"Die Caritas bin ich nicht"

03. September 2010 17:30
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    Foto: standard/andy urban

    "Als Österreicher sollte man so agieren, dass das Ausland nicht auf uns spuckt" , sagt Jamal Al-Wazzan. Er kam vor 48 Jahren nach Österreich, heute ist er einer der größten Händler der Wiener Innenstadt.

Der Immobilienentwickler Jamal Al-Wazzan hat Schöps zerschlagen und will jetzt Stiefelkönig kaufen - Ein Interview über hohe Mieten, Knackwürste und Wiener Blut

Jamal Al-Wazzan hat Schöps zerschlagen, jetzt will er Stiefelkönig kaufen. Mit Verena Kainrath sprach der Immobilienentwickler über die Vertreibung der kleinen Händler und hohe Mieten, Knackwürste und Wiener Blut.

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STANDARD: Warum wollen Sie Stiefelkönig kaufen?

Al-Wazzan: Warum nicht? Es reizt mich, wie auch Schöps mich reizte. Es ist was Großes, was Schönes.

STANDARD: Sie haben Schöps filetiert und die Immobilien verwertet. Droht das auch der Schuhkette?

Al-Wazzan: Schöps war nicht mehr weiterzuführen. Ich habe es versucht. Nach drei Monaten wusste ich: Nicht einmal zehn Geschäfte kann man lassen. Stiefelkönig hat einen guten Namen, ist nicht verstaubt. Ich würde aber 50 Filialen statt 70 machen, dafür an besseren Standorten. Über die verfüge ich.

STANDARD:  Trauen Sie sich das zu? Sie entwickeln, vermieten, verkaufen Standorte. Konzerne zu führen ist ein anderes Paar Schuhe.

Al-Wazzan: Sonst würde ich das ja nicht tun wollen. Ich habe Kontakte zu Produzenten gelegt. Aber wir reden hier über ungelegte Eier. Ich habe bei Stiefelkönig urgiert, doch es rühren sich nicht die richtigen. Das Geld hierfür wird sich finden.

STANDARD: Ihr Partner, Ex-Palmers-Chef Joachim Knehs, wäre dabei?

Al-Wazzan: Ja. Er ist auch zu 40 Prozent an der Firma Schöps beteiligt.

STANDARD:  Palmers reizt Sie nicht?

Al-Wazzan: Das ist für mich weit entfernt. Palmers wurde damals so teuer verkauft, dass es furchtbar wäre, es zu dem Preis zu verkaufen, den ich akzeptieren würde.

STANDARD: Sie haben als Jugendlicher einst Bratwürste verkauft, Zeitungsabo und Altpapier ...

Al-Wazzan: Es waren Knackwürste. Ich habe früh für meinen Bruder gesorgt, er war damals 16 und ich 18. Wir wohnten allein und mussten über die Runden kommen.

STANDARD: Heute haben Sie beide die Hand auf 120 Handelsstandorten und Immobilien in Wiener Nobelmeilen. Wie geht das?

Al-Wazzan: Wer die Torte als Erster sieht, erhält das größte Stück. Vor 50 Jahren teilten sich zehn Familien den Textilmarkt auf, bis Franchisegeber wie Benetton anfingen. Wir rutschten mit hinein, wir kamen aus der Schule und wollten Geld verdienen. Ich nehme heute Geschäfte, bringe Systeme hinein, um sie dann zu verkaufen, zu vermieten, zu verpachten. Schlimmstenfalls führe ich sie selber.

STANDARD: Sie teilen sich salopp gesagt mit Rakesh Sardana und Ariel Muzikant Wiens Innenstadt auf.

Al-Wazzan: Das ist riskantes Terrain. Da heißt es schnell: "Der eine ist Araber, der zweite Inder und der dritte Jude. Warum machen die das und nicht sogenannte eigene Leute?" Aber ich sehe mich als eigene Leute. Ich bin 1958 geboren, seit 1962 in Österreich. Ich kenne nichts anderes. Vielleicht ist der Unterschied, dass ich aktiv sein musste. Ich bin nicht in einer Familie aufgewachsen, in der ich bekommen habe, was ich wollte.

