Meeresökologie

Steigender Fischmehl-Bedarf gefährdet Krill-Bestände

08. September 2010 18:35

Vermeintlich unerschöpfliche Ressource ist regional unterschiedlich verteilt - und das Hauptfanggebiet ist begrenzt

Oslo/Hamburg - Er zählt zu den größten Proteinquellen der Welt, auch wenn er es als Individuum höchstens auf sechs Zentimeter Körperlänge bringt: Der Antarktische Krill (Euphausia superba) ist ein Krebstier, das in den Gewässern rund um den Südpol gigantische Schwärme bildet. Als zweite Stufe der Nahrungspyramide lebt Krill von pflanzlichem Plankton und bildet seinerseits die Nahrungsgrundlage für zahllose Spezies: von Kopffüßern bis zu Bartenwalen. Seine ökologische Bedeutung ist daher immens.

Nun warnen Ökologen aber davor, dass der Druck der globalen Fischindustrie dem Krill stark zusetzen könnte. "Krill spielt in der weltweiten Aquakultur eine immer größere Rolle", so Meeresbiologe Volker Siegel vom Hamburger Institut für Seefischerei. Gefangen wird Krill, um daraus Fischmehl zu gewinnen, das in den weltweit zunehmenden Aquakulturen verfüttert wird. Fischmehl aus Krill ist hochwertiger als jenes, das aus anderen Spezies gewonnen wird.

Zahlen und Verteilungen

Das Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) hat die jährliche Fangmenge des Krills mit 3,47 Millionen Tonnen festgelegt. Derzeit werden rund 150.000 Tonnen gefischt - das klingt wenig angesichts eines geschätzten weltweiten Gesamtvolumens von etwa 60 Millionen Tonnen Krill.

Der Teufel steckt aber wie immer im Detail - denn die Bestände der vermeintlich unerschöpflichen Ressource sind nicht überall gleich hoch. "Das größte Problem dabei ist, dass die tatsächliche Krill-Fischerei nur ein relativ kleines Fanggebiet im Südwest-Atlantik umfasst. Dort kann es daher zu einem überproportionalen Rückgang von Krill kommen", erklärt der Experte. "Der Antarktische Krill kann bis zu sechs Jahre alt werden und wird erst mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif." Das mache ihn anfälliger gegen Überfischung als bisher angenommen. Siegel sieht einen Ausweg darin, dass in bestimmten Zonen Krill-Fischerei in kleinem Rahmen erlaubt werden sollte. "Das wäre wesentlich klüger als ein ozean-weites Limit", erklärt der Experte.

Die Klimaänderung ist ein zweites Problem für die kleinen Krebse, die zum Überleben das kalte Wasser und die Eisschollen brauchen. Daten deuten daraufhin, dass die Meeres-Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Abnahme der Bestände geführt hat. (pte/red)

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10 Postings
M L3
09.09.2010 14:15
Ist doch gut, daß nur ein kleines Gebiet befischt wird

Dann können sich die Bestände überall anders halten. Ansonsten kann man ja den Walfang wieder erlauben, dann bleibt mehr Krill für den Menschen. :-)

Carcharodon
 
10.09.2010 10:36
Weniger Wale = mehr Krill ...

... ist ein Irrtum.
Bartenwale ka**en jede Menge gut bioverfügbares Eisen, dadurch wächst mehr Phytoplankton = mehr Krill. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf, den wir leider schon vor Jahrzehnten empfindlich gestört haben.

Timon Jakli
09.09.2010 13:02
Dafür, dass Aquakulturen...

...jahrelang als Lösung der Bestandsprobleme bei Meeresfisch gepriesen wurden, sieht die Lage mittlerweile schlecht aus. Die Zucht von Raubfischen ist nicht nachhaltig und bringt Produkte minderer Qualität. Das weiß jeder, der einmal einen wild gefangenen Wolfsbarsch/eine wild gefangene Brasse gegessen hat !

Hier ein interessanter Artikel zum Thema Fischmehlproduktion: http://www.fisch-gruber.at/2007/11/2... sionskurs/

halvar van flake
09.09.2010 17:49
nur ein kleiner teil des fischmehls landet in aquakulturen.

der überwiegende teil wird bei der geflügel und schweinemast eingesetzt.

Advaita0
08.09.2010 22:48
Nicht nur als Fischfutter, sondern aus als Omega3-Lieferant ist Krill gefährdet

TanteMitzi
08.09.2010 20:43

die Fischzucht in den Aquakulturen ist problematisch. Abgesehen von der Wasserverschmutzung und den Krankheiten wird das Fischfutter nach wie vor im Meer gefangen (und zu Fischmehl verarbeitet).

Cyber Motzer
08.09.2010 19:41
und wieso wird der Beifang

beim Fischen nicht zu Fischmehl verarbeitet ??? Weil kein Platz am Boot ist ???

J R
08.09.2010 19:38

der Mensch frisst den Planeten kahl, ein WK3 mit einigen Milliarden Toten wäre wohl ganz gut für die Erde.

ji
08.09.2010 23:36

Dabei könnte sich die Menschheit die Waage halten. Nur die halbe Welt f**kt sinnlos durch die Gegend, so dass Kinder über Kinder entstehen. Klingt hart, ist aber so und trägt dazu bei …

Aber die Natur wirds schon richten. Früher sind bei Naturkatastrophen 100 Menschen umgekommen, heute kommen 100.000, weil überall Menschen leben.

patrese ricardo
08.09.2010 23:14
Das denke ich mir auch schon schön langsam

Ich hoffe, dass dabei genug Tiere und Pflanzen überleben !!!

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