Europa

Marktbreite und Metall­preise bestätigen Aufwärtstrend

03. September 2010 15:54

Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Der Stoxx 600 konnte in der vergangenen Woche um 3,5% auf 258 Punkte zulegen. Automobil- und Rohstofffirmen profitierten am stärksten von der Hausse. Alle 19 Sektoren konnten Zugewinne verbuchen. An den Rohstoffmärkten zeigten Kupfer und Aluminium mit einem Preisanstieg von 5% abermals relative Stärke zum Aktienmarkt und unterstützen damit den mittelfristigen Aufwärtstrend. Lediglich der Ölpreis konnte mit einem Plus von 0,4% auf USD 74,8 den positiven Trend nur teilweise bestätigen. 10-jährigen Bunds sanken um 13 Basispunkte auf eine Rendite von nun 2,25%.

Die Erzeugerpreise in der Eurozone stiegen im Juli um 0,2% im Vergleich zum Juni. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,3%. Im Jahresvergleich legte der Indikator um 4% zu, was genau den Erwartungen entsprach. Hier setzte sich ein deutlich erkennbarer Aufwärtstrend fort. Der Geschäftsklima-Index der Eurozone konnte im Auguste ein Plus von 0,61% verbuchen. Damit verfehlte er die Erwartungen eines Anstiegs um 0,7% nur knapp. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone verharrte im Juli auf 10%. Dies entsprach exakt den Erwartungen und den Zahlen der vergangenen vier Monate.

Die deutschen Einzelhandelsumsätze im Juli sanken im Vergleich zum Juni unerwartet um 0,3%. Experten rechneten mit einem Anstieg von einem halben Prozent. Im Jahresvergleich legte der Indikator um 0,8% zu, was dem erwarteten Wert von 1,2% nicht entsprach. Überraschen konnten die italienischen Einzelhandelsumsätze im Juni. Im Monatsvergleich übertraf man die Erwartungen mit einem tatsächlichen Wert von +0,3% leicht. Auf Sicht eines Jahres stiegen die Umsätze um 0,5% bei einem erwarteten Rückgang von 0,45%.

Am Donnerstagabend gab der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen bekannt, dass man sich über die Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt geeinigt habe. Bei einem Treffen in London hat das Vermieterkonsortium Highstreet den neu ausgehandelten Mietverträgen zugestimmt. Bei den 25.000 Karstadt Beschäftigten trat dadurch große Erleichterung ein.

Nach langen Verhandlungen ist nun beschlossen, dass der Halbleiterkonzern Infineon seine Handychipsparte für EUR 1,1 Euro an den Chipgiganten Intel verkauft. Die Transaktion soll bis Ende März abgewickelt werden. Damit geht nach der Ausgliederung der Speicherchiptochter Qimonda und dem Verkauf die Wireline- Sparte der Ausverkauf bei Infineon weiter. Mit einer Marktkapitalisierung von EUR 5 Mrd. ist man US-Medien zufolge schon "extrem anfällig für feindliche Übernahmeangebote".

Der französische Konzern Hermes berichtete von einem Anstieg des Nettogewinns um 55% auf EUR 195 Millionen für das erste Halbjahr. Verantwortlich hierfür ist hauptsächlich die steigende Nachfrage von Touristen aus Schwellenländern. So hat man auch die Umsatzprognose anheben können, von zuvor 5% auf nun 10-12%.

Vinci hat im ersten Halbjahr seinen Nettogewinn um 2% auf EUR 703 Mio. gesteigert. Besonders der Zukauf der im April übernommenen technischen Dienstleister Cegelec trug zu dem positiven Ergebnis bei. Das operative Ergebnis stieg um 4,8%. Für das Gesamtjahr geht Vinci weiterhin von einem Plus beim Gruppenumsatz von rund 5% aus. Die Aktie legte im laufe der Woche um 5% zu. Schlechter lief es für Konkurrent Bouygues. Der Konzern hat im ersten Halbjahr vor allem wegen einer Schwäche im Baugeschäft weniger verdient. Der Nettogewinn ging um 3% auf EUR 532 Mio. zurück. Bouygues setzte zudem 1% weniger um. Für das Gesamtjahr heben die Franzosen ihr Umsatzziel von 30,1 Milliarden auf 30,4 Milliarden Euro an - das sind aber immer noch rund 3% weniger als 2009. Die Aktie gab dies Woche um 1% nach.

Nicht Rund läuft es weiterhin im italienischen Finanzsektor. Intesa Sanpaolo, Banco Populare dell' Emillia und Unione de Banche Italiiane blieben mit den Gewinnen pro Aktie klar hinter den Erwartungen zurück. Auch in Griechenland hat die National Bank of Greece die Erwartungen verfehlt. Der Gewinn sank um 68% auf EUR 125 Mio. Die Börse stört das aber nicht, denn die Anleger schwelgen in Fusionsfantasien. Schon seit Wochen mahnen Finanzminister und Zentralbankchef die Banker Fusionen ins Auge zu fassen um die Krise zu überstehen. Die Aktie legte diese Woche über 6% zu.

In der kommenden Woche werden keine großen Unternehmen des Stoxx 600 Zahlen vorlegen. Auch auf der Makroseite ist die die Agenda kurz. Einzig die Zahlen des Sentix Investoren Index für die Eurozone könnten am Montag für Impulse sorgen. Wir erwarten dass sich der positive Trend bis zum wichtigen Widerstand im Stoxx 600 bei 265 Punkten fortsetzen wird.

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