Der Basiswappler sichert seinen Einfluss
Der grüne Basiswappler ist selbst Funktionär, schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Und er ist tendenziell männlich. Frauen sind einfach nicht so ang'rührt, und Frauen nehmen sich selbst nicht ganz so wichtig, wie es der männliche Kollege tut. Und wichtig ist er, der grüne Funktionär, keine Frage. Er ist nämlich die Basis. Die Bewegung. Die Partei. Ohne ihn geht nichts. Egal, ob jetzt der Sascha oder die Eva oder wie in Wien die Mary vorne stehen.
"Kommt es von der Basis, weißt, dass es ein Schas is." Das ist natürlich eine Frechheit, dieser Spruch, auch die Bezeichnung "Basiswappler" zeigt schon die Arroganz der Parteispitze. Tatsache ist, dass die grüne Basis eine Menge mitzureden hat - und dass das kein Schas ist. Das ist Basisdemokratie. Und gelebte Macht.
Über Listen wird abgestimmt. Wer überhaupt antreten darf, wer an welcher Stelle kandidiert. Da zeigt sich die Macht des Basiswapplers: Einen Johannes Voggenhuber oder einen Stefan Schennach, egal ob Europa-Abgeordneter oder Bundesrat, lässt er auch einmal über die Klinge springen - nämlich erst gar nicht antreten. Und die Parteispitze braucht nicht glauben, dass sie ihre Kandidaten ohne weiteres durchbringt. Vorschreiben lässt sich der Basiswappler jedenfalls nichts.
Und wenn jetzt diskutiert wird, ob man die Rechte der Basis einschränken und die Durchgriffsrechte der Parteiführung stärken soll: Ja, bitte, wollen die Grünen jetzt die Demokratie abschaffen? Da können sie sich aber eine andere Basis suchen. Und bevor die Statuten geändert werden, muss erst einmal die Basis darüber abstimmen.
Der grüne Funktionär ist ein Öko, ein verdientes Mitglied der Partei, gestählt in unzähligen Versammlungen, Diskussionen, Workshops und Bürgerinitiativen, er ist selbstverständlich sozial engagiert, nicht immer sozial verträglich, aber er hat eine Vision von einer besseren Welt. Zu der braucht es Leute wie ihn, und da ist es grundsätzlich schon auch legitim, an sich selbst zu denken, das Engagement braucht einen Lohn und man selbst einen Berufsweg. Es ist ja nicht verboten, als Abgeordneter im Landtag, im Gemeinderat oder im Bezirk auch etwas zu verdienen.
Geht es nach der Basis, bleibt bei den Grünen alles, wie es ist. Weil nämlich die Führung die Kontrolle durch die Funktionäre braucht, nicht umgekehrt. Auch wenn man damit Mitstreiter und Wahlen verliert. Demokratie hat ihren Preis. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)