Reportage

Der unbeliebte Bewegungsdrang in der Stadt

03. September 2010 17:10
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    Foto: standard/christian fischer

    Ein Salto im Museumsquartier, der rasch die Securities auf den Plan rufen kann. Wiens Par-kour-Sportler sehen sich Verboten gegenüber. Obwohl aus ihrer Sicht die Stadt von ihnen profitiert.

180 Menschen lernen jedes Semester den Parkour-Sport, zwei Vereine gibt es in Wien

Außerhalb von Hallen sind Laufen, Springen und "Moves" aber nicht überall beliebt.

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Vielleicht 25 Zentimeter hoch ist die Betonkante, auf die Konstantin zuläuft. Das genügt - sobald der 21-Jährige sie erreicht hat springt er ab, schlägt einen Salto und landet federnd auf dem Asphalt. Der Schauplatz: Eine Ecke im Wiener Museumsquartier. Acht Betonwannen stehen dort, in denen Kastanienbäumchen wachsen, zwei Batterien von Fahrradständern. Für Konstantin und seine Kollegen ist es mehr - der Trainingsplatz für ihren Sport: Parkour. Jene Sportart, die den öffentlichen Raum nutzt - für die Direttissima von A nach B über Hindernisse oder artistische "Moves".

"Bei uns gibt es im Kopf nichts mehr anderes. Es verändert die Wahrnehmung", sagt Nico, wenn er über Parkour spricht. Das Problem: Die Mitglieder des Vereins Ape Connection in Wien werden mancherorts vertrieben - etwa im Museumsquartier. "Es gibt mehrere Gründe", sagt dessen Pressesprecherin Irene Preißler. "Die Sicherheit, auch von Passanten, und Verschmutzungen und Beschädigungen."

Was die Ape Connection, die großteils aus Sportstudenten und wenigen Sportstudentinnen besteht, nicht wirklich nachvollziehen kann. "Der Raum ist ja ungenutzt." Patrick versteht, dass man über Verschmutzungen, beispielsweise der Wände durch Schuhabdrücke, verärgert ist. "Aber das ist eine Frage der Mentalität der Sportler. Wir vermeiden Beschädigungen natürlich."

Drei Parcours-Kurse am USI

Besonders widersinnig erscheint Nico, dass gerade das Museumsquartier sich als Ort junger Menschen und Künstler gibt - und dann restriktiv vorgeht. "Ein Freund von uns ist mit einem Backflip (Rückwärtssalto, Anm.) auf einem Plakat für das Impulstanz-Festival abgebildet gewesen, das auch hier abgehalten worden ist. Aber wenn man den Salto einfach im Hof macht, kommt die Security", ergänzt Konstantin.

Es liegt in der Philosophie des Parkours, auch aus Regeln auszubrechen, sich selbst durch die Bewegung kreativ auszudrücken - "es ist viel mehr als Herumspringen", sagt Patrick.

Was durchaus auf Interesse stößt. Drei Kurse werden pro Semester am Universitätssportinstitut in Wien angeboten, insgesamt 180 Menschen nehmen daran teil. Zwei Parkour-Vereine gibt es in Wien, Treffpunkte sind etwa das Haus des Meeres, die Donauinsel oder die "Senfbauten" in Favoriten. Auch in Sankt Pölten und Salzburg gibt es Aktive.

Britische Stadt erließ Parcours-Verbot

Wobei: Dass es problematisch werden kann, wenn der Sport zur Massenbewegung wird, sieht Patrick ein. "Wenn auf einem Platz plötzlich 100 Leute sind, entsteht auch ein Müllproblem." Die Stadtverwaltungen sehen den ausgelebten Bewegungsdrang daher nicht überall mit Wohlwollen. In Moreton, einer Stadt in der Nähe der britischen Metropole Liverpool, wurde im Vorjahr ein totales Parkour-Verbot erlassen. Was interessant ist, da Daniel Ilabaca, einer der weltbesten Parkour-Läufer, aus der Gegend stammt. In New York City wurde im August das Battery-Park-Gebiet für das Laufen und Springen gesperrt, 300 US-Dollar Strafe drohen. Eine Alternative wären eigene Parkour-Parks, in Kopenhagen gibt es beispielsweise zwei davon. "Andererseits sind das ja eigentlich wieder Ghettos", meint Patrick.

