaukeln, dass es eh jeder schaffen kann, wenn er nur fest genug will)

system1
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das problem bei den oberflächlich propagierten gebühren ist:

dann MUSS die uni aber auch sämtliche infrastruktur zur verfügung stellen, was sie allerdings nie kann. daher wird die diskussion halbherzig geführt. denn die uni und ihre beamteten schläfertruppen WOLLEN garnicht arbeiten! das ist der punkt. wenn ich zahle will ich auch leistung. heißt: prüfung dann machen, wann ich vorbereitet bin und will. öffnungszeiten aller institute den ganzen tag (bis am abend um 20 uhr weil ich ja erbeiten muß um die gebühren zu zahlen!). prompte abwicklung (zeugnisse, auskünfte etc.). DAS ALLES GEHT ABER NICHT! was ist da so schwer zu begreifen? es geht ebgen nicht, nur zu kassieren und null dafür zu bieten!!!! und: ein hörsaal in dem nicht der putz bröckelt ist dann sowieso mindeststandard!!!!

Fer Luzi
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Und dass man mehr bieten kann, wenn man dementsprechende Gebühren einnimmt... auf diesen Gedanken kommen Sie nicht?

Übrigens: Beruhigen Sie sich ein bisserl. Ihre 4 Ausrufezeichen sind Hinweis auf einen schon gefährlichen Erregungszustand. Also bitte - ganz ruhig bleiben, ja?

Und die Forderungen, die Sie stellen, sind schon ein klein wenig lächerlich, finden Sie nicht? Nirgends haben Sie derartige Öffnungszeiten (abgesehen von der Bibliothek vielleicht). Prüfung machen, wann Sie vorbereitet sind und Sie wollen? Jaa, ganz sicher. Sie machen sich hier mehr als lächerlich.

120 Jahre Karl Schranz
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"Das sollte die ÖH fordern."

das wäre nach EU-recht nicht möglich. es lohnt sich also nicht auch nur eine sekunde darüber nachzudenken

Fer Luzi
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Studiengebühren nach EU-Recht nicht möglich?

Glaub ich nicht. Sie meinen vermutlich, dass unterschiedliche Gebühren nicht möglich wären. Selbst da wäre ich nicht so sicher. Sie schon?

120 Jahre Karl Schranz
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ein klares ja.

das verbot von unmittelbarer und mittelbarer diskriminierung nach staatsangehörigkeit (also sowohl "österreicher zahlen nicht" wie auch "jemand mit matura zahlt nicht") im dienstleistungsbereich ist ein kern des EU-rechts. warum glauben sie wurde sonst die herkunftsland-regelung 2005 aufgehoben?

nochmal: Ö darf natürlich gebühren von den deutschen erheben. diese dürfen aber nicht höher als die der österreicher sein, weil sie (in diesem bereich) rechtlich österreichern gleichgestellt sein müssen.

Der strenge Meister Johann
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Und was sagen sie zu der Diskriminierung, dass

der negative Numerus Clausus-Output in AUT alles studieren kann an jeder beliebigen Uni, umgekehrt das aber nicht der Fall ist?

120 Jahre Karl Schranz
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lesen sie doch einmal meine beiträge, es ist eigentlich ganz einfach:.

deutschland muss österreicher wie deutsche behandeln, österreich deutsche wie österreicher. was österreicher in D dürfen oder nicht ist für die frage was ein deutscher in wien darf völlig unerheblich.

spoiled ballot
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jetzt hört doch auf wir brauchen das geld

für die hypo,
für "hackler"pensionen die von beamten kassiert werden,
für "berater" in ministerin,
für direktzahlungen (gehälter) für hobbybauer wie meinl, scheuch, wolf, mendorf, ...
für die steuererleichterung des raika konzerns,
für die landeshauptleute,
für meischbergers,
für grassers,
für humpolds,
für eurofighter.
...

da bleibt für bildung halt nichts übrig.

jack johnson
 
01
Denkanstoß

Die alle bekommen Geld, nur die Unis nicht...
Sind die Unis vielleicht einfach zu unfähig? Lassen sich die einzelnen Interessengruppen mit Taschenspielertricks gegeneinander ausspielen?

