Die zunehmende Spekulation auf agrarische Rohstoffe - dabei wird auf Risiken wie Ernteausfälle gewettet -, hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. Deutschland und Frankreich wollen sich im Rahmen der G-20, einer Gruppe, die aus Industrie- und Schwellenländern besteht, für eine Begrenzung der zuletzt stark gestiegenen Preisschwankungen auf dem agrarischen Rohstoffmärkten einsetzen. "Nahrungsmittel dürfen nicht Gegenstand reiner Finanzspekulation sein" , heißt es in einem Strategiepapier des deutschen Landwirtschaftsministeriums.
Zwar hat eine Studie im Auftrag der OECD, die diesen Sommer vorgestellt wurde, keine zwingende Korrelation zwischen Spekulation und steigenden Preisen für agrarische Güter feststellen können. Sondern macht grundlegende Faktoren wie steigende Weltbevölkerung und mehr Wohlstand, der zu höherem Fleischkonsum führt, verantwortlich. Auch der Boom bei Biotreibstoffen heizt die Nachfrage nach Getreide und Zucker an.
Es muss etwas getan werden, um das Auf und Ab bei den Agrarpreisen transparenter zu machen, meinen Experten wie Heiner Flassbeck, Chefökonom der UN-Entwicklungskonferenz Unctad. Preisexplosionen führen in armen Ländern schnell zu Ernährungskrisen und Hungersnöten. Eine Regulierung sei notwendig.
Derzeit fürchtet die UN-Nahrungsmittelorganisation FAO keine Lebensmittelkrise wie 2008, allerdings gibt es eine Menge Unruhe: Die Ankündigung Russlands, das Exportverbot von Weizen bis zur nächsten Ernte zumindest teilweise aufrechtzuerhalten, sorgte für Unbehagen. Russland ist einer der größten Weizenexporteure.
Diskutiert wird eine europäische Rohstoff- und Warenbörse, ähnlich der Chicagoer CBOT. Der europäische Terminhandel, der in London konzentriert ist, gilt als intransparent. Erst im Sommer hatte ein Hedgefonds sieben Prozent der weltweiten Kakaoernte gekauft und damit die Preise sprungartig in die Höhe getrieben. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)