Zurück in die Provinz

03. September 2010 18:45

Im Wahlkampf wird auf Ausländerfeindlichkeit und dumpfes Heimatgefühl gesetzt

Wie in Österreich Wahlkampf geführt wird, sagt viel aus über die Verfasstheit des Landes und seiner Bewohner. In Wahlkampfzeiten bedienen Parteien bewusst Ressentiments und tragen zur Verstärkung von Feindbildern bei. Damit werden Hemmschwellen gesenkt. Da Parteien offenkundig damit spekulieren, dass ein beträchtlicher Teil der Wähler etwas gegen Ausländer hat, spielt dieses Thema eine zentrale Rolle in den Wahlkämpfen von ÖVP und FPÖ.

Jedes Mal vor Wahlen wird von Innenministerin Maria Fekter (VP) auf das Asylthema verwiesen - zuletzt war es das geplante Erstaufnahmelager in Eberau, das im burgenländischen Wahlkampf für Furore sorgte. Diesmal wird, rechtzeitig zum Beginn des Intensivwahlkampfes in der Steiermark und Wien, mit erneuter Intensität die Anhaltepflicht von Asylwerbern gefordert. Auch wenn die Innenministerin diesen Terminus bevorzugt: Das ist nichts anderes als Hausarrest für mindestens eine Woche für Flüchtlinge, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen.

Dass 25 Prozent der Asylwerber untertauchen, ist auch erst seit dieser Woche bekannt - bisher gab es angeblich keine Statistik darüber. Aber kurz vor den beiden bundespolitischen Urnengängen scheint die Statistik darin im Ministerium plötzlich aufgetaucht zu sein. Rechtzeitig genug, um im Wahlkampf vermarktet werden zu können - und damit eine seriöse Debatte zu verhindern.

Indem Christine Marek zum Start des Intensivwahlkampfes am Freitag in Wien auch Fekter als Rednerin aufbot, torpediert sie ihr liberales Image, das sie sich jahrelang aufgebaut hat.

Und wie in jedem Wahlkampf kommt die FPÖ auf den Islam. Im Nationalratswahlkampf war es "Daham statt Islam", diesmal "Mehr Mut für unser Wiener Blut". Es bleibt abzuwarten, ob sich die kruden Thesen des deutschen Buchautors Thilo Sarrazin, die in Wahlreden schon Eingang gefunden haben, bald auch auf Plakaten wiederfinden: "Sarrazin statt Muezzin".

Einen Schritt weiter als die Hetze auf Plakaten geht das Online-Spiel Moschee baba der FPÖ Steiermark. Dabei kann auf Minarette und auf als stereotyp gezeichnete Muslime geschossen werden, und es leuchtet ein Stoppschild auf. Auch wenn die FPÖ am Freitagnachmittag das Spiel auf Veranlassung der Justiz von ihrer Homepage genommen hat: Das war zu viel der Provokation, hier wurde eine rote Linie überschritten. Aber die FPÖ kann sich überhaupt beim Vorsitzenden der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, bedanken, dass er mit der von ihm ausgelösten Minarett-Debatte das FPÖ-Thema unterstützt hat. Denn bisher ist der Wahlkampf der Blauen vor sich hin gedümpelt.

Dumpf fällt auch die Wahlwerbung der ÖVP in der Steiermark aus. Dass die steirische Volkspartei wie die FPÖ den Heimatbegriff im Wahlkampf strapaziert, zeugt nicht von Weltoffenheit, für den diese Partei über die grüne Mark hinaus bekannt war. Wer "Zurück zur Steiermark" plakatiert, läuft Gefahr, für Provinzialität zu werben: Mir san mir. Das ist tiefer als Musikantenstadl-Niveau.

Im Ausland wird in Wahlkampfzeiten ein Image von Österreich verbreitet und verstärkt, das nicht gerade zu einem Land passt, das sich außerhalb seiner Grenzen als Musikmacht, Kulturnation und als Reiseziel für Touristen darstellt. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)

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Kurt Horch
17.09.2010 09:22

ÖVP-Plakat: "Reden wir über Bildung. Am besten auf Deutsch."

