Neuer Vorstoß

Karl fordert Studiengebühren

4. September 2010, 13:10
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    foto: apa-foto: roland schlager

    Wissenschaftsministerin Karl - hier bei einem Gespräch mit Studierenden im Herbst vergangenen Jahres - will pro Prüfung oder Lehrveranstaltung Geld von den Studenten verlangen.

Studierende sollen pro Lehrveranstaltung und Prüfung zahlen - Jährlicher Höchstbetrag gefordert - Klare Absage der SPÖ

Wien - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) greift eine alte Idee ihres Vorgängers Johannes Hahn auf und will die Studiengebühren modifiziert wieder einführen. Konkret schlug sie Samstagmittag in der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast" vor, dass die Studierenden künftig nicht mehr einen Fixbetrag sondern pro Lehrveranstaltung bzw. Prüfung Gebühren entrichten sollten.

Wie hoch diese Beiträge sein sollten, wollte die Ministerin nicht sagen. Diese festzulegen, läge in der Autonomie der Universitäten. Allerdings plädierte Karl für einen jährlichen Höchstbetrag. Dieser wäre dann mit dem Koalitionspartner und den Rektoren auszuverhandeln. Auch, wie viel Geld insgesamt mit neuen Gebühren hereinkommen sollte, wollte die Ressortchefin nicht kommentieren.

Hahn hatte solch einen Vorschlag vor zwei Jahren vorgebracht, war aber am Widerstand der SPÖ gescheitert.

Der Höchstbetrag, den Wissenschaftsministerin Karl bei ihrem neuen Studiengebühren-Modell vorsieht, bezieht sich nicht auf einen jährlichen Wert. Das betonte das Büro der Ressortchefin. Der Betrag soll sich an den Punkten des so genannten ECTS-System (European Credit Transfer System) orientieren. De facto ergäbe sich mit dem neuen Modell ein Gesamtbetrag für das ganze Studium. Egal, wie lange studiert wird, bleiben die Kosten gleich.

Zum technischen Ablauf: Welche Kurse belegt werden, entscheidet der Student und zahlt dafür ein. Wenn er dann für eine Lehrveranstaltung keinen Platz bekommt, wird ihm die Summe gut geschrieben.

SPÖ erteilt Karl Plänen Absage

Die Realisierung dieser Pläne scheint freilich ohnehin unwahrscheinlich. Denn SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl erteilt dem Vorschlag Karls in einer Aussendung eine "klare Absage". Seitens der SPÖ gebe es ein "klares Nein zu Studiengebühren". Die Wissenschaftssprecherin wies darauf hin, dass schon jetzt zwei Drittel der Studierenden berufstätig seien, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zusätzliche Belastungen seien kontraproduktiv.

Karl zerbreche sich den Kopf zu sehr über Detailfragen, verliere aber dabei das große Bild aus den Augen, befand wiederum FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf. Den Vorschlag, anstelle von Studiengebühren künftig Lehrveranstaltungsgebühren einzuheben, bezeichnet er in einer Aussendung als Stückwerk. Zudem gehe es eigentlich nur um das Stopfen von Budgetlöchern: "Für eine solche Politik sind die Freiheitlichen nicht zu haben."

Auch Schmied erteilt Karl Abfuhr

Auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) erteilt Karl eine Abfuhr, was die Wiedereinführung von Studiengebühren angeht. Die SPÖ stehe für den Grundsatz "freies Studium" für alle, erklärte die Ressortchefin im ORF-Radio. Karl hatte angeregt, modifizierte Studiengebühren zu etablieren. Gezahlt würde demnach nicht mehr pro Semester sondern pro abgelegter Prüfung bzw. besuchter Lehrveranstaltung.

Nach Meinung des Grünen Wissenschaftssprechers Kurt Grünewald will Karl mit ihrer neuerlichen Forderung nach Studiengebühren ihr eigenes Scheitern kaschieren. Da sie sich bei Finanzminister Josef Pröll nicht durchsetze, wälze sie die Verantwortung einfach auf die Studierenden ab. Geplant sei die Einführung einer "Bildungssteuer".

