Rechnungshof kritisiert Geldverschwendung und fordert personelle Änderungen
Innsbruck - Als "Tiroler Sittenbild" sei das Ergebnis der Prüfung des Haflingerzuchtverbandes durch den Landesrechnungshof zu werten, sagt Grünen-Klubobmann Georg Willi: "Haflinger-Zuchtchef Johannes Schweisgut (ehemaliger VP-Nationalrat) konnte es sich mithilfe der VP richten." Im Jahr 2000 bekam der hochverschuldete Verband vom Land einen Zuschuss von knapp 800.000 Euro.
Dazu kommen Sonderförderungen von insgesamt 860.000 Euro. 2008 und 2009 pumpte das Land wieder rund 667.000 Euro in die Zucht des Tiroler Traditionspferdes. Trotzdem konnte der Verband seine Schulden über die Jahre nicht abbauen.
Opposition setzte Sonderprüfung durch
Im Frühsommer hatten die Oppositionsparteien Liste Fritz, Grüne und FP gemeinsam die Sonderprüfung des Haflingerzuchtverbandes durchgesetzt. Im Rechnungshofbericht werden jetzt "personelle Entflechtungen" und "Einsparungen" empfohlen. So vertrete Geschäftsführer Schweisgut einerseits die Interessen der Haflingerzüchter, andererseits als Förderungsempfänger und Angestellter der Landwirtschaftskammer die Interessen seines Arbeitgebers. Er entscheide somit selbst über die Förderung seines Verbandes.
Und die sei eindeutig zu hoch, sagt der Rechnungshof. Er legt auch dar, dass Schweisguts private Firma Imex ohne Kontrolle der Leistung gefördert worden sei. Fritz Dinkhauser von der Liste Fritz will, dass Schweisgut sein Amt bei der Kammer niederlegt. Kammerpräsident Josef Hechenberger (VP) sieht keinen Handlungsbedarf: er will die Haflingerzucht wie bisher fördern. Auch Bauernbundchef Anton Steixner (VP) steht hinter dem Geld für die Pferdezucht. Im Haflingerzuchtverband passiere im Kleinen dasselbe wie in der Landwirtschaftskammer im Großen, kritisiert Elisabeth Blanik (SP). (ver, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.9.2010)