Verbotene Brunnen

In Wien haben die Sportler es nicht nur im Museumsquartier schwer. "Am Meiselmarkt gibt es mehrere Brunnen, die ohnehin kaum in Betrieb sind. Dort hängen viersprachige Tafeln, dass es verboten ist, die Brunnen als Spielgerät zu benutzen." Bei der zuständigen Magistratsabteilung 31 beteuert man aber, die Schilder hätten nicht ursächlich mit Parkour zu tun. "Es ist dort gefährlich mit den nassen Steinen, und wir sind schließlich dafür verantwortlich", sagt ein Mitarbeiter.

Für Nico liegt der Grund anderswo. "Ich glaube, die Verbote kommen daher, dass sich die Verantwortlichen zu wenig mit der Sportart beschäftigen. Ein ,Wegnehmen' der Plätze kann nicht im Interesse der Stadt liegen. Schließlich wird der öffentliche Raum belebt, und die Menschen treiben Sport." Was in Wien nur beliebt scheint, wenn es der rote Turnverein WAT durchführt: Bei dessen Sommeraktion "Sport. Platz Wien" wurde öffentlich geturnt. Auch im Museumsquartier. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 4./5. 9. 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
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shepherd
09.09.2010 00:51
ansich ist der artikel ok ... nicht allzuviel neues, aber ok

für den durchschnitt ...

nur: "Was interessant ist, da Daniel Ilabaca, einer der weltbesten Parkour-Läufer, aus der Gegend stammt."

was hat die herkunft vom daniel ilabaca mit dem dortigen, aktuellen müllproblem, verursacht von dessen "nachahmern" zu tun?
nur, weil er dort herkommt, kann man doch nicht deswegen alle vorstellungen von reinlichkeit und ordnung über den haufen werfen...da haperts einfach an der einstellung der aktiven und nicht am unverständnis von politikern

ente gut alles gut
08.09.2010 19:26

Wo leben wir bitte? Wen stört das? Solange nicht andere Menschen als Hindernisse genutzt werden... ;-)

Os wood
08.09.2010 11:24

kann nachvollziehen wenn man sich über beschädigungen durch skater beschwert - hat aber nichts mir parcour zu tun !

Almi66
08.09.2010 08:23
Devastierte Brunnen am Meiselmarkt

Hier geht es nicht um Muellprobleme, fast alle Brunnen mit geraden Kanten und Einfriedungen sind seit Jahren Spielflaeche der Skater. Ergebnis: Viele Steine fehlen oder sind abgeschlagen. Warum gibt es nicht mehr Plaetze in Wien, die fuer Jumping und Skating geeignet sind?

FaustAufsAug
07.09.2010 16:17
"Ujeeeee" da haben ja manche Standartleser gar keinen Ahnung

Nun ja, bevor manche der feinen Herrschaften hier noch mehr groß herumphilosophieren und augenscheinlich null Zugang zu Bewegung haben will ich hier ebenfalls Stellung bezihen ohne wirklich viel Worte zu verschwenden!

Eine an genau jene Herrschaften gerichtete message:
http://www.youtube.com/watch?v=I3PHCMRDDOc

Wie man es lebt:
http://www.youtube.com/watch?v=ZqEyzRxRQMs

Hier ne super Facebookgruppe für mehr Bewegungsfreiheit im und vorm "Museumsquartier" gegen dise Paradoxe Hausordnung!

http://www.facebook.com/?ref=logo... nfo&ref=ts

Os wood
07.09.2010 11:31

find die kommentare hier wirklich traurig !

is doch toll wenn junge menschen sich bewegen und dass auf so eine kreative und ausgefallene art und weise!

bzgl. beschädigungen und mögliche verletzungen anderer: hier merkt man besonders dass 90% der hier postenden überhaupt kein ahnung des sports haben, über den sie hier herziehen ! die these das passanten dabei verletzt werden ist sowas von lächerlich ...

mq is meiner meinung nach der ideale ort ! jung , kreativ, treffpunkt, funky usw. entspricht meiner ansicht nach genau den prinzipien des sports ! weiter so ...

Clint Beastfood
06.09.2010 15:26
Warum hupfen die nicht im Wald herum?

Genau, zu wenig Publikum.

Man muss ja der ganzen Stadt zeigen wie super man hupfen kann.

