"nu" feiert Zehn-Jahr-Jubiläum - Von Thomas Trenkler
Im Editorial zur 40. Ausgabe der jüdischen Kulturzeitschrift Nu stellt Mitbegründer Peter Menasse nicht ohne Stolz fest, dass im Laufe der letzten zehn Jahre "aus einem ambitionierten Amateurprodukt ein professionell gemachtes Medium geworden" sei, für das viele renommierte Journalisten - von Danielle Spera über Petra Stuiber bis Rainer Nowak und Georg Markus - schreiben.
Nun ja: Nu ist in der Tat hoch professionell gemacht. Ein Liebhaberprojekt ist die Zeitschrift, für die Peter Rigaud tolle Fotos beisteuert, aber weiterhin: Keiner der Autoren bekommt ein Honorar. Das geht nur, weil die Protagonisten - darunter Barbara Tóth, die stellvertretende Nu-Chefredakteurin - ihr Geld woanders verdienen.
Am Donnerstag lud Herausgeber Erwin Javor anlässlich des Jubiläums zu einem Fest ein. Es war ein gelungener Abend. Abgesehen von der unerträglichen Wahlkampfrede des SP-Kulturstadtrates, der sich selbst eingeladen hatte: Andreas Mailath-Pokorny sagte im Prinzip das Gleiche wie am Tag zuvor bei der Premiere des Films Gypsy Spirit.
Dass dessen mahnende Worte über den Fremdenhass nur geheuchelt sind, machte Johanna Rachinger, die Chefin der Nationalbibliothek, in ihrer Festrede deutlich: Sie wies darauf hin, dass die Sozialdemokraten es voll Okay finden, den Wiener Ring weiterhin nach einem antisemitischen Bürgermeister Lueger zu nennen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)