Berisha: "Keine große Liebe mehr für Erweiterung"

05. September 2010 17:52
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    Foto: APA/EPA/Babani

    Sali Berisha gibt die Richtung vor. Er will sein Land in die EU führen. Wann es so weit sein wird, liegt für ihn in weiter Ferne: Nicht 2018, sondern 2040 oder 2080 gibt er als Zeithorizont an.

Ministerpräsident Sali Berisha lobt im STANDARD-Interview die wirtschaftlichen Fortschritte in seinem Land

 Mit ihm sprach Adelheid Wölfl in Tirana.

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STANDARD: Man kann den Skanderbeg-Platz hier in Tirana kaum überqueren, so viel wird gebaut. Ganz Albanien ist eine Baustelle. Spiegelt dies Fortschritt wider oder eher politische Lähmung des Landes, weil die Opposition sich der politischen Teilhabe verweigert?

Berisha: Das Land ist fast zur Gänze im Neuaufbau. In den vergangenen vier Jahren haben wir mehr als 6000 Kilometer Straße gebaut. Aber wir müssen noch weitere 7000 Kilometer Straße bauen. Letztes Jahr hatten wir das höchste Wirtschaftswachstum in Europa mit 3,5 Prozent, nächstes Jahr wird es noch höher sein. Wir haben die geringste Steuerlast und gemessen am Bruttoinlandsprodukt die größten Investitionen.

STANDARD: Das Land ist aber seit Juni 2009 durch den Machtkampf zwischen Opposition und Regierung gelähmt. Wichtige Gesetze konnten nicht beschlossen werden. Geht das im Herbst so weiter?

Berisha: Albanien ist nicht paralysiert. Das Parlament hat in der Zeit achtmal mehr Gesetze, Dekrete und Entscheidungen getroffen. Aber die Opposition war sechs Monate nicht im Parlament, später war sie im Parlament, hat aber nicht mitgearbeitet, dann hat sie mitgearbeitet, aber nicht abgestimmt. Und manche Gesetze, die eine Drei-Fünftel-Mehrheit brauchen, konnten nicht verabschiedet werden.

STANDARD: Die EU-Kommission kritisiert die fehlende Dialogkultur in Albanien. Ist das wirklich ein kulturelles Problem?

Berisha: Das Land ist in den letzten zwei, drei Jahren durch einen Reformprozess gegangen, der wahrscheinlich tiefer war als in irgendeinem anderen Land. Es gab eine Verfassungsreform, das Wahlsystem wurde geändert und das Gesetz für die Generalstaatsanwaltschaft. Ich habe mit Edi Rama (der sozialdemokratische Oppositionsführer, Anm.) in der Vergangenheit die größten Reformen durchgeführt. Das ist also keine Frage des Dialogs. Wir sind bereit zum Dialog. Aber Herr Rama hat die Wahlen nicht anerkannt. Und dann hat er das Parlament nicht anerkannt und eine Neuauszählung gefordert. Ich habe nichts dagegen, aber das ist eine Gerichtsentscheidung.

STANDARD: Die EU-Kommission kritisiert fehlende Transparenz in der Verwaltung Albaniens und fehlende Unabhängigkeit der Gerichte.

Berisha: Die Unabhängigkeit der Justiz ist ein Prozess. Wenn man die Entscheidungen der Justiz gegen die Regierung zählt, sieht man, dass sie unabhängig ist.

STANDARD: Wenn es keine Basis für die Kritik der EU-Kommission gibt, ist ihr Urteil überhaupt fair?

Berisha: Beinahe. Deren Berichte sind sehr gut. Aber man kann nicht sagen, dass jedes Wort auf dem richtigen Platz ist. Wenn man sagt, dass die Korruption eine ernsthafte Angelegenheit ist, stimme ich mit erhobener Stimme zu, abgesehen von dem guten Fortschritt, den wir in diesem Bereich erzielt haben. Es gibt Korruption, aber es ist positiv, dass der Kampf gegen die Korruption erfolgreich ist. Wenn man nachschaut, so gibt es in Albanien weniger Schwerverbrechen als im EU-Durchschnitt.

STANDARD: Manche EU-Länder sind skeptisch gegenüber der Erweiterung eingestellt.

Berisha: Es gibt keine große Liebe mehr für die Erweiterung, aber was den Westbalkan betrifft, gibt es zwar eine Zögerlichkeit, aber die ist nicht groß. Am Ende gibt es ja eine transparente Beurteilung. Nehmen wir etwa die Visa-Liberalisierung. Ich bitte niemanden um etwas. Ich habe zu Kanzler Werner Faymann in Salzburg gesagt, dass wir nur einen Prozess brauchen, der auf der Beurteilung unserer Performance basiert.

STANDARD: Wann erwarten Sie eine Reaktion auf das EU-Beitrittsansuchen Albaniens, und wann sollen die Beitrittsgespräche beginnen?

