Todestag von Jochen Rindt

Durchs Leben gerast

3. September 2010, 20:38

Ein ehemaliger Stuntman zum Gedenken an Jochen Rindt - Ein Kommentar der Anderen

"Wo waren sie, als ....?" Die Zahl jener, die noch immer Aufenthaltsort, Uhrzeit und Wetterlage memorieren können, als die Nachricht vom Tod des "Österreichers" Jochen Rindt in Monza verkündet wurde, ist bemerkenswert. Das Eigentümliche an der Sache ist weniger die Tatsache, dass man sich an einen Unglücksfall erinnert, der in den Jahren der Aluminiumkisten nachgerade alltäglich war, sondern dass Österreichs langlebige Trauer einem "Österreicher" gilt, der kein Österreicher war.

Jeder kennt den Witz, dass wir Großmeister im Ein- und Ausbürgern sind bzw. waren. Hitler wurde 1945 schneller zum Deutschen gemacht, als ein Lämmlein mit dem Schwanz wackeln kann, und Beethoven ebenso flink zum Österreicher umgebürgert. Rindt war in Mainz geboren - und wenn ich mich recht erinnere, hat es in den späten Sechzigern kaum einen Menschen gegeben, der globaler lebte und dachte als der junge Mann mit der charakteristisch eingedeptschten Nase und einer Großmutter in Graz.

Seit Jahren brennen dort stets zu Allerheiligen am Grab des verunglückten Rennfahrers hunderte Kerzen und weiteres Lichterzeug. Davor sind stets ein paar Dutzend Menschen versammelt, zum Teil in dunkler Tracht, mit übereinandergelegten Händen und finsteren Mienen, wie vor einem Kriegerdenkmal. Dabei raste der junge Mainzer derart durch sein Leben, dass ihm selbst für solche Momente der Trauer oder gar Einkehr angesichts der vielen Toten während seiner Rennjahre keine Zeit blieb.

Wer ihn unmittelbar nach seinen Rennerfolgen erlebte, wird sich auch daran erinnern, dass er nicht einmal Zeit fand, sich über seine Siege zu freuen. Er war sogar der Sekunde in der er gerade lebte, um Tage voraus. Ich hatte den Eindruck, dass im Moment des Abwinkens, wenn er über die Ziellinie raste, seine größten Sorgen der Höhe des Preisgelds und der Frage galten, wie er auf dem schnellsten Wege den nächsten Flieger erreichen könnte. Für sublime Gedanken war da nie Zeit.

Jahrestage zum Tode von ... werden in diesem Lande in der Regel zu Oratorien und nationalen Trauerfesten. Politiker pflegen dann zumeist etwas zu sagen wie "Er war ein guter Mensch". Jochen Rindt war alles andere als ein "guter Mensch". Kein Formel-1-Fahrer ist während seiner aktiven Zeit ein so genannter "guter Mensch". Kampfsport ist gesetzlich erlaubter Totschlag - vor Publikum, das im Geiste enthusiastisch mitschlägt. Man beobachte nur die Fahrmanöver alternder Champions bei gegenwärtigen Formel-1-Rennen ...

Nach den Politikern treten dann auch sicher viele Zeitgenossen vor die Kamera und skandieren das Lied vom "Guten Freund". Jochen Rindt war niemandes Freund, nicht einmal sein eigener. Er hielt alle und jeden auf Distanz, seine Hofschreiber pflegte er zumeist mit: "Wos mochst'n du scho wida do?", zu begrüßen.

Über die unüberschaubare Schar seiner Fans hatte er sich stets gewundert - und wahrscheinlich im Kopf schnell überschlagen, dass bei zehn Schilling pro Verehrer bei x Millionen auch ganz schön was übrigbliebe. Vor allem wenn man es in der Schweiz versteuert, wo der "Österreicher" bekanntlich lebte.

Das Szenario unmittelbar nach seinem Unfall ist in Helmut Zwickls hervorragendem Buch Anatomie einer Hinrichtung nachzulesen. Die Steirer blickten damals fassungslos auf die Investitionen des Österreichrings und planten bereits den Umbau in eine Golfwiese - mit Fördermitteln, versteht sich. Das im Fernsehen übertragene Begräbnis artete teilweise in unfreiwillige Komik auf Löwinger-Bühnenniveau aus.

