Das ÖFB-Team hat die halbe Vorbereitung auf Kasachstan nahezu unfallfrei hinter sich gebracht - 22:0 gegen den Oberligisten Schladming
Flachau - Halbzeit des achttägigen Trainingslagers der österreichischen Fußballnationalmannschaft in Flachau, eine Zwischenbilanz: Teamchef Dietmar Constantini dankte dem süßen SV Schladming nachträglich für die 0:22-Niederlage im Testspielchen und vor allem dafür, "dass sie wahnsinnig fair waren" .
Natürlich sind die Schladminger auch wahnsinnig schlecht gewesen, der Letzte der steirischen Oberliga betreibt diesen Sport eben nur halb ernst bis halb lustig. Thomas Schrammel, Verteidiger beim absolut ernst zu nehmenden Bundesliga-Tabellenführer Ried ("Wir werden eher nicht Meister" ) trug bei diesem Offensivspektakel erstmals das rot-weiß-rote Nationaltrikot. "Das war schon ein erhebendes Gefühl."
22 Tore in 90 Minuten zu verpacken wäre sogar dann recht außergewöhnlich gewesen, hätte man gegen elf in den Rasen geschraubte Gartensessel gespielt. Constantini: "Für die Außendarstellung war das wichtig." Vermutlich wird EM-Quali-Gegner Kasachstan dieses Ergebnis nie erfahren, in und um Salzburg wurde es vernommen. Der Kartenvorverkauf hat das Schleppende überwunden, 15.000 Tickets wurden bereits abgesetzt. Das Stadion wird am Dienstagabend (Anpfiff 20.30 Uhr) ziemlich voll sein.
Der Teamchef lobte die Mannschaft in ihrer Gesamtheit. "Alle sind mit 100 Prozent bei der Sache. Das war nicht immer der Fall. Charakterlich sind alle in Ordnung, richtig gute Typen, manche sind lauter, manche leiser, Menschen müssen verschieden sein."
Ein Video von Kasachstan wurde studiert, zu sehen war das 1:2 gegen die Ukraine. Constantini: "Normalerweise neigen Spieler dazu, bei so einer Vorführung einzuschlafen. Diesmal blieben sie hellwach." Allerdings wurde nur ein Zusammenschnitt gezeigt.
Martin Harnik, Legionär bei Stuttgart, kennt nun den kasachischen Stil: "Sie versammeln sich am eigenen Sechzehner, stehen kompakt. Einer rennt für den anderen. Wir brauchen Geduld, müssen sie über die Flügel knacken, das Spiel verlagern. Dann werde sie hoffentlich müde."
Am Wochenende wird die T-Frage (T steht für Tormann) geklärt, die Wahl fällt zwischen Christian Gratzei und Jürgen Macho. Constantini überlässt die Entscheidung seinem Spartentrainer Franz Wohlfahrt. "Sollte sie sich als falsch herausstellen, übernehme ich die Verantwortung." Der Teamchcef versucht, die Spieler nicht allzu oft zu belästigen oder gar niederzuquatschen. Mit David Alaba hat er aber ausführlich gesprochen. "Er lebt von seiner Natürlichkeit, die habe ich zuletzt ein wenig bei ihm vermisst."
Zur einer abgerundeten Zwischenbilanz gehören auch folgende Constantini'sche Einsichten: "Jedes Training ist wichtig." "Der Respekt vor Kasachstan bleibt." "Ich bin nicht gestresst." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 4./5.9.2010)