Mailaths hohle Worte

03. September 2010 17:14

"nu" feiert Zehn-Jahr-Jubiläum - Von Thomas Trenkler

Im Editorial zur 40. Ausgabe der jüdischen Kulturzeitschrift Nu stellt Mitbegründer Peter Menasse nicht ohne Stolz fest, dass im Laufe der letzten zehn Jahre "aus einem ambitionierten Amateurprodukt ein professionell gemachtes Medium geworden" sei, für das viele renommierte Journalisten - von Danielle Spera über Petra Stuiber bis Rainer Nowak und Georg Markus - schreiben.

Nun ja: Nu ist in der Tat hoch professionell gemacht. Ein Liebhaberprojekt ist die Zeitschrift, für die Peter Rigaud tolle Fotos beisteuert, aber weiterhin: Keiner der Autoren bekommt ein Honorar. Das geht nur, weil die Protagonisten - darunter Barbara Tóth, die stellvertretende Nu-Chefredakteurin - ihr Geld woanders verdienen.

Am Donnerstag lud Herausgeber Erwin Javor anlässlich des Jubiläums zu einem Fest ein. Es war ein gelungener Abend. Abgesehen von der unerträglichen Wahlkampfrede des SP-Kulturstadtrates, der sich selbst eingeladen hatte: Andreas Mailath-Pokorny sagte im Prinzip das Gleiche wie am Tag zuvor bei der Premiere des Films Gypsy Spirit.

Dass dessen mahnende Worte über den Fremdenhass nur geheuchelt sind, machte Johanna Rachinger, die Chefin der Nationalbibliothek, in ihrer Festrede deutlich: Sie wies darauf hin, dass die Sozialdemokraten es voll Okay finden, den Wiener Ring weiterhin nach einem antisemitischen Bürgermeister Lueger zu nennen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)

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22 Postings
Albert Ottenbacher
12.02.2012 10:45
Antisemitismus in der Sozialdemokratie

"Die Sozialdemokratie versuchte aufzuzeigen, dass die Christlichsozialen nur etwas gegen die 'kleinen' Juden hätten, dass aber das sogenannte jüdische Großkapital verschont bliebe. Als einzig wahren und schlagkräftigen Gegner der sogenannten jüdischen Hochfinanz positionierten sich die Sozialdemokraten. Sie machten sich damit eine Ideologie zu eigen, die an sich von der rechten Seite schon Jahrzehnte zuvor befördert wurde. Indem der 'jüdische Geist' mit dem Kapitalismus gleichgesetzt wurde."

Raphael Sternfeld, Antisemitismus in der Sozialdemokratie, Wien 2005, S. 35

Albert Ottenbacher
05.07.2011 21:44
Abgründe

"Lueger ist ein Antisemit. Aber niemals hat er gesagt, was er mit den Juden überhaupt machen wolle, wie die Frage, die er den Allzuvielen als die wichtigste und dringendste einredete, zu lösen er sich vorstelle. Er 'bekämpft' nur die Juden, das heißt der Kampf wird nicht zu einem Zwecke geführt, er ist Selbstzweck, er entartet zur Demagogie. Die Demagogie verträgt eben keine bestimmte, scharf umrissene Absicht und Ansicht; sie gedeiht nur im Dunklen, wo alles verschwommen, unbestimmt, unklar ist. Lueger will die Juden weder austreiben, noch ihnen die bürgerliche Gleichberechtigung entziehen, er 'bekämpft' sie eben nur.

Fritz Austerlitz (Wien), Karl Lueger, Die neue Zeit, Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie , Stuttgart 1901, S. 43

Albert Ottenbacher
16.06.2011 16:51
Dr. Lueger gegen jüdische Journalisten

"Die Haupterzeugerin des Antisemitismus war die sogenannte judenliberale Presse (Sehr richtig ! auf der äußersten Linken), die Verworfenheit derselben, ihr verderblicher Einfluß und ihr ungeheurer Terrorismus ( Sehr richtig ! auf der äußersten Linken) mußte in dem Volke, welches noch nicht ganz verkommen ist, eine Bewegung dagegen erzeugen."

Der Abgeordnete ist sicher : "so hat die gegen den Journalismus gerichtete Bewegung naturnotwendig den Charater des Antisemitismus beinahe annehmen müssen."

Stenographische Protokolle - Abgeordnetenhaus, 364. Sitzung der X. Session am 13.2.1890, S. 13388

http://alex.onb.ac.at/cgi-conte... 388&zoom=2

Albert Ottenbacher
09.06.2011 09:17
"Kulturförderung und Terror"

Vielleicht nicht so gemeint - von Christian Schachinger

unter

http://derstandard.at/128182957... usi-spielt

Albert Ottenbacher
21.05.2011 09:14
Lueger voll okay ?

