Fritz Dittlbacher leitet vorerst Innenpolitik, Hans Bürger TV-Info - Mediawatch: SPÖ und ÖVP in "ZiB 1" fast gleichauf - Mit Grafik
Wien - Der "Unabhängigkeit" widmet das Institut für das Recht der Massenmedien (REM) Donnerstag seine Jahrestagung. Österreichs Top-Rundfunkrechtler bewiesen wieder einmal Gespür für Thema und Timing: Donnerstag soll der Stiftungsrat des ORF Karl Amon zum Radiodirektor wählen.
Amons (60) Unabhängigkeit wurde etwa als Radiochefredakteur unter Generalin Monika Lindner und TV-Chefredakteur Werner Mück gelobt, die Schwarz-Blau installierte. Alexander Wrabetz machte ihn zum TV-Chefredakteur. Kanzler Werner Faymann wollte Amon schon als ORF-Chef, bisher winkte er ab. 2011 wird im ORF neu gewählt.
Nicht alleine die ÖVP kritisiert, dass der - erkrankte, aber arbeitswillige - Radiodirektor Willy Mitsche Amon für eineinviertel Jahre weichen muss. Kostet sogar weniger, behauptet die ORF-Spitze. Sie geht von einer Mehrheit für Amon aus - dank einiger Enthaltungen.
Die ZiBs verlieren damit ihre Chefs, von Amon abwärts: Stefan Ströbitzer, ZiB-Chef für ORF 2, wird Radiochefredakteur. Vize Waltraud Langer (ORF 1) wurde schon, auch unter VP-Protest, Magazinchefin.
Nach STANDARD-Infos soll Innenpolitikchef Hans Bürger die TV-Info vorerst leiten. Aber: Bürger hat laut ORF-Quellen demnächst Väterkarenz angemeldet. Innenpolitikchef wird (ebenso interimistisch) Bürgers Vize Fritz Dittlbacher. Der kommt diese Woche, im Wahlkampf um Wien und Steiermark, aus der Karenz zurück. Dittlbacher gilt als SP-Wunsch für die TV-Chefredaktion. Beide waren Sonntag nicht erreichbar.
Im August lagen SP und VP in der ZiB 1 fast gleichauf, Josef Pröll (VP) knapp vor Faymann. Dazu trug freilich ein ZiB-Bericht über Berechnungen zur Besteuerung von 13. und 14. Gehalt bei, der Finanzminister Pröll erzürnte - und den er gar von seinem Beamten eidesstattlich dementieren ließ.
BBC-Chef Mark Thompson musste gerade beim Strategen des konservativen britischen Premiers David Cameron antreten, journalistische Unabhängigkeit zu verteidigen. Thema: Berichte zu Sparplänen der Regierung. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 6.9.2010)