Kopf des Tages

Die grüne Basis und die Macht der Demokratie

03. September 2010 18:50

Der Basiswappler sichert seinen Einfluss

Der grüne Basiswappler ist selbst Funktionär, schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Und er ist tendenziell männlich. Frauen sind einfach nicht so ang'rührt, und Frauen nehmen sich selbst nicht ganz so wichtig, wie es der männliche Kollege tut. Und wichtig ist er, der grüne Funktionär, keine Frage. Er ist nämlich die Basis. Die Bewegung. Die Partei. Ohne ihn geht nichts. Egal, ob jetzt der Sascha oder die Eva oder wie in Wien die Mary vorne stehen.

"Kommt es von der Basis, weißt, dass es ein Schas is." Das ist natürlich eine Frechheit, dieser Spruch, auch die Bezeichnung "Basiswappler" zeigt schon die Arroganz der Parteispitze. Tatsache ist, dass die grüne Basis eine Menge mitzureden hat - und dass das kein Schas ist. Das ist Basisdemokratie. Und gelebte Macht.

Über Listen wird abgestimmt. Wer überhaupt antreten darf, wer an welcher Stelle kandidiert. Da zeigt sich die Macht des Basiswapplers: Einen Johannes Voggenhuber oder einen Stefan Schennach, egal ob Europa-Abgeordneter oder Bundesrat, lässt er auch einmal über die Klinge springen - nämlich erst gar nicht antreten. Und die Parteispitze braucht nicht glauben, dass sie ihre Kandidaten ohne weiteres durchbringt. Vorschreiben lässt sich der Basiswappler jedenfalls nichts.

Und wenn jetzt diskutiert wird, ob man die Rechte der Basis einschränken und die Durchgriffsrechte der Parteiführung stärken soll: Ja, bitte, wollen die Grünen jetzt die Demokratie abschaffen? Da können sie sich aber eine andere Basis suchen. Und bevor die Statuten geändert werden, muss erst einmal die Basis darüber abstimmen.

Der grüne Funktionär ist ein Öko, ein verdientes Mitglied der Partei, gestählt in unzähligen Versammlungen, Diskussionen, Workshops und Bürgerinitiativen, er ist selbstverständlich sozial engagiert, nicht immer sozial verträglich, aber er hat eine Vision von einer besseren Welt. Zu der braucht es Leute wie ihn, und da ist es grundsätzlich schon auch legitim, an sich selbst zu denken, das Engagement braucht einen Lohn und man selbst einen Berufsweg. Es ist ja nicht verboten, als Abgeordneter im Landtag, im Gemeinderat oder im Bezirk auch etwas zu verdienen.

Geht es nach der Basis, bleibt bei den Grünen alles, wie es ist. Weil nämlich die Führung die Kontrolle durch die Funktionäre braucht, nicht umgekehrt. Auch wenn man damit Mitstreiter und Wahlen verliert. Demokratie hat ihren Preis. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)

Kommentar posten
24 Postings
Aktive Arbeitslose
07.09.2010 11:18

Michael Völker ist ein gutes Beispiel davür, wie wenig in Österreich Demokratie und Menschenrechte verstanden werden. Am besten mensch kauf den Standard nicht, dann ist höffentlich auch bald kein Geld mehr da, um einen üblen, reaktionären Schreiberling wie Michael Völker zu bezahlen.

Bei den Grünen läuft wohl einiges unrund, aber zu einer Demokratie gehört eben auch, dass Parteien sich verschieden organisieren dürfen und nicht das von Micael Völker bevorzugte autoritäre Führersystem anwenden.

Daß der Anteil der NichtwählerInnen in Wien bei der letzten Wahl auf über 40% gestiegen ist, ist das ein Zeichen dafür, dass die anderen Parteien genau das richtige Organisatiationsmodell gefunden haben??!!

Ingrid Gurtner3
 
07.09.2010 07:03
die Basiswapplerin

Als Basiswapplerin, die ein Jahrzehnt Bezirksarbeit hinter sich hat, teile ich die wohl etwas überspitzt und pointiert formulierte Meinung der Standard-Journalistin.
Wenn man als berufstätige Frau mit Familie nicht die Zeit hat, Netzwerke auszubauen und der informellen Macht eines Parteiangestellten gegenüber steht, artet die sogenannte Basisdemokratie schnell in einen Kampf gegen Windmühlen aus. Die Redezeit der meisten Frauen näherte sich in solchen Situationen gegen null. Höchst verdienstvoll ist, dass auf den Wahllisten Frau und Mann abwechselnd gewählt werden müssen. Das hat keine andere Partei in Österreich

Dead Man Working
07.09.2010 13:53

Das von dir beschriebene Szenario ist absolut zu bestätigen.
Betrifft übrigens Männer auch..