Berisha: Ich habe keine fixen Daten. Mein Job ist es, die Hausaufgaben zu machen. Ich verlange nur einen transparenten Prozess, bisher gab es den.

STANDARD: Kommende Woche will Serbien eine neue Kosovo-Resolution bei der Uno einbringen. Gibt es eine albanische Gegen-Resolution?

Berisha: Bis jetzt war die Kosovo-Frage eine Frage zwischen Belgrad und der internationalen Gemeinschaft. Aber nach dem Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) sind diese Anstrengungen von Serbien sehr ungerechtfertigt, denn Serbien muss sich an das internationale Recht halten. Serbien hat ja selbst den IGH befragt und ein Urteil bekommen. Also sind alle Versuche, sich gegen das internationale Urteil zu stellen, bizarr und nicht hilfreich. Albanien wird selbst keine Resolution präsentieren, aber eine Resolution von anderen Ländern unterstützen. Wir hoffen, dass Serbien seine Resolution fallenlässt und sich auf die Vorgaben der EU und USA einlässt. Denn niemand will Serbien verurteilen, aber alle wollen das internationale Urteil respektieren. Im Fall, dass Serbien seine Resolution zurückzieht oder eine Resolution akzeptiert, in der die Unabhängigkeit, der Status und die territoriale Integrität des Kosovo nicht infrage gestellt werden, könnte dieser Resolution von allen Seiten zugestimmt werden, und sie könnte eine Basis für einen Dialog für alle anderen Fragen darstellen.

STANDARD: Sehen Sie mehr Pragmatismus in Belgrad?

Berisha: Ein pragmatischerer Zugang ist in deren bestem Interesse. Am Ende wird hoffentlich der Pragmatismus überwiegen.

STANDARD: Manche Stimmen in Brüssel sagen, die Balkanstaaten sollten 2018, also hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, in die EU aufgenommen sein. Ist das realistisch?

Berisha: 2040?

STANDARD: 2018.

Berisha: 2080?

STANDARD: 2018.

Berisha: Ich fixiere üblicherweise kein Datum. Es ist ein schwieriger multilateraler Prozess, aber es ist mit Sicherheit ein irreversibler. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

SALI BERISHA (65) ist seit 2005 albanischer Ministerpräsident. Der studierte Mediziner war eine der Schlüsselfiguren bei der Beendigung der Herrschaft der albanischen Steinzeitkommunisten Anfang der 1990er-Jahre. Während seiner Amtszeit als Staatspräsident, 1992 bis 1997, kam es zu Skandalen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen und einem wirtschaftlichen Zusammenbruch. 2005 übernahm seine Demokratische Partei erneut die Macht in Tirana.

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tramtatam
16.09.2010 03:09

der Typ sieht aus wie Breschnew mit nem Kater. abe echt.

kroate 061
11.09.2010 14:09
Berisha: 2040?

nein, albanien ist ein wichtiges strategisches Natoland und wird viel früher der EU beitreten. 2020 ist ein realistischer zeitraum.

Superhoyuelos
06.09.2010 21:49
....Wirtschaftswachstum in Europa mit 3,5 Prozent... LOL

Also rechnen wir mal:

Null Komma Josef + 3,5 % = ... ajaj habe glatt meinen Taschenrechner zu Hause vergessen...

awanagana
07.09.2010 15:46
geh nimm lieber ein ottakringer!

Superhoyuelos
07.09.2010 16:19

OK *ZIVELI*

Architektonisch
 
06.09.2010 16:56
Albanien kommt Europaeischen Verhaeltnissen naeher

Unsere letzte Reise war vor 8 Jahren, da war es wirklich noch ein Teil Asiens in Europa. Dieses Jahr versuchten wir es wieder und waren ueberrascht ueber den bemerkenswerten Ruck zu Europa. Es gibt bessere Strassen und sogar schon eine neue Autobahn die schon fast ganz fertig ist, benutzt wird sich trotzdem. Man ist eben noch beim Zurechtfinden wie man sich die Verkehrswege am besten zwischen Eselkarren, Fahrrad oder Auto teilt, leider zu oft mit toetlichen Folgen. Auch Tirana ist veraendert, weniger Chaos und viel mehr gepflaegte oeffentliche Gaerten. Auch sieht man nun weniger Plastikflaschen herumliegen. Unuebersehbar allerdings, die Kluft zwischen Bettelarm und Hummerreich. Ein gutes Vorbild waere Dalmazien statt der Costa del Sol...

kroate 061
06.09.2010 11:49
albanien gehört die zukunft

alleine die küste ist goldwert für die zukunft.

Stani83
06.09.2010 14:50
haha :)

kroate 061
06.09.2010 16:25
stanislave

ihr könnt da nicht mitreden ihr habt ja keine meeresküste.allerhöchstens eine donauküste und bis zu euch kommt haben schon einige staaten reingepinkelt.

