Bürobauten: Eine außergewöhnliche Architektur macht schon mal 50 Prozent der Corporate Identity aus
Das erklärt Michael Pachleitner, Geschäftsführer der Pachleitner Group, im Gespräch mit Wojciech Czaja.
Standard: Die meisten Unternehmen drängt es in die Innenstadt. Sie sind hinausgezogen an die Ausfahrtsstraße. Warum?
Pachleitner: Die Liegenschaft liegt noch zur Hälfte im Bezirk Jakomini. Wenn man auf dem Dach steht, sieht man, dass sich die Stadt noch sehr weit in den Süden erstreckt. Wir haben unterschiedliche Standorte untersucht, auch solche, die noch ein bisschen zentrumsnäher waren. Durch die gute Verkehrsanbindung war für uns jedoch klar, dass wir uns hier an der Liebenauer Tangente ansiedeln wollen.
Standard: Inwiefern profitieren Sie von der Fernwirkung des Gebäudes?
Pachleitner: Der Standort ist natürlich eine gute Visitenkarte nach außen. Selbst vom Auto aus betrachtet macht das Gebäude durch seine extrem harte Fassade einen spektakulären Eindruck. Wir haben die Architektur in erster Linie für unsere Mitarbeiter und Partner entwickelt. Dass sie so gut an diese breite Einfahrtsstraße passt, hat uns dann selbst überrascht. Es ist optimal.
Standard: Extrem harte Fassade, sagen Sie. Wie passt dieses Bild zu Ihrer Unternehmensgruppe?
Pachleitner: Harte Schale, weicher Kern. Wir müssen hart sein im Außenauftritt, aber eine gute wirtschaftliche Beziehung birgt auch viel Wärme.
Standard: Welche wirtschaftlichen Vorteile erwarten Sie sich von der neuen Visitenkarte?
Pachleitner: Ich erwarte mir eine erhöhte Expansion, höhere Geschwindigkeit und mehr Aufmerksamkeit für uns, und zwar sowohl von Menschen, die bei uns arbeiten wollen, als auch von unseren Kunden.
Standard: Wie viel ist davon bereits zu spüren?
Pachleitner: In Prozent kann ich das nicht sagen, aber die Umwegrentabilität funktioniert schneller, als ich das zu glauben wagte. Seitdem wir an diesem Standort sind, hat die Zahl der Blindbewerbungen schlagartig zugenommen. Anderes Beispiel: Mit dem Umzug in dieses Gebäude haben wir einen Neukunden gewonnen, an dem wir schon seit über zwei Jahren interessiert waren.
Standard: Ein Teil des Gebäudes wird vermietet. Zu welchem Preis?
Pachleitner: Circa 30 Prozent der Gesamtnutzfläche werden fremdvermietet. Die Auslastung liegt derzeit bei 75 Prozent. Der Nettomietpreis beträgt 12,50 bis 15,50 Euro pro Quadratmeter.
Standard: Ganz allgemein: Welche Bedeutung messen Sie der Architektur im Vergleich zur gesamten Corporate Identity bei?
Pachleitner: Nach Fertigstellung unseres Projekts wesentlich mehr als zuvor! Ich habe am Anfang gedacht, dass Architektur nicht so wichtig ist. Mittlerweile kann ich sagen, dass eine außergewöhnliche Architektur wahrscheinlich an die 50 Prozent der Corporate Identity ausmacht. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.9.2010)