USA

Mergermania an der Wall Street

03. September 2010 15:51

Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die US-Börsen gehen mit deutlichen Aufschlägen aus einer turbulenten Handelswoche. Äußerungen von Fed Chef Bernanke sowie überraschend positive Konjunkturdaten aus China sorgten für Kursaufschläge an der Wall Street. Ben Bernanke bestätigte bei seiner Ansprache in Jackson Hole einmal mehr, dass man um jeden Preis weiter reflationieren werde. Die Gefahr einer Deflation schätzt er als gering ein, man werde alles tun, um eine deflationäre Abwärtsspirale nach japanischer Art zu verhindern. Zudem kündigte er an neue "unkonventionelle Maßnahmen" zu präsentieren, sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben.

Der S&P gewinnt 4,1% auf 1.090 und kann somit die immanent wichtige 1.040 Punktemarke verteidigen. Der Dow Jones steigt wieder über 10.000 und handelt 3,35% fester, der Nasdaq Composite gewinnt 3,84% auf 2.200. Öl handelt 2,17% fester bei 74 je Barrel, Gold steigt 1,29% auf 1.252 und damit fast ein neues Allzeithoch.

Das BIP für das 2. Quartal wurde nach unten revidiert. Das reale BIP stieg um 1,6%, vorher waren noch 2,4% ausgewiesen. Der ISM Index des Verarbeitenden Gewerbes hat sich unerwartet deutlich erhöht, er stieg von 55,5 auf 56,3 Zähler. Der Konsens war von einem Rückgang auf 52,9 Punkte ausgegangen. Die Bauausgaben verringerten sich auf Jahressicht um 1%, gegenüber dem Vormonat lag ein Minus von 10,7% vor. Laut Case-Shiller Hauspreisindex sind die Häuserpreise im Vormonat um 1% gestiegen. Der quartalsweise Index stieg 4,8% im Vergleich zum Vorjahreswert. Allerdings spiegeln die Zahlen noch nicht den Umstand wider, dass die Steuergutschriften nun ausgelaufen sind.

Intel gab einen enttäuschenden Ausblick. Man rechnet nun mit einem Quartalsumsatz von USD 11 Mrd., zuvor hatte man noch USD 12 Mrd. erwartet. Die PC-Industrie entwickle sich deutlich schwächer als erwartet. Um unabhängiger vom PC-Zyklus zu werden, hat man nun die Mobilfunksparte von Infineon für USD 1,4 Mrd. gekauft. Generell dürfte der Smartphone-Markt weiterhin robustes Wachstum ausweisen. Im 1. Halbjahr wuchs der Sektor um mehr als 50%, es wurden insgesamt 118,3 Millionen Smartphones weltweit abgesetzt. Bis 2014 sollen lt. ABI Research 400 Millionen Einheiten pro Jahr abgesetzt werden. Dies dürften recht konservative Annahmen sein, so geht der Industriedienst Frost & Sullivan von 500 Millionen Smartphones bis 2015 allein in der Asia-Pazifik-Region aus.

Die Übernahmeschlacht um 3PAR dürfte nun zu Ende gehen. Nachdem Dell das Angebot auf USD 30 erhöht hatte, legte HP noch ein Schäuferl nach und bot USD 33 je 3Par-Aktie. Dell hat sich nun aus dem Übernahmekampf zurückgezogen, HP zahlt insgesamt USD 2,4 Mrd. für den Entwickler von Cloud-Computing Systemen. Die Bewertung von 3PAR ist mehr als ambitioniert, derzeit wird sie mit dem 10fachen erwarteten Jahresumsatz bewertet, seit dem IPO 2007 befindet man sich in der Verlustzone. Das 1. Angebot von Dell lag übrigens bei USD 18. Im S&P machte Lincoln National einen Kurssprung von 16,2%. Lt. MarketWatch ist der kanadische Versicherer Manulife Financial an einer Übernahme interessiert, es wird ein Kaufpreis von USD 32 kolportiert. Genzyme hat das Angebot von Sanofi-Aventis in Höhe von USD 69 je Aktie zurückgewiesen, lt. Genzyme spiegelt das Angebot nicht die Wachstumsphantasie und die prall gefüllte Produktpipeline wider. Genzyme erwarte mindestens USD 80 je Aktie. Auch ein feindliches Angebot von Sanofi könnte nun bevorstehen. Burger King wird vom Finanzinvestor 3G Capital für USD 24 je Aktie bzw. insgesamt USD 4
Mrd. gekauft. Der weltweit zweitgrößten Fastfood-Kette hat die Krise deutlich stärker zugesetzt als Marktführer McDonald's. Auch im Goldsektor geht die Mergermania weiter. Goldcorp übernimmt Andean Resources für USD 3,4 Mrd. und übertrifft somit das Angebot von Eldorado Gold.

