"Die Alten wollen immer alles haben"

05. September 2010 17:28

Trotz "extremen Kostenanstiegs" hält Winfried Pinggera, Leiter der Pensionsversicherung, das Rentensystem für sicher - wenn die Politik nicht vor den Senioren klein beigibt

STANDARD: Ich bin 36. Wird mir Ihre Anstalt einmal eine Pension auszahlen, von der ich leben kann?

Pinggera: Wenn Sie Beiträge leisten, ja - auch wenn uns das viele junge Menschen nicht glauben. Schon die Generation, die jetzt in Pension geht, hat bereits geklagt, sie bekomme einmal eh keine Pension mehr, und auf der anderen Seite wollen die Alten immer alles haben. Dieses Schwarz-Weiß-Denken macht es nicht leichter.

STANDARD: Es gibt immer mehr und ältere Pensionisten bei immer weniger Erwerbstätigen. Sind da die Zweifel nicht angebracht?

Pinggera: Natürlich ist die Demografie ein Problem, dazu kommen die kurzfristigen Finanzierungssorgen durch die Krise. Der Kostenanstieg ist extrem. Im Vorjahr wuchs der Bundesbeitrag, der aus Steuergeld ins Pensionssystem zugeschossen wird, um 34 Prozent auf 3,5 Milliarden, heuer werden wir bei 4,3 Milliarden liegen. Verschärft wird die Situation durch die Wahlzuckerln. Wegen des leichteren Zugangs ist die Zahl jener, die dank der Hacklerregelung in Frühpension gehen, um ein Drittel gestiegen.

STANDARD: Wie sollen diese Kosten verkraftbar sein?

Pinggera: Indem wir die Hausaufgaben machen. Die Politik muss den Mut aufbringen, das Notwendige zu tun, dann ist das System absolut sicher. Knackpunkt: Wir müssen erreichen, dass die Österreicher nicht nur - wie derzeit die Männer - bis zum Alter von 58,9, sondern im Durchschnitt zumindest bis 62 arbeiten. Dafür muss das Tor der Hacklerregelung zufallen, die Zahl der Invaliditätspensionisten sinken und versucht werden, mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu holen. Ein Jahr späterer Pensionantritt bedeutet eine Milliarde weniger Steuergeld fürs System. Ein auf ein, zwei Milliarden Euro gesunkener Zuschuss wäre finanzierbar.

STANDARD: Warum scheuen die Österreicher, länger zu arbeiten?

Pinggera: Die Pension gilt hierzulande als das Ideal der Glückseligkeit, viele Menschen richten ihr Leben von Anfang an danach aus. Da gibt es eine regelrechte Symbiose zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern: Sobald ein Problem am Arbeitsplatz auftritt, halten beide Seiten die Pension für die Lösung. Und so wird zugewartet, bis sich ein Bauarbeiter mit 53 sämtliche Bandscheiben ruiniert hat, statt schon fünf Jahre früher mit der Umschulung zu beginnen. Erst jetzt kommt zäh ein Umdenkprozess in Gang.

STANDARD: Erkaufen wir uns mit den Frühpensionen nicht eine niedrige Arbeitslosigkeit?

Pinggera: Nein. Die Statistik der OECD zeigt: Je stärker die Erwerbsbeteiligung im Alter, desto weniger Jugendarbeitslose. Wenn wir hochqualifizierte Leute mit 58 Jahren in Pension schicken, schwächt das einfach unsere Volkswirtschaft.

STANDARD: Hat die Politik das Problem kapiert?

Pinggera: Ich glaube schon. Nur führt die demografische Entwicklung allmählich zu dem Problem, dass gegen die Bevölkerungsgruppe über 60 nichts mehr geht. In Serbien etwa ist der Chef der Seniorenpartei mittlerweile Vizepremier, was jede Reform unmöglich macht. Die Seniorenvertreter stehen wie eine Mauer, da gibt es keine fraktionellen Differenzen. Das ist harte Klientelpolitik, die sagt: Alles mir und sofort - und die nächsten sollen's zahlen.