Über eine verzweifelte Uni - Initative, Online - Sitzungsprotokolle aus dem Reichsrat, Korrespondentenberichte der New York Times von 1895 und mehr zur aktuellen Verehrung :

http://www.fm5.at/Dr.%20Kar... 20Richter/

Albert Ottenbacher
16.05.2011 09:20
Lueger im Volksmund

"Im Juni 2011 feiert die Luegerkirche, wie sie im Volksmund genannt wird, ihr 100jähriges Bestehen."

http://www.friedhoefewien.at/fhw/ep/co... ntId/26117

Unvorstellbar, wie die öffentliche Hand monopolistisch historisches Gedenken und Gedenkpolitik gestaltet und programmiert.

Albert Ottenbacher
01.05.2011 11:54
Kulturbericht

"In Arthur Schnitzlers Professor Bernhardi sagt der Hofrat Dr. Winkler aus dem Unterrichtsressort, der die Sympathien seines Autors hat, den berühmten Satz, dass man als Beamter nur die Wahl hat, Anarchist zu sein oder Trottel."

Hubert Christian Ehalt, MA 7 Kulturabteilung, Das Geheimnis der Wiener Lebensqualität

http://www.wien.gv.at/kultur/ab... ht2008.pdf

Hofrat Dr. Winkler sagt aber auch zu Professor Bernhardi :

"Aber Herr Professor, was fallt Ihnen denn ein? Vom Rechthaben ist noch keiner populär geworden. Nur wenn es irgendeiner politischen Partei in den Kram paßt, daß er recht hat, dann passiert ihm das. Und nebenbei, Herr Professor, ist das ja nur eine Einbildung von Ihnen, daß Sie recht gehabt haben."

Albert Ottenbacher
28.04.2011 11:43
"Professor Bernhardi" von Arthur Schnitzler, Burgtheater, Dr. - Karl - Lueger - Ring 2

Ein "Meisterwerk zum Antisemitismus im Lueger - Wien" bemerkt die Tiroler Tageszeitung. Aber : "was vor dem Ersten Weltkrieg noch zum Skandal taugte, wird von der Medien- und Internetgesellschaft einfach so aufgesaugt" bemängelt das Deutschlandradio.

Ist dem Rezensenten nicht die Adresse aufgefallen, unter der die Aufführung stattfindet ?

Albert Ottenbacher
27.04.2011 12:11
Eugenie Goldstern und das Lueger - Wien

Die Wiener Magistratsabteilung 8 weiß über den früheren Bürgermeister Dr. Karl Lueger Bescheid. Das Stadt- und Landesarchiv stellt fest : "Objektiv betrachtet wirkte er sicher verstärkend auf den Antisemitismus. Neben Schönerer wurde er zu einer Schlüsselfigur für die Wandlung Adolf Hitlers zum Antisemiten."

http://www.wien.gv.at/kultur/ar... nnung.html

Wäre eine kleine Gedenktafel und dauernde Ausstellung für die Forscherin Eugenie Goldstern in der Josefstadt nicht das passende Gegenstück zum pompösen Lueger - Kult in der Inneren Stadt und in Simmering ?

Mit ethnologischer Begleitung könnte in beiden Fällen Übersehenes, stillschweigend Übergangenes, immer noch Peinliches aufgearbeitet werden.

Albert Ottenbacher
26.04.2011 16:11
Dreifache Lueger - Verehrung

Drei Orte in Wien, der Ring am Burgtheater und bei der Universität, der Platz an der Stubenbastei und die gewaltige Kirche am Zentralfriedhof sind demselben Dr. Lueger gewidmet.

"Dass die Universität von Wien, die moralische Instanz, an einem Teil der Ringstraße liegt, die nach dem Antisemiten Karl Lueger benannt wurde, ist nicht zu akzeptieren. Dieser ehemalige Wiener Bürgermeister hat Hitler erst gezeigt, dass man mit Antisemitismus Wahlen gewinnen kann."

http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Kandel

Schlechte Zeiten, wenn an Werk und Schicksal der Wiener Ethnologin Eugenie Goldstern an ihrer Wirkungsstätte im Volkskundemuseum erinnert werden soll.

Schafft "Professor Bernhardi" vereint mit Nobelpreisträger Kandel ein neues Bewußtsein ?