STANDARD: Und was wollen Sie?

Al-Wazzan: Natürlich ist das Materielle Triebfeder, die Caritas bin ich nicht. Aber ich lasse andere mitleben, will was tun, bewegen.

STANDARD:  In Wien haben Handelsmieten absurde Höhen erreicht. In der Kärntner Straße zahlt Swarovski 218.000 Euro Monatsmiete. Wer außer Multis kann sich das leisten?

Al-Wazzan: Es wird bezahlt, wo die Nachfrage da ist, geht das. Zeigen Sie mir einen, der es sich leisten will, Standorte demjenigen zu geben, der weniger dafür zahlt.

STANDARD: Rentieren sich Lagen zu diesen Preisen überhaupt noch?

Al-Wazzan:Ob Firmen das aus der Werbeschatulle nehmen und Mieten subventionieren, ist deren Geschichte. Aber vieles rentiert sich. Die Ware ist nicht mehr so schön, dafür billiger. Man produziert irgendwo. Es wird alles minimiert, um die Aufschläge hoch zu halten. Damit man sich Miete, alles Drumherum leisten kann. Es wird alles teurer, warum Mieten nicht auch?

STANDARD: Wer eine Einkaufsstraße kennt, kennt sie alle. Alteingesessene Händler haben keine Chance.

Al-Wazzan: Ich habe schon vor gut zehn Jahren gesagt, dass die Straßen alle gleich aussehen werden: 90 Prozent gleiche Geschäfte, gleiche Werbung und gleiche Ware.

STANDARD: Und das stört Sie nicht?

Al-Wazzan: Das ist der Lauf des Lebens. Das ist nicht zu verhindern.

STANDARD: Was Sie aber stört, ist Österreichs rigide Ladenöffnung.

Al-Wazzan: Schade ist es darum. Solange Nachbarländer ungleiche Angebote hatten, spürten wir das nicht. Jetzt haben sie gleiche Ware und bessere Öffnungszeiten. Das ist gefährlich, wird Jobs kosten.

STANDARD: Ärgert Sie eigentlich die FPÖ-Parole mit dem Wiener Blut?

Al-Wazzan: Ich finde es ja oft amüsant, wie Leute so denken. Was soll ich sagen, jeder hat seine Berechtigung. Als Österreicher sollte man aber so agieren, dass das Ausland nicht auf uns spuckt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.9.2010)

JAMAL AL-WAZZAN (52) verkaufte mit 18 Jahren Würstel, mit 24 betrieb er Stefanel-Läden. Heute vermietet der gebürtige Iraker Flächen an Ketten wie Zara, H&M, s.Oliver, Esprit. Schöps zerschlug er und vermietet die Standorte weiter.

Kommentar posten
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afrayspeed
05.09.2010 18:55

der ist ja gar kein opfer!
ob wir solche migranten überhaupt brauchen können? ;-)

AMKO
09.10.2010 17:29

noch ein Muslim auch noch !!!

waldenoderlebenindenwäldern
 
05.09.2010 16:40
der wazzan

ist genau so ein ungustl wie der PLECH.der grasser buwog involvierte und ur österreicher.um den rasissmusvorwurf wegzubekommen.kohle machen ohne jedwede verantwortung für die gesellschaft,den menschen des landes zu übernehmen,wo man wohlbetucht ein wohlleben führt und sich einen dreck um soziale ausgewogenheit schert.und dies alles mit einer pervertierten marktlogik begründet.allerdings machen dies auch die global "PLAYERS".noch schlimmer.der traum der wazzans,ist der alptraum der menschen,die nicht mit milliarden jonglieren können.

Magnus13
05.09.2010 19:36
Al-Wazzan

hat den Schmäh drauf wie es am Balkan in Wien funktioniert.

