Deutscher Atomstreit

Heftige Kritik an Laufzeitverlängerung

06. September 2010 08:52
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    Die deutschen AKWs laufen noch dreißig Jahre. Darauf einigte sich die Union-FDP-Koalition in Berlin.

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    Wirtschaftsminister Brüderle (l.) und Umweltminister Röttgen (r.) nach der Einigung.

Grüne wollen rechtlich gegen Atomkompromiss vorgehen

Berlin - Die Beschlüsse der deutschen Bundesregierung zugunsten einer Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke haben harsche Kritik von Stadtwerken und Industrievertretern der erneuerbaren Energien ausgelöst. Analysten hoben dagegen hervor, die Pläne der schwarz-gelben Koalition fielen für die großen Versorger Eon und RWE weit positiver aus als erwartet. Kanzlerin Angela Merkel verteidigte den Beschluss, den EU-Energiekommissar Günther Oettinger als fairen Kompromiss wertete. Die Versorger wollten sich zunächst nicht äußern.

"Die Stadtwerke sind enttäuscht", sagte Stephan Weil, Chef des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), am Montag in München. "Die Bundesregierung hat sich leider einseitig aufseiten der großen Versorger gestellt", klagte er. Die Pläne behinderten die Einführung neuer Technologien, kleineren Stromanbietern würden Investitionen erschwert. "Die Atomlobby hat sich mit ihren dreisten Forderungen auf ganzer Linie durchgesetzt", sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), Dietmar Schütz. Dass die Atommeiler länger am Netz bleiben sollen, gefährde zukunftsweisende Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien. "Damit wird das Energiekonzept der Bundesregierung zur Farce."

Laufzeitverlängerung

Die deutsche Bundesregierung hatte sich in der Nacht auf eine durchschnittliche AKW-Laufzeitverlängerung von zwölf Jahren geeinigt. Ältere Kraftwerke dürfen demnach acht Jahre länger betrieben werden, nach 1980 gebaute AKW sollen 14 Jahre länger am Netz bleiben. Nach dem bisher geltenden Atomkonsens aus dem Jahr 2000 müsste der letzte Meiler etwa 2023 vom Netz gehen. Zu den AKW-Betreibern in Deutschland gehören Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Die Aktien der beiden größten Versorger Eon und RWE reagierten mit satten Kursgewinnen auf die Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung.

Analysten erklärten in ersten Reaktionen, der Beschluss falle für die Versorger noch besser aus als ursprünglich angenommen. Energiekonzerne würden bei den Kompensationen für die längeren Laufzeiten weit weniger belastet als erwartet. Die Entscheidung der Bundesregierung falle "klar positiv" für die beiden Energieriesen RWE und Eon aus, bilanzierten Experten der DZ Bank. Im Durchschnitt dürften die Meiler zwölf Jahre länger laufen - deutlich mehr als die von den Experten zuvor angenommenen zehn Jahre. Die Beiträge der Versorger zur Förderung von erneuerbaren Energien fielen zudem deutlich geringer aus als von den Analysten prognostiziert und seien "weitgehend zu vernachlässigen". Offenbar gebe es auch keine verbindlichen Anforderungen für höhere Sicherheitsstandards der Atomkraftwerke. Zudem sei auch nicht zu erwarten, dass auch der Bundesrat den Plänen der schwarz-gelben Bundesregierung zustimmen müsse. Auch die Analysten der WestLB kamen zu dem Schluss, dass die Belastungen für die Versorger deutlich geringer ausfallen dürften als ursprünglich von diesen befürchtet worden sei.

Kanzlerin Merkel verteidigte die nach langem Ringen innerhalb der Regierungsparteien CDU, CSU und FDP gefundene Einigung. Die Unternehmen müssten in den kommenden Jahren noch erhebliche Summen in die Sicherheit der länger laufenden Atommeiler investieren, kündigte die Kanzlerin an. Zudem würden Teile der Gewinne aus der Laufzeitverlängerung den erneuerbaren Energien zugutekommen.

Westerwelle sieht Durchbruch

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Atomkompromiss als energiepolitischen Durchbruch bezeichnet. "Das war eine Entscheidung zum Klimaschutz von geradezu epochaler Bedeutung", sagte der Vizekanzler am Montag in Berlin. Niemals zuvor sei "eine so feste Brücke" gebaut worden in das Zeitalter der erneuerbaren Energien, fügte der Außenminister hinzu. Der Beschluss sei auch aus außenpolitischer Sicht gut, da "einseitige Abhängigkeiten" verhindert würden. Es gehe darum, dass Deutschland nicht von Rohstofflieferungen einzelner Länder abhängig werde, die die Unabhängigkeit des Landes eines Tages beeinträchtigen könnten. "Wir wollen, dass Deutschland auf einem Energiemix aufgebaut ist", betonte der Außenminister.

Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat die Einigung der Koalition auf eine durchschnittliche Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke verteidigt. Die Entscheidung sei mit Fachgutachten "sorgfältig" vorbereitet worden, sagte Brüderle am Montag im "Morgenmagazin" des ZDF.

Der deutsche Bundesvorstand der Grünen hat indessen harten Widerstand gegen die von Schwarz-Gelb vereinbarte Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke angekündigt. "Wir werden auf allen Ebenen Widerstand leisten und die juristische Auseinandersetzung gegen eine solche Politik voranbringen", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth zum Auftakt der Herbst-Klausurtagung ihrer Partei am Montag in Düsseldorf. Denkbar sei eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht. (APA/Reuters/dapd)

Kommentar posten
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Boots Mann
17.09.2010 00:23
Kranke Vorstellung, "dass alle sicher sind"

Sicher ist, dass jedenfalls - früher oder später - wer die Zeche zahlt

Andreas Oweler
12.09.2010 09:26
Sollte so ein ATOM-Brenner in die Luft fliegen,

sind es genau die Leute die sich zuerst verpissen, die dieser Verlängerung zugstimmt haben.

Und Merkel wird in ihrer Regierungsmaschine mit RWE und EON Managern ganz vorne weg flüchten.

Die Armen ohne Geld und Zukunft in diesem Land, können dann die deutsche, strahlende Zukunft ausbaden.

Aber unser Verfassungsgericht wird dieses Polit-Lobby-Verbrechen hoffentlich mal wieder stoppen müssen !

Man bekommt wirklichg den Eindruck, wir werden von kriminellen Politstümpern regiert, die keine Skrupel kennen bzw. keinen Funken Ehre oder Anstand besitzen !

Knochenmann
08.09.2010 16:21
Was ich machen würde wenn ich die deuschen Grünen wäre:

Ich würde ein Papier ausarbeiten, das da so ungefähr besagt: Wenn ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt dann ist jedem Angehörigen der schwarz gelben Parteien die Ausreise in ein anderes Land verboten (wer's torzdem versucht wird erschossen - Notstandsgesetz). Alle FDP/CSUer werden als Liquidatoren zwangsverpflichtet und sind die ersten die den Fall Out wegschippen dürfen.

Na, das wär doch was. Müsste man halt dramatisch formulieren. Vielleicht kann der Pliz helfen.

Der Oley
07.09.2010 19:03
Der Lobbyist kommt, der Demokrat geht

Handlanger des Kapitals abwählen.

Quousque tandem
07.09.2010 13:08
Solange die Endlagerung nicht geklärt ist ...

...dürften Energieerzeuger mit Atomstrom keine Gewinne machen, sondern müssten für die Kosten der Endlagerung bzw. für die Forschung nach Endlagerungstechniken und Alternativenergien ihre Margen als Sicherstellung hinterlegen!

Denn jetzt sieht's so aus, dass die Atomindustrie nur deswegen so lukrativ ist, weil sie die Gewinne abschöpfen, die Probleme mit ihrem Dreck aber der Allgemeinheit aufbürden kann.

Odo
07.09.2010 00:54
"Grüne wollen rechtlich gegen Atomkompromiss vorgehen."

Das ist mir immer noch nicht klar, warum der Atomausstieg 2002 von Rot-Grün ohne Zustimmung des Bundesrates verabschiedet werden konnte (Rot-Grün hatte damals nämlich auch wie Schwarz-Gelb heute keine Mehrheit mehr im Bundesrat), die Rückgängigmachung dieses Ausstiegs in 2010 aber plötzlich der Zustimmung des Bundesrates bedürfen soll, jedenfalls nach Aussage der rot-grünen Opposition.

nix fir unguad
06.09.2010 23:43
Ich bin spät in die Diskusion gekommen, aber es ist im Prinzip immer das gleiche

