Fischer: Anti-Minarettspiel eine "wirkliche Geschmacklosigkeit"

05. September 2010 09:04

Bundespräsident: "Reife einer Demokratie wird auch daran gemessen wird, wie Wahlkämpfe ablaufen"

Wien - Unmissverständliche Kritik an dem Anti-Minarettspiel der FPÖ im steirischen Wahlkampf übt Bundespräsident Heinz Fischer. Das Staatsoberhaupt nannte dieses Internet-Spiel einen "absoluten Unfug" und eine "wirkliche Geschmacklosigkeit". Nicht ganz glücklich ist der Bundespräsident mit Aussagen des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh, der sich langfristig eine Moschee mit Minarett in jeder Landeshauptstadt gewünscht hatte. 

Fischer will sich zwar mit Kommentaren zu Landtagswahlen zurückhalten, er verweist aber darauf, dass "die Reife einer Demokratie auch daran gemessen wird, wie Wahlkämpfe ablaufen". Und die Parteien sollten wissen, "dass die Menschen klüger sind als viele glauben, und mangelnde Argumente nicht durch verbale Aggressivität ersetzbar sind."

"Kein guter Zeitpunkt für sachliche Diskussion"

Nicht ganz glücklich ist der Bundespräsident über die Aussagen des IGGiÖ-Präsidenten, der mit seinem Plädoyer für eine Moschee mit Minarett langfristig in jeder Landeshauptstadt zu Beginn des Wahlkampfes in Wien und der Steiermark die Islam-Debatte ausgelöst hatte. Wenn Schakfeh nochmals nachdenke, "wird er erkennen, dass er keinen guten Zeitpunkt für eine sachliche Diskussion gewählt hat." Alles, was in dieser Frage zu einer "Zuspitzung oder Emotionalisierung" führe, sei "schädlich", sagte Fischer.

Für den Bundespräsidenten ist es nicht notwendig und auch nicht sinnvoll, langfristig genaue Zahlen für die Aufteilung von Gotteshäusern oder Moscheen oder anderen Gebäuden zur Religionsausübung auf die einzelnen Bundesländer festzulegen. Wenn es einen Bedarf nach neuen Bauten gebe, müsse ein gesetzeskonformes Verfahren durchgeführt werden. "Der Rechtsstaat sorgt dafür, dass die freie Religionsausübung gewährleistet wird und funktioniert." Der Bundespräsident gesteht jedoch zu, dass es "Akzeptanzprobleme" und Ängste in der Bevölkerung bezüglich des Islam gibt. "Ob ein Politiker dem Land dienen will, erkennt man auch daran, ob er Ängste schürt, um politisches Kapital zu schlagen", oder ob er bemüht sei, mit Ängsten verantwortungsvoll umzugehen und an deren Überwindung mitzuwirken. (APA)

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Harry Y.
 
07.09.2010 16:53
Kein Wort darf Seele haben, der Barbare

er lebt so auch.
Sein Stral ist Strafe, Wort ist Fertigware
zum Sprachgebrauch.

Ein jeder Wirth ist, hat er etwas Grütze,
am Wort ein Wirt.
Die Sprache ist ja als der Hausfrau Stütze
nur engagiert.

Sie streckt sich nach der Decke, keines Falles
sie Aufwand treibt.
Sie kriegt, da sie ja Mädchen nur für Alles,
was übrig bleibt.

Man ist kurz angebunden, wenn man praktisch
so mit ihr spricht.
Dann wird ihr aber auch die Notzucht faktisch
von jedem Wicht.

(aus: Karl Kraus: Elegie auf den Tod eines Lautes;
Suhrkamp Taschenbuch 1435/ Karl-Kraus-Lesebuch)

DAS ZUR SOGENANNTEN
Meinungsfreiheit.

Harry Y.
 
08.09.2010 02:14

Nachsatz: ...auf die die Ultrarechten hier im Thread schon wieder pochen. Darauf, dass Sprache und Alphabetismus auch Verantwortung bedeuten, kämen sie nie.

Chien de Pique
06.09.2010 12:30

Fischers auffallend unhysterische Charakterisierung dieses unnötigen und einfältigen Spiels finde ich recht gut.

mit augenmaß
 
06.09.2010 08:09
Fischers Kritik an Schakfeh geht zu weit!

