Christian Fuchs ist gegen Kasachstan fraglich. Als Fußballer und Stütze des Nationalteams denkt der Legionär aber langfristig
Flachau - Von Mattersburg nach Madrid, sagt der Neunkirchner Christian Fuchs, "geht natürlich nicht" . Von Mattersburg nach Bochum, die Reise fand 2008 statt, ist quasi ein Katzensprung gewesen. Der Weg von Bochum nach Gelsenkirchen wiederum wäre geografisch gesehen zwar "ein kurzer" gewesen, aber fußballerisch doch ein weiter. "Der Transfer zu Schalke war nicht einmal Schall und Rauch." Von Bochum nach Mainz im Sommer 2010, das passte allerdings. "Von der ersten Minute an fühlte ich mich hier wohl. Die sind stolz, ein Karnevalsverein zu sei. Bei all der Professionalität."
Das österreichische Nationalteam kickt am Dienstag anlässlich der EM-Quali in Salzburg gegen Kasachstan. Der 24-jährige Fuchs hofft, dass sein Rücken bis dahin aufgehört hat, beleidigt zu sein, und sie, also Fuchs samt Rücken, zum 33. Mal an der linken Seite verteidigen und sogar stürmen können. "Wir müssen professionell auftreten. Bei allem Respekt vor Kasachstan, wir sind der Favorit und sollen das auch sagen. Das gilt ebenso gegen Aserbaidschan. Gewinnen wir diese Heimspiele nicht, braucht man angesichts Deutschlands, der Türkei und Belgiens über eine EM-Endrunde nicht mehr weiterreden."
Die Strickmuster
Fußball ist für Fuchs "ein kompliziertes Spiel. Die Kunst besteht darin, es so zu gestalten, dass es einfach ausschaut." Dem österreichischen Team gelingt das nicht. Noch nicht. "Lange wurden im ÖFB zu wenige Muster entwickelt. Der deutsche Fußballbund gibt den Nachwuchsauswahlen den Weg vor, an den man sich halten muss. Die Jungen lernen das System der Alten. Wir Spieler sind ja nur die ausführenden Organe. Aber wir brauchen Vorgaben. Vielleicht müsste unser Team ein bisserl weiter sein, denn von den Namen her ist es nicht schlecht bestückt." Als Seitenhieb gegen Teamchef Dietmar Constantini sei das nicht zu verstehen. Blöd wäre der Fuchs, den Chef zu kritisieren. "Im Gegenteil. In dieser Woche in Flachau wurde gut gearbeitet, Strickmuster wurden entworfen."
In Mainz wurden sie bereits umgesetzt, Vereine tun sich diesbezüglich leichter. "Man weiß genau, was in welcher Situation wie zu erledigen ist. Automatismen sind verinnerlicht." Zum Auftakt der Bundesliga gab es ein 2:0 gegen Stuttgart, Fuchs wurde vom Kicker in die Elf des Tages gewählt, das ist in Deutschland fast eine Heiligsprechung, eine kurzfristige. Es folgte ein 4:3 in Wolfsburg. Nach einem 0:3-Rückstand. Karneval pur. Andreas Ivanschitz hat es als unlustig empfunden, er saß zweimal auf der Bank. Fuchs ist mit Ivanschitz mittlerweile gut befreundet, man geht essen, spricht nicht nur über Fußball. "Für ihn ist es schwierig. Trainer Tuchel lobt ihn, allerdings wurde das System geändert, in dieser Raute ist momentan kein Platz für ihn."
Fuchs hat seine Karriere geplant. "Ich glaube nicht an den Zufall. Aber alles, was passiert, hat seinen Grund." Insofern ist Bochum nicht grundlos abgestiegen. Bei der Klubwahl hat ihn sein Manager Thomas Böhm hervorragend beraten. "Es geht nicht ums Abkassieren. Ich will 90 Minuten auf dem Platz stehen. Ich möchte Fußballspielen, nicht Fußballschauen. Ist der Fuchs gut, kommt der Trainer an ihm nicht vorbei."
Kein Stillstand
Fuchs sagt, dass er gewisse Tugenden verinnerlicht haben muss. Disziplin, Kampfgeist, Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit zur Selbstkritik. "Ich lehne Stillstand ab." Schon in Mattersburg hat er so gedacht. "Ewig her, dass ich dort gewesen bin." Nun ist er in Flachau. Das Training am Samstag hat er ausgelassen, jenes am Freitag abgebrochen. Der Rücken bockt. Über seinen Einsatz wird kurzfristig entschieden. Manchmal fragt er sich, "ob ich eigentlich jung oder bereits ein Routinier bin. Ich bin jedenfalls einer, der Verantwortung übernimmt, Dinge ausspricht." Dass sich irgendwann Real Madrid bei ihm meldet, ist äußerst unwahrscheinlich. "Aber ich bin nicht der Typ, der Dinge ausschließt." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 06.09.2010)