Wir haben Poster die tonnenweise Propagandamaterial in das Netz stellen. Es gibt nicht aufgeklärte Leute die alle möglichen Unwahrheiten schriftlichem Ausdruck verschaffen. Alle glauben/schimpfen auf die Politik.
Nun schimpfen aber viele auf die Konzerne auf deren Gewinne sie neidig sind. Da schneiden sich alle in das eigene Fleisch. Nur z.B. e-on. 11% gehört der Versicherungsgesellschaft Allianz. weitere 6% gehören dem Staat Baiern. der Rest befindet sich im Besitz von Stadtwerken und Investmentfonds.
Alles Investments wo auch der kleine Mann Anteil hat. Schneiden wir da uns nicht selbst ins Fleisch?
Warom müssen 2,3Mio an den Bund abgegeben werden wenn diese Summe direkt zu den Kommunen fliessen könnte? Beklagen wir uns nicht über die

ha ha ha
06.09.2010 23:13
Ich bin ein Flüchtling

Lebe aber ohner finanziellen Aufwand der Steuerzahler in dem schönen Österreich. Ich weiss dass die Einwohner etwas einfach sind. Aber es ist trotzdem schön hier zu leben.
Aber diese Energiedebatte führt mich zun Glauben, dass man sich verstecken muss wenn man für Kernenergie ist. Das ist mir etwas fürchterlich dass diese Tepatte? so betrieben wird.
Vielleicht muss ich für meine Familie eine neue Heimat finden. Ich glaubte man hat aus der Vergangenheit gelernt.

Darmwind
06.09.2010 18:35

Kanzlerin Merkel verteidigte die nach langem Ringen (=Balgen, Rangeln, ..... gefundene Einigung.

Man stelle sich diese Szene vor: heldenhafte, deutsche Politiker RINGEN um das Wohl des Staates und seiner Bürger! Wären nicht Begriffe wie Kuhhandel, Feilschen, Schachern, Balgen, Rangeln viel zutreffender?
Die Verlängerung der Laufzeiten hat wieder einmal bewiesen, daß die Politik zwar langfristige Konzepte entwirft und an die große Glocke hängt, diese aber, den Tagesbdürfnissen entsprechend, einfach annuliert. Welchen Wert haben Beschlüsse, die letztendlich doch nicht eingehalten werden? Welch erbärmliche Art zu regieren.

joow
06.09.2010 18:01
Kosten.....

Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden eines Super-GAUs in Deutschland beläuft sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums auf rund 5.000 Mrd. €.
Beispiel:
Bei einem Unfall im AKW Krümmel/Elbe müssten je nach Windverhältnissen ca. 1,2 Mio. Menschen evakuiert werden. 40.000 bis 110.000 Menschen würden an Krebs erkranken und nach 50 Jahren wären rund zwei Drittel der Stadt Hamburg noch unbewohnbar.
Wird hoffentlich nicht passieren. Aber genau das ist das Risiko, dass Merkel & Co. in Kauf nehmen.

hupf_in_gatsch
06.09.2010 17:23
wo ist das problem?

spaetestend wenn rot/gruen wieder an der macht sind, wird das ganze wieder gekippt. das wissen auch die "4 schwestern"...

im uebrigen wundert mich, warum CDU/CSU/FDP nicht gleich den ausstieg von ausstieg gemacht haben. neue atomkraftwerke scheinen dann wohl doch so teuer zu sein, dass nicht mal die versorger den ausstieg vom ausstieg fordern...

Kontra
06.09.2010 17:56

in Finnland sieht man das anders.

Andreas Mittermayer
07.09.2010 17:35
Na, SO rosig ist das mit der Atomkraft in Finnland auch nicht!

.
Vor allem scheinen die Erfahrungen, die man mit Olkiluoto gemacht hat bzw. gerade macht alles Andere als ermutigend für neue Kernkraftprojekte!

Siehe:

http://www.faz.net/s/RubEC1A... ntent.html

Dark_Bishop
06.09.2010 18:50

ebenso in Schweden.

Andreas Mittermayer
07.09.2010 17:41
Schweden hat zwar den Atomkraftausstieg "rückgängig" gemacht, hat aber gleichzeitig festgestellt, dass

.
es keine staatliche Unterstützung für den Bau neuer AKWs geben wird.

Angesichts der Erfahrungen, die man etwa im Nachbarland Finnland gemacht hat bzw. gerade macht, ist der Bau neuer AKWs in Schweden aufgrund der Probleme mit der Finanzierbarkeit (ohne staatl. Unterstützung) mehr als fraglich!