Gut ist die längst fällige sTellungnahme gegen das Minarett-"spiel". Aber Fischers Kritik an Schakfeh geht zu weit!
Herr Fischer mag privatim über den Zeitpunkt einer Äußerung des IGGiÖ-Präsidenten Schakfeh denken, was er mag.
Als Bundespräsident darf er ihm aber nicht derartig das Wort abschneiden! Er hätte ihn besser grundsätzlich unterstützt, denn sein Anliegen ist ohne Diskussion berechtigt, wenn wir ein libertärer Staat sein wollen.
Man sieht ja, wie die Kommentare aus islamfeindlichen Ecke sofort ausfallen.

Ben Hemmens
06.09.2010 12:55
und außerdem

wann ist nicht irgendwo in Österreich Wahlkampf?

paxmundi
06.09.2010 00:00
Ob das so schlau war vom Kurzmann?

Das Sch...spiel wird auch in der islamischen Welt verbreitet!

http://english.aljazeera.net/news/euro... 82972.html

Zu dem Spiel mußte unser BP Kritik äußern. Das war in meinen Augen gut und richtig.

paxmundi
06.09.2010 00:11
Der Link oben ist FALSCH... hier ist der Korrekte!

http://english.aljazeera.net/news/euro... 82972.html

paxmundi
06.09.2010 00:21
Erwin Wolfram
05.09.2010 23:10

Ich finds geschmacklos, wenn sich jemand seine Amtszeit selbst verlaengert. Ich bezeichne ihn dann als Nazi wenn er so handelt: So erklaere ich mir auch, dass wenn dumme islamische Kids ein Video machen es Terror ist und wenn Nazis in der Regierung packeln und dasselbe tun es eine "Geschmacklosigkeit" ist. Ich erklaere mir dann, das in so einem Land zu leben eine Schande ist, denn mit den Schwachen hat man solidarisch zu sein und die Starken Amtstraeger die korrupt und nationalsozialistisch agieren sind zu verknacken und nicht umgekehrt. Denn die Amtstraeger verursachen heute regelmaessig Todesopfer via institutionalisierter Korruptution und sprachlicher Uebergriffe und nicht die dummen Kids und zwar deshalb.

Harry Y.
 
07.09.2010 16:58

Hat jemand anders vielleicht dieses Posting verstanden?

M. P.1
05.09.2010 20:00

Wer den Bundespräsidenten dafür kritisiert, dass er ein Hetzspiel von Nazis kritisiert, kann nur selber ein Nazi sein (das betrifft insbesonders alle, die Klo und Nordkorea auspacken).

Höchstens kann man ihn dafür kritisieren, dass die Reaktion zu freundlich ausfiel.

Promille Prolet
06.09.2010 13:25
:-)

Und wer den Nationalsozialismus derart verharmlost, daß er jemanden Nazi nennt, nur weil der sich an den bewußten Klo-Ausspruch vom Altkandesbrunzler Kreisky erinnert, kann ebenfalls nur ein Nazi sein ...

M. P.1
06.09.2010 16:06

Übrigens nenne ich Leute hier nicht Nazi, weil sie den Bundespräsidenten kritisieren, sondern weil sie den Bundespräsidenten angreifen, weil er ein Hetzspiel von Nazis kritisiert hat.

Diejenigen, die hier den Bundespräsidenten angreifen, verteidigen somit die Nazis und dieses Hetzspiel, somit ist es absolut korrekt, diejenigen auch als Nazis zu bezeichnen.

M. P.1
06.09.2010 14:45

Ja, dich hab ich auch gemeint.

Es gibt in der Tat viele Nazis, und leider werden die hier im Standard-Forum auch immer mehr.

Promille Prolet
07.09.2010 13:07

Sehr radikal, was Sie da sagen.

Wenn Sie wirklich so denken, tun Sie mir leid, denn dann müssen Sie ja tagtäglich tausenden Nazis begegnen.

