In ihrem Buch "Gut bei Stimme" beschreibt Stimmtrainerin Ingrid Amon wie Stimmprobleme vermeiden werden können
Österreichs Lehrer leisten stimmlich außerordentlich viel. Das tägliche Dauersprechen im Unterricht ist Hochleistungssport für die Stimmbänder. Aber die Lehrer sind nur unzureichend dafür ausgerüstet. 61 Prozent haben zeitweise Stimm- und Halsprobleme, 15 Prozent sogar chronische. Das zeigen verschiedene Studien der letzten Jahre. Dabei sind Stimmprobleme vermeidbar. Richtiges Training beugt Stimmerkrankungen vor und sorgt für mehr Gehör im Klassenzimmer. Stimmtrainerin Ingrid Amon hat ein Buch extra für Lehrer geschrieben. Schon fünf Minuten Aufwärmtraining pro Tag machen Pädagogen laut der Autorin stimmfit.
Wenig Sprecherziehung
Als ausgebildete Pädagogin hat sie selbst erfahren, wie wenig stimmliches Rüstzeug die künftigen Lehrer in ihrer Ausbildung erhalten. Sprecherziehung gibt es nur als Übung im Ausmaß einer Wochenstunde. "Unterricht ist gleichzeitig Hoch- und Dauerleistung für die Stimme" sagt. "Wer seine Stimme geschult, ökonomisch und effizient einsetzt, muss sich beim Sprechen weniger anstrengen, spricht lauter, deutlicher und bestimmter. Und beugt Stimmerkrankungen vor." Das Buch "Gut bei Stimme" ist speziell auf die stimmlichen Anforderungen im Unterricht abgestimmt und bietet ein Fünf-Minuten-Training auf CD. Zusätzlich liefert Ingrid Amon in ihrem neuen Werk vielfältiges Unterrichtsmaterial für die Stimm- und Sprechschulung der Kinder. Schließlich prägen Pädagogen die Sprechfähigkeit ihrer Schüler entscheidend. (red)
Zur Autorin
Ingrid Amon ist selbst ausgebildete
Pädagogin und gilt als profilierteste Stimmexpertin im deutschsprachigen
Raum. Zwanzig Jahre Erfahrung als Sprecherin und Moderatorin unter
anderem beim ORF und fast dreißig Jahre als Trainerin für Sprechtechnik,
Rhetorik und Präsentation sprechen für sich. Ingrid Amon wurde 1960 in
Vorarlberg geborgen. Sie ist Gründerin des Instituts für Sprechtechnik
in Wien, Mitglied des Austrian Voice Institute und Präsidentin des
Europäischen Netzwerkes der Stimmberufe
Fünf Stimmtipps für Lehrer
- Trainierte Stimmen halten mehr aus.
Das ist wie im Sport. Stimmbänder werden kräftiger, wenn sie regelmäßig
und gezielt trainiert werden. Tägliches Ausdauer- und Krafttraining
bringt mehr Stimmvolumen und beugt Heiserkeit vor. Singen und summen Sie
im Alltag und in den Pausen immer wieder leise vor sich hin - mit
locker aufeinander gelegten Lippen. Die Lippen sollen dabei leicht
vibrieren. Das MMMM ist der entspannendste Buchstabe unserer Lautgebung.
- Vertraut werden mit Ihrer Stimme: Nehmen Sie so oft wie möglich
Ihre Stimme auf und hören Sie sich an - ohne Ihre Stimme abzuwerten!!
Besprechen Sie so oft wie möglich den Text auf Ihrer Mailbox oder Ihrem
Anrufbeantworter neu. Damit stärken Sie Ihr Gefühl für Ihre eigene
Stimme, und Sie werden schnell hören, was sie verbessern können und was
Ihrer Stimme guttut.
- Stabilität und Sicherheit: Stimmliche Kraft
und Sicherheit beginnen bei den Fußsohlen. Sorgen Sie knapp vor dem
Unterricht für ein bewusstes Fuß-Gefühl. Krallen Sie mehrmals die Zehen
in den Schuhen ein und strecken Sie diese wieder aus. Ein gutes
Beckengefühl sorgt für Stimm-Volumen. Po-Backen vor Sprechbeginn einige
Male fest zusammenkneifen und loslassen, Beckenbodenmuskeln aktivieren:
Die Stimme klingt sofort voller. Beim Sprechen die Knie locker lassen,
nicht durchdrücken.
- Stimmpflege: Jedem Pädagogen sein individuelles
Stimm-Management! In die Toolbox für die Schule gehören als
Standardausrüstung eine Trinkflasche mit Wasser oder dünnem Tee,
Lutschpastillen, ein Woll- oder Seidenschal (gegen Zugluft). Außerdem
die homöopathischen Globuli Arum Triphyllium D 30. Beim ersten Anzeichen
von Halskratzen und Stimmschwäche fünf Globuli in einem Glas Wasser
auflösen und alle fünfzehn Minuten einen Schluck trinken. Das ist eine
absolute Notfallmaßnahme für etwa fünf Unterrichtsstunden. Vorsicht: Zu
viel Kaffee, Cola und Energy Drinks schaden der Stimme.
- Ökonomisch
laut werden. Wenn es sein muss: Trichter vor dem Mund bilden, Rufen
statt schreien, Vokale mehr betonen und dehnen (Haaaaaalloooooooo...)
und nicht durchgehen rufen, sondern wie eine Sirene auf- und
abschwellende Töne produzieren. Das wirkt insgesamt lauter und schont
die Stimmbänder.