Siehe etwa:

http://www.faz.net/s/RubEC1A... ntent.html

Mostbluzza
06.09.2010 16:15
50 mrd einnahmen

für die akws in den nächsten jahren der (rest)laufzeiten.

wo werden diese politiker wohl landen ...
bei vattenvall, rwe und konsorten.

so macht man heute politik, wie mit einer geschnittenen salami im a***.

ps: flugsteuern werden an passagiere weitergegeben.
die umweltsteuern, brennstoffabgaben natürlich auch. und die endlagerreinigung zahlt der steuerzahler - auch klar. das ziehen wir von den tollen zusätzlichen steuereinnahmen wieder ab.
die 4 konzerne müssen ja konkurrenzfähig bleiben - gegen wen eigentlich?

081547112
06.09.2010 16:13
kernkraftwerke

es sind weltweit über 400 reaktoren in betrieb, zwischen 200 und 300 sind in planung ( sollen innnerhalb der nächsten 15 jahre realisiert werden ), davon schon einige im bau.
siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Kern... te_note-11

ob in den nächsten jahren da jetzt ein paar weniger oder mehr sind spielt keine rolle.
abgesehen davon, mit dem "solar-pseudo-quadrat" in der wüste werdet ihr den strombedarf der zukunft nicht decken.
ich möchte in jedem fall, dass mir jederzeit so viel strom zur verfügung gestellt wird, den ich benötige, punkt.

Dark_Bishop
06.09.2010 19:03
Vergessen Sie's!

Die Treehugger lassen sich mit Tatsachen sicher nicht ihre bezaubernde Traumwelt verhageln. Da geht es beinhart um Ideologie, da haben Fakten nichts zu suchen. Gott sei Dank rücken in anderen Ländern immer mehr Menschen, auch Linke, von diesem Anti-Atom Fundamentalismus ab und wechseln ins realo Lager. Bei uns dauert es halt wie immer etwas länger. Energiepolitische Unabhängigkeit von Diktaturen und Autokratien (Naher Osten, Russland etc.) ist einzig durch die Atomkraft möglich. Früher oder Später werden das auch die Grünen zugeben müssen.

Andreas Mittermayer
06.09.2010 21:05
Aber das ist doch absoluter Unsinn!!

.
Sehen Sie auch:

http://derstandard.at/plink/128... 1/18032898

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
06.09.2010 16:33
Und hinter dir die "Sintflut". Punkt!

081547112
06.09.2010 19:01
sintflut

was hat damit zu tun?
anscheinend gibt es nur träumer und realitätsverweigerer. mir geht es ziemlich auf die nerven, dass zwar alle strom haben wollen, aber
- wasserkraftwerke.....verschandeln oder zerstören die umwelt
- kohle/gas/öl/......klimakastastrophe
- atom.......da könnte ja was passieren
- wind......da wird es den anrainern schwindlig und die vögel sind gefährdet
und zu den anderen erneuerbaren wird den leuten bestimmt bald auch noch was einfallen worüber sie raunzen können.
z.b. biodiesel, zuerst euphorie, dann bedrohung für die globale ernährungssicherheit, gleiches bei ethanol, die euphorie ist auch schon erloschen.
es wird immer irgendwem was negatives einfallen, ich kann die ewige raunzerei nicht mehr hören.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
07.09.2010 09:04
Ihnen ist aber schon klar, dass das, was sie

für SICH einfordern, nicht für alle Menschen dieser Erde gelten kann.

Sind sie also was Besseres, oder fangen wir langsam an, über sinnvolle Lösungen nachzudenken ...

081547112
08.09.2010 08:02
nicht für alle menschen dieser erde gelten kann

es gibt viele viele viele dinge die niemals für alle menschen dieser erde gelten werden. das werden sie nicht ändern, das können millionen nicht ändern. und das werden sie akzeptieren müssen.

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
08.09.2010 10:23
Da können sie aber sicher sein ...

Andreas Mittermayer
06.09.2010 21:13
Der Hinweis auf die "Sintflut" ist im Zusammenahng mit dem obigen Posting schon berechtigt!

.
Denn einfach zu sagen: "...ich möchte in jedem fall, dass mir jederzeit so viel strom zur verfügung gestellt wird, den ich benötige, punkt..."
deutet schon darauf hin, dass dem Poster alles egal ist, Hauptsache er bekommt seinen Strom.

Das ist rücksichtslos!

Dass manche Menschen wenig Sinn für reale Zusammenhänge habe, wie Sie beschrieben haben, stimmt zwar auch, ist aber eine andere Geschichte.

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