M. P.1
07.09.2010 15:57

Angesichts des Wähleranteiles von FPÖ und BZÖ kann man durchaus davon ausgehen, dass man auf der Straße sehr vielen Nazis begegnet. Der statistischen Wahrscheinlichkeit zufolge knapp jeder Dritte (mit regionalen Unterschieden).

Promille Prolet
08.09.2010 12:21
Sehen Sie, das meine ich ja

Man kann mE nicht einfach alle Wähler einer (nicht nach dem recht strengen Verbotsgesetz oder anderen relevanten Gesetzen) verbotenen Partei als Nazis bezeichnen. Wissen Sie überhaupt, was Nazis waren, und was die alles getan haben?

Ist denn für Sie jeder ein Nazi, der nicht Ihrer Meinung ist (über wichtige Themen wie beispielsweise Zuwanderung, Religionsfreiheit im verhältnis zu Meinungsfreiheit, Tierschutz, etc.)?

M. P.1
09.09.2010 01:29
Um die Frage zu beantworten, ob jemand ein Nazi ist oder nicht, stelle ich mir vor, wie die fragliche Person mit ihrer Einstellung wohl in einer Situation wie in den späten 30er/frühen 40er-Jahren reagiert hätte, und ob diese fragliche Person ...

... auch aus eigenem Antrieb heraus mitgemacht hätte bei Verfolgung, Massenmord, Vernichtung & Holocaust.

Ich sehe heute viele Leute, wo ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass sie mitgemacht hätten und bei FPÖ/BZÖ-Politiker und -Anhänger trifft das (nahezu?/komplett?) ausnahmslos zu. Weil niemand mit nur einem Hauch von antifaschistischer Einstellung auch nur im Entferntesten an so Parteien anstreifen kann.

Warum sollte jemand, der heute Moslems gegenüber dieselbe Rhetorik anwendet wie damals die NSDAP gegenüber Juden, oder solche Rhetorik unterstützt, damals nicht mitgelaufen sein? Erklären Sie mir das. Nazi ist man nicht (nur) aufgrund von Glatze und Bomberjacke, sondern aufgrund der Einstellung.

scala2
05.09.2010 19:24
Ich bin froh, dass Fischer sich geänder hat und etwas sagt.

Ich habe ihn nämlich genau deshalb nicht gewählt und immer kritisiert, weil er zu allem geschwiegen hat.

Wenn er nun noch den Mut und die Entschlossen hätte auch SPÖ/ÖVP zur Einhaltung der Verfassung beim Budget zu drängen, würde er noch mehr an Authorität und Ansehen gewinnen.

Nikos S.
05.09.2010 17:46

eigentlich wollte ich mich mal wieder den fischer auslassen, aber in diesem punkt stimme ich ihm doch zu. es ist halt seine art alles so vage und vorsichtig auszudrücken, dass er selbst nicht zur zielscheibe der rechten wird. die formulierungen die er hier gewählt hat sind aber sehr aussagestark!

Makro 24/7
05.09.2010 17:40

jössas, den gibts ja auch noch ^^

Borat Sagdiyev : jak sie masz?
05.09.2010 17:31
Nein, Lieber Herr BP, die Demokratie wird vor allem daran gemessen ob ein Land eine unabhängige Justiz hat.

Angesichts dieser Schmierenkomödie um unsere Politjustiz, die wir tagtäglich erleben müssen. Ist ein dringende Handlungsbedarf auch für Sie.

Die Regierung tagtäglich blamiert dieses Land durch die Korruption und die Untätigkeit der Justiz.

Diese Regierung ist anscheinend selbst so verstrickt, dass sie nicht willig ist einen klaren Tisch zu machen.

Ersparen sie diesem Land diese Blamage und Schicken sie dringend diese Chaostruppe in die Wüste.

Österreich und wir Bürger haben uns das nicht verdient.

Gefährliche Clowns
05.09.2010 19:49

Österreich hat sich diese Regierung sehr wohl verdient. Österreich hat sie gewählt...

spiegelei
05.09.2010 17:20

und was hat das jetzt für Auswirkungen, dass sich der BP zu irgendwelchen Themen äußert?

Dr. Wolfgang S. (Kanzler a.D.)
05.09.2010 19:08
jawoll!

es gehoert wieder ein starke hand her, nicht wahr?

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