Heftige Turbulenzen bei webfreetv

03. September 2010 16:42

Ehemalige Vorstände und neuer Boss decken sich gegenseitig mit Klagen ein - Entscheidung über Delisting ausstehend

Wien - Die Turbulenzen um den angeschlagenen burgenländischen Multimediadienstleister webfreetv.com reißen nicht ab. Gegen das Unternehmen laufen nicht nur mehrere Verfahren der Finanzmarktaufsicht (FMA) wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen die Publizitätspflichten, sondern es ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Wien gegen ehemalige Vorstände und andere, bestätigte eine Behördensprecherin am Freitag. Nun wurde zudem bekannt, dass sich Ex-Vorstand Rudolf Fußi und sein Nachfolger Alexander Vogel gegenseitig mit Klagen eindecken wollen. Fußi möchte das Unternehmen überhaupt noch diese Woche in Konkurs schicken. Vogel sieht dem "wirklich gelassen" entgegen. "Die webfreetv ist weit ab von einem Konkursszenario", sagte er heute.

In Behördenkreisen dagegen wird bezweifelt, ob der neue Vorstand das Ruder noch umzureißen vermag. "Das Unternehmen befindet sich seit Jahren am Rande des Abgrunds", hieß es. Jetzt gehe es darum, zu klären, ob das Unternehmen überschuldet bzw. der Tatbestand der Konkursverschleppung gegeben ist.

Sechs Beschuldigte

Die Wiener Staatsanwaltschaft jedenfalls führt in der Causa schon sechs Personen als Beschuldigte, unter anderem Vogel, den einstigen Börsenguru Michael Lielacher (ehemals Aufsichtsrat und Großaktionär bei webfreetv) sowie den Ex-Vorstand Peter Merschitz. Gegen die drei Manager, für die selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, wird wegen Verdachts auf grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Betrug und betrügerische Krida ermittelt, Lielacher werde zusätzlich die Nichtbezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen vorgeworfen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde habe zu dem Fall auch ein Gutachten in Auftrag gegeben. Im Juli diesen Jahres sei dann ein weiterer Sachverständiger bestellt worden.

webfreetv.com steckt seit längerem in großen finanziellen Schwierigkeiten und stand Branchenkreisen zufolge schon mehrmals kurz vor der Pleite. Im ersten Halbjahr 2009 hatte es das Unternehmen geschafft, dass der Verlust (-405.590 Euro) den Umsatz (320.059 Euro) überstieg.

Katastrophenjahr

Die Folgen dieses "Katastrophenjahrs 2009", wie es im gestern veröffentlichten Halbjahresbericht 2010 bezeichnet wird, waren zahlreiche Rücktritte: Im September 2009 wurde das Management - bis auf Vorstand Merschitz - abberufen und der Aufsichtsrat zum Teil neu besetzt. Am 16. Oktober 2009 wurde Vogel von der com-mix.tv als zweiter Vorstand geholt. Im Mai 2010 ist dann Merschitz zurückgetreten. Auch der ehemalige webfreetv-Aufsichtsrat Christian Tomaschek, der auch bei der pleitegegangenen Riegerbank Ende der 1990er Jahre mit an Board war, hat nach nur zwei Wochen sein Vorstandsmandat zurückgelegt. Schließlich schied auch noch Georg Vetter aus dem Aufsichtsrat von webfreetv aus.

Im Kontrollgremium sitzen jetzt Christian Gruber, Alfons Helmel, Manfred Merten und Georg Schönbauer von der zum Land Burgenland gehörenden Athena Burgenland Beteiligungen AG, die laut Firmenhomepage 27,53 Prozent an webfreetv hält. Der zweite Großaktionär mit einem Anteil von 5,51 Prozent ist die Beteiligungsgesellschaft Connexio, die damals von Tomaschek vertreten worden war. Der Rest (66,96 Prozent) ist im Streubesitz.

Am 30. April 2010 gab webfreetv in einer ad-hoc-Aussendung bekannt, dass eine Optionsanleihe über 750.000 Euro bereits im März fällig gewesen wäre und dass die Veröffentlichung der Jahresbilanz 2009 verschoben werden muss. Daraufhin hat die FMA, die webfreetv schon länger wegen Nachlässigkeit bei den Transparenz- und Mitteilungspflichten im Auge hatte und mehrere Verfahren eingeleitet hat, die Wiener Börse aufgefordert, ein Delisting der webfreetv-Aktien zu prüfen.

Seit Mitte Mai sind die Papiere nun vom Handel ausgesetzt. Das entsprechende Verfahren der Wiener Börse ist immer noch nicht abgeschlossen. Die Entscheidung, ob webfreetv nun endgültig vom Kurszettel gestrichen wird oder nicht, soll "in den nächsten Wochen" fallen, hieß es am Freitag von Seiten der Börse.

Bergab

Am 2. Juli folgte die nächste Hiobsbotschaft: webfreetv gab an, akut von der Insolvenz bedroht zu sein, weil die Wiener Beteiligungsgesellschaft Connexio zugesagte 175.000 Euro zur Abwicklung der Optionsanleihe nicht überwiesen und auch alle weiteren Zahlungen eingestellt habe. Connexio begründete den Schritt damit, die geforderten Beweise für den Fortbestand des Unternehmens nicht bekommen zu haben. Daraufhin musste webfreetv die Rückzahlung der Anleihe stoppen.