Kinkidra
08.09.2010 16:09

Ich weiß nicht, was für Wälder sie so kennen, aber die, in denen ich bis jetzt war, haben nicht unbedingt gestrotzt vor geraden Betonkanten, Treppen und Mauern... Wenn sie schon mal Parkourläufer gesehen hätten, wüssten Sie, dass das schon von den Bewegungsabläufen her in der Natur nicht funktionieren kann. Abgesehen davon geht es auch bei diesem Trend, ähnlich wie bei der Streetart, u.a. darum, sich in der städtischen Umgebung einen eigenen und nicht standardisierten Raum zu erschließen, sprich, nicht wie die Schafe über Gehsteige trotten, sondern eben auch mal eine andere Bewegunsgform ausprobieren. Was ist so schlimm daran? Macht doch Spaß zuzuschauen, wenn ein junger "Hupfer" einen Salto übers Brückengeländer schlägt...

TRockenmilch
08.09.2010 13:49

warum redest du nicht in ein sackerl?

surfkid
07.09.2010 16:22
nicht im wald ...

weil´s dann Wald- oder Orientierungslauf wäre ;)

Parcour gehört in die Stadt wie Schwimmen ins Wasser.

Besondere Kennzeichen: keine
07.09.2010 16:17
Weills sonst in der Stadt nur noch so abgestellte Muffeln und Sofahänger wie dich gibt.

Und das stört viele. Du musst verstehen: Nur weil du deinen Bierwanst nur noch mit Gehhilfe durch die Stadt transportieren kannst, heisst das nicht, dass wir uns an diesen Anblick gewöhnen wollen.
Und wenns dir nicht passt: Fang uns doch :)

Ruskij
07.09.2010 15:52

Weil es in der Stadt keinen Wald gibt?

Spinndoktor
05.09.2010 09:13
Bewegungs- und Abenteuerdrang

Da gibt es die interessante, zugegeben fragwürdige These, nach der jede Generation "ihren" Krieg braucht. Wenn ich so beobachte, was sich da langsam zusammenbraut, finde ich die Behauptung gar nicht mehr so unpassend. Widerstand, Körperlichkeit, "der Beste sein", Heldentum, Abenteuer, List & Täuschung, Bewegungsdrang.....das sind schon ein paar Eigenschaften, die einem Infanteristen gut anstünden. Überdies stützt das die biologische Bestimmung der Menschenmännchen (Zit. "wenige Innen") Das Bissl Disziplin, sich unwidersprochen erschiessen zu lassen, bringen wir gerade auch noch zusammen, oder? Die gesellschaftlichen Hintergrundbedingungen sind derzeit noch eine Spur zu rosig aber immerhin befindet man sich auf dem "rechten" Weg. Gute Reise.

meinrad
05.09.2010 14:47

genau, sportler sind alle mörder!

Spinndoktor
05.09.2010 17:29
Das behaupte ich nicht,

sie haben lediglich die besseren Voraussetzungen für einen infanteristischen Einsatz. Es kann aber natürlich auch im Rahmen einer Panzergrenadiereinheit oder einer Pionierverbandes stattfinden, hängt von der Sportart ab. Hier geht es eher um Jagdverbände, die Besten könnte man ins Jagdkommando einbinden, was so ziemlich das Zäheste an Menschenmaterial ist, das die Republik an Soldaten aufbieten kann. Die Eigenschaften, die im gegenständlichen Sport trainiert werden sind in der Tat vielversprechend für einigen Erfolg auf dem Feld der Ehre, nur weiter so, uncle Heinz needs you.

Kinkidra
08.09.2010 16:19
Oje, keine Ahnung aber viel labern...

Hätten Sie nur den allerwinzigsten Einblick, was für Leute sich in der Parkous-Szene bewegen, wäre ihnen klar, wie wenig ihre Kommentare hier passen. Das sind nämlich eben die Leute, die hierarchische Strukturen u.a. mit dem sportlichen "Missbrauch" von städtischer Architektur in Frage stellen wollen. Als halbfaschistische "Hart wie Kruppstahl"- Truppe eignen die sich nicht im geringsten, weils Teil der Philosophie ist, sich nicht von oben herab vereinheitlichen zu lassen. Wenns um Paintballer oder sowas ginge, fände ich ihre Theorien ja durchaus interessant, aber gerade die Jumper als Paramilitärs hinzustellen, obwohl die fast durchgehend aus alternativen System-Ungläubigen bestehen, ist wirklich absolut fehl am Platze....

