Florian Niederndorfer

Sarrazin darf kein Opfer werden

03. September 2010 19:44

Warum der Hobbygenetiker sich zwar eine neue Partei, aber keinen neuen Job suchen sollte

Thilo Sarrazin sollte sich nicht mehr Sozialdemokrat nennen dürfen. Die SPD ist eine Gesinnungsgemeinschaft, eine Partei, die auf gemeinsamen, im besten Fall tatsächlich sozialdemokratischen Werten und Weltanschauungen fußt. Einer dieser Werte ist die Gleichheit des Menschen. Die Partei hat jedes Recht der Welt, einem ihrer Mitglieder die Türe zu weisen, wenn es sich, so wie Sarrazin etwa durch seine Ausflüge in die Genetik, grober Verstöße schuldig gemacht hat. Ob ihr der Rausschmiss des Berliner Ex-Senators zu in Wählerstimmen zu messendem Vorteil gereicht, ist zwar zu bezweifeln, angesichts des desaströsen Zustands der Partei aber nur eine kleine Nebenbaustelle. Also raus mit ihm.

Die Bundesbank per se ist hingegen weder eine Gemeinschaft noch definiert sie sich über gemeinsame Werte oder Gesinnung. Welches verfassungskonformen Geistes Kind ihre Funktionäre sind, sollte keine Rolle spielen. Thilo Sarrazin wurde erst im Mai 2009 auf Vorschlag des Bundesrates vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler als eines von sechs Vorstandsmitgliedern in der Bundesbank installiert. Und nie zuvor wurde ein Bundesbanker vorzeitig entlassen, schon gar nicht wegen einer Meinungsäußerung. Schafft man so einen Präzedenzfall, quasi eine "Lex Sarrazin", gibt man dessen zwischen intelligent, hanebüchen und rassistisch oszillierenden Thesen Nachhall für die Ewigkeit. Wer immer in Zukunft zu polarisierender Sprache greift, muss sich den Vergleich mit Sarrazin gefallen lassen.

Abgesehen davon tun dessen Theorien über Arme und Migranten nichts zur Sache, wenn es um den Job in Frankfurt geht. Schließlich hat sich Sarrazin schon vor seinem Wechsel ins politische Ausgedinge am Main mit polarisierenden Tönen nicht zurückgehalten. Nur traf es damals nicht primär Migranten, sondern etwa Hartz 4-Bezieher. Für die Agenda 2010-SPD kein Problem.

Die Deutschen hätten kein Verständnis für Berufsverbote wegen einer Meinungsäußerung, sagte Heinz Buschkowsky, seines Zeichens Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln und alles andere als ein Verfechter der von Sarrazin zum Besten gegebenen Genetiktheorien. Ein mit aller Gewalt erzwungener Rauswurf Sarrazins aus der Bundesbank hinterließe den bitteren Beigeschmack, die Politik entledige sich eines Mannes, der Zeit seines Lebens in der Partei mitgeschwommen, dadurch zu einem hochbezahlten Günstlingsjob gekommen ist und geschasst wird, als er öffentlich Standpunkte vertritt, die im Gegensatz zu Hartz 4 nicht dem veröffentlichten Parteikonsens entsprechen. So verhilft man Sarrazin zu einem Opfermythos. Und der dürfte nicht seine Tantiemen beflügeln, sondern auch die Phantasien der tatsächlich Rechtsextremen. (derStandard.at, 3.9.2010)

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Avi Gilad
16.11.2010 08:52
Mir stösst es sauer auf, wenn ich daran denke,

Das Thilo Sarrazin behauptet, Juden seien ein intelligenteres Volk, und hätten "ein gemeinsames Gen" (eine Behauptung, die übrigens die Mehrheit der Juden selber ablehnen), was natürlich totaler schmarrn ist. Es gibt Schwarze Juden, und blonde, Juden sind so verschieden wie ihre Gene, und jeder der sie als Rasse sieht, und als eine die "Im allgemeinen intelligenter ist", ist genauso fetzendeppert wie leute, die in ihnen eine Rasse sehen, und glauben, das "Judengen" sei minderwertig.

Zu seinen Aussagen re: Ausländer, Kriminalität, und fehlender Integrationswillen, sagen viele, inkl. Strache, muss man Sarrazin deswegen mögen? Es gibt auch Ausländerkritiker die nicht nebenher so einen gequirlten schei** reden.

kurtilein
18.09.2010 13:55
Sarrazin ist kein Opfer

Die meisten haben sein volkswirtschaftlich trockenes Buch nicht gelesen, das ein gewißes Niveau erfordert. Die Grundaussage, die offenbar auch von H. Broder geteilt wird, ist jedoch richtig:
es gibt einen gewißen Prozentsatz dummer, integrationsunwilliger Personen, die nicht hierher
gehören, sondern eben nachhause. Das "Trend Research Institute verkündet: " Ab 2012 werden die Muslime überall aus Europa vertrieben werden." (Agb.Sommer,Nr.23) Die Morddrohungen von Migranten an Juden hat die "Gutmenschen" in einen Schockzustand versetzt, die nicht glauben wollen, das man Menschen mit unterschiedlichen Kulturansätzen nicht
zu einem friedlichen Miteinander zwingen kann. Sarrazin ist hier nur der Vorreiter eines kommenden
Trends.

Henriette Loderer
 
07.09.2010 02:38
Typisch

Die "Toleranten" tolerieren immer nur das was mit ihrer Linie konform geht. Äußert sich jemand entgegen dem herrschenden Zeitgeist realistisch und kritisch wird er geächtet und diskriminiert. Gott sei Dank gibt es immer wieder Menschen die sich diesem Diktat nicht unterwerfen und den Mut haben gegen die etablierte Grundmeinung aufzutreten um deren Fehlverhalten aufzuzeigen.

jörg fidel
08.09.2010 23:24

gott sei dank bin ich kein "toleranter". ich toleriere zum beispiel keine rassisten, auch wenn das die etablierte grundmeinung ist.

Henriette Loderer
 
09.09.2010 07:12

Wünsche Ihnen, dass Sie von den "blösen Rassisten" egal welcher Rasse und Kultur ein wenig mehr Toleranz erwarten können als Sie aufzubringen im Stande sind. Einer misstraut eben Menschen aus anderen Kulturkreisen und sie Menschen welche anderen Kulturkreisen misstrauen. Wo bitte liegt da der Unterschied?

jörg fidel
10.09.2010 20:13

wenn's nur mißtrauen wäre, wäre es kein problem.
aber hier wird gegen andere kulturen gehetzt, und das ist in einer europäischen demokratie unakzeptabel.

Fritz Wunderlich
05.09.2010 19:38
Neues Österreich
05.09.2010 15:58
Sarrazin hätte sich

besser einige Behauptungen in seinem Buch sparen können, aber in der Sache hat er grundsätzlich nicht viel falsches gesagt. Die Politik die jetzt von allen Seiten auf ihn eindrischt, beweist damit nur ihre großen Versäumnisse. Aber was ist das für eine fadenscheinige, feige Art Politik zu machen, wenn Probleme weder angesprochen, noch von ihr gelöst werden. Vielleicht hat es gerade diesen Sündenbock Sarrazin gebraucht, dass sich die Politiker endlich trauen werden, diese Problematik anzufassen und zwar nicht mit Samthandschuhen so wie bisher. Daher wünsche ich den Deutschen Politikern endlich ein gutes Händchen zur Lösung dieser Problematik.

Harry Y.
 
06.09.2010 13:04
Es gibt viele Probleme,

die die Rechten grundsätzlich ignorieren. So z.b. die Menschenrechte; die grundsätzliche Gleichheit aller; die individuelle Freiheit.

miraculix66
 
11.09.2010 08:47

es gibt keine grundsätzliche gleichheit aller - das ist schqwachsinn..

Henriette Loderer
 
07.09.2010 03:43

Wie steht es mit der individuellen Freiheit von muslimischen Mädchen und Frauen?????

peter56
 
10.09.2010 19:55
Wo und wie setzt sich jemand, der Muslime nicht einwandern lassen will

für die Rechte dieser Frauen ein?
Ist doch reine Heuchelei, wenn die Rechten bei uns so tun, als würden sie die Unterdrückung der Frau im Islam bekämpfen, für die Rechte der Frauen eintreten, gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde sein, wenn sie ununterbrochen gegen den Islam hetzen und alle Moslems hinter das Mittelmeer werfen wollen.

Klar braucht man niemand mehr schützen, für Niemandes Rechte eintreten, wenn die nimmer bei uns sind, weil sie zum Feindbild und Sündenböcken erklärt wurden.

Ein elendes Pack, welches Propaganda gegen MENSCHEN macht, weil diese einer Kultur und Religion angehören, in der es leider auch Fundamentalisten und Extremisten gibt.
Die verlogene Heuchlerbande hilft niemandem, will nur Fremde loshaben...

Harry Y.
 
07.09.2010 17:26
Wie steht es denn

mit der Freiheit zur Abtreibung? Haben Sie schon gehört, dass der junge FP-Gudenus einmal eine Steuer auf Verhütungsmittel eintreiben wollte? Wie steht es also mit der Freiheit, kinderlos zu bleiben oder nur eines zu zeugen?

Wie steht es
mit dem Recht, zu arbeiten, und einem gerechten Entgelt dafür, wie steht es denn mit dem erlernten Beruf, wenn die Mama jetzt Muttergeld kriegen soll, bis der Sprößling 18 ist?
(Gudenus.)