Ach nein, bleiben wir bei der klerikoneokonservökonomischen Verschwörung wider die Studentenschaft, und der Bildung an sich, welche die Elite sich ja so sehr fürchten muss.

system1
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ihr letzter punkt stimmt uneingeschränkt.

es ist und war tatsächlich so, dass die machteliten niemanden nachrücken lassen wollen!!! wären sie ja dumm...und die uni hat das problem, dass jeder der sie mal beendet hat, nie wieder kommt. weil er dann endlich im berufsleben steht. und froh ist, den wahnsinn beendet zu haben. auch wenn man erst danach klüger ist und vieles besser machen könnte. DAS ist das problem.

Elessar
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die öh ist sich mmn nicht im klaren was sie damit anrichtet! also die öh ist leider um nix fähiger/unfähiger als die karl!

wenns so weitermachen kommen bei solchen studienrichtungen noch härtere zugangsbeschränkungen!

tolle entscheidung des richters! der wurde wohl auch geärgert während seines studiums. mehr plätze und zuwenig geld - tolle vorraussetzung für ein studium mit qualität!

Simplicius Simplicissimus
10
Sei ...

... stille, Sklave!

unterschichtskind auf dem weg nach oben
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interessante Logik. De++?

xxhour666
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Wie wird die Umsetzung aussehen: In Zukunft wird der liebe Student den 2. Antritt also auch nicht schaffen.

es sei bemerkt
05

"he, so war das aber nicht geplant!" wird die öh dann wohl sagen, wenn als konsequenz des ganzen flächendeckende studienplatzbeschränkungen bzw- vordefinierte aufnahmezahlen eingeführt werden.

kapazität und zugelassenenzahl müssen einander entsprechen - das erreicht man viel leichter durch regulierung der zulassungszahlen als durch anpassung der kapazitäten auf unplanbare studieninteressentenzahlen.

Nix da Smoothies! Obst trinkt man gebrannt
04
Na ganz einfach:

Damit so etwas nicht mehr passieren kann, werden in Zukunft halt nur mehr so viele das 1. Semester beginnen können, wie im 3. Semester Seminarplätze vorhanden sind.

Ein bissl strenger aussieben halt gleich am Anfang. Kostet nicht mehr, und solche Klagen sind dann chancenlos.

Weil das Geld brauchen wir ja für Zukunftsträchtiges wie Frühpensionen und Meinls Biobauernbeihilfe.

Gert Bachmann
 
04
woran sich die Geister scheiden ...

...ist - unabhängig von der ideologischen Frage von Gebühren oder Zugangsregelungen - die Frage ob ein Land das derartigen Nachholbedarf bei AkademikerInnen UND Universitätenfinanzierung hat so blind sein kann bereits VOR Annäherung an den OECD Schnitt die Universitätenfinanzierung einzufrieren. Weiters ist im Wissen das die letzten Studiengebüren die Situaton nicht verbessert hatten unverständlich warum die sogenannte Autonomie nicht evaluiert wird. Gerade unter diesen Bedingungen ist es nötig den Rektoren besser auf die Finger zu sehen undauf widmungsgemässer Mittelverwendung (das ist zunächst effektive Studienbewirtschaftung und erst in zweiter Linie Prestigeforschung) zu bestehen.

DER-STANDARD-JURIST
10
kluger student, dumme öh

mehr ist dazu wohl nicht zu sagen.

bin aber doch überrascht, wie kritisch die forumsteilnehmer das urteil betrachten. der unistandort österreich versandelt zwar, die studierenden haben aber was im kopf!

4simo
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unistandort ist schon längst versandelt

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