Ein König als Garant für Belgiens Einheit

Unerschütterlich hält Albert II. seinen Laden zusammen

Dass die gleichmütigen Belgier nicht so leicht in Trübsinn auszubrechen bereit sind, ist so sicher wie deren strenge Diätverordnung, dass zu Muscheln und Pommes ein anständiger Weißwein zu verputzen sei. Insofern mag der von außen betrachtet so bedauernswert erscheinende König der Belgier dieser Tage wieder einmal leidgeprüft, aber eben nicht kleinmütig sein. Mit ein wenig Sondage, neuen Emissären, womöglich auch mit Geduld und Spucke wird sich schon wieder eine Regierung für Flamen und Wallonen finden lassen. Gesucht wird ohnehin erst seit drei Monaten. Und ein bisserl was geht ja immer - früher oder später.

Albert II., mit vollem Namen Albert Félix Humbert Théodore Christian Eugène Marie von Belgien, ist seit ziemlich genau 17 Jahren konstitutioneller Monarch in Brüssel. Übernommen hat er 1993 von seinem so katholischen wie kinderlosen Bruder Bauduoin I. Damals noch als königlicher Filou verschrieen - er und seine heißblütige kalabrische Angetraute Paola ließen eine Zeit lang kaum eine Party aus - wuchs er schnell in seine neue Rolle hinein. Die Hinterbliebenen der Opfer des Kinderschänders Marc Dutroux lud er zu sich in den Palast ein, gegen den rechtsextremen Vlaams Blok bezog er deutlich Stellung. Heute lieben ihn die Belgier so wie seinen verstorbenen Bruder und Vorgänger - auch deswegen, weil der 76-Jährige das letzte glaubwürdige und reißfeste Band zwischen den beiden Völkern des seit 180 Jahren bestehenden Staates ist, dessen Einheit Albert unermüdlich einfordert.

Auch wenn höchste belgische Politiker heute öffentlich von einem "Plan B" und der Separation von Flamen und Wallonen sprechen, der König spielt auf Zeit. Die hat zuletzt immer noch einen Regierungschef für Brüssel gebracht, zuweilen sogar auch ganz brauchbare Ansätze für Staatsreformen.

Dem König, der an sich keine substanzielle politische Initiative ohne schriftliche Unterfertigung der Regierung starten kann, kommt dabei zunehmend machtpolitische Relevanz zu. Ohne ihn, scheint es, geht in Belgien nichts mehr. Ohne die Regierung dagegen schon - dass ein Interimskabinett unter Yves Leterme regiert, fällt niemandem weiters auf. Auch der EU nicht, deren Vorsitz die Belgier mit Leterme und dem ständigen Präsidenten und früheren belgischen Premier Hermann Van Rompuy nun quasi doppelt innehaben. "Alles bestens", ließ etwa die EU-Kommission mit Blick auf Belgien am Wochenende verlauten. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

 

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