TeddyK
07.09.2010 18:38

@ spinndoktor - darf ich raten?
du hast gerade grundausbildung inklusive astreiner gehirnwäsche hinter dir?
plus wo hast du dir dein synonym gefladert?

Spinndoktor
07.09.2010 23:25
Das ist schon etwas her aber noch frisch.

Ich habe da während des Studiums immer wieder einmal als Ausbilder gewirkt und es ist ja wirklich schade um solche Talente. Kommandoaktionen brauchen besonderes Personal. Mein Synonym habe ich dem unsagbaren Andreas Rudas abgeschaut, dem die Boulevardfetzen das Pseudonym "Spindoktor" angedeihen ließen, von mir dann nur um einen Buchstaben erweitert, der ihm durchaus auch gut angestanden wäre.

meinrad
05.09.2010 17:58
wtf?

und deshalb is das jetzt suspekt, wenn man sport macht und sich fit hält?

stj911.org physics911.net
05.09.2010 13:53

Gute Besserung.

maxx 77
05.09.2010 13:40

Ab ins Sportforum und diesen Surm dort zu jedem Artikel posten, denn jeder Sport und insbesondere jeder sportliche Wettkampf enthält die genannten Elemente in der einen oder anderen Form.
Eigentlich könntens ihre These gleich weiterspinnen und uns erklären, dass die beiden Weltkriege im letzten Jahrhundert hauptsächlich auf die Wiederbelebung der Olympischen Spiele durch Pierre de Coubertin zurück zu führen sind.

Spinndoktor
05.09.2010 17:36
Ja, sicher, das könnte man aber es wäre wohl müßig.

Noch dazu, wo olympische Spiele immer eine Phase des Hintanstellens schwelender zwischenstaatlicher Konflikte waren oder zumindest so gedacht. Na ja, München 1972 war ein furchtbarer Ausreisser aber der Grundgedanke ist ja eher friedlicher Ausrichtung. Deutschland 1936 ist hierzu ein sehr interessantes Studienobjekt, besonders in Hinblick auf den spanischen Bürgerkrieg. Nein, das meine ich nicht damit, ich kritisiere nicht "Sport", ich kritisiere ein Wenig die durchaus kriegerische Grundhaltung mancher Sportler und was ihre Entourage daraus macht. Und ich kritisiere in Wenig genau diesen Stadtindianersport, das kommt mir so vor wie Synchronschwimmen. Es ist sicher schwierig, es ist eine Leistung und trotzdem find ich es subjektiv deppert.

FFluXXuSS
04.09.2010 22:57
Verwuunschen, verwunschen [Andi Heller]

Parcour-Tänzer sind eine Antwort auf die Stadt und ihre Architekten.
Mag sein, dass in Wien weniger architektonische Grausamkeiten als in z.B. Paris stehen, aber daran wird gearbeitet.
Architekten sollen sich in der Natur (als Opposition zur Stadt) umsehen, dort gibt es nicht diesen Parcour.

Ich bin ein Fan von dem, was auf Youtube zu sehen ist! http://www.youtube.com/watch?v=b... re=related

curricula
04.09.2010 14:41
Mentalität

"...Wände durch Schuhabdrücke, verärgert ist. "Aber das ist eine Frage der Mentalität der Sportler. Wir vermeiden Beschädigungen natürlich."

Schuhabdrücke an den Wänden ist keine Mentalitätsfrage sondern eine Frage von a) dreckigen Schuhen und b) wohin ich damit trete.

"Vermeiden von Beschädigungen" kann man auch übersetzen mit "ein paar Beschädigungen nehmen wir in Kauf".

Aber man kann es ja mal austesten... auch wenn ich kaum glaube, dass die Mentalität der Sportbegeisterten anschliessend Hauswände reinigt oder beschädigte Fassaden repariert.

stj911.org physics911.net
05.09.2010 13:52
"Aber das ist eine Frage der Mentalität der Sportler."

Sie tragen dem Umstand nicht Rechnung, dass ein mündliches Interview schriftlich hier nur sehr verkürzt wiedergegeben werden kann. Damit fehlt der Kontext, in dem ein Satz wie dieser gesagt wurde. Wenn Sie einmal selbst interviewt worden sind und nach Lektüre des Artikels dann darüber geärgert haben, dass einige Statements von Ihnen durch die Kürzung in einem ganz anderen Licht erscheinen, bzw. manchmal sogar dem ursprünglichen Sinn zuwiderlaufen, dann wissen Sie, was ich meine.

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