Xenophober Unterton, unwählbare Partei!

Meslier
06.09.2010 22:07

"Es bleibt abzuwarten, ob sich die kruden Thesen des deutschen Buchautors Thilo Sarrazin,(...)" Frau Föderl, zuerst sein Buch lesen, dann zitieren, dann objektiv kritisieren. Ansonsten sind Ihre Zeilen maximal krude Thesen.

Harry Y.
 
06.09.2010 12:01

Gelesen. Ist sehr gut.

§83SPG
05.09.2010 18:35

Der Selbsthass, wenn man eine Gesellschaft doch als Einheit deffiniert, und damit der Hass auf jene Menschen, die einem selbst am nächsten stehen sollten, ist ein genauso ständiges wie rätselhaftes Muster bei den "Linken".
Strömungen wie die aktuellen in Österreich, gibt es in allen Ländern Europas (vermutlich fast der ganzen Welt) und dort oft noch viel, viel pointierter. Zuwanderung ist in italienischen, in französischen, ja sogar in amerikanischen Wahlkämpfen immer wieder ein Thema. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Bei uns sind die Leute nicht dumpfer als anderswo. Ich glaube, dass sie sogar eher ein bißchen gscheiter sind, darum sollte man ihnen zuhören und sie ernst nehmen.

Harry Y.
 
06.09.2010 12:00
Sie stehen uns nicht am Nächsten,

da Sie an uns und an anderen anrichten (wollen), was Ihnen auch nur an Häßlichkeiten einfällt: ohne auch nur irgendeinen sachlichen Einwand zur Kenntnis zu nehmen.

Die stehen uns am Nächsten, die ebenso Ihre Opfer sind.

(Von Selbsthaß spricht man dann, wenn er unbewußt sein Unheil anrichtet: einer hat sich beispielsweise sein Leben lang unterworfen - und verlangt diese Unterwerfung, da er sich selbst dafür haßt, von den anderen.

Diese Gesellschaft ist keine Einheit: sonst würden wir alle dieselbe Partei wählen - oder alle wären gleich.)

Dennoch plädieren wir für ein bedingungsloses Grundeinkommen - für alle. Dennoch sind wir dagegen, dass Ihnen Gewalt angetan wird, auch wenn sie unsereins an Ihren Händen schon erlebt hat.

mao zeitung
05.09.2010 17:41
die SPÖ in der Wiener Stadthalle - das ist Metropole

das ist der weite Horizont und die globale Welt!

standardniveau
05.09.2010 13:11
Wer "Zurück zur Steiermark" plakatiert, läuft Gefahr, für Provinzialität zu werben: Mir san mir. Das ist tiefer als Musikantenstadl-Niveau.

wenn die frau Alexandra Föderl-Schmid recht hat und

die dummheit in der provinz zuhause ist, dann

empfehle ich ihr aufs land zu ziehen.

Harry Y.
 
06.09.2010 12:07
Und wieder ein ganz toll sachliches Kommentar!

Grigio
05.09.2010 11:27
Und wieder einmal ...

... auf einem Auge blind:
http://2010.wien.spoe.at/sites/201... prache.mp3

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
05.09.2010 10:23
jeder traum geht zu ende und die realität ist die provinz.

zumindest in sachen korruption ist österreich hoch entwickelt und dabei sollten die statistiken der vergangenen jahre nicht zu rate gezogen werden.

Gold und Silber kaufen
 
05.09.2010 10:20
Im Klartext:

Die Österreicher sind allesamt "dumpfe Provinzler", weil sie den politischen Islam, der ihnen die Existenzberechtigung abspricht, nicht frenetisch feiern.

Verfasser solcher Kommentare malen sich gerade Zielscheiben auf!

http://hartgeld.com/filesadmi... cklash.pdf

Lala4
05.09.2010 11:15

Eher:
Etliche Österreicher sind "dumpfe Provinzler", weil sie den Unterschied zwischen einem friedfertigen Muslim und einem fanatischen Islamisten nicht verstehen (wollen?)?

