Die Post bringt allen was, nur nicht der Bankenaufsicht

03. September 2010 17:31
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    Foto: standard/cremer

    Auch in der niederösterreichischen Justiz gibt es ab und an Mysterien: Die Staatsanwaltschaft hat zwar Post aufgegeben, nur beim Adressaten Bankenaufsicht ist sie nie angekommen.

Laut Staatsanwaltschaft St. Pölten sind Aktenkopien aus dem Verfahren gegen Manager der Hypo NÖ verlorengegangen

Laut Staatsanwaltschaft St. Pölten sind Aktenkopien aus dem Verfahren gegen Manager der Hypo Niederösterreich verlorengegangen, "möglicherweise" auf dem Postweg. Beantragt hatte sie die Bankenaufsicht in Wien.

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Wien - Peinliche Panne in der St. Pöltner Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen in der Causa Hypo Investmentbank (HIB) geführt hat und in ihrem Vorhabensbericht die Einstellung des Verfahrens vorschlägt. Im Zuge des Verfahrens, das am 26. November von der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA nach einer Vor-Ort-Prüfung des landeseigenen Instituts durch die Nationalbank durch eine Anzeige ins Rollen gebracht wurde, sind nun kopierte Aktenteile, etwa Einvernahmenprotokolle, verlorengegangen.

Warum und wo genau, ist nicht ganz klar, jedenfalls aber auf dem Weg von der Staatsanwaltschaft in der niederösterreichischen Landeshauptstadt zu den Bankenaufsehern in Wien-Alsergrund.

Kurze Rückschau, worum es in der Sache Hypo NÖ geht: Die Justiz erhob den Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue gegen die Bankmanager Peter Harold und Richard Juill, beide weisen die Vorwürfe zurück, und es gilt die Unschuldsvermutung. Ausgelöst wurde der Verdacht durch Geschäfte rund um wertmäßig abgestürzte Lehman-Wertpapiere.

Die wurden unter Einschaltung einer Wiener Gesellschaft als Zwischenfinancier, der Liechtensteinischen Anstalt Lessika (war den HIB-Geschäftspartnern Hans-Michael Schania und Michael Dirnegger zuzurechnen) und einer Anleihe (namens Aquarius) der BNP in der Bilanz verarbeitet. Die Aufsicht zeigte das unter Bilanzfälschungsverdacht an, die Banker hingegen berufen sich auf private Gutachten, wonach dieses Vorgehen zulässig gewesen sei. Detail am Rande: Auf ein solches - im Auftrag der Bank erstelltes - Gutachten beruft sich nun auch der Staatsanwalt in seinem Vorhabensbericht, der von der Oberstaatsanwaltschaft ohne Änderung ans Ministerium weitergeleitet wurde.

Folgenlose Urgenzen

Die Vorgänge rund um Aquarius, Lessika und ihren Zwischenfinancier (den HIB-Bankchef und Ex-Bank-Austria-Manager Harold geschäftlich seit langem gut kennt), also die Frage, wer diese Geschäfte wann und zu welchem Zweck eingefädelt hat, waren naturgemäß zentrales Thema der Ermittlungen und Einvernahmen.

Auch die Aufseher, die ja nicht zuletzt über die Geschäftsleiterbefähigung von Bankern wachen sollen, zeigten sich an den Ermittlungsergebnissen interessiert, wie die Justiz gegenüber dem STANDARD bestätigt. Erste Amtshilfeersuchen der Aufsicht soll es schon im Juni gegeben haben (Bundesorgane sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Aufsicht bei ihrer Arbeit zu unterstützen; Anm.), Reaktion: keine. Auch weitere Urgenzen blieben ohne Folgen, Einsicht in den berichtspflichtigen Akt gab es also für die Aufsicht nicht.

Der Sprecher der St. Pöltner Staatsanwaltschaft, Gerhard Sedlacek, erklärt das im Gespräch mit dem STANDARD so: Die Staatsanwaltschaft habe die gewünschten Aktenkopien zwar angefertigt, abgefertigt und an die FMA geschickt, "dort sind sie aber nicht auffindbar, weil offenbar nicht eingelangt". Wie das zu erklären sei? Sedlacek: "Möglicherweise sind die Akten auf dem Postweg verlorengegangen."

