Ich habe Prinz Mario-Max Schaumburg-Lippe beleidigt und ihm versprochen, mich zu entschuldigen - Aber hätte die APA mich nicht um seine Telefonnummer gebeten, hätte ich das wohl glatt vergessen
Eigentlich sollte an dieser Stelle ein anderer Text über den Adoptivprinzen, Anwalt, Designer, Sänger und Moderator Mario-Max Schaumburg-Lippe stehen. Denn der Mann, der sich selbst so lange ein „Prince" (ja, mit „c") als Marke in den Namen schrieb, bis der deutsche Adelige, der seine Mutter geheiratet hatte, ihn dann doch adoptierte und der Salzburger mit deutschem Pass das C zum Z machen durfte, hat mich angerufen - um sich zu beschweren.
Ich hatte das Blaublut im Standard in einem Kurzartikel über sein bislang letztes Projekt - das Einsingen eines Liedes, das eigentlich für diverse Lugner-Begleiterscheinungen geschrieben worden war - gekränkt. Ich hatte dem hochwohladoptierten Promi nämlich ein „so publicitygeil wie unterbeschäftgt" attributiert. Und da es die Bewohner von Adabei-Land nicht gewohnt sind, anderes als „medienpartnerschaftliche" Schmeicheleien beim Blick in den Spiegel vorgesetzt zu bekommen, war Schaumburg-Lippe gekränkt, beleidigt und zutiefst verletzt.
Satisfaktion
Doch da ich für einen - mittlerweile ja sogar - echten Prinzen wohl nicht satisfaktionsfähig bin, erinnerte er sich seiner anderen, bürgerlichen Berufung - die ja schließlich auch sein Beruf ist: der Juristerei. Der Advokat Mario-Max Schaumburg-Lippe rief mich an - und ließ mich wissen, dass ich nicht nur seine Gefühle, sondern auch die Wahrheit verletzt habe: Weder sei er publicitygeil, noch unterbeschäftigt.
Und um den Wahrheitsbeweis für Zweiteres anzutreten, referierte er mir seine Arbeitswoche: „Von Montag bis Mittwoch arbeite ich als Anwalt in meiner Kanzlei in Leipzig. Donnerstag und Freitag bin ich dann TV-Moderator - und am Wochenende Designer." Auch das Wort „publicitygeil", so Schaumburg-Lippe am Telefon, sei einerseits bösartig - andererseits aber auch grundfalsch: „Societyauftritte sind für mich Arbeit. Entweder bekomme ich dafür Geld - oder aber ich tue das aus PR-Gründen."
Danach erzählte der Prinz mir noch ausführlich von seinem Zugang zu Musik, seiner Gesangsausbildung und seiner Tätigkeit als Moderator einer wöchentlichen Live-Sendung auf Astro-TV. Dort, erzählte er, moderiert er die Adels-Sendung „Astro Royal". Freilich sei das „keine Horoskop-Sendung, denn das ist ein hochsensibles Feld und das müsste man extra studieren." Stattdessen, so das singende Blaublut, sei seine Sendung „ein Magazin über das, was sich die Woche über in Europas Adelshäusern getan hat."
Entschuldigung beim Prinzen
Ich entschuldigte mich artig: Ich hatte tatsächlich keine Ahnung gehabt, dass der Jurist, Sänger, Moderator, Schauspieler und Prinz Mario-Max-Schaumburg-Lippe sehr viel mehr tut und kann, als mit Natascha Kampusch oder mit Boris Beckers kleiner Tochter in Salzburg vor die Kameras zu treten oder sich mit Lugners „Bambi" abzugeben. Und dass er darüber hinaus so ehrlich ist, seine Societyauftritte selbst als auf Werbe- und PR-Effekte abzielende „Marketingmaßnahmen" zu bezeichnen, hätte ich nicht erwartet. Und ich gelobte dem Prinzen am Telefon, dies auch öffentlich - in dieser Kolumne - zu sagen.
Doch dann zog der Sommer ins Land. Und es gab mannigfache Ablenkungen. Oder Themen, die gerade aktueller dran waren. Aber als dann, am Donnerstag den 2. September, eine Kollege von der APA anrief und mich nach der Handynummer des Prinzen fragte, durchfuhr es mich heiß: Da war doch was!