Das BZÖ, das eigentlich Gebühren befürwortet, sieht die ÖVP in ihrer Universitätspolitik "völlig gescheitert". "Alte Hüte" würden die Unis nicht weiterbringen und die Situation der Studierenden nicht verbessern.

ÖH lehnt Karl-Vorstoß ab

Die Bundesvertretung der österreichischen Hochschülerschaft lehnt den neuen Anlauf der Wissenschaftsministerin zur Einführung von Studiengebühren ab. Ohnehin habe Österreich zu wenige Absolventen, Studiengebühren hätten genau wie Zugangsbeschränkungen fatale Auswirkungen, heißt es in einer Aussendung der ÖH. "Es ist an der Zeit, dass die Bundesministerin endlich ihr Amt ausfüllt und sich in den Budgetverhandlungen gegen ihren Parteifreund Josef Pröll durchsetzt. Für die Ausfinanzierung ist der Staat verantwortlich, nicht Studierende ohne Einkommen", so Sigrid Maurer vom Vorsitzteam der ÖH.

Unterstützung für Karl von Leitl

Nach Absagen aller anderen Parteien hat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl nun in der eigenen Partei Unterstützung für ihren neuen Vorschlag zur Wiedereinführung von Studiengebühren gefunden: Wirtschaftsbund- und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Der betont in einer Aussendung allerdings, dass parallel dazu das Stipendiensystem ausgebaut werden müsse, um Diskriminierung zu vermeiden. Für Studiengebühren spreche unter anderem, dass die Studiendauer beschleunigt werde, weil die Studierenden schneller Prüfungen ablegten, und dass der Ansturm Deutscher (Medizin-)Studenten etwas eingedämmt würde, so Leitl in einer Aussendung. (APA)

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pacatianus
 
00
12.9.2010, 12:34

Die Idee ist so saublöd, dass nicht einmal das Gegenteil einen Sinn ergibt.
Hat die gute Frau eine Ahnung wie viele Menschen es gibt, die neben dem Studium arbeiten oder wieviele Familien aus der Mittelschicht, die grade eben kein Stipendium bekommen, an der Armutsgrenze dahinschlittern weil drei Kinder studieren möchten. Hinter dem "Studenten" stehen Familien, die auf vieles verzichten damit dieses von den sogenannten Eliten rundum geplünderte und bestohlene Land eine Zukunft hat.

Shadow
01

ich dachte die unis finanzieren wir in zukunft mit den renditen aus dem bombengeschäft hypo alpe adria verstaatlichung.

andererseits ist es natürlich verständlich beim budget prioritäten zu setzen. entweder ein jahr eine bank retten oder stattdessen auf studiengebühren verzichten und die unis ordentlich finanzieren. man kann nicht alles haben...

dasseigesagt
 
03

man könnte doch vor den hörsälen entwerter anbringen, wie bei der u-bahn, wo jeder student seine veranstaltungsstreifenkarte entwerten kann. an die toiletten bringt man münzschlösser an, eine atemluftgebühr wäre denkbar, für sitzplätze könnte man eine reservierungsgebühr erheben...

denke, ich könnte sofort bildungsminister werden

also dann ...
02
geh bitte ... es weiss doch längst JEDER (ausser frau karl...) dass der hochschulsektor Ü B E R S C H Ü S S E ( ! )

erzielt - und zwar seit j a h r e n...
siehe seite 44,148,149 - hochschulsektor (in mio) :
ÜBERSCHUSS / rücklagen / wertpapiere
2007 : 23,2 mio...1.245.....341
2008 : 40,6 mio...1.167.....364
2009 : 47,2 mio...1.257.....320
http://www.statistik.at/web_de/dy... detail=571
die RICHTIGEN FRAGEN lauten daher :
wozu brauchen
... rücklagen von 1/3 der ausgaben p.a. ?
... wertpapiere von mehr als 300 mio ?
- - -
die studierenden werden gleich 2x BETROGEN :
- bei niedrigen akad-quoten braucht es MEHR - nicht weniger - stud.plätze
- das ÜBERSCHÜSSIGE geld gehört IN die studenten
i n v e s t i e r t (höhere betreuung)...
und nicht in wertpapiere !