STANDARD: Wie hoch darf die heurige Pensionserhöhung ausfallen?

Pinggera: Maximal die Teuerung soll abgegolten werden, wie vom Gesetz vorgesehen. Doch bisher hat die Politik leider fast immer etwas draufgelegt. Die Frage ist: Investieren wir in eine Pensionserhöhung, weil zwei Pensionistenvertreter mehr als die Inflation wollen, oder verwenden wir das Geld für Forschung und Bildung, um jenen eine Chance zu geben, die den ganzen Spaß zahlen sollen? Schon jetzt verlassen pro Jahr 5000 bestqualifizierte Österreicher das Land, weil sie woanders einfach bessere Möglichkeiten sehen. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2010)

Winfried Pinggera (43), einst Mitarbeiter im Kabinett von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, galt als einer der Architekten der schwarz-blauen Pensionsreform. Seit Mai 2009 ist er Generaldirektor der Pensionversicherungsanstalt.

 

Kommentar posten
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Werg
06.09.2010 16:22
Die Pension gilt hierzulande als das Ideal der Glückseligkeit, viele Menschen richten ihr Leben von Anfang an danach aus.

Einer der nach dem Studium gleich in der Wirtschaftskammer anheuert denkt sicher nicht an einen sicheren Job und Pension.

filos xenos
06.09.2010 16:04
Hört doch auf zu Lügen!

Zitat."Wir müssen erreichen, dass die Österreicher nicht nur - wie derzeit die Männer - bis zum Alter von 58,9, ... arbeiten".
Da in Österreich die Kinderarbeit verboten ist und Mann 45 Betragsjahre braucht, geht KEINER vor 60 in die Hacklerregelung.

re flexion
06.09.2010 22:24
???

ÖBBler mit 52!
Krankheitsbedingt könnens bis zu 10 Jahre früher gehen!
...

Wollens Statistiken weglügen?

filos xenos
06.09.2010 22:45
Was soll's

ÖBBler mit 52 sind aber keine Hacklerpensionisten.

Und wollen Sie kranke Menschen in die Arbeit schicken?
Oder:
- Ihre Kinder von durchgedrehten Lehrern unterrichten lassen
- mit einem alkoholkranken Buslenker durch die Gegend sausen

re flexion
06.09.2010 23:20
???

Zuerst nennens die 58,9 eine Lüge und dann ignorierens alle Fälle die zu diesem Schnitt führen nur weils keine Normhacklerregelung sind.

Egal wie die 58,9% zustande kommen, sie sind keine Lüge.

aaaa.
06.09.2010 15:05
Pension endlich vereinheitlichen

Der Rechnungshof hat verglichen, was die Pensionsreformen der Bundesländer im Endausbau für die Betroffenen bedeuten werden. Als Beispiel dient wegen der langen Übergangsfristen ein 1995 (sic!) geborener Akademiker.
Ergebnis: Heuert dieser Mensch nach der Schulzeit beim Bund an, kann er mit 65 Jahren in Pension gehen und erhält 2.268 Euro Monatspension. Eine gleichaltrige Person, die im im Kärntner Landesdienst tätig wird, wird dagegen schon mit 61,5 Jahren pensioniert und kassiert noch dazu 3.594 Euro monatlich.
Basierend auf einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80,7 Jahren würde der Kärntner Landesbeamte also 966.100 Euro Gesamtpension kassieren - sein Kollege im Bund dagegen nur 498.400 Euro.

Fraho
06.09.2010 17:59
ein Grund mehr die Bundesländer abzuschaffen

Nachdem wir der EU beigetreten sind hat sich auf Bundesebene nichts geändert!
Wir leisten uns nach wie vor den Bundesrat und die 9 Landeskaiser mitsamt dem ganzen Hofstaat!
Niemand kann erklären wozu jedes Bundesland eigene Gesetze und Verordnungen braucht.
Jetzt gehen die Länder her und möchten die Lehrer übernehmen, aber bezahlen darfs der Bund.
Wann kommt die Verwaltungsreform mit dem Auflösen des Bundesrates UND der Landeskaiser?