3M meldete indes die Übernahme von Cogent für USD 10,5 je Aktie, das Gesamtvolumen beläuft sich auf knapp USD 1 Mrd. Cogent ist Spezialist für biometrische Kontrollsysteme wie zB. Fingerabdrucklesegeräte. Zudem werde man die israelische Attenti Holdings für USD 230 Mio. in Bar übernehmen. Der in Tel Aviv ansässige Konzern stellt Fußfesseln her, die zur Überwachung von Häftlingen dienen. Deere hat sich indes von der Windkraftsparte Johne Deere Renewables getrennt. Man hat die Tochter an den Energieversorger Exelon für USD 900 Mio. verkauft.

Apple hat bei der mit Spannung erwarteten Produktpräsentation neue Modelle des iPods präsentiert. Der neue iPod Touch hat nun 2 Kameras und ein hochauflösendes Display. Auch ein Update des Betriebssystems OS sowie von Apple TV präsentierte Steve Jobs. Dabei wird man nun mit Netflix zusammenarbeiten. Zuletzt kostete Apple TV noch USD 249, nun werde man den Preis auf USD 99 senken. Amazon plant indes ebenfalls den Markteintritt ins TVGeschäft. Man arbeite an einem kostenpflichtigen Internet-Kanal für Filme und TV-Serien.

Die Auto-Absatzzahlen für August fielen erwartungsgemäß enttäuschend aus, in erster Linie dürfte dies auf den Einmaleffekt von „cash for clunkers" zurückzuführen sein. Ford setzte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 10,7% weniger ab, General Motors um 24,9% weniger. Bei Toyota belief sich das Minus sogar auf 34%, auch Honda (-33%) und Nissan (-27%) verkauften deutlich weniger. Einzig Chrysler konnte im Vergleich zum Vorjahr 7% mehr Fahrzeuge absetzen. Dies war aber weniger auf die gute Performance heuer, als auf die desaströsen Absatzzahlen im Vorjahr zurückzuführen.

Die Liste der Wochengewinner an der Nasdaq führt JoyGlobal mit einem Plus von 16% an. Die Auftragseingänge stiegen um 51% auf USD 973 Mio., die Gewinnprognose wurde deutlich nach oben revidiert. Del Monte Foods konnte Erlöse und Gewinn geringfügig, jedoch deutlich stärker als vom Konsens prognostiziert, steigern. Die Umsätze stiegen um 1,1% auf USD 804 Mio., der Nettogewinn stieg von USD 58,6 Mio. auf 59,4 Mio. Boeing hat das Auslieferungsdatum für das Großprojekt Dreamliner 787 erneut nach hinten verschoben, man rechnet nun mit der ersten Maschine im Q1 2011. Zudem gab man bekannt, Air China habe 15 Maschinen vom Modell 787-9 bestellt.

In der nächsten Handelswoche werden kaum relevante Unternehmens- oder Konjunkturzahlen gemeldet. Die Handelsvolumina sollten nun nach dem Labor Day am Montag endlich wieder anziehen. Generell hat sich unsere kurzfristige Markteinschätzung deutlich aufgehellt. Nachdem die 1.040 im S&P eindrucksvoll verteidigt werden konnte, hat sich die technische Verfassung des US-Marktes eindeutig verbessert. Das Sentiment spricht weiterhin für eine positive Entwicklung. In der wöchentlichen US-Fondsmanager-Umfrage (NAAIM-Index) zeigte sich nur eine marginale Verbesserung der Einschätzung, die überwiegend bearishe Stimmung spricht eindeutig für eine Erholung an den Märkten. Der neue Monat dürfte jedoch turbulent und volatil werden, September weist saisonal betrachtet die klar negativste Performance aus, zudem ist die Volatilität überdurchschnittlich hoch. Das Verhältnis zwischen XAU-Index (Philadelphie Gold&Silver Index) und dem S&P stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit 1996 und belegt somit die eindrucksvolle Outperformance der von uns favorisierten Goldaktien.

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