Der Nachholbedarf Chinas und anderer Schwellenländer nach Rohstoffen wird noch lange anhalten
Gold, Stahl, Kupfer, Nickel, Eisenerz, Aluminium - egal um welches Metall es sich handelt, die Preise sind zuletzt stark angestiegen. Und werden auch weiter hinaufklettern, sind sich die Rohstoffexperten sicher.
Vergessen ist der abrupte Preissturz anlässlich der Weltwirtschaftskrise. Zwar haben die meisten Rohstoffe das Höchstniveau vor dem Platzen der Blase nicht erreicht, aber bis dies der Fall ist, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein: Zu viele Faktoren sprechen für einen weiteren Anstieg. In der EU wird deshalb Druck gemacht, rentablere Technologien, Kreislauf- und Wiederverwertungssysteme zu entwickeln. Ziel ist, eine ähnliche Export-Abhängigkeit wie bei Erdgas und Erdöl tunlichst zu vermeiden. Schon bei der Entwicklung und beim Design neuer Geräte sollte an eine spätere Wiederverwertung gedacht werden, forderte kürzlich der Chef des Uno-Umweltprogrammes UNEP, Achim Steiner.
Denn dass viele Erze und Mineralien in absehbarer Zeit knapp werden könnten, diese Gefahr ist sehr real. Ein ebenso unangenehmes Szenario: dass es zu einer künstlichen Verknappung kommt, da die verfügbaren Ressourcen fest in den Händen weniger Firmen oder Staaten liegen.
Es ist insbesondere der "China-Faktor", der den Kampf um Bodenschätze verschärft. Mit dem Aufstieg Chinas zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht wächst auch der Hunger nach Bodenschätzen. Also investiert das Land viele Milliarden in Unternehmen, um den künftigen Rohstoffbedarf zu decken. Tom Albanese, Chef des anglo-australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto, sagte kürzlich, dass "der wachsende Metallbedarf in China in den nächsten 20 bis 30 Jahren garantiert" sei: für Infrastrukturmaßnahmen im Land ebenso wie als Grundlage für die exportorientierte Wirtschaft.
Hohe Konzentration
Doch auch der hohe Konzentrationsgrad der Rohstoffindustrie ist preistreibend, streicht Deutsche Bank Research in einem Kommentar hervor: Beispielsweise finden 79 Prozent der Platinförderung in Südafrika statt und 60 Prozent des Lithiums kommen aus Südafrika. Des Weiteren sind es einige wenige Bergbau-Giganten, die aus Fusionen und Übernahmen entstanden sind.
Beispiel Eisenerz: Die drei Unternehmen Vale, Rio Tinto und BHP Billiton teilen sich fast zwei Drittel des Überseehandels. Zum Vergleich: Das Ölkartell Opec kommt auf einen Anteil von rund 40 Prozent an der weltweiten Erdölförderung, bei den Exporten auf fast 60 Prozent. Im Jahr 2008 importierte China 48 Prozent der weltweiten Eisenerz-Exporte; im Jahr 2000 lag dieser Anteil bei nur 13 Prozent.
Fusionen und Übernahmen
Bei dieser Machtansammlung ist es logisch, dass die Stahlfirmen sensibel auf weitere Zusammenschlüsse reagieren. Dazu ist typisch, was sich derzeit rund um das Übernahmeoffert von BHP Billiton an den kanadischen Düngemittelspezialisten Potash abspielt. Potash kontrolliert rund ein Viertel des weltweiten Kali-Marktes, eines Stoffes, der für die Düngemittelherstellung notwendig ist.
Rund um die Übernahme will nun auch China mitmischen, schließlich wird Kali als unabdingbar angesehen, um die wachsende Weltbevölkerung künftig zu ernähren. Die chinesische Regierung hat ihre Staatsunternehmen angewiesen, das 39 Milliarden Dollar schwere Angebot von BHP Billiton zu prüfen und notfalls zu überbieten. Auch bei den Düngemitteln kommt die am schnellsten wachsende Nachfrage aus dem aufstrebenden China. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)