Saskia Fabian
 
06.09.2010 14:26
das problem dabei ist, dass man auch die lebensläufe nicht vergleichen kann das system das aber tut

ich mein die heutigen pensionisten sind zwar in einer armen zeit geboren worden, haben aber immer nur wirtschaftlichen aufschwung erlebt, vergleich man das mal mit der generation praktikum. irgendwie ist es schon unfair, dass diese generation den ohnehin vermögenden pensionisten jetzt auch noch großzüge pensionen zahlen soll.

tucker maxxx
06.09.2010 14:02
hab zwar selbst noch länger bis dahin, aber

erschreckend wie manche hier über unser pens.sytem denken bzw bescheid wissen (umlagesystem). man sollte glauben hier hatte keiner eltern oder großeltern.
das pens. system wird gerne krank geredet, damit ja alle brav ihr geld den ach so sicheren privaten reinschieben. wo ist das problem den SV beitrag um 1-2 prozent anzuheben und die höchstbemessung abzuschaffen oder zu erhöhen (da mir dieser ziemlich gering vorkommt)?
nächster punkt wird sein nicht nur das "frühe" antrittsalter sondern eher das späte eintrittsalter. zeitwidriges studium, etliche un-od. niedrig bez. praktika machen das kraut auch nicht fett, immer öfter geht das verdienen erst mit 30+ los. wird wohl das nächste eigentor sein. erwerbszeit 30-70 = 40 jahre...

aaaa.
06.09.2010 13:53
schwere kindheit gehabt der pinggera

der vater war ärztlicher direktor des spitals amstetten und kriegt jetzt wahrscheinlich eine "kleine pension".
er selbst wird auch so eine mikrige pension kriegen. darum heißt es fest in die hände spuken damit die herrschaften weiter abkassieren können in der pension.

Thun23
 
06.09.2010 13:32
Dallinger - Maschinensteuer

Solange das alte Bismarcksche System gilt - und nicht die Produktivitaet an sich herangezogen wird - werden wir diese Debatte haben. Leider wurde die Diskussion nach Dallingers Tod eingeschlaefert und diejenigen die dise debatte ums verrecken nicht wollen, wissen genau warum.

Also reden wir weiter von den gierigen Alten und den ach so armen Jungen und spielen sie gegeneinander aus.

Nur damit ueber die echten Probleme nicht geredet wird.

pussycat.1337
06.09.2010 12:46
argh

auf dieses interview müsste sich die politiker fragen, ob Pinggera überhaupt tragbar für diesen posten ist.
wie kann der behaupten, dass sich die pensionisten auf meine kosten bereichert? ich zahle ja nicht die pension meiner eltern (und wenn würde ich das gerne), sondern jeder der arbeitet, zahlt für seine eigene pension! arbeite ich viel und habe hohes einkommen, erhalte ich mal viel pension. das ist in österreich so fix wie das amen im gebet!
und die paar österreicher die auswandern, wandern nicht aus weil sie fürchten, das sie in österreich mal keine pension bekommen! jeder weiß doch das österreich ein schlaraffenland für pensionen ist.

jane doe2
06.09.2010 13:09

Ich glaube sie müssen sich mal über unser Pensionssystem informieren. Bei uns gilt das Umalgerverfahren!! Die Aktiven zahlen für die jetztigen Pensionisten. Sie zahlen nicht Ihre eigene Pension ein, nur das sich im Gegensatz zu den aktuellen Pensionsiten, welche nur ein paar Jahre Durchrechnungszeitraum hatten, die zukünftigen mit einem lebenslangen Durrechungszeitraum beglückt werden, was die Pensionen dramatisch kürzt.

