Bundesbankvorstand soll Vorstand am 16. August in Kenntnis gesetzt haben
Berlin - Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat laut einem
Zeitungsbericht seine Vorstandskollegen im Voraus über sein umstrittenes Buch
über die deutsche Einwanderungs- und Integrationspolitik informiert. Sarrazin
habe den gesamten Vorstand am 16. August schriftlich über die geplante
Veröffentlichung seines Buches "Deutschland schafft sich ab" in Kenntnis
gesetzt, berichtete die "Bild am Sonntag". Allerdings habe weder
Bundesbank-Präsident Axel Weber noch ein anderes Vorstandsmitglied darauf
reagiert und sich nach dem Inhalt des Buches erkundigt.
Sarrazin kommt am Montag zur Arbeit
Sarrazin, für dessen Abberufung sich der Bundesbank-Vorstand am vergangenen
Donnerstag ausgesprochen hatte, wollte am Montag laut "BamS" seinen Dienst in
der Frankfurter Zentrale der Bundesbank versehen. Schließlich werde der Antrag
auf Sarrazins Abberufung erst rechtsgültig, wenn Bundespräsident Christian Wulff
diesen unterschrieben habe. Nachdem Sarrazin alle Geschäftsbereiche entzogen
worden seien, beantworte er zur Zeit an die Bundesbank adressierte
"Bürgerpost"-Briefe, schrieb das Blatt weiter.
Merkel: Bundesbank durch Sarrazin-Affäre nicht beschädigt
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Ruf der Bundesbank durch die Affäre um
Sarrazin nicht beschädigt. Der
Vorstand der Bundesbank habe die Entscheidung für einen Antrag auf Abberufung
Sarrazins einmütig und wie stets in vollständiger Unabhängigkeit getroffen,
sagte Merkel der "Bild am Sonntag". "Bei dieser Unabhängigkeit, auf der das
weltweite Ansehen unserer Zentralbank beruht, bleibt es auch in Zukunft." Es sei
nun wichtig, dass bei der Bundesbank Ruhe einkehre, damit sie sich ganz ihren
wichtigen Aufgaben widmen könne. Sarrazin ist wegen seiner Äußerungen über
Zuwanderer und Juden ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. (APA)