collector1
00

Die Überschüsse und die liquiden Mittel bei allen Universitäten Österreichweit (dzt. 21) sind tatsächlich viel höher, nur für was stellt sich die Frage.

also dann ...
00
stimmt - wofür ? sie erhalten die ausgabenwirksamen aufwendungen wie löhne etc.

sowieso p.m. bezahlt...

und dann geht die ministerin...
und die rektoren in die öffentlichkeit, und sabbern
- bewusst - die unwahrheit herunter ?

die UNI´S gehören jedes jahr auf ihre ordentl. gebarung geprüft - und dann müssen sie öffentlich ihre mittelverwendung erklären :
vor allem den s t u d i e r e n d e n !

collector1
01

Korrekt, wobei meines Informationsstandes die liquiden Mittel aller Universitäten um ein Vielfaches höher liegen als die vorher angesprochenen 300 Millionen (wahrscheinlich um 1 Mrd.Euro), teilweise in Aktien, Aktienfonds, Hedgefonds, Immobilienfonds, Gold, teilweise auf Taggeldkonten oder in mittelfristigen Anlagen wie Anleihen und Anleihenfonds, sowie als Sichteinlagen bei Geldinstituten.

also dann ...
01
z.b. wu-wien : die liquiden mittel der WU ... machen (2009) 41 % der bilanzsumme ( ! ) aus / 2008 : 35 %.

d.h. (seiten 161-165)
- obwohl der rektor kein geld hat...
- sind die liquiden mittel GESTIEGEN ?

WU-bilanz (mio)...2009.....2008
bilanzsumme.........73........69
liquide mittel.........30........24
WU - G/V (mio)
J.ÜBERSCHUSS......5,9.......5,6
rücklagen.............5,5.......5,5
z.b.
- um 5,5 mio der rücklagen könnte man
ca 140-180 neue lehrkräfte einstellen und so das
betreuungsverhältniss entscheidend... verbessern
... als auch jungen akadmikern eine job bieten !
- das eigenkap.d. WU stieg um 6 mio
und beträgt 44% (!).
- - -
die wu-wien hat eine "solidere bilanz" als die VOEST !
und der rektor ... jammert ?

http://www.wu.ac.at/press/abo... icht09.pdf

Chocoholic
10
Wie waere es mit Videovorlesungen, die meisten Professoren (wenn nicht eh alle) schreiben ihre

Vorlesungen ein oder zwei mal zusammen und dann referieren sie diese mehrere Male pro Jahr genauso, bis 20 Jahre spaeter wieder eine Erneuerung auftritt.

Bin auch fuer Studiengebuehren, aber nur dann, wenn StudentInnen, die diese bezahlen auch 100% zinsenfreie Kredite bekommen, die erst dann zurueck zu zahlen sind, wenn ausreichend Gehalt lukriert wird.

Guybrush Threepwood
36
Das wirklich dämliche an Karl's Vorschlag ist ja eigentlich

der hohe Verwaltungsaufwand, den die lehrveranstaltungsbezogene Einhebung von Gebühren mit sich bringen würde.

Ich gehe jede Wette ein, dass der Verwaltungsaufwand locker die gesamten eingehobenen Gebühren auffressen würde (wenn man davon ausgeht, dass die angesprochene Jahreshöchstgrenze etwa bei dem Betrag liegt, wie hoch bis 2008 die Studiengebühren waren).

Guybrush Threepwood
12
Das rote Stricherl ist sicher von einem ÖVP-Wähler.

Ihr ÖVPler seid ja solche Intelligenzbolzen!

Phan Tast
012
Solidarität

Wir leben in einer Solidargemeinschaft. So wie von mir erwartet wird, mir unbekannte Pensionisten zu finanzieren, irgendwelcher Leute Krankenstände zu zahlen und mein anteiliges Steugergeld irgendwo versickert (AKH, Skylink, Tunnelprojekte, Landeskaiserbauten), so erwarte ich, dass mir die Gemeinschaft mein Studium bezahlt, welches ich im Laufe meines Berufslebens aufgrund der höheren Steuern mit Leichtigkeit wieder einbringe.

