Nachbeben der Stärke 4,5, weiterhin Ausgehverbot
Nach dem Erdbeben der Stärke 7,0 in der neuseeländischen Stadt Christchurch haben die Behörden den Notstand verlängert. Er gelte noch bis Mittwochmittag (2.00 Uhr MESZ), sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums am Montag. Die Armee verstärkte die Polizei bei der Sicherung des Stadtzentrums, wo herabstürzendes Mauerwerk und Glasscherben die Menschen gefährdeten.
Das Zentrum von Christchurch glich am Montag einer Geisterstadt. Uniformierte patrouillierten durch nahezu menschenleere Straßen. Soldaten unterstützten die Polizei zudem an Kontrollposten zum abgeriegelten Zentrum. Schulen, Geschäfte und Büros blieben geschlossen. Die Bewohner wurden aufgerufen, bis zur Inspektion der mehr als 500 beschädigten Häuser daheimzubleiben. Die Pensionsbesitzerin Anna Crighton beschrieb die Lage auf den Straßen als "merkwürdig, unheimlich und sehr ruhig".
In Christchurch galt weiter eine nächtliche Ausgangssperre, die am Samstag verhängt worden war. Damit sollten unter anderem Plünderungen verhindert werden. Die Justiz kündigte einen harten Umgang mit Kriminellen an. Wer sich das Erdbeben zunutze mache, werde vom Gericht "als jemand angesehen, der zu allem fähig ist", sagte Richter Michael Crosbie vom Bezirksgericht in Christchurch nach einer Anhörung von fünf Männern, die gleich nach dem Erdbeben Einbrüche und Diebstähle begangen haben sollen.
Der örtliche Polizeichef Dave Cliff sagte in Radio New Zealand, mehrere aktenkundige Kriminelle seien festgenommen worden, als sie versuchten, als städtische Arbeiter verkleidet ins abgeriegelte Zentrum zu gelangen.
Einstürzende Wände
Unterdessen berichteten mehrere Einwohner von Christchurch, wie sie das Erdbeben Samstag früh (Ortszeit) erlebten. Der 16-jährige Xavier Trousselier-Rhodes wurde aus seinem Bett durch eine einstürzende Hauswand hindurch mehrere Meter tief auf einen Schutthaufen geworfen, wie er der Zeitung "The Press" erzählte. Er kam mit ein paar Schnittwunden und blauen Flecken davon. Sein Bruder habe Glück gehabt, dass er woanders übernachtet habe, berichtete Xavier: Sein Bett sei unter Trümmern begraben worden.
Auch Bridie Sweetman berichtete von ihrem Glück. Der Website "stuff.co.nz" sagte sie, sie sei in ihrem Bett von dem Beben überrascht worden. Doch noch 20 Minuten vorher habe sie ein Glas Wasser in der Küche getrunken, wo später die Trümmer eines einstürzenden Schornsteins im Spülbecken landeten. Zahlreiche weitere Menschen berichteten im Internet von dem Beben. Im sozialen Netzwerk Facebook zählte die Gruppe "Ich habe das Erdbeben vom 4. September 2010 in Christchurch überlebt" rund 9.500 Mitglieder.
Premierminister John Key erklärte, das Beben werde das Leben in der betroffenen Region noch eine Weile beeinträchtigen: "Das ist keine kurzfristige Sache." Am Montag sollte das Kabinett eine Krisensitzung abhalten. Es wurde erwartet, dass Key einen Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau einsetzt.
Das Beben der Stärke 7,0 hatte die Bewohner von Christchurch und Umgebung am Samstag aus dem Schlaf gerissen. Einige Gebäude stürzten ein. Mehrere Menschen wurden verletzt, Todesopfer waren aber nicht zu beklagen. Dutzende Nachbeben erschütterten die Region seitdem.
Ungewöhnliches Detail am Rande: Nach dem Beben wurde in der Hauptstadt ein Geburtenrekord registriert. In den 24 Stunden nach den starken Erdstößen seien in der Frauenklinik von Christchurch 21 Kinder auf die Welt gekommen, sagte eine Kliniksprecherin am Montag. "Das ist Rekord für einen Samstag." (APA)