Am Freitag sagte Vogel, dass er die ausgebliebene Zahlung über 175.000 Euro vorübergehend kompensieren habe können. "Es ist mir gelungen, eine Zwischenfinanzierung aus dem Aktionärskreis aufzutreiben." Von wem das Geld kam, wollte er nicht sagen, nur soviel: "Aus dem Streubesitz."

Connexio will abwarten

Die Beteiligungsgesellschaft Connexio, die ihren Anteil an webfreetv.com ursprünglich loswerden wollte, möchte jetzt "abwarten und schauen, was passiert", so das Unternehmen am Freitag. Außerdem stellte Connexio klar, dass die 175.000 Euro nicht für die Abwicklung der Optionsanleihe, sondern für ein Darlehen "für offene Verbindlichkeiten und für die Unterstützung des operativen Geschäfts" gedacht gewesen wären. Das Darlehen habe man aber dann nicht mehr als sinnvoll erachtet, da man webfreetv schon vorher als insolvenzgefährdet eingestuft habe.

Vogel will, dass der immer wieder an der Kippe zum Konkurs gestandene Internetdienstleister wieder "in ruhige Gewässer kommt" und ist zuversichtlich, bald aus den roten Zahlen zu kommen. "Das zweite Halbjahr wird uns ins Plus befördern", kündigte er an.

Die noch immer ausständige Bilanz für das Geschäftsjahr 2009 will Vogel "im Lauf der nächsten zwei bis drei Wochen" veröffentlichen, momentan liege sie noch beim Wirtschaftsprüfer. Die Zahlen werden dem Vernehmen nach tiefrot sein. Die ordentliche Hauptversammlung soll dann Vogel zufolge schon Ende September oder Anfang Oktober stattfinden.

Streit mit Fußi

Einen heftigen Disput gibt es aber noch mit Vogels Vorgänger Rudolf Fußi. Dieser hatte Strafanzeige gegen webfreetv erstattet, weil das Unternehmen laut seinen Angaben seit Herbst 2009 insolvent sei. Außerdem hat Fußi laut Eigenangaben noch Forderungen in der Höhe von rund 45.000 Euro gegenüber webfreetv. Vogel wies das am Freitag weit von sich. "Fußi ist nicht das Opfer, sondern hat mit Steinen geworfen." "Mit großem Schmunzeln" habe er deshalb die Strafanzeige aufgenommen. Zum besagten Zeitpunkt nämlich "war er verantwortlich für das Unternehmen", ätzte Vogel, der laut Eigenangaben "in meinem ganzen Leben" nichts mit Fußi zu tun hatte.

"Herr Fußi hat den ganzen Zirkus sowohl bei der FMA als auch bei der Wiener Börse ausgelöst", monierte er und kündigte seinerseits eine Strafanzeige gegen Fußi an. Vogel ortet in dem Vorgehen seines Vorgängers "verleumderische Elemente", wie er heute sagte.

Jetzt will webfreetv jedenfalls die Kommunikation mit der Wiener Börse und der FMA verbessern, wie es im Halbjahresbericht heißt. Vogel ist "hochzuversichtlich", dass die Handelsaussetzung an der Börse bald wieder aufgehoben wird. In Branchenkreisen wird das bezweifelt.

Bei der kommenden HV will sich Vogel den im Aufsichtsrats beschlossenen Erwerb des Multimediaunternehmens com-mix.tv gegen 950.000 Euro in Aktien absegnen lassen. Dass dieser Schritt, wie in Branchenkreisen kolportiert, nur erfolge, damit com-mix.tv-Geschäftsführer Michael Lielacher wieder mehr Einfluss auf webfreetv erlangt, dementierte Vogel. "Die webfreetv wird ja die com-mix übernehmen", nicht umgekehrt, so sein Argument. (APA/red)

SOWAS ABER AUCH!
05.09.2010 23:23
Wovon lebt(e) der Herr Rudolf Fußi (bisher) eigentlich?!

posta1
05.09.2010 12:15
Lielacher hat einen Vogel

Wahnsinn. Mit EU-Geldern + Steuergeld aus dem Burgenland werden Häfnbruder Lielacher + sein Vogel finanziert. Da bleiben sicher wieder reihenweise Mitarbeiter auf der Strecke liegen die betrogen werden. Glückliches Österreich wenn solche Leute in der Wirtschaft agieren können. Und alle sehen zu...Mal abwarten, wann Lielacher den Vogel abschießt.

user 13
04.09.2010 21:15

Der größte Witz ist die Beteiligung des Land Burgenland mit fast 30%. Nach Hom Rusch hat man hier nichts dazugelernt.

anonym4
04.09.2010 12:56
Erwerb des Multimediaunternehmens com-mix.tv..

die webfreetv will com-mix.tv gegen 950.000 Euro in aktien übernehmen ?

die webfreetv eh schon längst nichts mehr wert, will einen ebenso wertlosen betrieb gegen 950.000 Euro in aktien übernehmen..

warum nicht gleich ein paar Fantastillonen. dieser Zirkus ist doch nur lächerlich.

alle buden schliessen, delisting durchführen und die staatanwaltschaft soll die handlungen der manager überprüfen.

durazell
03.09.2010 15:00
Angesichts der handelnden Personen im Vorstand bzw. Ex-Vorstand kann man sich ein treffliches Bild ob der Mangement-Qualitäten desselben machen

Schaumschlägerei wohin man blickt

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