Und wenn diese Stimmung so negativ bleibt, werde ich mir weiterhin das Auswandern in diverse angrenzende Länder als Option offen halten - denn rein von der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen müsste ich später emigrieren.

Phantom91
 
03

wer schnell studiert wird bestraft... danke frau karl

Midway
01
ich zahl gerne meine gebühren...

aber ich will dafür auch was geboten bekommen! ich gebe mein geld direkt der uni und nicht dem staat die soll dann in infrastruktur und lehrkräfte investieren!
wenn das so funktioniert bitte ich darum!

Hans Vogel
51
Richtig!

Nur was etwas kostet, ist auch was Wert. Der Student ist dann nicht Bittsteller, sondern Kunde. Wenn man sich anschaut was Studenten in Discos usw. ausgeben, kann es ihnen auch zugemutet werden, etwas für das Studium zu zahlen.
Dafür sollte der Staat, wirklich Bedürftige, welche auch ordentlich studieren und Prüfungen ablegen, großzügig unterstützen.
Die Einhebung der Gebühr ist bei den heutigen Möglichkeiten der Abrechnung, auch kein Problem mehr.

Guybrush Threepwood
04
Re: "Der Student ist dann nicht Bittsteller, sondern Kunde"

Echt? War das so, als von 2001 bis 2008 Studiengebühren eingehoben wurden?

Rent a Democracy
04
Die ÖVP will also schon wieder neue Steuern.

barro
00
nein, nicht schon wieder dieses leidige Thema...

jetzt noch zusätzlich stumpfsinniger...denkt diese unfähige Person nicht an den Verwaltungsaufwand..

Horstl Schorschl
21
Die Fr. Schmied...

gefällt mir immer besser.

Lopovluk
02
Wie viel Schwachsinn müssen wir uns von der ÖVP bieten lassen?

Die Schmerzgrenze wurde längst überschritten. Österreich hat längst genug.

Diese Karl - mir fehlen die Worte. Zu dieser Frau fallen mir eigentlich nur noch Beleidigungen ein.

Ihr schwachsinniger Vorschlag ist es nicht wert zu kommentieren.

Jo eh...
37

Erfolgreiche Länder investieren in Bildung, das zieht sich durch die Geschichte. Aber die ÖVP will unsere sehr starke soziale Selektion weiter verschärfen und uns zu einem unproduktiven Bauernstaat mit einer kleinen schwarzen Akademikerkaste machen.

Midway
00
schwaches argument...

wie auch in vielen anderen sparten sind nicht so gut verdienende von gebühren befreit! also wieso sollte man das auch nicht bei den studiengebühren???

riddler2008
 
01
Weil als Vergleich

die Verdienste der Eltern herangezogen werden und die noch lange nichts darüber aussagen wieviel Geld den Studenten zur Verfügung steht. Solange in diesem Land davon ausgegangen wird, dass Eltern das Studium ihrer Kinder sowieso finanzieren, solange gehen Reformen immer in die falsche Richtung

Halbtuer
 
01
Idee

...oder wie wärs, wenn alle, die jetzt so laut nach Studiengebühren schreien, aber selbst gratis studiert haben, nachträglich dafür (jetzt wären sie ja meist in lukrativen Positionen) einen solidarischen Obulus leisten...

NIK_
03
leistungsabhängigkeit??

eigentlich habe ich gehofft in der person karl jemand sehen zu können der (unabh. von der polit. richtung) produktive und sinnvolle arbeit für unser system leisten wird - aber nein: ganz im gegenteil: es werden abgrundlos dumme ideen aus den zeiten des vorgängers aufgegriffen: bezahlung pro lehrveranstaltung - was genau bedeutet das: es bedeutet das jemand der intelligent, motivert und fleißig ist und 2x soviel studiert, zB 2 studien in 6 jahren (parallel) dann nahezu doppelt soviel zahlen sollte als jemand der 6-7 jahre vor sich hinstudiert, vielleicht nichtmal fertig wird in dieser zeit, aber die uni ressourcen in bezug auf infrastruktur und auch personal genauso belastet (weil event. mehrere anläufe für eine LVA) - das verstehe ich nicht

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