Wozu die Austria Presse Agentur nach Schaumburg-Lippe suche, fragte ich - doch der Kollege berief sich (zu Recht) auf das Redaktionsgeheimnis. Was die APA berichten würde, könne ich ja dann beizeiten in der Agentur nachlesen. Ich war gespannt - und ein paar Stunden später war es dann so weit: Die APA berichtete über Schaumburg-Lippe. Aber was da stand - und steht - kann und will ich einfach nicht glauben: Der Prinz, der mir da so wortreich über sein Leben, seinen Beruf und seine Berufung erzählte, soll zwar ein echter Adeliger, aber ein akademischer Schummler sein? Unvorstellbar. Aber lesen Sie selbst, was die APA am 2.9.2010 um 15:49 Uhr schrieb.
Hier spricht die Austria Presseagentur - ungekürzt
„Plagiatsverdacht gegen Mario-Max Schaumburg-Lippe
Medienwissenschafter Weber: "Plagiatsstellen von der allerersten bis zur allerletzten Zeile" - Uni Innsbruck hat behördliches Verfahren eingeleitet
Wien/Innsbruck (APA) - Plagiatsverdacht gegen Mario-Max Schaumburg-Lippe wegen dessen Dissertation: Die Universität Innsbruck hat ein behördliches Verfahren eingeleitet, bestätigte man am Mittwoch auf APA-Anfrage. Dafür würden Gutachten eingeholt. Ausgangspunkt der Erhebungen dürfte ein der APA vorliegendes Gutachten des österreichischen Medienwissenschafters Stefan Weber sein.
Weber hat im Auftrag einer Anwaltskanzlei die Buchfassung der Dissertation von Mario Wagner - so der bürgerliche Name von Schaumburg-Lippe - mit dem Titel "Kann der Papst die Krise beenden?" überprüft. Sein Urteil: Die Plagiatsstellen würden sich "von der allerersten bis zur allerletzten Zeile Fließtext" ziehen.
Schaumburg-Lippe hat laut Weber 2003 an der Uni Innsbruck in Rechtswissenschaften zum Thema "Die Sozialphilosophie von Joseph Kardinal Höffner" dissertiert, das darauf basierende Buch ist 2009 im "Lulu Verlag Deutschland" unter dem Titel "Kann der Papst die Krise beenden?" erschienen. Betreuer der Dissertation war laut Weber der Jurist Theo Mayer-Maly.
Weber hat den Auftrag zur Überprüfung der Dissertation von einer deutsch-österreichischen Anwaltskanzlei erhalten. Nach Angaben des Medienwissenschafters ist die Doktorarbeit "wortident" mit den mittlerweile zwei Ausgaben des Buches. Er hat die Buchfassung der Dissertation mit Hilfe der Suchmaschine "Google" auf mögliche Übereinstimmungen mit Texten aus dem Internet untersucht. Sein Urteil in dem Gutachten fällt vernichtend aus.
Der Verfasser habe aus mehreren Enzykliken des Papstes, von Joseph Höffner selbst sowie Sozialwissenschaftern bzw. -ethiker plagiiert. "Auffällig ist, dass sich die Plagiatsstellen - im Umfang von einem Einzelsatz bis zu eineinhalb Seiten Fließtext am Stück - durch die gesamte Arbeit ziehen, von der Kurzfassung am Textanfang bis zum Schlusskapitel, und sogar im wahrsten Sinne des Wortes von der allerersten bis zur allerletzten Zeile Fließtext." Dies lasse den Schluss zu, "dass der Autor 'methodisch' vorgegangen ist", so Weber, der auf 74 Buchseiten 37 plagiatorische Einzelübernahmen identifiziert hat.
Weber hält "hochschulrechtliche Konsequenzen" für "unvermeidlich", wie er im Gutachten schreibt, das er der Uni Innsbruck im April 2010 übermittelt hat und die ihm im Mai versichert habe, dass sie die Vorwürfe gewissenhaft prüfen werde. "Der Fall ist klar, das muss zu einer Aberkennung des Doktortitels führen, alles andere wären sizilianische Verhältnisse", sagte der Medienwissenschafter gegenüber der APA.
Schaumburg-Lippe war vorerst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen."