Der Ruf nach mehr Regulierung von Rohstoff-Märkten kommt auch von Fondsmanagern wie Ulrich Baumann
Der Ruf nach mehr Regulierung von Rohstoff-Märkten kommt auch von Fondsmanagern wie Ulrich Baumann. Im Gespräch erläutert er, warum die Preise weiterhin stark schwanken werden.
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STANDARD: Lukas Sustala Immer mehr Finanzprodukte werden auf Rohstoffe gehandelt. Warum?
Baumann: Der Grund für diese Entwicklung ist klar. Es gibt viel Geld, das nach Veranlagung sucht, und an den Geld- und Anleihenmärkten sind die Renditen niedrig. Der Rohstoff-Markt wird damit attraktiv für neue Finanzprodukte. Laut Schätzungen von Barclays Capital betrug das an Rohstoffmärkten investierte Vermögen im Jahr 2000 rund 10 Milliarden Dollar. Man geht momentan von 300 Milliarden Dollar aus. Dies führt natürlich zu Preisschwankungen.
STANDARD: Preisschwankungen, die nicht mehr fundamental nachzuvollziehen sind?
Baumann: Teilweise sind die Marktentwicklungen auf den Futures-Märkten nicht durch die Lagerstände fundamental gerechtfertigt. Wir haben das bei Weizen gesehen, wo trotz voller Lager der Preis um 50 Prozent gestiegen ist. Es gibt in diesem Bereich eben viele Marktnischen mit wenigen Anbietern, die die Preise beeinflussen können. So hat der Hedgefonds Armajaro im Juli rund 270.000 Tonnen Kakao aufgekauft und physisch liefern lassen. Das entspricht in etwa dem europäischen Lagerhausvorrat. Es passiert immer wieder, dass einzelne Missernten wie eben in Russland den Markt verunsichern und Spekulanten anlocken.
STANDARD: Erachten Sie dann eine neue Regulierung für Rohstoff-Futures als nötig?
Baumann: Dass Regulierung nötig ist, hat sich etwa beim Fall Armajaro gezeigt. Es gibt zwei große Märkte, die in Chicago und London. Diese müsste man jedenfalls international regulieren. Aber wie sinnvoll ist eine Regulierung bei Futures von Lebensmittelrohstoffen, wenn gleichzeitig Lebensmittel zu Biosprit verarbeitet werden oder Millionen Tonnen Brot achtlos weggeworfen werden? Auf vielen kleinen Märkten würde es auch schon helfen, wenn man weiß, wer welche Positionen hält und die maximalen Positionen limitiert.
STANDARD: Die Konjunktur in den USA und Europa läuft deutlich langsamer als vor der Krise, dennoch steigen die Rohstoffpreise wieder. Wie passt das zusammen?
Baumann: Wir müssen uns von diesem anglozentristischen Weltbild lösen. Heute ist der Ölpreis hoch, die Konjunktur in den drei entwickelten Volkswirtschaften USA, Europa und Japan bricht ein. Der Preis bleibt aber aufgrund der Nachfrage aus Schwellenländern hoch. Das gilt auch für Industriemetalle wie Kupfer.
STANDARD: Angesichts dieser Nachfrage könnte es doch zu Knappheiten kommen?
Baumann: Bei vielen Fragen vernachlässigt man oft den Faktor Innovation. China investiert etwa massiv in Windkraft. Das größte Problem sehe ich bei Agrarrohstoffen. Denn in Schwellenländern entsteht eine breitere Mittelschicht mit einem neuen Konsumverhalten. Zudem kann der permanente Verlust von Agrarfläche durch Wetterkatastrophen nicht durch Gentechnik und Dünger kompensiert werden. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)
ULRICH BAUMANN (43) ist Fonds-manager bei der Volksbank-Invest. Er
verwaltet dort den zuletzt vom Branchendienst Lipper preisgekrönten
Asien-Aktienfonds VB-Pacific-Invest. Er ist seit 1990 im
Wertpapierbereich tätig.