Bei den heurigen Jubiläumsfestansprachen werden naturgemäß jede Menge Rennveteranen anwesend sein. Niki Lauda, schwer gezeichnet vom Beruf, Helmut Marko, vom Kreisfahren halb blind, und Gerhard Berger, fast verbrannt in Imola, hatten Rindt im wichtigsten Rennen besiegt: Sie überlebten.

Herbst 1970 hatte es in sich: Jochen Rindt fährt am Nachmittag des 5. September in Italien gegen eine Leitplanke; Jimi Hendrix erstickt am 18. September in einem Londoner Hotel; Janis Joplin "buried alive", stirbt am 4. Oktober in LA, Kalifornien an einer Überdosis. - Sie hatten eines gemeinsam: lived fast and died young.

(Erich Glavitza, DER STANDARD Printausgabe, 4./5. September 2010)

Erich Glavitza, geboren 1942 in Kapfenberg, war Auto- und Motorradrennfahrer, Stuntman in den frühen James Bond-Filmen, doublete u.a. die Crash-Szenen im Steve Mc Queen-Klassiker "Le Mans", agierte daneben als Eishockeyspieler, Sportschütze und Generalimporteur für eine Motorradfirma und lebt heute als Autor von Kriminalromanen und Kurzgeschichten in Wien.

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    Posting 1 bis 25 von 59
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    MyFavoriteThings
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    ein wilder Hund war er

    und das hat viele fasziniert und tut es noch immer ...

    Faszinierend auch für Erich Glavitza, der ihn halt auch ein bisschen als Konkurrenten sieht ...

    Mens Sana
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    DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGEN

    sind per se noch nichts Schlechtes - sie dürfen nur nicht so rüberkommen, als stünden diese offenbar im persönlichen Kontext des eigenen (möglicherweise nicht so ganz erfüllten) Lebensentwurfes.

    Sollten die sonstigen literarischen Einlassungen des Autors von ebensolcher Qualität sein wie dieser Kommentar, neige ich im gesteigerten Ausmaß zur Ansicht, diesbezüglich nicht wirklich etwas versäumt zu haben.

    Persönlich halte ich es (übrigens nicht nur bei diesem Thema) hinsichtlich der notwendigen Äquidistanz auch lieber mit der automobilen Edelfeder Herbert Völker und weniger mit den damaligen journalistischen Hofschranzen.

    JR ist eine Ikone des Rennsports und tatsächlich eine Legende! Und die lebt noch - aber wie!!!

    Lord Schaumloeffel
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    hmmm...

    ... ich weiss noch, dass ich bei meinen großeltern war, als die todesnachricht kam. auch ich bekam das zwickl-buch "hinrichtung eines champions" von meinem vater geschenkt. ich erinnere mich an die motorama-sendungen und an die jochen rindt-shows (an die dort ausgestellten exoten wie green monster, ein tschitti tschitti bang bang und einen 007-aston martin).

    rindt war damals ein hero. zwar mit exotenbonus, weil formel 1 noch sehr jung war in der wirklich breiten öfentlichen wahrnehmung. und ich krieg heute noch gänsehaut, wenn ich die dokus sehe.

    es ist okay, wenn jemand wie dieser hobby-krimiautor das anders sieht. soviel meinungspluralität muss schon sein dürfen. meine verbindung zum mythos rindt wird das aushalten.

    tiqui taca
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    na hoffentlich verdient der autor genug geld mit seinen motorradl

    weil mit der pseudointelektuellen schreiberei wird er eher verhungern...

    speedbrain
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    a typischer glavitza

    Zaungast8
     
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    Komisch

    wieviel Aufregung das verursacht, wenn sich jemand erdreistet nicht dem heiligen Rind(t) zu huldigen.

    Zugegebenermaßen, die Rindt-ist-Deutscher - Diskussion nervt mittlerweile ( den ein-und-ausbürger-Vergleich mit **** stammt ursprünglicherweise vom damaligen Porsche-Rennleiter und Pressechef ).

