Jürgen Melzer erreichte zum dritten Mal en suite die Runde der letzten 16 eines Grand-Slam-Turniers - Es wartet Roger Federer
New York - Jürgen Melzer hat in Flushing Meadows sein Plansoll erfüllt. Der Wunsch, das Viertelfinale der US Open zu erreichen, dürfte für den Niederösterreicher aber ein Traum bleiben. Nach dem völlig problemlosen, binnen 1:44 Stunden herausgespielten 7:5, 6:3, 6:1 über den Spanier Juan Carlos Ferrero trifft der 29-Jährige wie schon im Achtelfinale zu Wimbledon auf Roger Federer. Das allererste professionelle Treffen der beiden hatte der 28-jährige Schweizer vor etwas mehr als zwei Monaten innert 84 Minuten und also kommod mit 6:3, 6:2, 6:3 für sich entschieden.
Auf Hartplatz rechnet sich Melzer etwas bessere Chancen aus, er ist aber berechtigterweise schon damit zufrieden, dass er erstmals unter den letzten 16 der US Open steht und in der Nacht auf Dienstag erstmals im 23.771 Zuseher fassenden Arthur-Ashe-Stadion (zweites Match nach 01:00 Uhr MESZ) aufschlagen darf.
Erstmals hieß es für Melzer in dieser Saison schon oft. In Paris erreichte er im 32. Anlauf erstmals das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers, der Abschied von Roland Garros erfolgte erst und quasi auch erstmals in der Vorschlussrunde gegen den späteren Sieger Rafael Nadal. In Wimbledon stand er erstmals unter den letzten 16 und gewann seinen ersten Grand-Slam-Titel im Doppel. Und spielt Melzer in der kommenden Hallensaison auf diesem Niveau weiter, so könnte er erstmals das World-Tour-Finale schmücken. Mit dem US-Open-Achtelfinale rückt er in einer Zwischenwertung auf Platz zehn vor - die besten acht sind in London dabei.
Verlass
Melzer, sagte Melzer kürzlich dem Standard, kann sich seit bald einem Jahr, seit seinem Turniersieg in Wien, auf Melzer verlassen. Die Probleme mit dem Aufschlag, die ihn in New York zu je fünf Sätzen gegen den Russen Dmitrij Tursunow und den den litauischen Qualifikanten Ricardas Berankis nötigten, waren gegen Ferrero, den er im siebenten Duell zum dritten Mal bezwang, flott vergessen: "Ich habe den Ball hundertmal besser gespürt als an den Tagen zuvor. Wenn du dich so wohl fühlst von der Grundlinie, dann denkst auch an den Aufschlag nicht so viel."
Melzers Steigerung geht eindeutig auch mit erhöhten Anforderungen einher. Die Partie gegen Federer wird das zehnte Treffen mit einem Top-Ten-Spieler in dieser Saison. Deren drei hat er gewonnen, der diesbezüglich wertvollste Erfolg war der in fünf Sätzen errungene gegen den Serben Novak Djokovic im Viertelfinale der French Open. Melzer hatte gegen die Nummer drei gar einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht.
Duelle auf diesem Niveau stärken zwangsläufig. "Man entwickelt sich weiter, gewöhnt sich ans Tempo." Auch in Trainingseinheiten mit der Weltspitze, die langsam alltäglich werden. Selbst zählt sich Melzer, der bei den US Open als Nummer 13 und also so hoch wie in noch keinem Grand Slam gesetzt ist, noch nicht dazu. "Aber ich hoffe, dass es bald so weit ist." Ein erster Sieg gegen Federer ist dafür gar nicht notwendig. Immerhin glaubt Melzer, dass er gegen den fünfmaligen Sieger der US Open "nichts zu befürchten" hat. (red DER STANDARD Printausgabe 06.09.2010)