Albert Ottenbacher
24.04.2011 12:38
Im Zentrum des Zentralfriedhofs

"Den Mittelpunkt des Friedhofes bildet die Lueger-Gedächtniskirche. Ein Zentralbau aus dem Jahre 1911 in secessionistischem Stil, von Max Hegele, einem Mitarbeiter Otto Wagners, erbaut und zu Ehren des in ihr beigesetzten Bürgermeisters Lueger Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche genannt. Die Lueger-Kirche gilt als eines der wichtigsten Jugendstilgebäude Wiens. Vor diesem Zentralbau befindet sich die Gruft der Bundespräsidenten der 2. Republik."

http://www.zentralfriedhof.at/html/der_... edhof.html

Albert Ottenbacher
24.04.2011 09:08
Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche

Dr.-K.-Lueger-Ged.K., Hl. Karl Borromäus (Kirche)
Kirchennummer: 9091

http://www.erzdioezese-wien.at/edw/organ... /St._Lukas

In der Hauptkapelle, direkt unter dem Hauptaltar gelegen, befindet sich die Gruft von Karl Lueger. Der 1910 verstorbene Bürgermeister wurde nach seiner provisorischen Bestattung im Familiengrab in der Unterkirche beigesetzt. Damals erhielt die Kirche auch den Beinamen "Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche".

http://www.friedhoefewien.at/fhw/ep/pr... peId/13572

Albert Ottenbacher
23.04.2011 19:24

Nach der Einsegnung durch Kardinal Schönborn wird der Verstorbene an der "Hauptstraße" des Zentralfriedhofs begraben, "welche den Haupteingang mit der Lueger- Gedächtniskirche verbindet."

http://www.krone.at/Nachricht... ory-119366

Albert Ottenbacher
23.04.2011 11:11
hofburg.at

Die Beisetzungsfeierlichkeiten beginnen mit einem "Gottesdienst in der Dr. Karl Lueger-Gedächtniskirche."

http://www.hofburg.at/show_cont... ?s2id=1447

Albert Ottenbacher
21.04.2011 08:17

Magistratsabteilung 7 - Kultur, Wien 3. 9. 2010, MA 7 - 4700/10, GKU - 868/10

"Was die Errichtung einer Gedenktafel für Eugenie Goldstern betrifft, ist die Sachlage schwieriger. Da ist die Kulturabteilung der Stadt Wien nicht verantwortlich und handlungsfähig, und das ist auch gut so: Stellen Sie sich vor, die öffentliche Hand würde monopolistisch historisches Gedenken und Gedenkpolitik gestalten und programmieren. Was dann geschieht, haben die Nazis, die Stalinisten, Kim Il-sung et al,vorgeführt."

Für den Abteilungsleiter: Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, Obersenatsrat

Albert Ottenbacher
21.02.2011 09:51
Populär

Die "Lueger Kirche" in "Peter-Alexander-Kirche" umbenennen !

Ottenbacher
03.10.2010 19:59
Lueger-Kirche

- und die Lueger-Kirche als Förderungsbeispiel des Wiener Altstadterhaltungsfonds ?

http://www.wien.gv.at/kultur/ab... irche.html

hulkjr
22.09.2010 09:25
luegerring in Sigmund Freud Ring umbenennen

guzo
06.09.2010 16:52
Herzliche Gratulation

diesem ausgezeichneten, ambitionierten und äußerst niveauvollen Projekt! Ich freue mich schon auf die nächsten 40 Ausgaben. (Natürlich nicht auf einmal;-)

ich werde trotz allem grün wählen!
05.09.2010 22:28

ich speib mich an.

Brandy Ortner
04.09.2010 20:33
Der wiener Kulturstadtrat ist geradzu

ein Symbol der Unsinnigkeit von Parteipolitk.

Da wo man einen guten, der Sache vertrauten und dienenden Mann sitzen hat, mit dem alle Beteiligten weitestgehend zufrieden sind, der was kann und enorm viel leistet - muss nach einer Wahl einer hingesetzt werden, welchem man unterstellen kann dass er weder an der Sache noch an der Politik interessiert ist und der den Eindruck erweckt dass er eben jeweils jener Partei zugehörig wäre, welche ihm das jeweilige Amt und damit die dazugehörigen Bezüge garantiert.
Wahrlich wäre M.P bei den arisicats der ÖVP besser untergebracht als bei den Prolos.
Ein Wechsel in die Bundespolitik und zu den Schwarzen wäre das einzig ehrliche was dem Mann unbedingt zu empfehlen wäre.

Ignaz Hronek
03.09.2010 18:30
Ach ...

"Dass dessen mahnende Worte über den Fremdenhass nur geheuchelt sind, [...] den Wiener Ring weiterhin nach einem antisemitischen SP-Bürgermeister zu nennen."

Diese Causalität erschließt sich mir nicht (und das hohle Pathos aller Betroffenheitsprosa ist genauso eklig wie das, was es anprangert).
Auch ist nicht der "Wiener Ring" nach Lueger benannt, sondern nur ein Stück davon. Und Wien, historisch (und wohl auch aktuell), ist eben nicht nur edle Einfalt und stille Größe und durchaus treffend gekennzeichnet mit Straßennamen nach so Widerlingen wie Lueger (der ja nicht nur Antisemit war). Wien, ein schauriger Sumpf und eine wunderbare Stadt.

Mailaths Wiener Kulturpolitik ist viel grundsätzlicher zu kritisieren. Hohle Worte? Nebbich.

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