"24. Salzburger Comic- und Figurenbörse" am Sonntag
Die Comics entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Kein Zufall, dass die populären Bildergeschichten ihren Ursprung im amerikanischen Melting Pot der Einwanderer mit oft nur rudimentären Englischkenntnissen haben, dementsprechend radebrechten die ersten Comicfiguren in dialektaler Färbung und jenseits der Grammatikregeln. Nicht immer und überall wurden den Heftchen volksbildnerische Eigenschaften nachgesagt. Im Gegenteil: Hierzulande galten Comics in den 1950er- und 1960er-Jahren als wahres Teufelszeug, Populärkultur und kleinbildungsbürgerliches Kulturestablishment prallten damals mit Karacho aufeinander.
Neben den Groschenromanen und Spielfilmen zielten die Moralwächter vor allem auf Bildergeschichtchen in Heftform - allesamt als Schmutz und Schund und somit Beitrag "zur weiteren Verpestung der Jugendseele und Volksgesundheit" (Originalzitat) abqualifiziert. Dabei hatten etwa die Macher von Fix und Foxi ohnehin schon dagegengesteuert: In der nach Micky Maus zweitältesten deutschen Comicheft-Serie (ab 1953) von Rolf Kauka sind die Protagonisten, zwei Fuchsbuben, vor allem brav, angepasst, fleißig und diszipliniert. Schadenfreude empfinden die beiden Moralhüter, wenn sie Gegenspieler Lupo, einen arbeitsscheuen Gammler in Wolfsgestalt, hereinlegen.
Wer sich aber dennoch fröhlich verpesten und verderben ließ bzw. diese "Abartigkeiten" geerbt hat - viel wertvolles Material wurde seinerzeit ja leider von Eltern und Erziehungsberechtigten verheizt -, der ist am Sonntag bei der "24. Salzburger Comic- und Figurenbörse" am richtigen Ort. Insbesondere die schmalen Heftchen im Piccoloformat erzielen heute hohe Preise: Akim, Tibor, Prinz Eisenherz, Sigurd oder Bessy heißen die Helden des Kinderfaschings. Aber auch Freunde von neueren und anspruchsvollen Graphic Novels wie jenen von Art Spiegelman, Robert Crumb, Frank Miller oder Alan Moore, die längst ernsthaft auf den Feuilletonseiten diskutiert werden, können hier fündig werden.
Noch: Denn obwohl etwa Mangas oder die Disney-Dauerbrenner wie Micky Maus bis heute gern gekauft werden, werden neue Comics immer öfter via Internet verbreitet. (dog/ DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)
5. 9.: Salzburg, Antoniussaal (Kirchenstraße 34), Freier Eintritt, 10.00-15.00