Einserkastl Rau

Gegenteil von Demokratie

3. September 2010, 18:33

Basisdemokratisch sind nicht nur (grüne) Parteien

Jetzt kommen's drauf, die Grünen, dass das mit der Basisdemokratie nix ist? Nachdem ihnen die Basisdemokratie praktisch die Wiener Wahl verhaut hat? Die "Basisdemokratie" ist eine Alt-Achtundsechziger-Erscheinung. Sie agierte/agiert nach dem Prinzip "Keine Macht für niemand, besonders nicht für unsere eigenen Führungspersönlichkeiten und solche, die es werden wollten".

Voraussetzung war/ist ein eiserner Hintern für endlose Gremialsitzungen und eine Begabung fürs "Fraktionieren", also die höchste Form der innerparteilichen Intrige. Leute, die einander bis aufs Blut hassen, verbünden sich, um ambitionierten oder irgendwie talentierten Leuten verlässlich ein Bein zu stellen.

Basisdemokratisch sind nicht nur (grüne) Parteien, früher war das auch an der Uni oder in manchen Redaktionen eine Phase. Zwischenmenschlich führte das - weil man ja "alles offen diskutieren muss" - zu ärgstem Mobbing und öffentlichen Psychodramen, an denen jeder Sektenguru seine Freude hätte.

In den Basisdemokratie-Sitzungen kann man oft blendende, von revolutionärem Feuer erfüllte Redner erleben. Die werden dann aber meist nichts, sondern die wahre Macht ist plötzlich, keiner weiß wie, in den Händen der stillen, erbarmungslos effizienten Bürokraten der Bewegung. Kleine Stalins, die dann die feurigen Trotzkis liquidieren. Basisdemokratie ist das Gegenteil von Demokratie. (Hans Rauscher, DER STANDARD-Printausgabe, 4./5. 9. 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 128
1 2 3 4
hackler
04

BASISdemokratie is nix, sagt der CHEFredakteur

Strom
00

Rauscher will auch keine Vermögenssteuern :-)
Das wär ja was fürs gemeine Fußvolk.

Animation
 
03
und für sowas kriegt ma geld?

sie sollten zur fpö wechseln, da brauchen sie keine angst vor basisdemokratie haben!

wertzu
03
naja...

schwach und einseitig argumentiert

C. Serniclay
 
04
das Gegenteil von Journalismus

Ein Artikel über Basisdemokratie, der die schlimmsten Vorurteile über Basisdemokratie verbreitet, der überhaupt keine Information bringt, dessen Autor offensichtlich nie zu einem basisdemokratischen Sitzung teilgenommen hat, ist das Gegenteil von Journalismus.

silvia hanna
 
00

darüber wieviel informationsgehalt kolumnen beinhalten sollten ließe sich meines erachtens streiten...

... "dessen Autor offensichtlich nie zu einem basisdemokratischen Sitzung teilgenommen hat" ist das gegenteil von richtigem deutsch.

C. Serniclay
 
01

Ich warte darauf, dass Sie mich korrigieren, weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist, und weil ich mich im "richtigen Deutsch" verbessern will.
Ich habe übrigens gelernt, dass man in der richtigen deutschen Sprachen einen großen Buchstaben für jedes Substantiv schreiben muss, und dass "wieviel" nun "wie viel" geschrieben werden muss.

C. Serniclay
 
00

Ich glaube, Beistriche gehören zur deutschen Rechtschreibung... Aber so ist es genug!

Militanter Pazifist
03

Gefährliche Ansichten verbreitet der rau da.

Enttäuschend.

Der Reaktionär
01
Konsequenz versus Effizienz; Respekt den Grünen

Die Wiener Grünen sind nichts anderes als konsequent und dafür gebührt Respekt.

Effizient wäre es, im Sinne einer Stimmenmaximierung Kandidaten aufzustellen, die "das Volk draußen" auch zu wählen bereit ist.

Konsequent ist es, Kandidaten aufzustellen, die innerhalb der Gruppe die maximale Zustimmung finden, wie immer diese dann "beim Volk draußen" ankommen.

Da die (fundamentalistische) Basis der Grünen und damit deren Kandidaten mit ca 95% des "Volks draußen" wenig gemeinsam hat, werden die Grünen bei den Wahlen natürlich untergehen, das dafür mit fliegenden Fahnen.

Trotzdem, für die reine Lehre den politischen Erfolg zu opfern, fordert Respekt.

Queequeg
01

Da irren Sie leider, Herr Rauscher. Es mag ineffizient sein. Es mag ungeliebte Ergebnisse liefern. Aber die Basis abstimmen zu lassen, ist keineswegs undemokratisch(Ich gehöre keiner dieser Basen an). Undemokratisch ist, wenn Kim Il Pröll den Strasser vor den Karas setzt, einfach so. Undemorkratisch ist, wenn man darüber nachdenkt, ob man nicht den Stöger durch die Wesely ablösen könnte, einfach so. Eine der Stärken der Grünen besteht gerade darin, dass sie eine auf Bezirksebene sehr aktive, sichtbare Basis haben, die halt manchmal auch abstimmt. Was ist verkehrt daran.

Cafe Corretto
10
Rauscher will sagen: ..

"Politik ist nichts fürs Volk. Es ist gerade intelligent genug um alle vier Jahre mal zur Wahl gehen zu dürfen."

Die Schweiz ist imho das einzige demokratische land in Europa, weil dort wird die Macht der Parlamente durch Volksabstimmungen begrenzt.

papst benedikt
00

ein altes spiel, - seit es demokratie gibt.
diese "demokratie " ist dazu da, die eliten zu bestätigen und neben ihrer möglichst unkontrollierten machtposition ihren fetten lebensunterhalt zu sichern. das mitspracherecht des einzelnen übernehmen dann rauscher und co. der bürger soll alle vier jahre wählen, steuern und standardabo bezahlen und im übrigen die goschen halten, - das ist dann demokratie ...

roman häubl
 
11
des is ja zum speiben.....