Da paßt folgender Witz dazu: 3 Anbieter von einem Flugzeugersatzteil. Ein Pole, ein Ire und ein Balkan-Wiener. Der Pole verlangt 3.000 Euro, der Ire 6000 Euro und der Balkan-Wienr 9.000 Euro. Der Einkäufer wollte es natürlich genau wissen, warum der letzte so teuer ist. Der sagt ganz einfach: 3.000 Euro für Dich, 3.000 Euro für mich und 3.000 Euro für den Polen.

popokatepetl
05.09.2010 15:28
der amerikanische traum...

gelebt von einem iraker in wien...

sochn gibts- die gibts goaned...

Fumanschu
05.09.2010 13:51

Ich verstehe es immer noch nicht: der Textilmarkt wurde auf 10 Firmen aufgeteilt - er kam von der Schule und konnte direkt einsteigen? Heute besitzt er 120 Immobilien? Wie kann ich mit dem Gehalt eines Knackwurstverkäufers zu den 10 größten Textilmarktteilnehmern gehören ^^

Träume sind Schäume..
05.09.2010 14:08
Verdienen

riskieren, investieren, verdienen, riskieren, investieren, verdinen usw.

Für Menschen die an unüberwindbare Klassenschranken glauben, natürlich unverstellbar ;)

Finditout
06.09.2010 20:20
und den kleinen mann wie ihnen

hat man das so eingeredet, dass man nur mit harter arbeit und fleiss sowas erreichen kann. wenige wissen, dass er nicht alleine im boot sitzt und dass das eigentliche geld nicht von ihm stammt, sondern gelder anderer personen, von denen man sicherlich nicht behaupten kann, dass die das geld mit schweiss verdient haben....

Fumanschu
05.09.2010 14:12

Es ist für mich nicht unvorstellbar, sich hinaufzuarbeiten - ich kenne mehrere Beispiele und kann es da auch sehr gut nachvollziehen.

Die Frage für mich war in dem Fall: als Knackwurstverkäufer hab ich vielleicht ein paar hundert Euro am Konto - und mit denen "riskiere, investiere, verdiene" ich dann? Bzw. spaziere ich einfach zu den 10 größten Textilmarktteilnehmern der Gegenwart, hau den Hunderter auf den Tisch und sage "hier ich steig ein"?

Es ging mir nur darum, dass ich da aus persönlichem Interesse mehr Infos gehabt hätte. Mich interessieren eben die Windungen des Lebens - eben auch anhand der Beispiele, zu denen ich Bezug habe.

GiordanoB
05.09.2010 14:25

Du hast scheinbar noch nie selbst irgendwo investiert, wenn du dir das so einfach vorstellst!
Teils ist es auch einfach, aber erst ab einem Betrag von mehreren huntertausend Schillingen (um in der damaligen Zeit zu bleiben) die man frei verfügbar hat.
Nicht zu vergessen, dass ja seine Familie auch noch gleichzeitig mit dem Geld der Knackwürste den Lebensunterhalt bestreiten musste. ;)

Karin Stadler2
05.09.2010 11:24
Ach ja, diese Gier - da kann man halt nicht's machen. Muss Gott gegeben sein.

Die meisten Einkaufstrassen sind voellig austauschbar, uninteressant, ueberall die gleichen Ladenketten, oede. Vereinzelt noch ein paar unabhaengige Haendler, die Abwechslung und ein Einkaufserlebnis durch Individualitaet bieten.

jean val jean
05.09.2010 10:03

die innenstadt ist mittlerweile zu einem derartigen gesichtslosen bild verschwommen, daß ich schon seit jahren keine lust mehr verspüre, dort hinzugehen
touristen suchen auch was anderes, außer reiche russinnen
und die kleineren geschäftsleute werden mit hilfe des magistrats hinausgemobbt

Träume sind Schäume..
05.09.2010 00:36
Unternehmertum ist ein vaterlandsloser Geselle

Und kennt auch keine Religion oder Ethnie.