    Ich würd sagen gelegentliche Ausbrüche aus der perpetuierten Hofberichterstattung braucht das Denkmal Rindt um nicht zu versteinern.

    lawiesalon
     
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    eine herzerfrischende brandrede

    gegen den sportlich verbrämten hurrapatriotismus, der uns österreicher über die tatsache hinwegtröstet, dass das land als kriegsmacht nix hergibt.

    Gary Grantscherbn
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    Lieber Herr Glavitza, wenn Hr. Rindt den Mund aufgemacht hat, wusste man sofort, dass er Österreichter war. Egal, ob er nun einen deutschen Pass hatte oder nicht. Abgesehen davon wuchs er seit seinem 2. Lebensjahr in Graz auf. Und wenn ich mir die Doku angesehen habe, glaube ich, dass der Typ einfach unglaublich cool war. Und so was verehren wir Wappler halt. Ein Herminator muss ja auch nicht der totale Sympathler sein, aber auch er hat eine ganz spezielle Vita, die viel Drama hergibt. Und das erzeugt offenbar die Verehrung. Übrigens: ich war am 5.9.1970 als 8-jähriger am Simmeringer Fußballplatz und erinnere mich auch noch ganz genau... leider nicht in Hendrix' Tod, der hat mich erst viel später zu faszinieren begonnen (und tut es noch).

    Te Ata
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    Klingt plausibler..

    ..als die ziemlich unreflektierte Heldenverehrung des Prüller.

    Zaungast8
     
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    "Hofschreiber"

    Geniale Formuierung. Helmut Z. und Heinz P. ?

    Plabutsch
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    Nach meiner Erinnerung

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Jochen Rind und die Formel 1 damals in Österreich sooo wichtig und populär gewesen wären. Das Fernsehen war damals noch nicht so omni-präsent - und die Formel 1 und der Jet-Set eine andere und weit entfernte Welt. Populär waren Schisport und Fußball. Der Ausschluss von Karl Schranz von Olympia bewegte die Massen seinerzeit viel mehr, als der Tod von Hrn. Rindt.

    Muss nicht stimmen - mein persönlicher Eindruck halt von "damals".

    Karin Stadler2
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    Kann ich gar nicht bestaetigen.

    Jochen Rindt und auch die Formel I war fuer mich sehr praesent und sein Tod ein ordentlicher Hammer. Ich erinnere mich, dass mir dann mein Vater das Zwickl Buch "Anatomie einer Hinrichtung" geschenkt hat. Auch Bilder des Begraebnisses von seiner schoenen, stilvollen Frau sind in Erinnerung.
    Heute habe ich keinerlei Interesse mehr an der Formel I.

    vikto1313
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    Dieser Artikel klingt irgendwie, wie von einem unzufriedenen Menschen, der seine eigenen Ziele nicht erreicht hat. Kann mich aber auch irren.

    Er beschreibt einige Abläufe über Rindt, die ich anders gehört und gelesen habe. Selbst war ich nicht dabei, daher kann ich nicht sagen wer die Wahrheit sagt. Wenn man aber auch dabei war, jeder empfindet und definiert Erlebnisse anders, daher ist es oft schwer über "die Wahrheit" zu sprechen.

    Ich habe Rindt als einen Sympathischen österreichischen FI- Fahrer abgespeichert (durch aufgezeichnete Erinnerungen von anderen Menschen).

    Zaungast8
     
    00
    die "aufgezeichneten Erinnerungen"

    im Deutsche Sprachraum stammen üblicherweise von 2 bis 3 Motorjournalisten ( Prüller, Zwickl, Stappert ). Glavitzas Bezeichnung "Hofschreiber" trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf.

    Alan Henrys Jochen-Rindt - Bilderbuch oder Crombacs Chapman - Biographie bringen auch andere Blickwinkel ins Spiel.

    jacques05
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    ganz guter kommentar...

    jedoch wird dabei zu wenig beleuchtet, warum solche persönlichkeiten die massen derart faszinieren.
    vielleicht, weil sie damals wöchentlich mehrmals ihr leben riskierten.
    in vollem bewußtsein.
    was ist dagegen schon ein patscherter manager eines weltkonzerns, der nichts riskiert, geschweige denn sein leben und täglich zig millionen menschen schädigt?