Sehr geehrter Herr Rau,
ich hätte etwas vernünftigeres von ihnen erwartet!
grauslich!

Avicenna
 
00
Die Frage ist: wer geht (freiwillig) in die Politik und warum?

Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet und entspricht doch selten der Wahrheit. Weil die unbewußten Motive häufig stärker als die bewußten sind. Jede Partei ist ein soziales System in dem bestimmte Regeln gelten, die Karriere und den Status ihrer Mitglieder mitbestimmen. Gemeinsame Ziele und Wertvorstellungen sind eine Klammer, aber kein Hindernis unbewußte persönliche Interessen zu verfolgen. Zutiefst menschliche, gleichwohl abstoßende Eigenschaften gedeihen sowohl in autoritären, als auch sog. basisdemokrat. Systemen. Sie zeigen sich nur unterschiedlich, aber spiegeln sich. Autorität sucht, wer Angst hat. Die vor denen Angst haben, verhindern sie. Beides ist unreif. Wer selbst souverän ist kann kooperative Führung wertschätzen.

Don Vincenzo
00

Okay, dürfte ich bitte erfahren, wo - bei allem, was der Rauscher hier jetzt kritisiert hat - der Unterschied liegt zu einer "normalen" Parteiform?

Intrigen, Mobbing und Machtanstrebungen innerhalb einer Partei - sowas nennt man Politik!

Avicenna
 
00

Lieber Gott schütze mich vor meinen Parteifreunden! Mit meinen Feinden werde ich selbst fertig.

antis
 
15

Basisdemokratie ist die Diktatur der Gruppendynamik

Thor Steinhagelvoll
01

In einem Land, in dem "Basisdemokratie das Gegenteil von Demokratie ist" (© Hans Rauscher - auf dieses Zitat sollte er aber nicht stolz sein), in so einer Demokratie möchte ich aber nicht leben.

Martin Margulies
15
bemitleidenswert

ist ein chefkolumnist, der so überhaupt keine ahnung hat - macht nix geschrieben ist geschrieben

nachhhilfeunterricht für herrn rauscher gibts unter
http://bit.ly/c7uVRZ

Bergdolm
00

Martin, bitte nichts verteidigen, wo es nichts zu verteidigen gibt.

"Wahr ist das, was ankommt" - und das, was ankommt - sprich das derzeitige Erscheinungsbild der Grünen - ist so hundsmiserabel, dass sich viele Sympathisanten mit Grauen von dieser Partei abwenden.

Die nächsten Wahlen werden es zeigen.

Herr und Frau Österreicher
 
02
Sehr geehrter RAU,

wenigstens googeln hättens können! Basisdemokratie wurde mitnichten von den Grünen oder den 68ern erfunden (ja, es gab auch ein Leben vor ihrer Geburt, man stelle sich das mal vor)!
Basisdemokratische Organisation gibts wahrscheinlich seit es die Menschen gibt, sicher aber seit dem 19. Jh.
Heuute gibts Organisationen, die basisdemokratisch aufgebaut aufgebaut sind und seit 100 Jahren bestehen, z.B.: CNT (www.cnt.es) und IWW (wwwiww.org,www.iww.de) oder auch noch nicht so lange in Österreich (www.syndikate.at, www.iwwaustria.wordpress.com).
Google hift auch weiter, bitte sich das nächste mal bei so einem Thema 2 Minuten Zeit nehmen, danke...

Dionysos Dinkel
00
ich habe im Leben eine andere Erfahrung gemacht,

es gibt immer einen/eine der führt. Auch bei scheinbar basisdemokratischem rumgerede. Weil die meisten einfach mitläufer sind.
Ich war für ca 4 Jahre Teil eines solchen Sytems in der Arbeit. Furchtbar mühsam !!! Jeder wird plötzlich ganz ganz wichtig u die aufgeplusterten Egos debattieren über Nichtigkeiten.
Ich finds eine superschöne Idee, aber sie kostet einfach viel Zeit u Kraft, u geht manchmal auch nach hinten los. ...eben dass sich die Basis eher zerstreitet als ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Herr und Frau Österreicher
 
01
"es gibt immer einen/eine der führt"

Das ist ja grundsätzlich nicht problematisch. Solange die Person demokratisch legitimiert ist und jederzeit abgewählt werden kann! Es muss klar sein, wer für was verantwortlich ist. Man muss die Passiven aktivieren und die Aktiven oft auch bremsen, Mauler muss man auch einschränken, genauso wie Mitläufer.
Was man vermeiden muss, sind Grundsatzdebatten bei technischen Entscheidungen und umgekehrt. Sprich: Diskussion und Entscheidungsfindung muss dem Vorhaben angepasst sein. Dazu brauchts Regeln und Selbstdisziplin. Natürlich ist das nicht immer leicht, aber indirekte, repräsentative Demokratie ist in meinen Augen gar keine Demokratie (bzw. was die Entscheidungsfindung und Ausführung betrifft).

Dionysos Dinkel
00

Ja, das klingt nicht schlecht.
Danke

...ich hoffe daß ihr Modell mal breit etabliert sein wird. Fürchte aber fast, wenn nicht auch die geistige u "spirituelle" Evolution bald zum Tragen kommt, wird der Faktor Mensch immer dreinfunken ;-) Es gibt halt sehr oft u schnell wen der mit der Macht sympathisiert (drum auch "spirituell") u sie gerne ganz für sich hätte. U Seilschaften sind auch immer sehr schnell gebildet...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 128
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.