Security

Das zerbröselnde nächtliche Sicherheitskonzept

Michael Möseneder , 5. September 2010, 19:53
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    foto: standard/christian fischer

    Vier Polizistenaugen pro Garnitur lautete der Plan: Im Laufe der Nacht wurden es in der Wiener U-Bahn einsatzbedingt dann aber immer weniger.

Zwei uniformierte Polizisten in jedem Nacht-U-Bahnzug haben Politik und Polizeiführung versprochen. In der Realität ist das kaum durchgehend umzusetzen, zeigt ein Lokalaugenschein.

Wien - Die Mathematik ist ein Hund. Und kann die vollmundigsten Ankündigungen zur Makulatur werden lassen. Wie jene, dass bei der neuen Nacht-U-Bahn in jedem der eingesetzten 22 Züge zwei Polizisten präsent sind, wie noch in der Freitagnacht ausgeteilten Presseunterlage der Wiener Linien zu lesen ist. Das Problem: Es gibt nur 22 Doppelstreifen uniformierter Beamter. Und wenn eine von diesen einen Zug verlässt, beginnt das logistische System zu wanken.

Der Start verläuft in der Nacht auf Samstag, in der 63.000 Menschen die U-Bahn nutzen, noch planmäßig. Die Polizistinnen und Polizisten strömen gegen ein Uhr in den Stationen Karlsplatz und Westbahnhof die Rolltreppen hinunter und verteilen sich in den Zügen. Mit blauen Baretten auf dem Kopf stehen sie meist in der Mitte des Zuges und lassen den Blick schweifen.

Arbeit haben sie zunächst kaum. Einsatzleiter Werner Granig steht am Reumannplatz in Wien-Favoriten an der Oberfläche, als sein Funkgerät aktiv wird. "Die Wiener Linien melden, dass die ÖVP Flugzettel in den Zügen verteilt und wollen, dass wir etwas machen", ist zu hören. Der Oberstleutnant schaut kurz etwas verdutzt und gibt dann die Anweisung an alle: "Wir haben da keinen Grund einzuschreiten", lässt er wissen.

Doch was als einfache Übung beginnt, zerbröselt im Laufe der Nacht. Beispiel U3: Bei sieben Fahrten zwischen den Stationen Volkstheater und Westbahnhof und retour sucht man zwischen drei und 4.20 Uhr in fünf die vier Augen des Gesetzes vergeblich. Das gleiche Bild auf je zwei Fahrten auf der U1 und der U2. Zu der Zeit, in der die meisten Menschen heimwärts rollten, fehlten also in neun von elf Zügen die Beamten.

Wie das passieren kann, zeigt sich in der Nacht auf Sonntag, in der 38. 000 Fahrgäste gezählt werden, als der Standard eine Patrouille begleitet. Am Schwedenplatz fallen den Beamten zwei Glatzköpfe auf, einer davon mit Londsdale-Sweater. Eine Kontrolle bringt ein Säckchen Marihuana zum Vorschein. Die beiden werden auf die nächste Polizeiinspektion gebracht - wo einer der beiden plötzlich mehrere Drogendelikte gesteht. Eineinhalb Stunden vergehen so, Zeit, in denen eine U-Bahn alleine fährt.

"Unser Konzept sieht vor, dass an wichtigen Knotenpunkten vier bis zehn Beamte extra stationiert sind, die solche Fälle übernehmen können", erklärt Einsatzleiter Granig. Allerdings: "Es hat in der Nacht auf Samstag 105 Identitätsfeststellungen gegeben", erklärt Polizeisprecher Mario Hejl, in der Nacht auf Sonntag waren es 108. Nicht alle können an diesen Knotenpunkten durchgeführt werden. Und schließlich können auch Toilettenpausen dazu führen, dass Züge verlassen werden müssen.

Nur: Ist der Zug einmal leer, kann es im schlimmsten Fall bis zu einer Stunde dauern, bis der wieder in der Station eintrifft, in der die Beamten ausgestiegen sind. In der Nacht auf Sonntag funktioniert es zwar besser, perfekt ist es immer noch nicht.

