Andrea Sawatzki ermittelt zum letzten Mal - Es bräuchte mehr dieser Figuren, die dermaßen polarisieren
Zu Charlotte Sänger sind zwei Positionen möglich: bedingungslose Verehrung oder Verachtung, ebenso ohne Kompromiss. Das war von Anfang an so, und es war gut. Es bräuchte mehr dieser Figuren im glattgebügelten Fernsehen, die dermaßen polarisieren wie die Tatort-Kommissarin.
Andrea Sawatzki legt in ihrem 18. Fall nach acht Jahren ihre Rolle als ernste Frankfurter Ermittlerin ab. Am Ende des Tages ist ein dichtes Fallstudium, das noch vor der Tat Beziehungsgeflechte sieht. Ihr früherer Chef gerät unter Mordverdacht. Sänger und Kollege Dellwo (Jörg Schüttauf) tauchen in Familienmysterien ein.
Zu ihrer Ermittlergeschichte darf sie jedenfalls den besten Tatort der jüngeren Geschichte zählen. 2008 schrieb Autorin Judith Angerbauer Der frühe Abschied, ein schockierendes Krimidrama um eine mögliche Kindsmörderin, das unvergessen bleibt.
Sawatzki hörte auf, weil sie sich nach Komödien sehnte. In Doris Dörries plumpem Frauenklamauk Klimawechsel überzeugte sie nicht. Mit Uwe Ochsenknecht scherzt sie bald im Schlagermilieu. Möge die Formkurve steigen. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 4./5.9.2010)