Dormouse
06.09.2010 15:16

bla bla bla...jeder zahlt sich die pension selbst! - es werden nur die aktuellen einzahlungen für die aktuellen pensionisten verwendet. und wenn etwas am system nicht passen sollte, haben

- entweder die versicherungsträger falsch gerechnet
- der staat einigen zu viel ausbezahlt
- die unternehmen ihre beiträge nicht abgeführt

in der realität sinds alle 3 punkte, und wahrscheinlich noch ein paar mehr

Chocoholic
07.09.2010 09:58
Dann muesste es ja auch eine 100%ige Kapital plus Inflationszinsen gelten.

Das ist aber nicht so.

Chocoholic
07.09.2010 13:05
muss natuerlich heissen, eine 100%ige Kapitalgarantie bei der Pensionseinzahlung

jane doe2
06.09.2010 12:38
Wieso Pensionsangleichung höher als Inflation?

Wieso bekommen Pensionisten eigentlich mehr als die Infaltionsrate. Ein Pensionist braucht doch keine gehaltserhöhung mehr, sondern er sollte das was er einbezahlt hat inflaltionsbereinigt bekommen. An der Produktivitätssteigerung, die die Jungen tag täglich rbringen müssen, und sehr viel streß bedeutet, hat der Pensionist ja nicht wirklich was beigetragen. die heutigen Pensionisten hatten nicht ein Bruchteil der Produktivitätssteigerung wie die heutigen Jungen zu erbringen.

triebstrü
 
06.09.2010 13:59
Produktivitätssteigerungen

werden normalerweise durch technologische Neuerungen erzielt.
Da ist nur Gehirnschmalz von den Forschern und Entrwicklern gefragt. Und dafür werden sie auch hoffentlich gut bezahlt.

Derfdeswoarsein
 
06.09.2010 13:39
Und sowas darf frei rumlaufen!

pussycat.1337
06.09.2010 12:51
haha

du meinst ernsthaft, das wir jungen heutzutage härter arbeiten müssten als unsere eltern bzw großeltern nach dem krieg? scherzkeks.
vergleich mal die rechte und pflichten der arbeutnehmer von heute und vor 20 und 40 jahren bzw davor. lächerlich!

Chocoholic
07.09.2010 10:03
DAS koennen Sie nicht vergleichen. Es war zwar laengere Arbeitszeiten,

aber die Arbeitsleistung war gemaehchlicher. Zudem waren es pro Arbeitssuchender mindestens 5 oder 6 freie Stellen, die gut bezahlt waren, wohingegen heutzutage eine Person die Arbeit von frueher 6 oder 8 machen muss (es gibt auch da irgendwann einmal ein Limit, wie viel ZEIT einer Person zur Verfuegung steht, auch wenn technische Elemente vieles vereinfachen) und auf jeden freien Arbeitsplatz mindestens 10 oder 20 arbeitssuchende stehen. Auf vor allem minder Ausbildungsanspruchsstellen werden mit cirka 200 Stellensuchenden gleich gestellt.

Also diese beiden Situationen zu vergleichen und zu behaupten, dass frueher das Arbeiten in allen Bereichen schwerer war, ist eine Luege.

elchtester
06.09.2010 16:57

vergleichen'S einmal erwerbsbiografien von heute und gestern, stichwort "prekariat" und reallohnverluste, sie schwammerl. udn dann denken'S nochmal über die worte des grossen vorsitzenden mti den arbeitslosen und der staatsverschuldung nach.....klingelts?

Saskia Fabian
 
06.09.2010 14:28
und vergessen Sie nicht die zeiten des aufschwunges (der natürlich nach dem krieg kam) mit den heutigen aussichten von jugendlichen.

jane doe2
06.09.2010 13:04

die heute 60 jährigen plus waren nicht im Krieg, und haben in den besten wirtschaftlichen Zeiten bei Vollbeschäftigung gearbeitet, und als das Chaos losging, gingen sie mit guten Pensionen mit spätestens 60 in Pension!

Fraho
06.09.2010 16:48
Du hast Recht jane

Im Jahre 1964 habe ich glatt als Lehrling 35 ATS in der Woche verdient! Damit konnte man wenigstens nicht das Rauchen und das Wirtshaussitzen anfangen!

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