"Wir müssen uns das alles jetzt einmal ansehen", meint Einsatzleiter Granig dazu. Polizeiintern ist zu hören, ob es nicht vernünftiger wäre, die Präsenz auf einen stark genutzten Kernbereich zu konzentrieren und nicht Beamte in fast leeren Zügen in den Randbezirken herumfahren zu lassen.

Eisern geschwiegen wird über die Kosten für die rund 60 uniformierten Polizisten und 20 Kriminalbeamten an zwei Nächten pro Woche. Billig können sie nicht sein. Der im März eingestellte Einsatz von sechs täglichen Nachtstreifen à zwei Kriminalbeamten kam laut der Fachzeitschrift Kriminalpolizei auf rund 1,3 Millionen Euro. Dass ein monetärer Zusammenhang besteht, dass diese Streifen etwa ein Monat nach dem "Ja" der Wiener zur Nacht-U-Bahn beendet wurden, bestreitet Polizeisprecher Johann Gollob heftig. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun." (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

Kommentar posten
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NoPod
00
5.11.2010, 17:17
Subjektiv..

.. fühle ich mich durch die paramilitärisch auftretenden Polizisten eher unsicherer als zuvor.
Mir vermittelt das den Eindruck als würden überall Kriminelle lauern weswegen die Präsenz der Polizei notwendig ist.

John Doe 1881
20
21.9.2010, 14:40
Realität

Wann hört dieser Schwachsinn der roten Stadtregierung endlich auf? - wahrscheinlich am 11.10 - das ganze war doch nur eine Wahlwerbung für die SPÖ finanziert durch die Stadt Wien. Man wusste das man bei den unter 20 jährigen miserable Umfragewerte hatte und da kam diese tolle Idee raus die uns alle Millionen kostet. Wer lange fortgehen will muss sich halt Gedanken machen wie er um 4 nach Hause kommt - entweder Geld fürs Taxi aufheben und nicht alle versaufen oder mit dem Nachtbus fahren - so einfach ist das. Die Polizisten fehlen nun in der ohnehin schon schwach besetzten Zeit noch mehr - Danke Hr. Häupl für Geld u. Ressourcenverschwendung..........grrrr

Marlon62
00
24.9.2010, 08:26
das ganze war doch nur eine Wahlwerbung für die SPÖ finanziert durch die Stadt Wien.

Stimmt nicht! Das ganze war eine Forderung der komasaufenden JVP, worauf Häupl eine Volksbefragung durchführen ließ.

mitch2
01
18.9.2010, 00:10
Londsdale-Sweater

muß ich jetzt aufpassen, daß ich soetwas nicht irrtümlich erwerbe und meinem neffen schenke, oder gibts das nur in spezialgeschäften? und wären die beiden mit einem lacoste od. fredperry-sweater nicht kontrolliert worden? und gibt es eine "falsche" marken liste bei der polizei? und wieso bringt google die marke lonsdale, wenn man nach londsdale sucht?

R. Lexer
00
26.9.2010, 20:49

An sich sind Fred Perry und Lonsdale zwei unverfängliche Sportmarken, aber aus diversen Gründen (in dem Fall die "Reichsfarben" und das "NSDA" im Namen) auch in der rechten Szene besonders beliebt sind.

http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikonte... liebt-sind

LtCdr Data
01
18.9.2010, 13:36

lonsdale-sweater erfreuen sich angeblich deswegen einiger beliebtheit, weil sich der größere teil der abkürzung nsdap zeigt wenn man durch eine darüber getragene jacke elegant ein paar buchstaben verdeckt. fred perry ist angeblich auch eine hausmarke diverser szenen.

a schene leich
00
29.9.2010, 16:41

joah, bei fred perry können das aber viele sein. nazis, punks, linke, rechte, hooligans, golfer, reiche söhnchen, fußballfans (keine hooligans), prolos, normalos...

captaineskimo
00
18.9.2010, 16:37

muss ich aufpassen wenn ich was von burberry trage, lacoste? liegt irgendwo eine blacklist der bösen marken auf?

