Alpbach-Apelle

Fischer und Ban mahnen gerechtere Verteilung von Reichtum an

4. September 2010, 18:56
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    foto: reuters/dragan tatic

    Österreichs Außenminister Michael Spindelegger (li.) und Bundespräsident Heinz Fischer (re.) nahmen am Samstag in Alpbach UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in ihre Mitte.

Bundespräsident kritisiert Steuerflucht - UN-General drängt Geberländer an Entwicklungs­zielen festzuhalten

Alpbach - Bundespräsident Heinz Fischer hat am Samstag Steuerflucht, rücksichtsloses Gewinnstreben und Nahrungsmittelspekulation heftig kritisiert. Er ortet zudem einen kritischen Zusammenhang zwischen Finanzkrise und Klimakrise. In Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat Fischer heute Mittag die diesjährigen Finanzgespräche beim Forum Alpbach abgeschlossen.

Eine Milliarde Menschen leide heute Hunger. So viel wie nie zuvor, Die Welt sei reich genug, um den Hunger in der Welt auf Dauer zu beseitigen, sagte Fischer. Der Reichtum sei jedoch äußerst ungleich verteilt. Auch unter diesem Aspekt will er die laufenden Reformen und Regulierungen des Weltfinanzsystems verstanden sehen.

Entwicklungsländern entgehen jährlich Milliarden an Steuereinnahmen

Als ein Problem sieht Fischer die sogenannten Schatten-Finanzzentren, also Offshore-Zentren (Steuerparadiese). Deren Aktivitäten lägen oftmals außerhalb der üblichen Rechtsnormen, damit würden regulatorische Standards umgangen. Der Bundespräsident sprach in dem Zusammenhang die Steuerflucht an. Der OECD zufolge entgingen den Entwicklungsländern pro Jahr viele Milliarden Dollar an Steuereinnahmen, indem zu versteuernde Einkommen und Einnahmen in solche Zentren transferiert werden. Experten sprächen von zwei- bis dreistelligen Milliarden-Dollarbeträgen, die armen Ländern an Steuern fehlten und so mitentscheidend würden, ob grundlegende Lebensbedürfnisse gedeckt werden könnten oder nicht.

Ein weiteres Problem sei die Nahrungsmittelspekulation. Es gelte als gesichert, dass die starken Preisschwankungen auf den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten auch spekulationsgetrieben seien. Schnellten die Preise wegen Spekulationen nach oben, könnten sich die Entwicklungsländer Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.

Bei der Armutsbekämpfung gehe es um globale Spielregeln eines gerechten Wirtschaftens, sagte der Präsident. Diese globalen Spielregeln seien es, die, so brutal das klinge, auch über Leben und Tod entschieden.

Ban: Internationale Gemeinschaft bei Milleniumszielen in Verzug

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat in Alpbach an die Mitglieder der Vereinten Nationen appelliert, die Entwicklungsversprechen einzulösen, die sie im Jahr 2000 abgegeben haben. Durch die Sparprogramme nach der Finanzkrise sei die internationale Gemeinschaft bei den sogenannten Millenniumszielen im Verzug, warnte Ban am Samstag zum Abschluss des Europäischen Forums im Tiroler Kongressort.

Hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen und zahlreiche UNO-Botschafter und Hilfsorganisationen halten in den nächsten vier Tagen in Alpbach eine Versammlung ab, in der unter anderem Themen des Sicherheitsrates (Schutz von Zivilisten und Frauen in Konflikten) erörtert werden.

Ban: Für Finanzkrise waren schnell Billionen da

"Wenn die Industriestaaten binnen kurzer Zeit 20 Billionen US-Dollar (15,6 Billionen Euro) mobilisieren können, um die Finanzkrise zu bekämpfen, dann gibt es keine Entschuldigung dafür, wenn die wesentlich geringeren Mittel zur Erreichung der Millenniumsziele nicht aufgebracht werden können", sagte der UN-Generalsekretär.

Sparen und die Unterstützung ärmerer Länder schlössen einander nicht aus. Manche europäische Länder erfüllten die Zusagen, die sie gemacht hätten, einige überträfen sie sogar - "aber die meisten liegen weit zurück", sagte Ban ohne Namen zu nennen.

Die UNO hält Ende September einen Gipfel in New York ab, der einen konkreten Aktionsplan beschließen soll. Ziel dieses Plans ist es, die acht "Millenniumsziele" doch noch zu erreichen. Der für die Erfüllung dieser Ziele angepeilte Zeitpunkt ist das Jahr 2015. Das den konkreten Vorgaben übergeordnete Ziel ist, die ärgste Armut in der Welt bis dahin zu halbieren.

Spindelegger warnt vor Hungerrevolten in ärmsten Ländern

In seinem Referat hatte Österreichs Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) die Unterstützung der Millenniumsziele bekräftigt. Spindelegger begrüßte die Aufstockung der Mittel für multilaterale Organisationen wie den IWF und erklärte auch, "dass wir das System der UNO stärken müssen".

Gleichzeitig müsse man neue, "innovative Finanzquellen" für die anstehenden Aufgaben finden, meinte der österreichische Minister. Eine solche Quelle könne eine Transaktionssteuer sein, die auf internationale Kapitalbewegungen erhoben wird. Voraussichtlich werde es aber noch einige bis zur Umsetzung einer solchen Steuer brauchen.

Mehrfach sprach der österreichische Außenminister hohe Energiepreise und drohende Nahrungsmittelengpässe an, die Verorgungssicherheit müsse durch eigene Programme gestärkt werden. In der mozambikanischen Hauptstadt Maputo sei es vergangene Woche zu Ausschreitungen wegen zu hoher Lebensmittelpreisen gekommen - weitere Hungeraufstände drohten. (APA)

Josef Obermaier
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Reichtum für alle!

Jahr Bevölkerung in Millionen
-10000 4
-1000 50
-750 60
-500 100
-400 162
-200 150
1 170
200 190
400 190
500 190
600 200
700 207
800 220
900 226
1000 310
1100 301
1200 360
1250 400
1300 360
1340 443
1400 350
1500 425
1600 545
1650 470
1700 600
1750 790
1800 980
1850 1.260
1900 1.650
1910 1.750
1920 1.860
1930 2.070
1940 2.300
1950 2.400
1960 3.020
1970 3.700
1974 4.000
1980 4.430
1987 5.000
1990 5.260
2000 6.070
2050 9.000 (Extrapolation)

KTHXBYE
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Anmahnen kann jeder Pfeifenkopf. Machen muß man was. So gesehen sind die Wortspenden von Fischer und Moon entbehrlich.

keppel pepi
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blablabla

jacques05
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recht haben sie, herr bundespräsident...

der herr ban kann nicht viel machen, außer reden.
sie aber könnten z.b. gleich die bundesregierung auf-
fordern, alle konten von ö im ausland öffnen zu lassen und die herkunft der vermögen durchleuchten lassen.
das wäre doch schon ein anfang.

Alpha Centaurus
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Reich genug wird die Welt immer sein - Geld drucken ist ja kein Problem. Nur groß genug ist sie nicht oder wird sie zumindest bald nicht mehr sein...

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