Die Auskunftspanne wird nun "selbstverständlich" behoben, aber nicht auf dem Postweg. Sedlacek: "Der Staatsanwalt hat erneut Kopien veranlasst, die sollen von der FMA abgeholt werden." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.9.2010)

Kommentar posten
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Der Mann mit der Maske
17.09.2010 11:03
ha, wohl die post nicht aufgegeben sondern für gutes geld veräussert!

Gandalf der Schlaue
06.09.2010 10:36
Angenommen, ich sollte Post bekommen, die nicht eingeschrieben

oder RSA/RSB ist. und diese Sendung kommt nicht bei mir an.

kann ich jetzt auch sagen: "Hab ich nie bekommen - interessiert mich nicht?"

Gab es nicht den Grundsatz, dass Post immer als zugestellt gegolten hat und ich in der Beweisnot war nachzuweisen, dass ich die Sendungen nicht bekommen habe (was defakto unmöglich ist)?

Wie ist das jetzt ?

Sepp Rosi
06.09.2010 09:15
Kein Problem!

..es sind nur aktenkopien! also noch einmal kopieren und das ganze nicht mit der post schicken sondern per eilboten! bei dem schaden ist e eh wurscht!

Herr Schnellsch
06.09.2010 08:12

Jetzt klauen diese Tierschützenden Mistkübelanzünder auch schon Post.. Sehr mafiös das ganze.

silent_trust
 
06.09.2010 06:50
Wie dünn war denn der Akt?

Ich kann mir das nicht vorstellen. So ein Akt sollte doch zumindest ein paar dutzend, wenn nicht ein paar hundert Seiten dick sein.
Das wiegt doch ganz schön.
Wie kann das verloren gehen und wieso schickt man das per Post und nicht per Boten?

rober777
06.09.2010 09:07
wieso glaust du denen?

Chocoholic
05.09.2010 20:47
Ja klar, die gingen auf dem Postweg verloren. Wollt Ihr uns verars...en?????

pepitant
05.09.2010 22:01
Vielleicht interessiert Sie das,

es steht zwar außerhalb des aktuellen Themas, dafür lässt sich segr schön ableiten, wie Umverteilung in unseren westlichen Demokratien funktioniert.

http://www.youtube.com/watch?v=c... re=related

Böotier
05.09.2010 18:15

Wer soll denn das bitte glauben? Vertrauliche brisante Dokumente werden mit der Post verschickt. Bitte Postaufgabeschein vorweisen.

Es ist ja schon schlimm, dass man (wahrscheinlich) angelogen wird, aber mit einer solch billigen Ausrede ...

Solche Dokumente werden normalerweise mit Boten versandt, wenn möglich, dann mit hauseigenen Boten; und man lässt sich den Empfang quittieren, damit keiner behaupten kann, man hätte es nicht bekommen.

meineMeinung
05.09.2010 11:42

Boah, da sind scheinbar ein paar Leute im schwarzen NÖ Filz nervös...

didi111
05.09.2010 11:09
Es wird wahrscheinlich so kommen,

daß über kurz oder lang von den Nachwuchsdenkern vom Traisenstrand die Bitte kommen wird, die juristischen Termini um den Begriff

ZUFALLSVERMUTUNG

zu ergänzen.

Mit diesem Begriff könnten alle Zufälligkeiten in Pröllanien juristisch subsumiert werden.

Eigentlich die Königsidee und sie könnte vom Krichenwirt in Radlbrunn kommen, dem Nabel der Welt.

PS.:

Ein Bitte noch:

Österreich darf nicht zu Radbrunn-Umgebung werden.

SOUND GUIDE
05.09.2010 10:42
Ich bin mir fast sicher dass ein neuer Antrag gestellt werden muss!

Wegen dem Timing ...

Herr Lulli Pulli, seltsamer Attraktor
 
05.09.2010 09:35
Unappetitlich und mafiös!

Schade, dass wir keinen "Paragraphen" für so was haben ...

Roter Baron
05.09.2010 09:28
köstlich

bin gspannt wos auftauchen

roter baron

andechser
05.09.2010 10:53

Nicht wo sie auftauchen ist von Bedeutung, sondern WANN sie auftauchen.