Lesh Kuqi
07.09.2010 11:55
"allerhöchstens eine donauküste und bis zu euch kommt haben schon einige staaten reingepinkelt."

HaHaHa...och, dass macht denen doch nichts aus ;-) Sie sind es eben gewöhnt.

Vir
07.09.2010 07:42
Ist schon sehr beleidigend, wieder einmal Kroate061, aber gelacht habe ich trotzdem.

Laut Dayton, soviel mir bekannt ist, sollte ja Serbien Zugang zum Meer haben, und zwar über Montenegro, aber das ist auch nicht so wichtig.
Dayton wurde eh schon in zig Bezügen gebrochen, ist umgangen worden, oder wurde abgeschwächt, etc...
Wenn schon alle serbischen Führer der letzten zwanzig Jahre aus Montenegro stammen, hätte Montenegro bei Serbien verbleiben sollen, aber Cigarillo-Milo hat halt andere Ambitionen gehabt.

Grundsätzlich hat Albanien eine tolle Küste mit weißem Sand und soll schon ziemlich schön sein.
Wenn die das gut ausbauen und die Korruption zumindest in Zaum halten, werden Sie davon genauso profitieren wie Kroatien.
Ich bin mir sicher, dass das was wird, Albaner sind gute Businessmen.

Yossarian
06.09.2010 16:53

Österreich mag zwar keine Meeresküste haben, aber trotzdem dürfen wir mitreden, ob Albanien in die EU kommt oder nicht.

mM nach würde die Aufnahme von Albanien der EU sehr schaden. So wie uns auch die Aufnahme von Kroatien nur Probleme bringen würde.

Lesh Kuqi
07.09.2010 13:06

Kroatien passt 1 Milliarde mal besser in die EU, als z. B. das EU-Mitglied Rumänien. Von welchen Problem sprichst du da konkret?

Nicolas Castillo
 
07.09.2010 15:18
1 Milliarde mal besser ...

wie genau haben Sie das errechnet?

Lesh Kuqi
09.09.2010 09:25
Wie du siehst,

hat awanagana dir die Antwort auf dem Silbertablet serviert und ganz so schwer zu verstehen war es doch auch nicht, oder doch?

Nicolas Castillo
 
09.09.2010 21:42
ich bin total beeindruckt ... das verstehen Sie doch, oder?

Lesh Kuqi
11.09.2010 09:28
Durch das Rückverdrehen meiner Aussagen werden deine nur noch mehr ins lächerliche gezogen. Danke fürs Outing.

Nicolas Castillo
 
13.09.2010 22:12
ja, Sie sind schon ein toller Hecht ...

die Welt ist dankbar für Leute wie Sie.

awanagana
07.09.2010 15:55
1 milliarde in diesem fall ist nicht mit taschenrechner gerechnet

Der begriff milliarde wird als hyperbole verwendet um ein verstaerkung der meinung des posters zu aeusern naemlich dass kroatien viel viel besser als rumaenien unterwegs ist.

Nicolas Castillo
 
08.09.2010 08:47
ist ja großartig ...

awanagana
08.09.2010 14:10
na also

Nicolas Castillo
 
09.09.2010 21:43
ja, Sie haben es mir richtig gegeben ...

Don Brasco
06.09.2010 06:29

Albanien hat mit Sicherheit den schwersten Stand, jedoch verändert sich das Land enorm. Der Tourismus nimmt derweil enorm zu und die Strände sind einzigartig.
Die Infrastruktur muss dringend aufgebaut werden, damit endlich die Reisekataloge mehr Angebote aufweisen können. Innenpolitische Probleme müssen stärker bekämpft werden und dazu gehört es, dass die Polizei besser bezahlt und ausgebildet wird.

saratoga
06.09.2010 09:49
@Don Brasco

Wo sollen denn die einzig artigen Strände, sein wenn selbst die Regierungs Erklärung vom September 2010 http://www.keshilliministrave.al/?fq=brend... lid=13640, nun neue harte Gesetze verabschiedet um den Dreck, durch illegal Lokale und Hotels und die Verseuchung der Strände zu reduzierten und Selbige auch abreissen lassen will. Und dann reden wir nicht einmal von den gigantischen Salomellen Vergiftungen in Sarande und Vlore vor allem und Kriminelle mit Wasser scootern, die ständig Menschen tod fahren. Und diese militanten Paranoia Gestalten aus dem Bergen, machen ihre Plünderungs Feldzüge immer noch und liege 100 Jahre im Gehirn zurück, wie die prominente Nonne Frau Färber veröffentlichte. Schulzeugnisse werden gekauft usw..

Yossarian
05.09.2010 21:58
Die 'bürgerkriegsähnlichen Zustände' 1997

haben mehr als 1.700 Tote gefordert.

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