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
05.09.2010 09:54
Provinz ja

Und die schreibslerin wuerde in einem richtig großen Land bei den Desert Fox News in Powell fuer die Rubrik fundsachen schreiben duerfen. Mehr ist ihr gesuelze auch nicht wert.

roundabout
05.09.2010 09:41
Aha

Und in Frankreich sind's kein Thema, ebenso nicht in Italien, Spanien, Belgien, Deutschland.............

gwfak
05.09.2010 09:06
Schön, dass

Alexandra Föderl schon vor Jahren der fürchterlichen Provinz entwachsen ist und in Wien schreiben darf.

Insulaner1
05.09.2010 09:27
kenne zumindest

kein einziges Provinzdorf wo bei der Gemeinderatswahl das Ausländerthema eine Rolle spielt.

McDaisy
05.09.2010 13:22

aha, provinzdorf - mit dem gegenstück urbanstadt?

gwfak
05.09.2010 09:54
Stimmt exakt

teuerzahler
05.09.2010 07:38
wir waren immer provinz, ein zurück kann es also

gar nicht geben.

österreich ist die ewige provinz, das ewige spiessertum.

momodeluxe
05.09.2010 02:28

rein aus interesse:

was denken sich österreichische nicht-wiener, wenn sie auf plakaten "gegen zuwanderung, für die wiener" lesen, und das möglicherweise von ihrer lieblingspartei?

Karl Heinz dein Geld ist meins........
 
05.09.2010 00:31
Wer kennt die Blutsauger Werbung vom Grosz!

Dazu fällt mir nur ein:Die größten Blutsauger im Land sind unsere Politiker!

Insulaner1
04.09.2010 22:25
Und welches Thema steht

bei den Grünen an erster Stelle? Das Ausländerthema.

Und dann wundert man sich ernsthaft wenn über keine anderen Themen geredet wird???

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
04.09.2010 21:31
Was wäre wenn

die Journalisten die "Ausländerdiskussion" ganz einfach totschwiegen?
Was wäre wenn man nicht der Fekter immer genau jene Journalistenfragen stellt, deren Beantwortung ein "hamma's nicht gewusst" auslöst?
Was wäre wenn das andauernde Nachbohren der Journalisten, ob nicht vielleicht doch irgendwo noch irgendwo eine "schlimme" Aussage zu finden ist, endlich aufhört?
Achso. Das geht nicht, weil "Sager" aus der rechten/rassistischen/ausländerfeindlichen Ecke immer noch höheren "Newsert" haben.
Vielleicht darf man die lieben Journalisten darauf hinweisen, dass es auch ganz andere Diskussionen gibt, die in den Mainstream gehören und für die wegen (siehe oben) ganz einfach die Zeilen in den Medien fehlern?

Gerhard Bichler1
04.09.2010 20:53
Es gibt viele edle Weinsorten.,.

deren Züchter alle mit Recht auf ihre Produkte stolz sind. So wie es auch viele stolze Nationen gibt.

Was erhält man, wenn man alle diese Weinsorten in einem großen Fass zusammenpanscht? Das Ergebnis ist ein Äquivalent zur Globalisierung auf welches niemand mehr stolz zu sein braucht!

Wer in den edlen Wein hineinspuckt und die Pantscherei anpreist, der versteht offensichtlich nichts vom Wein.

Markus Trullus
17.09.2010 09:32

Genügend stolze Nationen sind ob ihrer Blindheit untergegangen. Das ist nicht das primäre Ziel einer Gesellschaft. Wie wärs mal mit etwas, was etwa Marion v Doennoff vor Jahren in "Zähmt den Kapitalismus" geschrieben hat? etwa ihre 12 Thesen... ? sich daran zu halten statt an den blöden Nationalismus ,das wärs dann mal... Nebenbei: Mir bedeutet Heimat sehr viel, nur mit "national", fang ich überhaupt nichts an! Zu viel Blut und Tote kleben da dran!

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