Nur weiter so, solche Leute kann man brauchen.
Eigentlich sollte man sie auch gezielt aus der Jugend fördern oder im Ausland durch günstige Konditionen als Einwanderer anwerben ;)

Lemure
 
05.09.2010 00:19
Was mich interessiert,

ist die Frage, wieviel Grund- und Vermögenssteuer die Herren Wazzan, Sardana und Muzikant für ihren Immobesitz zahlen, insbesondere in Zeiten von Krisen. Oder kann man halbe Innenstädte (weiß ich von Salzburg definitiv) auch "steuerschonend" ins Ausland verlagern?

hans dampf5
04.09.2010 21:47
kennt der das Spiel DKT?

Hat er da alleine gewonnen?
Super, gratulation!!
Aber er sollte vielleicht bei so viel Investments und Geld leere Häuser einrichten für sozial bedürftigte Menschen, wäre für mich auch in diesem Bereich moralisch verpflichtend. Die lebensmittelindustrie muss sich mit fairtrade, bio etc. abgeben. Was machen die big player?

tramezzino
05.09.2010 15:24

9. antwort von oben.

Señor Mascarenas
05.09.2010 00:27

- das ist Aufgabe des Sozialstaates durch Steuern sozial schwächeren zu helfen
- der Kunde bestimmt das Angebot...

jean val jean
05.09.2010 10:05

welche kundinnen?
russische
hat ö kein anrecht auf kulturelle identität?
schockierend, was da abläuft

AltFreak
04.09.2010 21:43

Kojak lebt!....

MarieAntoinette
04.09.2010 20:44
Die wenigsten

Die wenigsten der 1958 geborenen und in Wien 1962 aufgewachsen Personen haben damals von ihren Eltern bekommen was sie wollten.

Österreich war bis 1955 besetzt. Der Wiederaufbau eines zerstörten Landes (Trümmerfrauen) dauert etwas länger als es sich auch manche Zuwanderer wünschen würden.

Aber es ist immer bequemer dort zu ernten wo andere gepflügt und gesät haben.

do the evolution
05.09.2010 11:05
in erster linie sind die österreicher für die zerstörung des landes verantwortlich und nicht für den wiederaufbau

da haben andere länder mehr dazu beigetragen...

MarieAntoinette
05.09.2010 11:33
re: Evolution

Erklären Sie das den Nachkriegskindern und deren Müttern, den Daheimgebliebenen aus dem letzten Weltkrieg.

Die Vorkriegswirtschaftslage war so verzweifelt, dass es kein Wunder war, dass die Menschen den Verheißungen der Nazis zum Opfer gefallen sind.

Mit ihrem Posting raten Sie jedem im Krieg befindlichen Land dazu, auf humanitäre Hilfe zu verzichten, falls diese sie benötigen.

Oder kennen Sie die Bilder nicht, auf denen zu sehen ist wie Menschen Ziegel von altem Mörtel befreien um sie für neue Häuser zu verwenden, die wir möglicherweise jetzt bewohnen?
do the evolution!

do the evolution
05.09.2010 13:13
"Die Vorkriegswirtschaftslage war so verzweifelt, dass es kein Wunder war, dass die Menschen den Verheißungen der Nazis zum Opfer gefallen sind. "

und es ist auch kein wunder, dass in der nachkriegswirtschaft in osteuropas soviel verzweiflung herrscht, dass die menschen in den westen wollen um ihr glück zu versuchen.

anstatt dafür verständnis zu zeigen, bezeichnet man sie allerdings abwertend als wirtschaftsflüchtlinger

alla riscossa
05.09.2010 10:28
wer hat dich eigentlich daran gehindert,

wie der werte herr mit knackwürsten anzufangen und karriere zu machen?wenn der nur geerntet hätte, wäre er nicht dort, wo er heute ist!

MarieAntoinette
05.09.2010 11:17
Karriere

Karriere zu machen, ist nicht zwangsläufig damit verbunden andere auszubeuten; und duzen Sie mich nicht, Sie Wurm.

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