Migros Kulturprozent
07.09.2010 10:59
Bei Michael Völker

wird es sich wohl um einen JournalistEN handeln, nicht um eine Journalistin.

haha datenschutz
07.09.2010 09:56

...da wird sich die Standard-Journalistin [sic!] Michaela Völker aber darüber freuen, dass sie ihre Meinung teilen.

ruthwinkler
05.09.2010 20:00
Treffend beschrieben

Marilynn E.
Marilynn E.
05.09.2010 13:45

"Auch wenn man damit Mitstreiter und Wahlen verliert. Demokratie hat ihren Preis"

ja herrlich. Das erinnert mich immer an Italien. Dort läßt man lieber Berlusconi wüten, als daß die einzelenen linken Parteien von ihren reinen Lehren abweichen würden und auch nur mal einen Zentimeter davon abrücken und Reformen oder Änderungen zulassen würden. Da sprengt man lieber jede linke Regierung nach kurzer Zeit in die Luft, bevor man was tut, was nicht 100% den eigenen Vorstellungen entspricht. Koalitionen - nein. Dort will jede linke Partei alleine regieren.

Demokratie hat eben ihren Preis - da überlaßt man Italien den Berlusconis und dem Abgrund - Hauptsache man ist sich selbst 100% treu geblieben.

Marilynn E.
Marilynn E.
05.09.2010 13:43

"Ja, bitte, wollen die Grünen jetzt die Demokratie abschaffen?"

Gute Frage an die Basis: die sich nicht darum schert, was die Wähler ihrer Partei wollen, sondern die selbst ihre BEfindlichkeiten und Eitelkeiten pflegen und nur nach ihrer reinen Lehre leben wollen - oder sonst gar nicht. Unvergessen, daß Voggenhuber nicht als Listenletzter antreten durfte, weil die Wähler ihn sonst mit Vorzugsstimmen nach vorne hätten bringen können. Der Wähler könnte was anders wollen als die hochgelobte Basis? Ja wo kommen wir denn da hin?? Die Partei ist nicht für Österreich da, sondern nur für die Basis und zum Ausdrücken derer Befindlichkeiten.

Die Basis soll mal lernen, was Demokratie ist, bevor sie diese ausüben will.

-rw-r--r--
05.09.2010 10:16

so isses!

hoch lebe eva die I.!

FranzJoseph
05.09.2010 02:03
Ergänzende Worte ...

... in meinem Blog:
http://franz-joseph.at/2010/09/0... gelutscht/

Martin Margulies
04.09.2010 21:31
selten so viel dumme plattitüden gelesen

... und dazu noch falsch

wen's interessiert: http://bit.ly/c7uVRZ

Migros Kulturprozent
07.09.2010 11:20
herr margulies,

sie verkörpern in personalunion die 2 Eigenschaften, durch die sich die grünen aktuell erfolgreich selbst aus dem wahlkampf schießen:
1. besserwisserei mit deplazierter Liebe zum Detail
2. das fehlen von Erfahrung im Umgang mit Imagekrisen, was Sie irritierenderweise durch 1. wettzumachen versuchen.
ich wünsche den grünen viel glück für die wien-wahl. viel erfolg zu wünschen wäre verlogen.

Der Profichiller
 
04.09.2010 14:44

geh, herr völker: schlecht recherchiert.

johannes voggenhuber wurde vom erweiterten bundesvorstand nicht auf die EU-liste gesetzt - und das ist ein gremium, in dem die spitzen aus allen bundesländern drinsitzen. also kein "basisgremium".

Sabine Berger
04.09.2010 10:30

weil frau gurtner schreibt, die pöhse basis demokratie und die pöhsen funktionäre. sie hat doch haufenweise leute von den Grünen vertrieben mit sprüchen wie "du sollst dich gemobbt fühlen" und tausenen hysterische

das problem im 8. bezirk war ja nicht die grüne basisdemokratie, sondern dass heribert rahdjian sich aufführte wie der lokalkaiser und glaubte, er alleine könne allen seinen stempel aufs auge drücken, aber in wirklichkeit nicht mehr als ein grüßaugust war, der baumfällungen unterschrieb, während er den leuten versprach, die bäume werden gerettet. dass er seine wahlniederlage nicht ausgehalten hat, hat wenig mit basisdemokratie zu tun.

Basisdemokratie heisst einfach, jedeR kann mitbestimmen. ist manchmal auch mühsam, keine frage

Marilynn E.
Marilynn E.
05.09.2010 13:56

rahdjian hat den grünen den 1. platz in der josefstadt gebracht. mit einer doris müller wärne die grünen auf dem 3. platz gelandet. klar, daß er da den erfolg auch für sich reklamieren will und eine frau müller, mit der er nicht zusammenarbeiten konnte, nicht mehr in seinem team haben wollte.

aber die josefstädter grünen wollen offenbar lieber 3. werden als ein vielversprechendes team zu haben.

