Transparenz

Agrar-Spekulation eindämmen

05. September 2010 18:13

Die zunehmende Spekulation auf agrarische Rohstoffe - dabei wird auf Risiken wie Ernteausfälle gewettet -, hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. Deutschland und Frankreich wollen sich im Rahmen der G-20, einer Gruppe, die aus Industrie- und Schwellenländern besteht, für eine Begrenzung der zuletzt stark gestiegenen Preisschwankungen auf dem agrarischen Rohstoffmärkten einsetzen. "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein" , heißt es in einem Strategiepapier des deutschen Landwirtschaftsministeriums.

Zwar hat eine Studie im Auftrag der OECD, die diesen Sommer vorgestellt wurde, keine zwingende Korrelation zwischen Spekulation und steigenden Preisen für agrarische Güter feststellen können. Sondern macht grundlegende Faktoren wie steigende Weltbevölkerung und mehr Wohlstand, der zu höherem Fleischkonsum führt, verantwortlich. Auch der Boom bei Biotreibstoffen heizt die Nachfrage nach Getreide und Zucker an.

Es muss etwas getan werden, um das Auf und Ab bei den Agrarpreisen transparenter zu machen, meinen Experten wie Heiner Flassbeck, Chefökonom der UN-Entwicklungskonferenz Unctad. Preisexplosionen führen in armen Ländern schnell zu Ernährungskrisen und Hungersnöten. Eine Regulierung sei notwendig.

Derzeit fürchtet die UN-Nahrungsmittelorganisation FAO keine Lebensmittelkrise wie 2008, allerdings gibt es eine Menge Unruhe: Die Ankündigung Russlands, das Exportverbot von Weizen bis zur nächsten Ernte zumindest teilweise aufrechtzuerhalten, sorgte für Unbehagen. Russland ist einer der größten Weizenexporteure.

Diskutiert wird eine europäische Rohstoff- und Warenbörse, ähnlich der Chicagoer CBOT. Der europäische Terminhandel, der in London konzentriert ist, gilt als intransparent. Erst im Sommer hatte ein Hedgefonds sieben Prozent der weltweiten Kakaoernte gekauft und damit die Preise sprungartig in die Höhe getrieben. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

Rico Whatever
 
05.09.2010 20:52
Zuwenig Spekulanten

Es gibt zuwenig Spekulanten. Genauer gesagt, es gibt zuwenig Konkurrenz unter den Spekulanten. In einem effizienten Markt sollte jedem long spekulierenden Hedge-Fonds ein short spekulierender gegenüberstehen. Gemeinsam würden sie dafür sorgen, dass der tatsächliche Preis sich nur 1-2% vom fundamentalen unterscheidet. Absprachen zwischen den beiden müssen natürlich verhindert werden, deshalb wird im Artikel (wahrscheinlich) Transparenz gefordert.

one man can make a difference
06.09.2010 09:18
so wenig Konkurrenz unter den Spekulanten ...

gibt es auch deswegen, weil es so viele (100.000e) Spekulationsinstrumente gibt. Das nützt nur den Banken (market maker), die von hohen Spreads profitieren sowie den Börsen bzw. proprietären Handeslplattformen (Gebühren).
Es schadet jedoch den Spekulanten und der Realwirtschaft, da illiquidere Märkte in den allermeisten Fällen zu größeren und plötzlicheren Preisbewegungen führen.

Daher ist es an der Zeit, die Anzahl der Spekulationsinstrumente (und damit der "Märkte") drastisch zu reduzieren. Das erhöht die Liquidität und führt somit zu kurzfristig viel geringeren Schwankungen und somit zu faireren und besser kalkulierbaren Preisen.

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
05.09.2010 22:14

tja, würden und sollten.
in der realität funktioniert es leider selten mit dem gesetz von angebot und nachfrage, da gilt - erst recht beim essen - das gesetz des dschungels.

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