Zwangsehen gibt es im Gegensatz dazu nur wenige. Es gibt Probleme mit der Einstellung zu Frauen, das ist richtig: aber solche haben wir auch (mit den Rechten).

Henriette Loderer
 
08.09.2010 17:12
Nur wenig Zwangsehen????

Woher wollen Sie denn das wissen.
Ein Mädchen oder eine Frau welche das Kopftuch trägt zeigt ja damit, dass sie Muslima ist und dazu gehört eine von den Eltern arrangierte Ehe, ehenso wie das Recht des Ehemannes seine Frau bei "Ungehorsam" oder "familienschädigendem Verhalten" körperlich zu Züchtigen.

Harry Y.
 
09.09.2010 13:09

Sie haben auf einen kleineren Teil meines Postings nur geantwortet. Entweder debattieren Sie anständig, oder überhaupt nicht.

Henriette Loderer
 
09.09.2010 18:45

Hab ich deshalb nicht weil mir die Meinungen oder die Aussagen von Gudenus nicht bekannt sind und ich daher dazu nichts zu sagen habe.
Was anständiges debattieren betrifft so sollten sie sich bei der eigenen Nase nehmen und nicht massregeln sondern lediglich zur Sache posten.

ZiB21.com
05.09.2010 15:35
Empfehlung dazu:

Der politische Sonntag mit Terence Lennox auf ZiB21.com. "Der Fall Sarrazin. Die Linke schafft sich ab." http://bit.ly/csiGgb

asinus
05.09.2010 14:52

Der Artikel ist wieder einmal eine Verdrehung des Verhältnisses Opfer-Täter. Hr. Sarrasin (seine Vorfahren waren seinem Namen nach selbst Einwanderer) ist ein Täter, der noch dazu nur Halbwahrheiten von sich gibt.

peter56
 
10.09.2010 19:57
Halbwahrheiten ?

Das sind keine Halbwahrheiten, seine Schlußfolgerungen sind reine Hetze und Schwachsinn.

Harry Y.
 
07.09.2010 17:28

Noch dazu? Deswegen Täter.

Peter Sichrovsky
05.09.2010 14:48
Meinungs-Verzweiflung

Wie hier verzweifelt über Sinn und Zweck der Meinungsvielfalt diskutiert wird zeigt die Schwäche der demokratischen Stabilität in Deutschland und Österreich im Vergleich zu anderen Demokratien wie USA und England. Wenn die richtig oder falsche Meinung eines Bankbeamten eine hysterische Grundsatzdiskussion über Diskriminierung oder Duldung des Autors auslöst und eine selbsternannte intellektuelle 'Oberschicht' ständig von den Gefahren der leicht verhetzbaren 'Unterschicht' redet - dann Gute Nacht Demokratie, schlaf gut weiter!

kurtilein
18.09.2010 14:05
Demokratieverständnis

Perfekt analysiert - Von toleranter Meinungsfreiheit
sind wir hier und in der BRD ziemlich weit entfernt
und es regiert die Unwissenheit und Dummheit mit
erschreckender Inkompetenz. Sarrazin ist hier ja nur
ein Anstoß für ein Diskussionsvaccum.(Tabu) Z.B.:
Als die ausländischen (muslimischen) Jugendlichen die Juden der Tanzgruppe Chaverim mit Steinen in Hanover-Sahlkamp vertrieben, riefen sie siegesgewiß: "Juden raus! Weg mit den Juden!"
Soviel von toleranter Integrationsfähigkeit !

peter56
 
10.09.2010 20:01
Sarrazin vertritt keine MEINUNG, er HETZT auf übelste Art und Weise.

Er spricht einer ethnischen Gruppe die Lebensberechtigung in Europa ab, er macht pauschal Stimmung gegen Türken und Moslems indem er Probleme, die ALLE Menschen betreffen - wenn auch nicht statistisch in dem maße vielleicht - auf Türken und Moslems reduziert.

Es hat mit HERKUNFT überhaupt nichts zu tun, was er als Ursache auf die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe zu reduzieren versucht.

Harry Y.
 
06.09.2010 13:01
Und WARUM

Haben die Staaten, bitte, nicht längst dafür gesorgt, dass es diese eher bildungsfernen Unterschichten nicht gibt? Keine Lektionen aus dem Dritten Reich gelernt, kann das sein? Oder jedenfalls Nicht Genügend; SETZEN.

Harry Y.
 
06.09.2010 12:26
Wissen Sie Mehrzahl überhaupt, was eine Meinung ist?

Eine Meinung ist stets, oder müßte sein, eine begründete, sachliche Auseinandersetzung, auch mit den jeweiligen Gegnern - und nicht eine polarisierende, propagandistische, Gerüchte-Unters-Volk-Werfen; und keine Aufbauschung von Teilaspekten und -wahrheiten unter bewußter Ausblendung von allen anderen.

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