Gerüchte um SP-Regierungsumbildung im Herbst
Wien - Die Wiener Wahl ist noch nicht geschlagen, schon wuchern Gerüchte um Personalrochaden zwischen roter Bundes- und Wiener Landesregierung. Bundeskanzler Werner Faymann soll dem Vernehmen nach die Ergebnisse in der Steiermark und in Wien abwarten, um zu realisieren, was angeblich schon lange auf seiner Agenda stehe: die Ablöse von Gesundheitsminister Alois Stöger.
Dem etwas sperrigen Oberösterreicher könnte, so spekulieren SP-Insider, eine g'standene Wienerin folgen: Sonja Wehsely, die derzeitige Gesundheitsstadträtin, könnte auf den Ministersessel wechseln. Damit wäre der Weg nach Wien frei für Staatssekretär Andreas Schieder, auf den Bürgermeister Michael Häupl große Stücke halten soll - mögliche Nachfolge inbegriffen. Denn Schieder und Wehsely sind verheiratet, ein Ehepaar in der Regierung würde weder in Wien noch im Bund einen schlanken Fuß machen.
Freilich ist unklar, welche Position Schieder einnehmen sollte: Wiens Finanz- und Wirtschafts-Stadtrat ist mit Renate Brauner fest besetzt. Dass Brauner in den Bund wechseln könnte, gilt als unwahrscheinlich - als Vizebürgermeisterin ist sie allemal mächtiger denn als Gesundheitsministerin, mit Werner Faymann hat sie sich schon in Wien nicht besonders verstanden. Das gilt selbst dann, wenn sie, wie kolportiert wird, keine Chance mehr auf die Häupl-Nachfolge haben sollte.
Freilich hat Brauner bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise in Wien aus SP-Sicht gute Figur gemacht - und es sei keineswegs ausgemachte Sache, dass Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bessere Karten hat. Ohnedies rechnet man in Wien nicht mit einem schnellen Abgang Häupls: Sogar bei einem Verlust der Absoluten sei nicht damit zu rechnen, dass Häupl sofort gehe.
Sollte es allerdings wider rotes Erwarten ein Wahldebakel geben, steigen die Chancen von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (59) auf den Posten des (Interims)-Bürgermeisters von Wien. (stui, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)