Ignaz gartengschirrl
00
17.9.2010, 15:15

was für eine überraschung!

jeder der logisch denken kann wusste schon vorher das es einfach nicht durchführbar ist 2 beamte für jede ubahn abzustellen das ahbe ich schon vor wochen gepostet und ich brauchte nicht einmal einen lokalaugenschein dafür.

mag2412
12
14.9.2010, 09:34
Sicherheit.

Ich werde, wenn ich morgens um 4 Uhr früh nach Hause will, weiterhin mit dem Taxi fahren. Zum einen deshalb, weil ich bestimm wann es losgeht, zum anderen weil ich mich nicht gerne unter eine Horde besoffener Menschen mische. Insbesonders bei dem Agressionspotential.

Was sich die Sicherheitsmenschen in Wien mal durchn Kopf gehen lassen sollten, und jeder Kunde der Öffentlichen ist folgendes. Es war bis jetzt schon ein Drahtseilakt am Karlsplatz am Schwedenplatz, Praterstern usw. von der Strasse bis zu U Bahn zu kommen OHNE ein ungutes Erlebnis zu haben. Um 4 h morgens wirds noch ein wenig kritischer werden.

Vor ein paar Tagen sind Rumänen und Serben aufeinandergetroffen. Da nützt die Polizei i.d. U relativ wenig.

The_new_number_2
20
17.9.2010, 14:25

Suchen Sie sich halt eine männliche Begleitperson, wenn Sie nachts in Wien unterwegs sind und sich dabei fürchten...

Chocoholic
01
19.9.2010, 03:01
Sich zu fürchten, oder gefährdet/belästigt zu sein, sind zwei Paar Schuhe.

Warum eigentlich muss sich eine Frau einen männlichen Begleiter suchen, wenn sie die ach so sicheren tollen Errungenschaften wie die Nacht U Bahn in Anspruch nehmen will? Steuern darf sie ja auch dazu zahlen?

BraS
 
00
20.9.2010, 13:32

muss sie ja nicht.
Sie braucht sich auch nicht fürchten.

Chocoholic
00
23.9.2010, 16:46
Warum nicht?

Weil Sie da sind, um ihr zu helfen, wenn sie jemand anstänkert?

a schene leich
00
29.9.2010, 16:43

warum doch?
ich bin bei weitem niemand, der gefährlich aussieht und doch gehe ich stressfrei durchs leben. eine auf die schnauze kann ich auch um 8 uhr früh auf dem weg ins büro kriegen... egal ob mann oder frau.

Festnetzwiederanmelder
00
erstaunlich.

Hab bis jetzt geglaubt, dass Nazis Drogen ächten....

Thomas Eugene
00
17.9.2010, 19:00

Tun die meisten nicht.
Wieso glauben Sie, dass das Nazis waren?

Robin aus dem Wald
 
14
"Mit blauen Baretten auf dem Kopf stehen sie meist in der Mitte des Zuges und lassen den Blick schweifen."

Jetzt habe ich doch tatsächlich gelesen, sie stehen in der Mitte des Zuges und lassen den Schweif blicken... ^^

UnXund
10

im ernst, ich fühl mich genau nicht sicherer wenn polizei in der ubahn rumfährt, im gegenteil.
haben die echt nix besseres zu tun??

Angelika70
03
17.9.2010, 16:28

Glauben sie wirklich, die Polizisten machen das freiwillig?

Verrückt ist gut
01
Uiiii! 2 Glatzen mit Marihuana!

Wann werden Glatzen und Marihuana endlich legalisiert und nicht gleich vorneweg kriminalisiert??????

UnXund
00
richtig

ein toller schlag gegen die organisierten kiffer...

*-_-*
16

die övp verteilt ihr propaganda-material ohne genehmigung? hoffentlich hat das folgen

Quim Barreiros
01

Streng genommen könnten die Wiener Linien laut Beförderungsbedingungen 50 Euro für so etwas einheben.

peter schmidt
 
64
Jetzt haben die doch tatsächlich 2 Glatzköpfe mit einem Säckchen Marihuana aufgegriffen.

Wärens 2 Rastalockenträger gewesen gäbs jetzt schon 200 Postings in denen die endlich fällige Legalisierung von Haschisch und Mariuahana gefordert wird.

DIe Mehrheit der Poster ist intellektuell unredlich.

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