    Paris Texas
    00

    ich glaube, das wird immer ein rätsel bleiben. formel 1 hat halt grosse medienöffentlichkeit und daher ist die chance bekannt zu werden in diesem beruf sehr gross. ich glaube es nicht nicht unbedingt das risiko, das gefährliche ist, auch schaupieler können sehr bekannt werden.
    jochen rindt war jedenfalls einer, der "anders" war, einer der sich nie angepasst hat oder gestresst hat oder sonstwas, sondern der sein ding gemacht hat, mit dem tschick lässig im mund und der ruhe, die er ausgestrahlt hat. ich glaube DAS war es und DAS kann man nicht erklären ;-)

    jacques05
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    zum einen kann man die heutigen f1 stars...

    nicht mit den damaligen vergleichen.
    vom risiko und vom typus her nicht.
    und zum anderen, ja, es sind die "typen", die wahnsinnigen, welche sich scheinbar über alle grenzen hinwegsetzen, und daurch zum mytos werden.
    die heutigen fahrer sind einfache befehlsempfänger, ohne charisma, weil man echte stars nicht gebrauchen kann.
    schumacher ist das beste beispiel für den "antistar".

    Milchleber
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    vielleicht ist aber auch genau das das Problem, dass die Massen irgendwelchen Halbwahnsinnigen zujubelt, und dabei die größenwahnsinnigen Lenker an den Hebeln der Macht schalten und walten lassen, wie es diesen beliebt.

    Könnte natürlich auch bewußt so gesteuert werden ... Brot und Spiele ... aber ein Schelm, der Böses denkt ...

    W. Müller
     
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    Selten sowas von ...

    ... Blödsinn in nur einem einzigen Artikel gelesen.

    Da sollt's kein Zeilenhonorar sondern eine Strafzahlung geben.

    Zaungast8
     
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    warum eigentlich ?

    zu unbotmäßig ? Heilige Kühe geschändet ?

    Argamak de oro
     
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    der eine

    schreibt x bücher über eine person, der andere x kommentare. es bleibt der eindruck der leichenfledderei.

    1 Wolfgang 1
    37

    Merkwürdiger Artikel. Fühlt sich der Autor in der öffentlichen Beachtung seiner Person zu kurz gekommen? Wollte der ehemalige Rennfahrer auch in die Formel 1, war aber zu langsam? Und was soll diese dämliche Herumdoziererei und das besserwisserische Betonen der Tatsache, dass Rindt einen deutschen Pass hatte? Hätte er sich so sehr als Deutscher gefühlt, wäre er wohl mit deutscher Lizenz gefahren, hätte seine Rindt-Show in Deutschland gemacht und hätte mit dem deutschen Fernsehen kooperiert. Hat er aber nicht. Und manche Besucher von Rindt's Grab tragen Tracht, so was aber auch und das mitten in Österreich.

    Rene Meisel
    14
    Blanker Unsinn

    "Über den Tod wurde nicht lange nachgedacht, die Unfälle gehörten dazu. Erste Reaktion: Beileid. Zweite Reaktion: Wer kriegt das Cockpit? Über diese Unmenschlichkeit hat sich der Jochen maßlos aufregen können. In einem seiner ersten Rennen ist er nach einem schrecklichen Unfall stehengeblieben, weil er helfen wollte. Sein Team hat ihm das später vorgeworfen. Das hat er nicht verstanden."
    (H.Prüller über Rindt)
    Nur ein Beleg dafür,welchen Unsinn sie hier über Rindt verbreiten("hatte keine freunde",bloß geldgierig ,gefühlskalt etc).

    Litschi Monster
    21
    ROTFL!

    H. Prüller als Quelle anzugeben ist ein epischer Griff ins Klo. :-)

    Rene Meisel
    01
    "Lercherlscha.."

    sorry,aber würd doch mal behaupten wollen ,daß ihr wissen-die formel 1 plus deren fahrer betreffend- in relation zu dem prüllers gesetzt- wohl nicht mal dem des sprichwörtlichen "lercherlscha...." entsprechen kann...

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