Ein König als Garant für Belgiens Einheit

5. September 2010, 19:03

Unerschütterlich hält Albert II. seinen Laden zusammen

Dass die gleichmütigen Belgier nicht so leicht in Trübsinn auszubrechen bereit sind, ist so sicher wie deren strenge Diätverordnung, dass zu Muscheln und Pommes ein anständiger Weißwein zu verputzen sei. Insofern mag der von außen betrachtet so bedauernswert erscheinende König der Belgier dieser Tage wieder einmal leidgeprüft, aber eben nicht kleinmütig sein. Mit ein wenig Sondage, neuen Emissären, womöglich auch mit Geduld und Spucke wird sich schon wieder eine Regierung für Flamen und Wallonen finden lassen. Gesucht wird ohnehin erst seit drei Monaten. Und ein bisserl was geht ja immer - früher oder später.

Albert II., mit vollem Namen Albert Félix Humbert Théodore Christian Eugène Marie von Belgien, ist seit ziemlich genau 17 Jahren konstitutioneller Monarch in Brüssel. Übernommen hat er 1993 von seinem so katholischen wie kinderlosen Bruder Bauduoin I. Damals noch als königlicher Filou verschrieen - er und seine heißblütige kalabrische Angetraute Paola ließen eine Zeit lang kaum eine Party aus - wuchs er schnell in seine neue Rolle hinein. Die Hinterbliebenen der Opfer des Kinderschänders Marc Dutroux lud er zu sich in den Palast ein, gegen den rechtsextremen Vlaams Blok bezog er deutlich Stellung. Heute lieben ihn die Belgier so wie seinen verstorbenen Bruder und Vorgänger - auch deswegen, weil der 76-Jährige das letzte glaubwürdige und reißfeste Band zwischen den beiden Völkern des seit 180 Jahren bestehenden Staates ist, dessen Einheit Albert unermüdlich einfordert.

Auch wenn höchste belgische Politiker heute öffentlich von einem "Plan B" und der Separation von Flamen und Wallonen sprechen, der König spielt auf Zeit. Die hat zuletzt immer noch einen Regierungschef für Brüssel gebracht, zuweilen sogar auch ganz brauchbare Ansätze für Staatsreformen.

Dem König, der an sich keine substanzielle politische Initiative ohne schriftliche Unterfertigung der Regierung starten kann, kommt dabei zunehmend machtpolitische Relevanz zu. Ohne ihn, scheint es, geht in Belgien nichts mehr. Ohne die Regierung dagegen schon - dass ein Interimskabinett unter Yves Leterme regiert, fällt niemandem weiters auf. Auch der EU nicht, deren Vorsitz die Belgier mit Leterme und dem ständigen Präsidenten und früheren belgischen Premier Hermann Van Rompuy nun quasi doppelt innehaben. "Alles bestens", ließ etwa die EU-Kommission mit Blick auf Belgien am Wochenende verlauten. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

 

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16 Postings

Ich bin für eine Aufteilung Belgiens:
- Wallonien an Frankreich
- Ostbelgien an Deutschland
- Flandern an die Niederlande

Brüssel wird als "Unions-Hauptstadt" eigenständig.

Dass sich der König um seine Zukunft fürchtet, ist einleuchtend und darf ihm niemand verübeln. Aber Belgien bleibet trotzdem ein unnötiges Zwangsgebilde.

Es gibt in Belgien den Spruch: "Der König ist der einzige Belgier".

das kommt nicht von irgendwo her ...

also

in holland und belgien hat er den ruf, im gegensatz zu beatrix, sehr schwach, und somit mitschuldig an der regierungslabilität seit 10 jahren zu sein.

So hat Belgien den Sinn dem lieben König ein gutes Volk zu seyn.

Ist das Foto von Police Academy?

Fällt mir als Ersten ein.....

War Belgien nicht ewig lang die "habsburgischen Vorlande"

wie es im Geschichtsunterricht so unschön heißt? Länger übrigens als Belgien als Staat existiert!

Wieso "unschön"?

sie verwechslen da was...

sie meinen die "österreichischen niederlande".
die österreichischen vorlande oder vorderösterreich finden sich im bayrisch-schweizerisch-baden-württembergischen raum.
sonst ham sie schon recht...

sorry,

ich war unkonzentriert. :-)

kein problem, ich auch, schließlich hab ich wieder mal "verwechslen" geschrieben :-)

König als Garant für Belgiens Einheit?

Das "belgische" Königshaus (von Sachsen-Coburg, übrigens) ist eine künstliche Institution (ebenso wie der belgische Staat) und ob Vlamen und Wallonen sich zusammenraufen oder nicht hat null mit König Albert II. zu tun. Da geht es um geschichte, um Unterdrückung, um wirtschaftliche Interessen und nicht um ein Königshaus, das Belgien nicht braucht und auch nicht nötig hat.
Übrigens: die Informationen zum Wie, Wann, Warum in der belgischen Geschichte findet man auch auf Wikipedia, daraus kann man dann vielleicht auch einiges ableiten. Und, mit der Bevölkerung Kontakt zu haben, kann auch nicht schaden, aber ein guter Journalist sollte das m.M.n wissen.

Welcher Staat, welche Institution und welches politische Amt ist nicht künstlich? Künstlich/Zivilisation ist alles, was über die marodierende Horde des Alpha-Männchens hinausgeht.

und welcher staat udn welche königfamilie hat IHRER meinung nach das naturrecht zu sein (lol) .....

keine, weil undemokratische ausbeuter sind sie allesamt.

Da ist es natürlich viiiieel demokratischer, wenn ein paar Dutzend ParteisoldatInnen auftragsgemäß jene Person zum Statsoberhaupt wählen, die der Chef oder die Chefin der gerade mächtigsten Partei gerne im Amt hätte (wie in Deutschland) oder allenfalls das Volk eine Auswahl treffen darf aus den Personen, die die Parteichefs der mächtigsten zwei Parteien gerne im Amt haben wollen (wie in Ösiland).

Og mei, wie die Dänen unter Margrethe II. auch leiden...

Und ein gewähltes Parlament gibt es da auch nicht. Dementsprechend auch keinen dem Parlament verantwortlichen Regierungschef.

Keine Gewaltenteilung.

Und allesamt korrupt.

Ja, so ist Dänemark... in Ihrer Phantasie...

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