(:_:-:_:)
05.09.2010 11:50
ich dachte des sinnerfassenden lesens mächtig zu sein.

dreimal habe ich es mit ihrem textbaustein versucht.
ich kann ihnen weder inhaltlich folgen, noch kann ich ihre grammatikalischen wendungen dechiffrieren. daraus folgend schließe ich, dass eine logisch nachvollziehbare argumentation nicht die intention ihres postings war. ich nehme obiges als mir einzig mögliches zur kenntnis, als ein dadaistisches textkustwerk

Ingrid Gurtner3
 
04.09.2010 08:11
die Basiswapplerin

Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen. ich habe ein Jahrzehnt Basisdemokratie im 8.Bezirk Wien hinter mir. Den Vorteil hatte einfach bezahlte Funktionäre, die genug Zeit hatten Intrigen und Seilschaften aufzubauen. Als Berufstätige und Mutter von 3 Kindern war ich nur als schweigende Kulisse das ehrbare Mitglied. Als ich meine Meinung kund tat, war es schnell aus: unfähig, unwichtig, die muss weg........
Dieses Gesprächsklima ht viele BürgerInnen vertrieben, ich bin geblieben und num wird endlich innerparteilich über das Problem Basisdemokratie diskutiert. Es geht dabei um mehr Demokratie, nicht um weniger, um Raum für Meinungsbildung und Gespräche. Selbstverständlich ein schwieriges Unterfangen.

starship
 
04.09.2010 03:57
ein problem der basisdemokratie ...

... bei den wiener grünen besteht wohl auch darin, dass die basis (in einem wiener bezirk) zahlenmäßig recht bescheiden ist. und dann gibt´s - statistisch, klimatisch oder "sonst wie" bedingt, halt recht spontane verwerfungen bei personalentscheidungen.

birgit hebein
03.09.2010 22:51
zugegeben, wir Grünen gehen keinen einfachen Weg

Die Definition von Basisdemokratie ist bei den Grünen nicht festgelegt. Theoretisch besteht sie aus Prinzipien der Mitgliedergleichbehandlung, Ehrenamtlichkeit, Rotationsprinzip, imperativem Mandat, Öffentlichkeit der Versammlungen Verbot der Ämterkumulation usw. und soll die innerparteiliche Demokratie stärken, Teilhabe „vorleben“ und ist eine permanente Auseinandersetzung zwischen dem Handlungsspielraum „der Basis“ und „der Führung“.

Und da wir medial geschätzt werden wollen (gelingt uns gerade nicht besonders gut) und gleichzeitig den gesellschaftlichen Diskurs zur Demokratie ändern wollen, stoßen wir immer wieder an Grenzen eigener Demokratiefähigkeit.

Herr Völker redet von der Bezirksautonomie.

SPÖ-FPÖ nein Danke
03.09.2010 20:44
Guter Kommentar, ich wähle die Grünen auch wegen ihrer Basisdemokratie

Nur ein Zusatz, Eva Glawischnig will nicht die Basisdemokratie abschaffen , sondern nach 2 1/2 halb Jahren, mit jedem wichtigen Mandatar darüber reden wie s weiter geht. Damit sollte Situationen frühzeitig erkannt werden. Und das ist eine Gute Sache.

fahrenheit 451
03.09.2010 21:31

die basisdemokratie wurde doch durch seilschaften pervertiert. da gehts doch nimmer darum den oder die fähigste(n) zum chef zu machen sondern nur noch um persönliche belange.

Tom93
03.09.2010 19:36
bobo-journalisten halten demokratie natürlich für einen witz

kontrolle von unten. wo gibts denn sowas? demokratisches prinzip? zum schieflachen für michael völker! dass auch in anderen parteien "listen gewählt" werden, ist dem angeblichen innenpolitik-journalisten völker offenbar auch unbekannt. wahrscheinlich glaubt er, überall sonst entscheidet ein führer im alleingang, und gewählt wird nur bei den grünen. so ist es halt nicht, aber was ficht die realität einen österr. journalisten an? was brauch ma des?

die wirklichen probleme der grünen werden natürlich nicht anlysiert: kaum vorhandene mitgliederschaft augrund des themenschwerpunktes klimawandel und umwelt, was wiederum zu sektenartigen zuständen in den parteigliederungen führt. aber wozu sich gedanken machen? die demokratie ist schuld, und AUS!

-rw-r--r--
05.09.2010 10:25

was hat das mit bobo zu tun? - sind sie einer dieser grünen intriganten, die mobbing als legitimes werkzeug in ihrem karrierekästchen haben, damit sie ihre argumentative minderleistung kaschieren können ?

ceiberweiber.at
03.09.2010 20:08
Yep....

sowas ist recycling, es gab über viele jahre immer wieder solche kommentare. hat wenig mit der realität zu tun, es wäre nämlich schon sinnvoll, differenziert über basisdemokratie zu diskutieren... was man damit aber nicht erreicht, man reproduziert nur klischees. unfair gegenüber allen an der basis, auch bei anderen parteien....so haben dann andere parteien ein argument dafür, alles beim alten zu belassen (grünes chaos usw, es ist besser listen von oben zu erstellen, ihr seht es ja)

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