Karl Benemsi
05.09.2010 11:13
wann die auftauchen werden ist eh klar:

nach ablauf der verjährungsfrist natürlich

Borat Sagdiyev : jak sie masz?
05.09.2010 09:20
Sie können so tricksen, weil sie anscheinend wissen, dass Justiz inaktiv bleiben wird.

wie praktisch.

Das ist auch nur desswegen möglich, weil die SPÖ dies duldet, sonst müsste sie schon längst die Koalition mit ÖVP beenden. Nun das Rock ist näher als das Hemd -> und die Regierungsposten warm und gut dotiert. Zuerst fressen dann Moral.

Die roten Ministranten brauchen sich um den eigenen Koalitionspartner nicht aufregen, es ist nicht glaubwürdig.

Wenn man sich mit den Hunden ins Bett legt braucht man sich über Floe nicht wundern.

Diese ganze sogennante 'politische Elite' ist durch und durch korrupt, nur komplette Systemwechsel hin zur direkten Demokratie kann dieser Korruption ein Ende bereiten.

Unter Demokratie werden nicht freie Wahlen sondern unabhängige Justiz verstanden. So gesehen sind wir keine Demokratie.

Das Warmblut vom Kalterer See
05.09.2010 08:56
Die völlige Privatisierung des Postdienstes muss her, damit die Qualität steigt

Es kann die beste Staatsanwalt der Welt ihre Arbeit nicht professionell erledigen, wenn man auf eine völlig unfähige Post zurückgreifen muss. Da ist sicher die Post-Gewerkschaft daran schuld, die sich gegen jede Reform verhindert.

Hakuna Matata
 
05.09.2010 09:57
"Die völlige Privatisierung des Postdienstes muss her, damit die Qualität steigt"

Dann zahlen Sie separate Gebühren wenn Sie die Zustellung gesichert haben wollen.

mfg

H.M.

Das Warmblut vom Kalterer See
05.09.2010 10:56

Das war eigentlich ein Anflug von Ironie wegen der vielen Privatisierungs-Apologeten im letzten Jahrzehnt. Wie Privatisierungen in Österreich laufen, sieht man ja an BUWOG, Dorotheum & Co. - was aber nicht heißt, dass es a priori vorteilhaft ist, wenn der Staat seine Finger im Spiel hat.

Hugh G. Rection
05.09.2010 10:39
und was bedeutet

"Einschreiben" heutzutage etwa? Ein Aufpreis, damit es möglich ist, zu sagen, wo in etwa was verlorengangen ist...

. Diogenes
05.09.2010 09:57
Vorsicht!

Im Standard-Forum sollte man das Wort "Privatisierung" nur im Zusammenhang mit
Mord, Totschlag oder Kriminalverbrechen bringen
sonst wird man bei lebendigem Leib aufgefressen.
Das dürfte ideologische Gründe haben ;-)

GTV916
 
05.09.2010 11:49
...da hierzulande...

darunter hauptsächlich eine Umverteilung vom Allgemein- in den privilegierten Prvatbesitz verstanden wird auch irgendwie nachvollziehbar...

. Diogenes
05.09.2010 20:58
Umverteilung vom Allgemein- in den privilegierten Prvatbesitz

Können Sie das in irgendeiner Weise untermauern dass es sich bei den Käufern von Aktien aus Privatisierungen um Priviligierte handelt? Es stand (und steht) jedem frei, Aktien der ehemals verstaatlichten Industrie die von Politikern und (privilegierten) Betriebsräten in den 80ern an die Wand gefahren worden sind zu kaufen und an der Erfolgsgeschichte der nunmehr privatisierten Betriebe mitzupartizipieren.
Der eine fliegt im Sommer nach Tunesien und fährt im Winter auf Schiurlaub während der andere Voest-Aktien kauft. Wo sehen sie hier Privilegierte?

Walter Tiefenthaler
05.09.2010 07:04
das verfahren in niederoesterreich soll also eingestellt werden...

...weil niederoesterreichische dokumente der niederoesterreichischen staatsanwaltschaft, die die niederoesterreichischen manager der niederoesterreichischen 'landesbank' belasten (illegale finanzierung der niederoesterreichischen 'landespartei'?) in niederoesterreich verschwunden sind? koennte das etwas mit der politszene eines oesterreichischen bundeslandes in der naehe von wien zu tun haben? es gilt, wie bei dokumentenverlusten ueblich, die verschlampungsvermutung!

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